{"id":5909,"date":"2011-02-17T12:11:32","date_gmt":"2011-02-17T11:11:32","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=5909"},"modified":"2011-02-17T12:11:32","modified_gmt":"2011-02-17T11:11:32","slug":"literarische-soiree","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5909","title":{"rendered":"Literarische Soiree"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin ja eine, die am Morgen als erstes das Radio aufdreht und da gibt es in &#8220;Guten Morgen \u00d6sterreich&#8221; immer ein paar Veranstaltungstips, meistens zu Konzerten, am Montag wurde aber ein Besuch in der Alten Schmiede zur Pr\u00e4sentation des neuen Buchs von G\u00fcnter Wels, das ist ein Pseudonym f\u00fcr G\u00fcnter Kaindlsdorfer empfohlen, ich bin aber nicht hin, weil ich das &#8220;Antwerpener Testament&#8221; gelesen habe und am Mittwoch wurde der Besuch der &#8220;Literarischen Soiree&#8221; im Radio-Kultur-Cafe empfohlen.<br \/>\nDa hatte ich zwar auch nicht vor hinzugehen, wu\u00dfte aber, da\u00df da Gerlinde Tamerl einmal diskutierte, die ich ja treffen wollte, also dachte ich, schaue ich im &#8220;Heimspiel&#8221; nach, was am Programm steht.  Stand aber nichts au\u00dfer  G\u00fcnter Kaindldorfers Namen und dem Satz, den schon die Moderatorin sagte, da\u00df die Leser aus den &#8220;Diskussionen der Literaturkritiker begl\u00fcckende Informationen ziehen k\u00f6nnen&#8221;.<br \/>\nAlso habe ich beim \u00d61 Service angerufen, wo sie mir empfahlen, ab sechzehn Uhr im Radiokulturhaus nachzufragen oder es bei den Gastronomen im Kulturcafe zu versuchen. Zum Gl\u00fcck kam ich auf die Idee nach der Mailadresse von G\u00fcnter Kaindlsdorfer zu fragen und der antwortete mir auch  freundlich, da\u00df Thomas Glavinics neuer Roman &#8220;Lisa&#8221;, Zsuzsa Banks &#8220;Die hellen Tage&#8221;, Tobias Wolffs &#8220;Unsere Geschichte  beginnt&#8221; besprochen werden und <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/10\/07\/anna-kim\/\">Anna Kim<\/a>, Evelyne Polt-Heinzl und Cornelius Hell diskutieren.<br \/>\nIch machte  meine Diagnostik und hatte vor, da ich nur diese hatte, mit meinem Notizbuch ein bi\u00dfchen durch die Stadt zu gehen, aber seit Dienstagabend gehen mir die vielen B\u00fccher in meinem Badezimmer im Kopf herum und da es bei den B\u00fccherblogs eine Challence \u00fcber die hundert B\u00fccher, die man 2011 lesen will gibt, hatte ich am Dienstag in der Alten Schmiede schon mit der Erstellung der Liste angefangen. Also habe ich damit weitergemacht und da dort das &#8220;Das Leben der W\u00fcnsche&#8221; an zweiundvierzigster Stelle steht und ich Cornelius Hell ohnehin etwas zu &#8220;Blaubarts Kinder&#8221; fragen wollte, bin ich statt die &#8220;Schwestern der Angst&#8221; weiterzulesen, in die Argentinierstra\u00dfe gegangen.<br \/>\nEs ging gleich los mit dem am\u00fcsanten Gruselroman des Jahres von Thomas Glavinic. Das den die Literaturexperten nicht so toll fanden, war vorauszusehen, obwohl ihn Anna Kim lustig gefunden hat und als Internetkritik interpretierte. Dieser quasselnde Ich-Erz\u00e4hler Tom, der da seine unfundierten Meinungen \u00fcber Gott und die Welt in die Gegend bl\u00f6kt, scheint dem Helden aus &#8220;Wie man leben soll&#8221; sehr \u00e4hnlich zu sein und ich dachte, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/19\/thomas-glavinic\/\">Thomas Glavinic<\/a> ist daf\u00fcr ber\u00fchmt, da\u00df er jeden seiner Romane in einem anderen Stil verfa\u00dft. Das war vielleicht einmal, denn dieses Szenarium scheint dem des &#8220;Kameram\u00f6rders&#8221; zu gleichen und vielen der Glavinic-Helden passiert etwas, was sie in Endzeitstimmung bringt, da wacht einer auf und ist auf einmal allein in der Welt oder Daniel Kehlmann steht ganz oben auf der Beststellerliste, w\u00e4hrend der Hypochonder von &#8220;Das bin doch ich&#8221;, viel weiter unten ist. So interpretierte es, glaube ich, Evelyn Polt-Heinzl und G\u00fcnter Kaindlsdorfer meinte, Thomas Glavinic hat viel von sich selbst erz\u00e4hlt, Evelyn Polt-Heinzl brachte den Vergleich mit &#8220;Leutnant Gustl&#8221; und Cornelius Hell meinte, er h\u00e4tte viel weniger, als Anna Kim gelacht, aber einige Wortsch\u00f6pfungen waren sehr orignell, nur schade, da\u00df die dann Evelyn Polt-Heinzl schon seit den Achtzigerjahren kannte.