{"id":59080,"date":"2018-02-10T00:24:28","date_gmt":"2018-02-09T23:24:28","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=59080"},"modified":"2018-02-10T00:24:28","modified_gmt":"2018-02-09T23:24:28","slug":"kein-platz-mehr","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=59080","title":{"rendered":"Kein Platz mehr"},"content":{"rendered":"<p>Roman steht auf Margit Schreiners neuem bei <a href=\"https:\/\/www.schoeffling.de\/buecher\/margit-schreiner\/kein-platz-mehr\">&#8220;Sch\u00f6ffling &amp; Co&#8221;<\/a> erschienenen Buchs und es ist nat\u00fcrlich wieder keiner, sondern, wie soll ich es beschreiben, eine leicht<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/12\/12-februar\/\"> Bernhardsche Beschimpfung<\/a> der Mittelschichtgesellschaft oder das auf die Schaufel nehmen des Lebens im Komfort des \u00e4lter werdenden Mittelschichtschriftstellers, der\u00a0 nat\u00fcrlich neue Z\u00e4hne, gewellte Haare, teure Brillen und entsprechende Markenkleidung und nat\u00fcrlich\u00a0 das entsprechende Geld dazu, f\u00fcr seine Lesungen ben\u00f6tigt, weil ja sonst keiner zu seinen Veranstaltungen kommt.<\/p>\n<p>So kommt es, glaube ich, am ehesten hin und ich bin mir nicht ganz sicher, ob Margit Schreiner damals im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/10\/18\/feministische-oder-auch-unfeministische-schreibgespraeche\/\">Literaturmuseum<\/a> aus diesem oder aus einem anderen ihrer Projekte vorgelesen hat, um die \u00fcber Sechzigj\u00e4hrigen ist es damals aber auch gegangen.<\/p>\n<p>Und Margit Schreiner ist, wie sie auf der Veranstaltung betonte schon \u00fcber sechzig, n\u00e4mlich, wie ich, 1953 geboren und, wie, ich glaube, durch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/06\/haus-frauen-sex\/\">&#8220;HausFrauenSex&#8221;<\/a> bekanntgeworden. Dieses Buch habe ich vor zwei Jahren, als wir in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/02\/01\/salzburg-buechertour\/\">Salzburg<\/a> waren gelesen und Margit Schreiner, die ja wie in \u00d6sterreich nicht so selten, immer noch im Bernhardschen Ton vor sich hin resummiert, auch schon auf einigen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/28\/zum-zweiten-mal-wildganspreis\/\">Veranstaltungen<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/14\/zwischen-schreiben-und-lesen\/\">geh\u00f6rt<\/a> und, wie ich sagen kann war das Lesen des kleinen feinen B\u00fcchleins auch sehr interessant, obwohl man sich nat\u00fcrlich fragen k\u00f6nnte, was das Neue und Einzigartige, was ja die gute Literatur ausmachen mu\u00df daran ist und warum sovielmokiert werden mu\u00df?<\/p>\n<p>Wahrscheinlich w\u00fcrden Verlag und Autorin antworten, weil dieLeute das halt gerne lesen, aber Margit Schreiner, die in ihrem Monolog \u00fcber die Schrullen der intellektuellen Mittelschicht, der sie selber anzugeh\u00f6ren scheint, ja auch ein Kapitel\u00a0 \u00fcber die Leiden des Berufschriftstellers, der in alten Schl\u00f6\u00dfern lebt oder ein H\u00e4uschen an einem Badesee hat, schreibt ja auch dar\u00fcber, da\u00df die Leute nicht mehr oder nur wenig lesen, also nur Sachb\u00fccher oder Krimis statt der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/14\/acht-korrespondenzen-zur-guten-literatur\/\">guten Bellestrik<\/a> und sp\u00e4testens nach Thomas Bernhard wissen wir ja, da\u00df alles das F\u00fcrchterlichtste vom F\u00fcrchterlichsten ist und wollen wahrscheinlich nur das Negative lesen und so w\u00fcnscht sich Bruno, der Mann der Icherz\u00e4hlernden Schriftstellerin, da\u00df er \u00fcber sie schreibt. Es kann auch negativ sein oder soll das sogar, denn das ist ja das Interessante, was die vojeuristisch gestimmten Leser reizt und sie vielleicht dazu veranla\u00dft, das Buch zu kaufen.<\/p>\n<p>Und dann hat man, wenn man das tut, am Ende seines Lebens oder in den Secchziger eine ganze Bibliothek in seinem Arbeitszimmer und &#8220;keinen Platz mehr&#8221;, so da\u00df man ausmisten mu\u00df.<\/p>\n<p>Minimalismus hei\u00dft das, glaube ich, und ist derzeit sehr modern, denn unser Luxusleben hat wahrscheinlich nicht nur Margit Schreiners Wohnung angef\u00fcllt und so zieht sie leicht schimpfend kunstvoll durch das hundertsiebzig Seiten Buch und macht sich \u00fcber sich und die\u00a0 Marotten ihrer Freunde, die allemal Schriftsteller sind und in den alten Schl\u00f6\u00dfern oder H\u00e4uschen am See wohnen, lustig.<\/p>\n<p>Da ist der, der nur mehr Haikus schreibt und in Italien in einem verfallenen Schlo\u00df lebt, das er um Leben zu k\u00f6nnen, an Hochzeit-Gesellschaften vermietet und Margit Schreiner hat auch einmal in Italien gelebt und da noch eine Wohnung.