{"id":59121,"date":"2018-02-15T00:52:54","date_gmt":"2018-02-14T23:52:54","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=59121"},"modified":"2018-02-15T00:52:54","modified_gmt":"2018-02-14T23:52:54","slug":"die-orient-mission-des-leutnant-stern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=59121","title":{"rendered":"Die Orient-Mission des Leutnant Stern"},"content":{"rendered":"<p>Der 1971 in Leipzig geborene Jakob Hein, Sohn des DDR-Schriftstellers Christoph Hein, von dem ich &#8220;Drachenblut&#8221; und auch andere <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/11\/03\/von-allen-anfang-an\/\">B\u00fccher<\/a> gelesen habe, hat einen historischen Roman geschrieben und einen, der sich sowohl mit dem ersten Weltkrieg als auch mit dem derzeit so beliebten Thema, ob der Islam zu Deutschland geh\u00f6rt und es dort Muslime gibt oder gab, besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Ausgangspunkt war wohl, wie mir <a href=\"https:\/\/www.kiwi-verlag.de\/buch\/die-orient-mission-des-leutnant-stern\/978-3-462-31850-0\/\">&#8220;Galliani&#8221;<\/a> schrieb, die Erkenntnis, da\u00df es in &#8220;W\u00fcnsdorf unweit von Potsdam im ersten Weltkriegs ein Kriegsgefangenenlager gegeben hat, das ausschlie\u00dflich f\u00fcr muslimische Gefangene vorgesehen war, dieses sogenannte &#8220;Halbmondlager&#8221; war komfortabel ausgestattet, die Gefangenen wurden fast schon luxuri\u00f6s versorgt, es hat eine eigene Moschee und eine muslimische Lagerzeitung gegeben.&#8221;<\/p>\n<p>Jakob Hein stie\u00df im Laufe seiner Recherche dann auf den j\u00fcdischen Leutnant Edgar Stern, beziehungsweise den Plan der deutschen Milit\u00e4rf\u00fchrung den Krieg\u00a0 zu beenden, in dem man den t\u00fcrkischen Sultan dazu bringt, f\u00fcr das befreundete Deutschland den Dschihad auszurufen.<\/p>\n<p>Und so beginnt eine Art Schelmenroman oder eine, wie am Buchr\u00fccken steht &#8220;wunderbar fabulierte Geschichte&#8221;, die eigentlich vom Leben geschrieben wurde.<\/p>\n<p>Denn, wie Jakob Hein\u00a0 anmerkte: &#8220;Manche Gescichten w\u00fcrden einem die Leser nicht abnehmen, weil sie zu fantastisch, zu birzarr und zu konstruiert klingen. Aber diese Geschichte ist so passiert&#8221;.<\/p>\n<p>Und so beginnt der bei &#8220;Galiani&#8221; erschienene Abenteuerroman, der in dreiunddrei\u00dfig Kapitel aufgespalet sind, die sowohl \u00dcberschriften haben, als auch die Namen der darin beschriebenen Personen tragen, die ihre Geschichten erz\u00e4hlen, 1914 in Frankreich, wo der drei\u00dfigjhrige Edgar Stern, den Sommer in einem beschaulichen Badeort verbringt.<\/p>\n<p>Dann bricht der Krieg aus und Stern hat die Idee den Suezkanal zu sprengen. Das wird von der Milit\u00e4rbeh\u00f6rde wohlwollend aufgenommen, der Plan mu\u00dflingt aber\u00a0 und\u00a0 kann nicht durchgef\u00fchrt werden. Stern ist aber bei der Beh\u00f6rde\u00a0 durch seinen &#8220;Hang zu unkonventionellen &lt;l\u00f6sungen&#8221; aufgefallen, so da\u00df er den Auftrag bekommt, vierzehn muslimische Kriegsgefangene aus dem oben beschriebenen Lager nach Konstantinopel zu schmuggeln, um den Sultan zu der gew\u00fcnschten Handlung zu veranla\u00dfen.<\/p>\n<p>Das ist aber leichter gesagt, als getan, denn es gab zwar eine Bagdad-Bahn, aber vierzehn Muslime im wehrf\u00e4higen Alter w\u00e4ren aufgefallen und es waren ja einige Grenzen zu passieren. So kam der unkonventionelle Edgar auf die Idee, sich als Zirkusdirektor auszugeben und die gefangene als Artisten.<\/p>\n<p>Er lie\u00df er ihnen falsche Papiere ausstellen, was auch nicht so einfach war, da die meisten der Marokkaner, Tunesier, etcetera, ihr Geburtsdatum nicht wu\u00dften, so da\u00df am Ende die H\u00e4lfte der P\u00e4sse auf den 1. 1. ausgestellt waren, was erst recht aufgefallen w\u00e4re und die arabischen Kost\u00fcme, die der Leutnant ihnen schneidern lie\u00df, sahen alle auch neu und gleich aus, so da\u00df Stern einen j\u00fcdischen Schneider kommen lie\u00df, der sie ihnen wieder uneinheitlicher machen sollte.