{"id":59923,"date":"2018-03-27T00:19:41","date_gmt":"2018-03-26T22:19:41","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=59923"},"modified":"2018-03-27T00:19:41","modified_gmt":"2018-03-26T22:19:41","slug":"verloren-in-frankfurt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=59923","title":{"rendered":"Verloren in Frankfurt"},"content":{"rendered":"<p>Die Taschen wogen schwer in ihrer Hand, pflegte sie doch an den Mmessest\u00e4nden regelm\u00e4\u00dfig und mit Interesse einzupacken, was sich ihr da bot. Verlagsprogrammen, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/03\/19\/leseprobenbeute\/\">Leseproben<\/a>, Prospekte, manchmal auch ein Goody, wie ein Kugelschreiber, ein Notizheftchen, ein Keks oder eine buntschillernde Postkarte und sie war\u00a0 auch ein wenig ver\u00e4rgert, als sie durch dieMesseh\u00f6fe wankte. Hatte sie doch vorhin auf einer der Leseb\u00fchnen, als sie h\u00f6flich aufgestanden war, um die neben ihr Sitzenden hinauszulassen, ihren Platz, als sie ihn wieder\u00a0 einnehmen wollte, besetzt gefunden und war an den sich nun dort Befindenden, als sie ihnen ihren Unmut \u00e4u\u00dfern wollte, abgeblitzt. Sie ihatten sie einfach ignoriert und gar nicht dran gedacht, aufzustehen und sie wieder hinzulassen, hatten h\u00f6chstens und auch das sehr unfreundlich, die Achseln gezuckt und etwas gemurmelt, das wie &#8220;Selber schuld!&#8221;, klang.<\/p>\n<p>&#8220;Was bist du auch so bl\u00f6d, aufzustehen, um die anderen an dir vorbei zulassen, du h\u00e4ttest doch auch sitzen bleiben k\u00f6nnen und sie sich an deinen Knien vor\u00fcberdr\u00e4ngen lassen!&#8221;<\/p>\n<p>Wieder etwas gelernt, k\u00f6nnte man so sagen. Aber jetzt war es zu sp\u00e4t dazu. Jetzt hatte sie die Halle, an einem Tisch, wo, was sie ein bi\u00dfchen gewundert hatte, \u00f6sterreichische Magazine aufgestaptelt waren, vorbei, verlassen und \u00fcberlegte, wann sie ihren Liebsten am Foyder treffen sollte? Hatten sie zw\u00f6lf Uhr Mittag, um etwas zu essen oder doch erst den Nachmittag, um gemeinsam zu einer anderen Veranstaltung zu gehen, abgemacht?<\/p>\n<p>Die Gedanke daran besch\u00e4ftigte sie so sehr, da\u00df sie gar nicht bemerkt hatte, da\u00df sie die das Messegebiet bereits verlassen hatte und erst aufmerksam darauf wurde, als sie pl\u00f6tzlich H\u00e4user vor sich sah, ein Postamt, Stra\u00dfen und keinen Messehof, wo man sich an einer Imbi\u00dfbude hinsetzen oder Prosepekte einsammeln konnte.<\/p>\n<p>Shit, sie hatte das Messegebiet verlassen, was an sich nichts machte. Hatte sie ja ihren Akkredierungsausweis bei sich in der Tasche und konnte sie also jederzeit wieder betreten, wenn sie nur den Eingang f\u00e4nde und genau das war das Problem, denn sie hatte ihn verloren. War unbeachsichtigt aus ihm hinausgetreten und hatte sich ein paar Schritte in der fremden Stadt verwirrt, die sie an sich\u00a0 gerne\u00a0 besichtigen w\u00fcrde, was sie aber nicht konnte, wenn sie Norbert um zw\u00f6lf vor dem Hauptausgang treffen wollte.<\/p>\n<p>Aber wo war der? Sie hatte ihn und die Orientierun verloren. Befand sich in einer fremden Stadt und pl\u00f6tzlich auf einem Moped. Sa\u00df dort festgekrallt hinter einer anderen Frau und wu\u00dfte gar nicht, wie sie auf es hinaufgekommen war? Nat\u00fcrlich ja, es war offenbar ein \u00f6ffentliches Verkehrsmittel und sie hatte es bestiegen, wahrscheinlich, um wieder in die Messehallen zur\u00fcckzukommen. Aber jetzt fuhr es mit ihr davon. Eine dichtbefahrene Stra\u00dfe entlang. Sie bemerkte,\u00a0 da\u00df sie Angst hatte herunterzufallen und klammerte sich aus diesem Gef\u00fchl heraus fest an ihren Sitz.<\/p>\n<p>Sollte sie abspringen oder auf die n\u00e4chste Station warten? Aber wo befand sie sich diese und wie fand sie wieder auf die Messe zur\u00fcck, die ja, wie ihr mit Schrecken einfiel, sehr gro\u00df war und daher h\u00f6chstwahrscheinlich nicht so einfach, den richtigen Eingang, den sie vor kurzen verlassen hatte, wiederzufinden.