{"id":59208,"date":"2018-02-16T00:00:51","date_gmt":"2018-02-15T23:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=59208"},"modified":"2018-02-16T00:00:51","modified_gmt":"2018-02-15T23:00:51","slug":"schoene-seelen-und-komplizen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=59208","title":{"rendered":"Sch\u00f6ne Seelen und Komplizen"},"content":{"rendered":"<p>Von der 1974 in Bad\u00a0 Saarow geborenen Julia Schoch, habe ich, glaube ich, das erste Mal etwas geh\u00f6rt, als sie in Klagenfurt gelesen hat.<\/p>\n<p>Ihre <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/09\/16\/verabredungen-mit-mattok\/\">&#8220;Verabreredungen mit Mattock&#8221;,<\/a> habe ich 2008 gelesen und es damals sehr kompliziert und stilisiert gefunden. Sch\u00f6ne Sprache und kein Inhalt oder so. Also das, was ich eigentlich nicht sehr mag und jetzt h\u00e4tte ich, wenn ich mich an Mariki Fallwickls Rat keine zweites Buch einer Autorin eines Autors zu lesen, gehalten h\u00e4tte, wieder etwas vers\u00e4umt.<\/p>\n<p>N\u00e4mlich die Wandlung zum realistischen Schreiben und das finde ich immer sehr interessant und auch angenehm. Es erleichtert das Lesen und wieder ein Buch \u00fcber die ehemalige <a href=\"https:\/\/www.piper.de\/buecher\/schoene-seelen-und-komplizen-isbn-978-3-492-05773-8\">DDR<\/a>.<\/p>\n<p>Das ist, glaube ich, auch etwas was Marike Fallwickl nicht so interessiert. Mich aber schon und auch wenn man sagen k\u00f6nnte, da\u00df in dem Buch da eigentlich nicht so viel Neues und noch nie Gelesenes passiert, fand ich die Idee eine Schulklasse in einem DDR Gymnasium oder erweiterte Oberschule hie\u00df das, glaube ich, die Wende erleben zu lassen und dann drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter zu schauen, was aus ihnen geworden ist, sehr interessant.<\/p>\n<p>Vor allem ist es, glaube ich, der Stil\u00a0 in dem das Buch geschrieben ist. Wieder geht es um Namen in den Kapiteln. Diesmal sind sie die \u00dcberschriften und so erf\u00e4hrt man von Lydia Gebauer, Kati Viehweg, Ruppert Klose und vielen anderen, die die &#8220;K\u00e4the Kollwitz Schule&#8221;, ein Elitegymnasium, wie im Klappentext steht, zu dem man eine Aufnahmepr\u00fcfung bestehen mu\u00dfte, besuchten, wie sie die Jahre von 1989 bis1992 erlebten.<\/p>\n<p>1989 waren sie sechzehn, erlebten ihre Pubert\u00e4t, ihre ersten Lieben, das Erwachsenewerden und all das, was wohl alle Sechzehnj\u00e4hrige erleben und noch erleben werden und dazwischen wird sehr fein und fast nebenbei, die Ver\u00e4nderung des Systems erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p>Das beginnt damit, da\u00df sich Lydia Gebauer, die sich f\u00fcr Literatur interessiert, dar\u00fcber \u00e4rgert, da\u00df Rebecca Wendtland, die &#8220;Animal Farm&#8221; und nicht das St\u00fcck das sie ausw\u00e4hlte und das glaube ich die &#8220;Fliegen&#8221; von Satre waren, Julia Schoch deutet nur an, f\u00fcr eine Klassenauff\u00fchrung ausw\u00e4hlte.<\/p>\n<p>Dazu schleppt sie die Schulkollegen zu einem richtigen Regisseur, der allerdings nur ein Heizer ist, in dem sich Lydia gleich verliebt. In den Pausen treffen sie sich im Cafe Reinholdt und \u00fcben dort die Rebellion, beziehungsweise erz\u00e4hlen sie sich, da\u00df Ruppert sich traute, einen Aufsatz anders als gewollt zu schreiben und sich dann noch bei der Lehrerin \u00fcber die schlechte Note zu beklagen.<\/p>\n<p>Er wird auch aus einem Wehrlager geholt und zum Direktor zitiert, bei dem schon der Stasimann sitzt. Aber die Zeiten \u00e4ndern sich bald. Zuerst hauen die M\u00fctter ab und lassen ihre T\u00f6chter bei den alten Tanten, dann kommen die Demonstrationen und die Lehrer beginnen die Sch\u00fcler bald f\u00fcr ihr aufm\u00fcpfiges Verhalten zu loben.<\/p>\n<p>Als es dann zum Abitur kommt, hei\u00dft die Schule schon &#8220;Luisengymnasium&#8221; und der neue Direktor kommt aus dem Westen und begeht ein paar Faux Pas und drei\u00dfig Jahre sp\u00e4ter oder so, versucht eine der Sch\u00fclerinnen ein Klassentreffen zu organisieren. Dahin kommen nur ein paar Personen, denn die anderen hat es in die Welt verstreut. Lydia Gebauer, die Lektorin geworden ist, ist gerade in Paris kurz nach den Anschl\u00e4gen, die es dort gab.<\/p>\n<p>Ehen wurden geschieden, Traume und Karrieren aufgegeben. Einer von ihnen ist schon gestorben und ein paar unterrichten am &#8220;Luisengymnasium&#8221;,\u00a0 wundern sich \u00fcber ihre Sch\u00fcler heute und fragen sich, ob sie mehr oder weniger politisch sind, als sie es damals waren?<\/p>\n<p>Ein sehr interessantes Buch, ein leises feines. Wie schon erw\u00e4hnt, ist das, was das geschrieben steht, nicht wirklich neu, weder die Wende, noch, da\u00df Ehen auseinandergehen und Karrieren scheitern.<\/p>\n<p>Es ist aber durchaus spannend, das zu lesen und dar\u00fcber nachzudenken, wie das ist, wenn man mit M\u00fchen oder Protektionen in die &#8220;K\u00e4the Kollwitz &#8211; EOS&#8221; aufgenommen wurde und dann am Ende am &#8220;Luisengymnasium&#8221;, die Matura macht?<\/p>\n<p>Das hat gute und auch schlechte Seiten. F\u00fcr die Sch\u00fcler war es wahrscheinlich nicht ganz so einfach pl\u00f6tzlich von ihren alten und auch neuen Lehrern etwas ganz anderes zu h\u00f6ren und die Stelle, wo einer fast durchdreht, weil seine Frau das leere Osterhasennest seiner Tochter weggeworden hat, habe ich besonders interessant gefunden,<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der 1974 in Bad\u00a0 Saarow geborenen Julia Schoch, habe ich, glaube ich, das erste Mal etwas geh\u00f6rt, als sie in Klagenfurt gelesen hat. 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