{"id":60403,"date":"2018-04-12T00:42:55","date_gmt":"2018-04-11T22:42:55","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=60403"},"modified":"2018-04-12T00:42:55","modified_gmt":"2018-04-11T22:42:55","slug":"die-weissen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=60403","title":{"rendered":"Die Wei\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein St\u00fcck \u00f6sterreichische Zeitgeschichte, eigentlich ein Rundgang durch das letzte Jahrhundert, denn der 1950 geborene Luis Stabauer behandelt in seinen B\u00fcchern, obwohl er<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/10\/20\/schamrock-festival\/\"> Schreibseminare der Schule f\u00fcr Dichtung<\/a> oder der Leondinger Akademie, beispielsweise bei <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/10\/04\/veza-canetti-preis-an-lydia-mischkulnig\/\">Lydia Mischkulnig<\/a> oder <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/04\/21\/lange-erzaehlspiele\/\">Bettina Balaka<\/a> besucht, f\u00fcr sehr politische Themen.<\/p>\n<p>Vor einigen Jahren habe ich ihn kurz nach der GV der GAV bei einer<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/20\/buchfestival-fur-verlags-autoren-und-self-publisher\/\"> Kleinstverlagmesse<\/a> in Hietzing kennengelernt, da hat er mir zwei seiner B\u00fccher, eine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/27\/gute-grunde\/\">Anthologie der Leondinger Akademie<\/a> und die Romanbigografie <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/10\/26\/der-kopf-meines-vaters\/\">&#8220;Der Kopf meines Vaters&#8221;<\/a>, die von einer Dreizehnj\u00e4hrigen berichtet, deren Vater von den Nazis hingerichtet wurde, gegeben.Sp\u00e4ter ist sein Buch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/04\/07\/wann-reisst-der-himmel-auf\/\">&#8221; Wann rei\u00dft der Himmel auf&#8221;<\/a> \u00fcber S\u00fcdamerika erschienen und \u00fcber seine Mutter hat er in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/01\/15\/atterwellen\/\">&#8220;Atterwellen&#8221;<\/a> auch <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?s=attersee\">geschrieben.<\/a><\/p>\n<p>Die Politik scheint ihn aber nicht auszulassen und so hat er in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/10\/26\/gedanknen-zu-schwarz-blau\/\">Zeiten der Rechtswende<\/a>, wo der Sozialismus, als gescheitert erkl\u00e4rt wird, h\u00f6chstwahrscheinlich gerade richtig, den Versuch unternommen, zwei Zeitzeugen, n\u00e4mlich diese Dreizehnj\u00e4hrige und das Spiegelgrundopfer Friedrich Zawrel, der durch das Buch &#8220;In den F\u00e4ngen des Dr. Gross&#8221;, das ich, glaube ich, auch gelesen habe, bekannt wurde, zusammenzubringen und einen Roman dar\u00fcber zu schreiben.<\/p>\n<p>Franzi und Ernst, auch\u00a0 Tschuri, hei\u00dfen die beiden Hauptpersonen, die in abwechselnden Kapiteln, sie in Ich-Form, er in der Er-Perspektive, die Geschichte ihres Lebens beziehungsweise, das letzte Jahrhundert erz\u00f6hlen.<\/p>\n<p>Die &#8220;Wei\u00dfen&#8221; ist der Name einer Widerstandsgruppe, die sich im Austrofaschismus gr\u00fcndete, keine Ahnung, ob nachempfunden oder wirklich existent.<\/p>\n<p>Ernsts Eltern haben sich jedenfalls darin engagiert und sind dabei ums Leben gekommen, so ist Ernstl, der seine Jugend auch im Schrebergarten seiner katholischen Gro\u00dfmutter verbrachte, bei Franzis Eltern, Toni und Hedi, die sozusagen seine Zieheltern wurden untergekommen. Die betrieben zuerst eine kleine W\u00e4scherei in Ottakring, die sie sp\u00e4ter aufgegeben haben. Ernstl, ein wenig \u00e4lter als Franzi war dann selbst im &#8220;Negerd\u00f6rfl&#8221;, in einer Widerstandsgruppe, wo er sich Erciht M\u00fchsam nannte und die J\u00fcdin Rosa Luxemburg, sozosagen seine Jugendliebe war.