<\/p>\n<p>Die Angst war immer noch in ihr vorhanden, wie sie da nach der m\u00f6glichen Haltestelle Ausschau hielt und nicht recht wu\u00dfte, ob sie die vor ihr sitzende Frau ansprechen sollte?<\/p>\n<p>Diese Frage wurde ihr nun abgenommen, hatte sich nun doch eine andere Frau auf das Mopoed aufgeschwungen und sich zwischen sie gedr\u00e4ngt. Eine Geister- oder Schwartzfahrerin, eine Trittbrettfahrerin fiel ihr ein und merkte mit Befriedigung, da\u00df sich nun auch ein Kontrolleur dazugesellte, der der Aufgesprungenen ein Ticket in die Hand dr\u00fcckte und die anderen Fahrg\u00e4ste, die sich inzwischen auch hier befanden, zu kontrollieren begannen. Das war f\u00fcr sie kein Problem, hatte sie ja ihre Akkreditierungskarte, mit der sie auch die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel ben\u00fctzen konnte, hatte aber ohnehin vor das Fahrzeug zu verlassen und begann nun mit ihren Taschen abzuspringen, was insofern mit einer Katastrophe endete, da\u00df sie den Halt verlor und auf den Boden fiel und nun doch eine helfende Hand ben\u00f6tigte, die ihr beim Aufstehen half.<\/p>\n<p>Das war nun gelungen und sie stand nun auf der Stra\u00dfe und vor der Frage, wie sie wieder auf die Messe zur\u00fcckkommen konnte? Da hatte sie, da sie kein Handy besa\u00df, keine Ahnung und f\u00fchlte sich v\u00f6llig orientierungslos. Also jemanden fragen. Zum Gl\u00fcck war die Stra\u00dfe, die sie inzwischen hinuntergegangen war, dich bev\u00f6lkert und sie mu\u00dfte sich nur die Person aussuchen, die sie nach ihrem Ziel befragen konnte.<\/p>\n<p>&#8220;Entschuldigen Sie, sind Sie vorn hier?&#8221;<\/p>\n<p>Sie hatte sich f\u00fcr ihre Frage einen eher zwergenhaft kleinen Mann ausgesucht, der ihr freundlich zuzwinkerte und sich bei n\u00e4heren Ansehen auch als eine Frau entpuppte.<\/p>\n<p>&#8220;Ja!&#8221;, antwortete sie ihr freundlich.<\/p>\n<p>&#8220;Das Messegel\u00e4nde? Nat\u00fcrlich ja-&#8221; und begann dann etwas von einem Ballhausplatz zu schwatzen und einem Cafe Central, das sie ihr zeigen wollte. Orte, die sich, wie sie wu\u00dfte, in Wien befanden und ihre Hoffnung von der kleinen Frau auf das Messegel\u00e4nde zur\u00fcckgef\u00fchrt zu werden, schwand, obwohl die nun, immer noch fr\u00f6hlich vor sich hinschwatzend, zu laufen angefangen hatte und sie eine Weile orientierungslos hinter ihr herrante, bis sie sie verloren hatte und sie stehenblieb und sich wieder suchend umblickte.<\/p>\n<p>Sie befand sich nun vor einer Stra\u00dfenbahnhaltestelle, an der der wieder eine Menge Leute warteten, die sie wahrscheinlich fragen konnte. Wen aber aussuchen, wer w\u00fcrde die Antwort wissen?<\/p>\n<p>&#8220;Entschuldigen Sie, sind Sie vor hier?&#8221;, fragte sie jetzt eine gr\u00f6\u00dfer gewachsene junge Frau, die auch nickte und zu \u00fcberlegen begann, wie sie ihr die Lage des Messegel\u00e4ndes erkl\u00e4ren konnte, als just die Stra\u00dfenbahn vorfuhr und sie ihr bedeutete, da\u00df sie leider in sie einstieigen m\u00fcsse.<\/p>\n<p>&#8220;Hat es Sinn mitzufahren, f\u00e4hrt sie in die richtige Richtig?&#8221;, fragte sie noch hoffnungsvoll. Die junge Frau aber sch\u00fcttelte den Kopf und war schon weggefahren, w\u00e4hrend sie weiter origentierungslos an der Haltestelle stand, sich umblickte und keine Ahnung hatte, wie sie auf das Gel\u00e4nde zur\u00fcckfinden sollte, um rechtzeitg um zw\u00f6fl vor den Eingang zu stehen und ihren Liebsten dort zu treffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Taschen wogen schwer in ihrer Hand, pflegte sie doch an den Mmessest\u00e4nden regelm\u00e4\u00dfig und mit Interesse einzupacken, was sich ihr da bot. 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