<\/p>\n<p>Einige der dreunddrei\u00dfig Kapitel haben einen der Gefangenen, namens Tassaout, als Protagonisten, der sich mit seinem franz\u00f6sisch sprechenden Freund Aderfit \u00fcber die Mission der Deutschen unterh\u00e4lt, die diese nicht verstehen, da die Gefangenen ja nicht so einheitlich, wie erw\u00fcnscht sind und auch nicht die gleichen Sprache sprechen.<\/p>\n<p>Die Reise des Direktors mit seinen Gefangenen, einen adeligen Orientexperten, der auf den\u00a0 b\u00fcrgerlichen Stern, ver\u00e4chtlich herabsieht und in der Luxusklasse reist, namens Karl Emil Schabinger Freiherr von Schowingen gibt es auch, mit ihren Schwierigkeiten an den Grenzen, wird von Hein in der schon erw\u00e4hnten bizarren Fabulierkunst wahrscheinlich sehr gen\u00fc\u00dflich geschildert. In Konstantinopel werden sie huldvoll empfangen, bekommen Tee und S\u00fc\u00dfigkeiten gereicht. Die befreiten Muslime werden in einer Kaserne untergebracht, Stern und der Freiheitherr in einem Hotel, das allerdings, weil es einem Armenier geh\u00f6rt, zerst\u00f6rt wird.\u00a0 Die brennenden Kirchen der Armenier werden ebenso fast nebenbei geschildert.<\/p>\n<p>Und am Schlu\u00df des Buches gibt es\u00a0 einen Anhang, in dem man nachlesen kann, was mit den real existiert habenden Personen der Handlung weiter passiert ist. Das Ziel der Mission, die Verk\u00fcrzung des Krieges wurde ja bekannterma\u00dfen nicht erreicht. Stern hat\u00a0 Aderfit und Tassaout, die vom Sultan huldvoll empfangen, dann aber ohne Geld stehengelassen wurden, ein St\u00fcck in ihre Heimat begleitet, ist dann\u00a0 Bagdad gekommen und dort an Malaira erkrankt, so da\u00df er sich wieder nach Deutschland zur\u00fcckversetzen lie\u00df, seine Verlobte Theodrora heiratete, fortan, was damals sehr fortschrittlich war, einen Doppelnamen trug und 1972 verstarb.<\/p>\n<p>Ein sehr interessantes Buch, das sich manchmal, vor allem was die geschilderten Reisepassagen betrifft, sehr spannend liest und manchmal etwas langwierig ist, weil ich zum Beispiel nicht immer gleich verstanden hatte, was es mit den Missionen, der handelnden Personen, die in den einzelnen Kapiteln beschrieben wurden, auf sich hatte.<\/p>\n<p>So gibt es zum Beispiel ein paar Kapitel \u00fcber zwei Funker, die auch auf die Reise mitgenommen wurden, weil au\u00dfer des Erreichen des Dschihad in Konstantinopel auch noch das Telegraphensystem aufgebaut werden sollte und dann gibt es noch ein Kapitel \u00fcber eine Putzfrau, die das Gefangenenlager reinigt und sich \u00fcber den Luxus, der dort herrscht wundert, w\u00e4hrend ihr Ehemann im Schlamm von England oder Russland liegt und die Kugeln \u00fcber seinen Kopf rasen, was aber eher an den Schlu\u00df gestellt ist und Stern mit seinen Artisten schon in der T\u00fcrkei angekommen war.<\/p>\n<p>Das wird ein wenig zusammenhanglos und auch handlungsarm erz\u00e4hlt, so da\u00df ich das gro\u00dfe Abenteuer, das im Klappentext auch noch versprochen wurde, eigentlich nicht immer nachvollziehen konnte.<\/p>\n<p>So bin ich auf die Rezeption des heute erschienenen Buches, mit dem Jakob Hein auch auf Lesereise geht und das er in Leipzig vorstellen wird, schon sehr gespannt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 1971 in Leipzig geborene Jakob Hein, Sohn des DDR-Schriftstellers Christoph Hein, von dem ich &#8220;Drachenblut&#8221; und auch andere B\u00fccher gelesen habe, hat einen historischen Roman geschrieben und einen, der sich sowohl mit dem ersten Weltkrieg als auch mit dem &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=59121\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[26,1817,2218,2868],"class_list":["post-59121","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-neuerscheinung","tag-erster-weltkrieg","tag-galiani","tag-jakob-hein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59121","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=59121"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/59121\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=59121"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=59121"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=59121"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}