{"id":58970,"date":"2018-02-05T01:16:08","date_gmt":"2018-02-05T00:16:08","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=58970"},"modified":"2018-02-05T01:16:08","modified_gmt":"2018-02-05T00:16:08","slug":"bananama","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=58970","title":{"rendered":"Bananama"},"content":{"rendered":"<p>Die 1985 in Freudenstadt geborene\u00a0 Simone Hirth hat schon mit ihrem ersten Roman, der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/24\/lied-ueber-die-ggeignete-stelle-fuer-eine-notunterkunft\/\">&#8220;Notunterkunft&#8221;<\/a> bewiesen, da\u00df sie einen eher ungew\u00f6hnlichen Stil hat und auf eine ungew\u00f6hnliche Art und Weise vielleicht ganz gew\u00f6hnliche Themen erz\u00e4hlt..<\/p>\n<p>Mit ihrem zweiten Buch &#8220;Bananama&#8221;, das mir <a href=\"http:\/\/www.kremayr-scheriau.at\/bucher-e-books\/bananama-961\">&#8220;Kremayr &amp; Scheriau&#8221;<\/a> freundlicherweise mit dem Aufdruck, da\u00df ich es nicht vor dem inklusive vierten Februar besprchen soll, schon vor Weihnachten geschickt und ich habe mich daran gehalten, obwohl es bei <a href=\"https:\/\/www.lovelybooks.de\/autor\/Simone-Hirth\/Bananama-1512675098-w\/\">&#8220;LovelyBook&#8221;<\/a> schon wochenlang mehrere Besprechungen gibt.<\/p>\n<p>Das hat den Vorteil, da\u00df ich die vorher lesen konnte und w\u00e4hrend des eigenen Lesens feststellt, da\u00df ich offenbar ein anderes Buch gelesen habe Auf jeden Fall etwas anderes, als am\u00a0 Klappentext steh. Denn da werden die Erlebnisse eines sechsj\u00e4hrigen M\u00e4dchens beschrieben, das mit seinen Eltern ausgestiegen ist,\u00a0 die sich von Tag zu Tag ver\u00e4ndern, immer bedrohlicher werden und es gibt auch Tote im Garten.<\/p>\n<p>Das, was ich\u00a0 gelesen habe, hat mich stark an die Achtzigerjahre und die Zeit erinnern, wie wir mit der Anna zwar nicht ausgestiegen sind, aber auch Vollwertprodukte kauften und sie in eine alternative Kindergruppe und sp\u00e4ter in eine freie Schule gaben.<\/p>\n<p>Handies und Niedrigsolaranlagen hat es damals noch kaum gebeben und auch noch kein wirkliches Internet. So habe ich mir die ganze Zeit gedacht, das ist doch heute nicht mehr so, bis ich daraufgekommen bin, da\u00df die 1985 geborene, da vielleicht ihre eigene Kindheit beschreibt, die sie trotz allem Bem\u00fchen der Eltern und so habe ich das empfunden, als sehr bedrohlich und einsam erlebt und weil eine gute Literatur ja \u00fcberh\u00f6ht sein mu\u00dft, enth\u00e4lt das Buch auch surreale Elemente, wie die Toten in Garten und das Alter, der namenlose Ich-Erz\u00e4hlerin kann, glaube ich, auch nicht stimmen, denn die, die mit ihren Eltern nach &#8220;Bananama&#8221;, sprich in ein Niedrigenergiehaus mit Garten gezogen ist, geht schon in die Schule. Der Vater stellt ein Schild mit &#8220;Bananama&#8221; vor das Haust\u00fcr und zwingt den Schulbus dort zu halten. Sp\u00e4ter meldet er das Kind aber von der Schule ab und unterrichtet selbst, weil man in der Schule ja nur &#8220;unn\u00fctze&#8221; Sachen lernt und lehrt die sechsj\u00e4hrige Sachen, wie Permakultur, Globalisierung, oder Biosph\u00e4renpark.<\/p>\n<p>Nun gut, wir haben die Anna wohl auch etwas \u00fcberfordert. Aber vor sechs f\u00e4hrt man nicht mit dem Schulbus in die Schule. Aber, die Phantasie ist ein weites Land und das alternativ erzogene Aussteigerkind, f\u00fchlt sich fortan in dem Niedrigsolarhaus mit Garten sehr allein und isoliert. Schokoladeriegeln darf es nicht essen und die Nachbarin, die gelegentlich welche brachte, ist bald verschwunden, Freunde gibt es nicht.