{"id":59301,"date":"2018-02-21T00:19:49","date_gmt":"2018-02-20T23:19:49","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=59301"},"modified":"2018-02-21T00:19:49","modified_gmt":"2018-02-20T23:19:49","slug":"herr-kato-spielt-familie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=59301","title":{"rendered":"Herr Kato spielt Familie"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt das<a href=\"https:\/\/www.wagenbach.de\/buecher\/demnaechst-erscheinen\/titel\/1123-herr-kato-spielt-familie.html\"> neue Buch<\/a> der 1980 in St. P\u00f6lten geborenen Milena Michiko Flasar, deren zweites bei &#8220;Residenz&#8221; erschienenes Buch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/02\/okaasan\/\">&#8220;Okaasan. Meine unbekannte Mutter&#8221;<\/a> ich gelesen habe, ihren, laut Klappentext, hunderttausendmal verkauften Bestseller &#8220;Ich nannte ihn Krawatte&#8221; nicht mehr. Ich habe zwar in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/03\/18\/zuruck-aus-leipzig\/\">Leipzig<\/a> und in der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/05\/12\/milena-michiko-flasar-und-festwocheneroffnung\/\">Hauptb\u00fccherei<\/a> daraus geh\u00f6rt, hatte aber, als sie den &#8220;Alpha&#8221; gewonnen hat, dort <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/08\/20\/deutscher-buchpreis-und-andere-listen\/\">keine Einladung<\/a> und habe das Buch auch noch nicht im B\u00fccherschrank gefunden.<\/p>\n<p>Ein Buch in dem eine in \u00d6sterreich aufgewachsene Tochter einer japanischen Mutter, \u00fcber das in Japan offenbar h\u00e4ufige Ph\u00e4nomen, da\u00df Jugendliche aus Angst vor dem Leistungsdruck das Haus nicht mehr verlassen, erz\u00e4hlt und nun hat sie in dem wieder bei &#8220;Wagenbach&#8221; erschienenen wieder in Japan spielenden Roman offenbar ein \u00e4hnliches Thema gew\u00e4hlt. Das hei\u00dft eigentlich ist das\u00a0 RHS, retired husband syndrome, da\u00df es vielleicht in Japan gibt, etwas ganz anderes und ich wei\u00df auch nicht genau ob in Japan wirklich alle \u00e4lteren Frauen Hausfrauen sind, die psychosomatische Symptome entwickeln, wenn sich ihre Gatten pl\u00f6tzlich in Pension befinden und ihnen in die Kocht\u00f6pfe schauen.<\/p>\n<p>Milena Michiko Flasar hat aber wirklich eine sehr poetische Art von diesem Herrn Kato zu erz\u00e4hlen, der sich &#8220;retired&#8221; hat. Er wohnt mit seiner Frau in einem Vorort einer nicht n\u00e4her genannten Stadt, wohnt hoch oben in einer Siedlung, wo man \u00fcber Moos bewachsenen Stufen hinaufgehen, beziehungsweise die Gattin die Eink\u00e4ufe hinaufschleppen mu\u00df. Deshalb will sie nach unten ziehen, Herr Kato, ganz der Macho, der von seiner Frau erwartet, da\u00df sie seine Hemden b\u00fcgelt und nicht einmal wei\u00df wie man Tee kocht, sagt nur &#8220;Ohne mich!&#8221;<\/p>\n<p>So beginnt das Buch, das hei\u00dft Herr Kato kommt von der Gesundenuntersuchung, wohin ihn seine Frau geschickt hat, dort wird er als gesund befunden. Er l\u00fcgt seiner Frau aber etwas von Herzschmerzen vor und man merkt, die Ehe ist schlecht, die Kinder sind l\u00e4ngst aus dem Haus und die Ehegatten wissen sich nichts mehr zu sagen.<\/p>\n<p>Herr Kato w\u00fcnscht sich zwar einen wei\u00dfen Spitz, den will die Frau aber nicht haben, so tr\u00e4umt er von einer Reise nach Paris, beziehungsweise hat er den ehemaligen B\u00fcrokollegen, die ihm zur Pensionierung einen Reisef\u00fchrer schenkten erz\u00e4hlt, schon dort gewesen zu sein.<\/p>\n<p>Man sieht, das Buch, das am Buchr\u00fccken, als zarter Roman \u00fcber einen sp\u00e4ten Neuanfang und \u00fcber das Gl\u00fcck&#8221;, beschrieben wird, hat seine kleinen Aunaufrichtigkeiten. Geht es doch laut Klappentext \u00fcber &#8220;ein nachdenkliches Buch \u00fcber Erinnerungen und unerf\u00fcllte Tr\u00e4ume, \u00fcber Gl\u00fccksmomente und Wendepunkte.