<\/p>\n<p>Dort ist sie lange nicht mehr gewesen, ihr Bruno sagt ihr, ziehen wir in der Pension dorthin, aber zuerst mu\u00df renoviert und ausgemistet werden. Was kein Problem w\u00e4re, wenn es in den Anh\u00f6hen wo in Italient die H\u00e4user stehen, eine M\u00fcllentrsorgung g\u00e4be.<\/p>\n<p>Gibt es nicht oder jedenfalls nicht f\u00fcr Ausl\u00e4nder, also packen Bruno und die Erz\u00e4hlerin, den Mist in M\u00fclls\u00e4cke, karren ihn in s\u00e4mtliche Abfalltonnen der Umgebung und geraten dort auch in ein verfallenes Vogelparadies, eine Fehlinvestion der maffi\u00f6sen italienischen Gesellschaft, wie der Budenbesitzer, bei dem sie dann ihre &#8220;Salsice&#8221; kaufen, klagt.<\/p>\n<p>Nach <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/20\/echos-aus-japan\/\">Japan<\/a> geht es nat\u00fcrlich auch, denn dort haben ja sehr viele Mittelschichtschriftsteller ihre Gastdozenturen und dort gibt es nat\u00fcrlich auch keinen Platz, denn die Japaner die immer h\u00f6flich sind, sich vor allen verbeugen und keine Gef\u00fchle zeigen d\u00fcrfen, leben auf engsten Raum. Das hei\u00dft, sie r\u00e4umen des Morgens ihre Futons in den Kasten und stellen das kleine Tischchen heraus, um Fr\u00fchst\u00fccken zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ums \u00c4lterwerden und ums Sterben geht es nat\u00fclich auch. Da hatMargit Schreiner auch einige sehr bissige Kommentare, bis sie am Schlu\u00df wieder zur Rudi und Karla ihre Schriftstellerfreunden kommt, die in Japan waren und von dort\u00a0 zur\u00fcckgekehrt sind.<\/p>\n<p>Die haben, das Leben ist offenbar doch nicht so negativ, als da\u00df man sich nur Gedanken \u00fcber sein eigenes Ende und, wie am am besten und bequemsten Selbstmord begehen kann, machen mu\u00df, erfreuliche Nachrichten. Wurden sie doch von den Japaner wieder auf Gastprofessuren eingeladen und dort&#8221; habe man auch an eine Zusammenarbeit mit \u00d6sterreich gedacht und wolle Sigi&#8221;, da\u00df ist ein anderer Schriftsteller, der von einer Professur,\u00a0 wahrscheinlich am<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/22\/die-praxis-des-schreibens\/\"> &#8220;Institut f\u00fcr Sprachkunst&#8221;<\/a> lebt und deshalb nur mehr sehr kurze Erz\u00e4hlungen schreiben kann &#8221; nach Tokio einladen um alles zu besprechen.&#8221;<\/p>\n<p>Man sieht das Leben ist doch nicht so grauslich negativ, wie einstmal in den &#8220;Alten Meisterrn&#8221; beschrieben, wo einer den ganzen Tag im kunsthistorischen Museum verbringt, dort \u00fcber das Burgtheater schimpfe und am Abend in die Vorstellung ging und die war, wie k\u00f6nnte es anderes sein, die F\u00fcrchterlichste vom F\u00fcrchterlichsten.<\/p>\n<p>Da habe ich, das habe ich schon beschrieben, die ich ja nicht die Lustigste bin, in den Achtzigerjahre,n als ich mit der kleinen Anna in H\u00fctteldorf auf den Zug nach St. P\u00f6lten wartetete, &#8220;f\u00fcrchterlich&#8221; gelacht und jetzt habe ich ein am\u00fcsantes Buch gelesen, obwohl mich, ganz ehrlich, das Jammern der Mittelschichtschriftstellerin \u00fcber das Liden der ach so armen Schriftsteller mit ihren Gastprofessuren in Tokio und ihren Bed und Breckfestschl\u00f6\u00dfern am Laggo Maggiore doch ein bi\u00dfchen nervte und ich mich auch fragte, ob das wirklich das ist, was der Durchschnittsleser lesen will?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Roman steht auf Margit Schreiners neuem bei &#8220;Sch\u00f6ffling &amp; Co&#8221; erschienenen Buchs und es ist nat\u00fcrlich wieder keiner, sondern, wie soll ich es beschreiben, eine leicht Bernhardsche Beschimpfung der Mittelschichtgesellschaft oder das auf die Schaufel nehmen des Lebens im Komfort &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=59080\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[3851,4086,603,5060,5753],"class_list":["post-59080","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-margit-schreiner","tag-monolog","tag-oesterreichische-neuerscheinung","tag-schoeffling-co","tag-thomas-bernhard-manier"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59080","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=59080"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59080\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=59080"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=59080"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=59080"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}