<\/p>\n<p>Es gab aber vorher ein altes Haus, in dem die Gro\u00dfmutter wohnte mit vielen Einmachgl\u00e4sern wohnte. Beides ist bald verschwunden. Die Familie \u00fcbersiedelt in das neue Haus. Die Aussteiger haben Internet, und bestellen dort sehr viele Sachen. Der Vater geht zum Tauschkreis, im Garten wachsen Unmengen von Obst und Gem\u00fcse, nur keine Banananen, denn die gab es nicht nur nicht in der DDR, die Eltern e\u00dfen sie aber nicht, sondern lassen sie verroten und die Mutter bestellt, dann etwas anderes, um asiatisch zu kochen.<\/p>\n<p>Die Mutter wird von Ich-Erz\u00e4hlerin \u00fcberhaupt als sehr seltsam erlebt. Das Kind w\u00fcnscht sich Spielsachen oder eine Schwester. Die Mutter sagt &#8220;Industriespielzeug kaufen wir nicht, ich n\u00e4he dir, wenn ich den Kopf frei habe eine Puppe!&#8221; und vergi\u00dft dann darauf.<\/p>\n<p>Der Vater h\u00e4lt Reden von einem superfreien Kind und einem superfreien Leben und h\u00e4lt dann die Demokratie doch f\u00fcr eine nutzlose Form, weil man die Menschen ja zu ihrem Gl\u00fcck zwingen mu\u00df und erz\u00e4hlt dem Kind Geschichten von Bettlern, die nie mit den guten Gaben zufrieden sind und vom Staat Grundsicherung verlangen und sich daf\u00fcr Luxusartikel kaufen.\u00a0 Das Kind kind denkt sich dann die Geschichten mit offenen Ausgang weiter. Es begr\u00e4bt auch W\u00f6rter, weil es mit dem Verschwinden nicht zurechtkommt, f\u00fchlt sich von toten Tieren bedroht und w\u00fcnscht sich mit einem Koffer fort.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter taucht dann die Gro\u00dfmutter auf, die wie sich herausstellt, dement geworden in ein Pflegeheim gegeben wurde, die sich nun, obwohl sie die Eltern nicht erkennt, ihr Kirschenkompott zur\u00fcckholen will.<\/p>\n<p>Das bringt das Kind zum Handeln. Es klaut den Eltern Geld und haut ab, um sich in die Stadt und unter Menschen zu begeben. Geht in ein Kleidergesch\u00f6ft um sich ein Prinzessinnenkleid zu kaufen, sowie Bananen und eine Schokoladecreme, schl\u00e4ft dann als Rapunzel in einem Turm, der sich als Spielplatz entuzppt und das Buch schlie\u00dft mit einem offenen Ende, was eine der Testleserinnen sehr verst\u00f6rte und ein anderer Testleser wu\u00dfte mit dem Titel nichts anzufangen. Aber ja das ist ja Janosch und &#8220;Ach, so sch\u00f6n ist Panama&#8221; und der Vater liest das dem &lt;kind vor, wir auch wir es der Anna oft vorgelesen haben, f\u00fcge ich die 1953 geborene Nicht-Aussteigerin hinzu.<\/p>\n<p>Ja, es ist ein verst\u00f6rendes Buch, von einer verst\u00f6renden Kindheit mit Eltern, die eigentlich alles richtig machen wollten und dabei doch Isolation und Angst ausl\u00f6sten.<\/p>\n<p>Etwas, was ich nachvollziehen kann und am Klappentext mit &#8220;Auf beklemmende Weise geht Simone Hirth den Widerspr\u00fcchigkeiten und Absurdit\u00e4ten unserer Gesellschaft auf den Grund. Dabei kratzt sie mit herrlich ironischen Blick an der Utopie eines sicheren Lebens, bis diese endg\u00fcltig zerbricht.&#8221;<\/p>\n<p>Dem kann ich zustimmen, obwohl das M\u00e4dchen hat sich ja befreit, in dem es aufbegeherte und weggelaufen ist und wenn es Gl\u00fcck hatte, begannen die Eltern oder andere Personen verst\u00e4ndisvoll darauf zu reagieren und eine, wenn auch viel kleinere Absurdit\u00e4t unseren Lebens k\u00f6nnte daran bestehen, in ein Buch &#8220;Sperrfrist bis 4. Februar!&#8221; zu drucken, w\u00e4hrend es schon Wochen fr\u00fcher diesbez\u00fcgliche Leserunden gibt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die 1985 in Freudenstadt geborene\u00a0 Simone Hirth hat schon mit ihrem ersten Roman, der &#8220;Notunterkunft&#8221; bewiesen, da\u00df sie einen eher ungew\u00f6hnlichen Stil hat und auf eine ungew\u00f6hnliche Art und Weise vielleicht ganz gew\u00f6hnliche Themen erz\u00e4hlt.. 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