{"id":58980,"date":"2018-02-09T00:07:37","date_gmt":"2018-02-08T23:07:37","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=58980"},"modified":"2018-02-09T00:07:37","modified_gmt":"2018-02-08T23:07:37","slug":"boehmen-ist-der-ozean","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=58980","title":{"rendered":"B\u00f6hmen ist der Ozean"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;B\u00f6hmen liegt am Meer&#8221;, hat <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/02\/mythos-bachmann\/\">Ingeborg Bachmann<\/a> gedichtet. Die 1975 in Prag geborene Rhea Krcmarova, die mit sechs Jahren nach \u00d6sterreich gekommen ist, hat einen Ozean daraus gemacht. Hat sie ja Sprachkunst studiert und ist mir 2010, als Erste \u00fcbern <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/01\/28\/vom-open-house-zu-walter-grond\/\">Weg gelaufen, als ich damals am Tag der offenen T\u00fcr, die Angewandte besuchte und dem neugegr\u00fcndetetn Lehrgang f\u00fcr Sprachkunst einen Besuch abstatten wollte.<\/a><\/p>\n<p>Bei der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/29\/lesarten-der-sprachkust-studentenlesung\/\">Studentenlesung<\/a> hat sie dann ihr &#8220;Kucheldeutsch&#8221; vorgetragen, die &#8220;Sprachkunst&#8221; absolviert, einen Roman geschrieben, bei dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/02\/20\/creative-brunch-goes-night\/\">Kreativentreff<\/a> im F\u00fcnften habe ich sie einmal in dieser Galerie in der Krongasse getroffen und jetzt ist bei <a href=\"http:\/\/www.kremayr-scheriau.at\/bucher-e-books\/bohmen-ist-der-ozean-960\">&#8220;Kremayr&amp;Scheriau&#8221;<\/a> ein Erz\u00e4hlband erschienen, in dem sie sehr poetisch, wie im Klappentext steht, &#8220;von den Spuren die der Kommunismaus hinterlassen hat, Emigration und Sprachverlust erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Sehr poetisch macht das Rhea &#8220;Kritsch-mar-scho-wa&#8221;, der Klappentext gibt auch Aussprachhilfe, was sehr gut ist, denn sonst h\u00e4tte ich, die den &#8220;Hacek&#8221; in meinen Namen l\u00e4ngst weggelassen habe, das &#8220;sch&#8221; in der Mitte unterschlagen, denn es hagelt in ihren Texten von Wasserm\u00e4nnern und Nixen, die es wohl auch in einer Kindheit im Kommunismus gegeben hat und die die grauen Einheitsalltag wohl aufzuhellen wu\u00dften.<\/p>\n<p>&#8220;Dabei schafft sie eine Sprache, die wie das Wasser in ihren Geschichten als verbindendes Elemengt durch die Geschichten flie\u00dft&#8221;, steht weiter im Klappentext und es sind neun Geschichten oder Erz\u00e4hlungen, die von der verlorenen Heimat,\u00a0 dem Widerfinden, Ver\u00e4ndern und vom Wasser handeln.<\/p>\n<p>In der ersten &#8220;Inselh\u00fcpfen&#8221; begegnete ich dem &#8220;Kucheldeutsch&#8221; wieder, das ich schon 2011, also damals h\u00f6rte, als ich Ju Sophie im Literaturhaus kennenlernte und mit ihr zum B\u00fccherschrank ging, um ihm einen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/10\/23\/friedhof-fur-verruckte\/\">Ray Bradbury<\/a> zu entnehmen.<\/p>\n<p>Rhea Krcmarvoa oder die Erz\u00e4hlerin f\u00e4hrt nach dem, die Grenzen wieder ge\u00f6ffnet sind nach Prag zur\u00fcck und sucht dort den Wassermann in der Stra\u00dfenbahn, denn die Zeiten haben sich ver\u00e4ndert. Sie findet ihn aber nicht, denn es hat geregnet und so hinterlassen alle Passanten ihre nassen Spuren und als di eMutter mit dem Grenzer , der sie zur\u00fcckbehalten will, streitet, kann sie auch nicht sehen, ob der vielleicht ein &#8220;Hastrman&#8221; ist.<\/p>\n<p>&#8220;Lebenstriche&#8221; f\u00fchrt uns in das Cafe Hastrman in eine Plattenbausiedlung, nahe am Flu\u00df, wo die Nutten sitzen und eine von ihnen am Stra\u00dfenstrich ermordet wurde. Die Erz\u00e4hlerin versteht es aus denH\u00e4nden zu lesen. Es zieht sie dann zum Flu\u00df, wo das Auto kommt und sie dort hineinlocken will. Die Plane ist schon ausgebreitet, sie wei\u00df aber zu entkommen und wirft die Handschuhe des Freiers ins Wasser, wo sie &#8220;vielleicht bis ins Meer getragen werden&#8221; und wenn ich mich nicht irre, werden wir sie in &#8220;M\u00fcndungen&#8221; wiedertreffen, aber das spielt in Nieder\u00f6sterreich, wo es die Tochter einer Krrankenschwester hinaustreibt in das Leben. Sie ist eine Spezialistin f\u00fcr Fl\u00fcsse und kann alle ihre Verl\u00e4ufe hersagen &#8220;Unsere Strobnitz m\u00fcndet in die Malse &#8211; die m\u00fcndet t dann in die Vltava und die m\u00fcndet in die Laber und die m\u00fcndet hinter Hamburg &#8211; in die Nordsee&#8221;.