<br \/>\nDann kam das neue Buch von Zsusza Bank und das wurde, glaube ich, am Sonntag im Ex Libris besprochen, nur sind wir mittendrin mit dem Auto in Wien angekommen, so da\u00df ich nicht alles h\u00f6ren konnte. Zsusza Bank scheint aber eine sehr poetische Autorin zu sein, eine Sprachspielerin der sch\u00f6nen Worten und hat eine Geschichte von drei Kindern der Sechzigerjahre in Deutschland geschrieben, die den Sprachgewaltigen auch nicht sehr gefallen hat. Die politische Realit\u00e4t der Achtundsechziger fehlte und die Ver\u00e4nderung vom Kinder-Ich in die Erwachsenenwelt, stattdessen wird endlos von Klatschmohn  und tiefen Weiten geschrieben,  wenn man das Buch gek\u00fcrzt h\u00e4tte, w\u00e4re vielleicht etwas daraus geworden, aber das wurde auch beim Glavinic vorgeschlagen.<br \/>\nDer Erz\u00e4hlband des 1945 geborenen Amerikaners Tobias Wolff wurde dagegen als Geheimtip angek\u00fcndigt, Anna Kim haben die Erz\u00e4hlungen aber nicht so sehr gefallen, sie lobte daf\u00fcr die Form, die ersten Geschichten schildern Anf\u00e4nge, die letzten den Schlu\u00df. Die Geschichten sind vielleicht zu konventionell oder auch nicht, denn irgendwie scheint man durch sie in ein unbekanntes Amerika gef\u00fchrt zu werden. In einer geht ein Mann mit dem Hund seiner verstorbenen Frau spazieren, obwohl er Hunde gar nicht mag, in einer anderen wird eine Lehrerin zum Vorstellungsgespr\u00e4ch in ein College eingeladen, obwohl sie die Stelle nicht bekommt, in der dritten wird ein Paar vom Sex und der Gewalt der Nachbarn gest\u00f6rt, sie fragen  aber doch nicht nach, sondern schauen sich lieber einen Fernsehfilm an.<br \/>\nDie Expertenrunde, war dann doch nicht so begeistert, wie der Vorspann scheinen lie\u00df und G\u00fcnter Kaindlsdorfer schlo\u00df kryptisch, da\u00df ihm der letzte Erz\u00e4hlband John Udikes, besser gefallen hat.<br \/>\nAm Schlu\u00df wurden noch drei B\u00fccher verlost,  da ich die Antworten nicht als Erste herausschreien konnte, habe ich jetzt noch kein Buch auf Platz zweiundsiebzig, was ja fast ein Gl\u00fcck ist, um Torberg zu zitieren.<br \/>\nDaf\u00fcr habe ich Cornelius Hell nach dem Buch von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/17\/blaubarts-kinder\/\">Renata Serelyte<\/a> gefragt, da haben mich ja die Kapiteleinteilungen verwirrt und die Auskunft bekommen, da\u00df sie doch einen Sinn machten, n\u00e4mlich den vier Erz\u00e4hlstimmen zuzuordnen w\u00e4ren, wenn das noch so arrangiert gewesen w\u00e4re, da\u00df man das erkennen h\u00e4tte k\u00f6nnen, h\u00e4tte ich mir beim Lesen leichter getan. Ich bin aber froh, es erfahren zu haben, so hat sich der Abend gelohnt.<br \/>\nBei den literarischen Soireen war ich schon lange nicht, es ist auch ein wenig komisch, da\u00df man eine Stunde still sitzen und sich anh\u00f6ren mu\u00df, was die Experten zu den B\u00fcchern meinen, beim Lesezirkel in der Hauptb\u00fccherei hat man mitdiskutieren k\u00f6nnnen, aber den gibt es nicht mehr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin ja eine, die am Morgen als erstes das Radio aufdreht und da gibt es in &#8220;Guten Morgen \u00d6sterreich&#8221; immer ein paar Veranstaltungstips, meistens zu Konzerten, am Montag wurde aber ein Besuch in der Alten Schmiede zur Pr\u00e4sentation des &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=5909\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-5909","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5909","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5909"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5909\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5909"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5909"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5909"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}