&#8221;<\/p>\n<p>Nun ja, Herr Kato geht jedenfalls nach dem Krankehbaus auf den Friedhof, weil ihn seine Frau, die wie seine Kinder, keinen Namen hat, zum Spazieren schickt. Dort wirft er seine Befunde auf den Boden, trampelt auf ihnen herum, beginnt dann den Schwan aus dem &#8220;Schwanensee&#8221; zu tanzen und wird dabei von einer jungen Frau beobachtet, die ihn f\u00fcr ihre Agentur namens &#8220;Happy family&#8221; engagiert. Seine Frau, die offenbar doch nicht so unsensibel ist, sondern sogar seine Gedanken err\u00e4t, hat sich indessen in ein Fitnesszentrum zu einem Tanzkurs angemeldet, denn sie hat offenbar auch unerf\u00fcllte Tr\u00e4ume.<\/p>\n<p>So beginnt die Wende des sprachlosen Ehepaars, beziehungsweise nimmt Herr Kato drei Auftr\u00e4ge an.<\/p>\n<p>Als Erstens spielt er einen jungen seinen Gro\u00dfvater vor, der ihm aber durchschaut, weil er l\u00e4ngst zu diesen Kontakt aufgenommen hat. Dann geht er als sprachloser Ehmann mit einer Frau in einen Zoo, wo die eine unmenge T\u00f6rtchen i\u00dft und ihn eine Scheidungsurkunde unterschreiben l\u00e4\u00dft, worauf ihre psychosomatischen Sympotme verschwinden.<\/p>\n<p>Man sieht Michiko Milena Flasar hat Einf\u00e4lle, womit sie sehr poetisch, lakonisch und auch geheimnisvoll, die Absurdit\u00e4ten des Lebens beschreibt. Der dritte Auftrag ist eine Hochzeitgesellschaft mit einer kranken Braut, wo alle au\u00dfer Braut und Br\u00e4utigam bezahlte Statisten sind.<\/p>\n<p>Mie, die junge Frau ist auch dabei, danach verabschiedet sie sich von Herrn Kato und er ist wieder auf seine Familie zur\u00fcckgeworfen. Die Tochter ist endlich schwanger geworden, besucht das Ehepaar nach einem Streit mit ihren Mann, da gibt es die Szene mit dem Tee. Die Tochter r\u00e4t Herrn Kato auch der Mutter Blumen zu kaufen. Er tut das, l\u00e4\u00dft den Rosenstrau\u00df von dem Gesch\u00e4ft schicken und die Frau l\u00fcgt ihm dann vor, die Blumen sind von einer Freundin.<\/p>\n<p>Seltsam seltsam, diese Episoden des sprachlosen Auseinandergelebthabens mit den unerf\u00fcllten Tr\u00e4umen des \u00e4lteren Ehepaars.<\/p>\n<p>Am Schlu\u00df sind die Beiden doch nach unten in die kleinere Wohnung gezogen, wo man keine Hunde haben darf, der Enkel ist geboren und Tickets nach Paris sind, offenbar als Zeichen f\u00fcr den Neubeginn auch aufgetaucht.<\/p>\n<p>Eine sehr geheimnisvolle Geschichte aus dem fernen Japan, von einer in St.P\u00f6lten geborenen Achtunddrei\u00dfigj\u00e4hrigen erz\u00e4hlt, die sich offenbar sehr poetisch in das \u00c4lterwerden hineingedacht hat.<\/p>\n<p>Die reale Pensionierung die ich wohl auch bald erleben werde, ist weniger poetischer und nat\u00fcrlich ist es die Zeit f\u00fcr einen Neubeginn, wenn man noch die Kraft und die Gesundheit dazu hat und nat\u00fcrlich sollte man sich schon vorher Freunde gesucht und Hobbies aufgebaut haben, damit es zu keinen<a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_selma.html\"> Pensionschock<\/a> kommt.<\/p>\n<p>&#8220;Der Ruhestand steht dir schlecht. Deine Frau hat besimmt die Schauze voll von dir&#8221;, steht noch am Buchr\u00fccken, wohl eine Drohung oder Warnung vor de &#8220;retired husband sydroms&#8221; und\u00a0 auch &#8220;Endlich Zeit. Er k\u00f6nnte nun das alte Radio reparieren oder die Plattensammlung ordnen. Doch, als er der jungen Mie begegnet, die ihm eine seltsames Angebot macht, beginnt er die Dinge anders zu sehen.&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt das neue Buch der 1980 in St. P\u00f6lten geborenen Milena Michiko Flasar, deren zweites bei &#8220;Residenz&#8221; erschienenes Buch &#8220;Okaasan. Meine unbekannte Mutter&#8221; ich gelesen habe, ihren, laut Klappentext, hunderttausendmal verkauften Bestseller &#8220;Ich nannte ihn Krawatte&#8221; nicht mehr. 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