<\/p>\n<p>Das wird von den Verwandten und Freunden als l\u00e4stig empfunden und als sich dann die Grenze \u00f6ffnet, wandert die Kleine drei Tage lang am Flu\u00df bis Budweis, bis von der Polizei aufgegriffen wird, die ihr Br\u00f6tchen und Tee geben und sie von ihren Tanten abgeholt wird, die sie dann im n\u00e4chsten Sommer zum Sprachenlernen nach England schicken. Sie wird sp\u00e4terMeeresbiologin oder so etwas \u00e4hnliches, um ihree Sehnsucht nach dem Meer zu stillen und ger\u00e4t ins Wanken, als die Mutter anruft, ihr ihren Umzug verk\u00fcndet und von ihr wissen will, ob sie das H\u00e4uschen an der Strobnitz kaufen m\u00f6chte?<\/p>\n<p>Um \u00dcberg\u00e4nge und R\u00e4nder und um das Feuer, geht es in dem Interview mit einer verhinderten Widerstandsk\u00e4mpferin, die sich in den Zweitausenddzehner-, zwanziger- oder auch was immer-jahren am Wenzelsblatz mit Benzin \u00fcbergossen anz\u00fcnden wollte.<\/p>\n<p>Dann wird es wieder m\u00e4rchenhaft, wenn es zu, wie ich es mir \u00fcbersetze, M\u00fctterchen Moldau geht, die beschlossen hat ihre Tore und Schleusen zu \u00f6ffnen und den schon \u00fcberalteten Meerjungfrauen, Nachwuchs und neue Schwestern zu holen, wobei sich hier die Sage von &#8220;Rusalka&#8221; mit der Wirklichkeit der neuen Technik vermengt. Denn die neuen Schwestern waren nicht achtsam und haben nicht aufgepasst. So hat die eine ihr H\u00e4uschen zu nahe am Wasser gebaut, die andere ist trotz aller Warnungen losgefahren und steht jetzt mit ihrem Kind im Bauch und dem Handy in der Hand auf dem Dach ihres Autos und sp\u00e4ht nach Hilfe aus und w\u00e4hrend sie das tut und die Fluten immer mehr steigen und steigen, versorgt uns Rhea Krcmarova noch mit den neuen Meldungen aus dem Netz um uns mit dem Wasserstand vertraut zu machen:<\/p>\n<p>&#8220;Falschparkern\u00a0 entlang der Moldau wird die Polizei keine Parkkralle mehr verpassen sondern einen Anker&#8221; oder\u00a0 &#8220;Der Prager Oberb\u00fcrgermeister schafft die Polizei ab und ersetzt sie durch eine K\u00fcstenwache&#8221;.<\/p>\n<p>Denn alles hat sich verwandelt und ist zum &#8220;Wasserparadies&#8221; geworden:<\/p>\n<p>&#8220;Was f\u00fcr ein Anblick wird das sein, unsere Heimat, das tschechische Wasser, der gro\u00dfe tschechische Ozean. Acht Meter \u00fcber dem ewigen Spiegel sind wir schon. Und die Pegel steigen.&#8221;<\/p>\n<p>Dann geht es durch eine F\u00fchrung durch das gespenstische Prag und da erkl\u00e4rt die F\u00fchrerin ihren Touristen nichgt nur die Geister die es da zu sehen gibt, sondern erlebt ihre eigene Dissitendtenvergangenheit und die ihrer Freundin Milena, die sich immer noch an diversen Geb\u00e4uden ankettet, noch einmal mit.<\/p>\n<p>In &#8220;Orte aus Sand&#8221; geht es an den wirklichen Ozean, dem echten, in einem heruntergekommenen Viertel von NJ, wo sich nur verzeinzelt ein paar Touristen verirren, wo die Protagonistin steht und Gedichtzeilen zitiert, die ich nicht zuordnen kann: &#8220;Schmelzen oder mich aufl\u00f6sen, Vater, das ist die Wahl&#8221;<\/p>\n<p>Google verr\u00e4t mir nicht, ob das aus einem Smetana Llibretto oder von einem tschechischen Nationaldichter ist. Das Meer ist jedenfalls diesmal echt und liegt nicht in B\u00f6hmen und dann geht es zur\u00fcck auf das Inselchen, wo die Gro\u00dfmutter, nicht &#8220;Babucko&#8221; sondern &#8220;Anezka&#8221;, lebte genannt und die Erz\u00e4hlerin steht da und wei\u00df nicht wohin mit der Aschea?.<\/p>\n<p>Denn &#8220;Feuer ist diesesmal st\u00e4rker als Wasser&#8221;, das war glaube ich in dem Interview mit der alten Dissidentin vorher umgekehrt und die letzte Geschichte f\u00fchrt wieder zur\u00fcck zu den Wurzeln oder den Verwirrungen von einer, die gerade nur &#8220;Kuchlb\u00f6hmisch&#8221; spricht und am &#8220;Weidlingwasser&#8221; in ihren &#8220;Wienzeilenjahren&#8221; aufgewachsen ist.<\/p>\n<p>Sehr poetisch der &#8220;Streifzug durch den Kosmos b\u00f6hmischer Legenden, auf der Suche nach den eigenen Wurzeln. Geschichten wie ein Ozean: Voller Geheimnisse und Sch\u00f6nheit&#8221;, zitiere ich den Buchr\u00fccken und wenn man zum rechten Klappentext zur\u00fcckgeht, kann man Rhea Krcmarova mit wallenden Haaren im glitzernden Nixengewand sehen, die wahrscheinlich nicht dem Rhein, sondern der Moldau entsteigt, wenn es nicht vielleicht doch die Donau bei Kritzendorf sein sollte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;B\u00f6hmen liegt am Meer&#8221;, hat Ingeborg Bachmann gedichtet. Die 1975 in Prag geborene Rhea Krcmarova, die mit sechs Jahren nach \u00d6sterreich gekommen ist, hat einen Ozean daraus gemacht. 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