<\/p>\n<p>Tscherl war sein Deckname bei den Wei\u00dfen und Toni wurde von den Nazis 1943 hingerichtet. Die Mutter blieb im Widerstand, wurde sp\u00e4ter Polizistin. Ernst, der sie verd\u00e4chtigte, mit einem Pfarrer zu kollaborieren, brach den Kontakt zu ihr ab, aber da war er selbst schon in Schwierigkeiten.<\/p>\n<p>War er doch wegen eines Lebensmitteldiebstahl auf den Spiegelgrund und so in die F\u00e4nge des Dr. Gross gekommen. Sp\u00e4ter nach dem Krieg, brachte er sich durch kleine Gaunereien, weil ihm der F\u00fchrerschein durch eine Vorstrafe verweigert wurde, wie Friedrich Zawrel, durchs Leben. Wurde verhaftet, kam wieder in die F\u00e4nge des Dr. Gross, der jetzt\u00a0 anerkannter Gerichtsgutachter war, der ihn nach Stein brachte. Dort gelang es ihm mit Hilfe des &#8220;Kuriers&#8221; und eines kritischen Arztes, hier Wolfgang genannt, Gross Machenschaften aufzudecken. Er wurde befreit und ber\u00fchmt, ein uneheliches Kind zu dem ihm der Kontakt verwehrt wurde, hat er auch bekommen und zu seiner Jugendfreundin Franzi, ist er erst sehr viel sp\u00e4ter wieder in Kontakt gekommen.<\/p>\n<p>Die beginnt ihre Kapitel aber, als alte Frau und daran kann man Luis Stabauers Arbeitsweise sehr gut erkennen, in dem sie das Haus, in dem sie aufgewachsen ist, wieder besuchen will. Dort lebt jetzt eine freundliche Tschetschenin, die sie herumf\u00fchrt und Franzi beschlie\u00dft daraufhin ihr Leben aufzuschreiben.<\/p>\n<p>Beschreibt den Widerstand der Eltern und die Schwierigkeiten, die sie im Kindergarten erlebte, als sie der Tante dort erz\u00e4hlte, da\u00df sie pl\u00f6tzlich einen Bruder namens Tscherl bekommen hat.<\/p>\n<p>Hier k\u00f6nnte ich einen Kritikpunkt anbringen, denn, ich glaube eigentlich nicht, da\u00df eine Vierj\u00e4hrige schon soviel und ausf\u00fchrlich erz\u00e4hlen kann, wie es Stabauer beschreibt.<\/p>\n<p>Der Krieg geht aber einmal zu Ende, Franzi heiratet, bekommt zwei Kinder und die Geschichte geht auch weiter, 1956 mit dem Ungarnaufstand und 1968 marschierten ja die Russen in Prag ein und hier macht Stabauer wieder Geschichte, in dem die kleine Emma an jenen 21. August in Prag bei ihrer tschechischen Oma ist und die Eltern haben Schwierigkeiten, die Kleine wieder nach \u00d6sterreich zu bringen. Es gelingt aber, Hedi stirbt und 1989 kommt es noch einmal zu einer Wende.<\/p>\n<p>Dazwischen gibt es\u00a0 die Geschichte mit dem Pfarrer, denn Toni wurde ja an die Gestapo verraten, wer war das ist die Frage und da gibt es eine kleine Krimihandlung, n\u00e4mlich jenen Pfarrer, der schw\u00f6rt, da\u00df er unschuldig war und sogar das Beichtgeheimnis preisgibt und von einem, der von der Gestapo in die Gruppe eingeschleust wurde.<\/p>\n<p>Erst sp\u00e4t kommt es zu einer Widerbegegnung mit Ernstl und Franzi. Dr. Gross wird endlich angezeigt und konnte, glaube ich, weil nicht mehr haftf\u00e4hig, nicht verurteilt werden und Norbert Hofer und ein paar andere aktuelle Politiker tauchen auch noch auf, bis es zu Ernstls Begr\u00e4bnis kommt, das die achtzigj\u00e4hrige Franzi besucht und da gibt es noch ein aktuelles Detail, n\u00e4mlich, das, da\u00df die Achtzigj\u00e4hrige, aus dem Pensionistenwohnhaus wieder aus und in eine kleine Wohnung zieht, als ihr dort die Reformbewegungen der Stadt Wien nicht gefallen. Ob das eine biografische Erfahrung ist?<\/p>\n<p>Ich wei\u00df es nicht und k\u00f6nnte Luis Stabauer danach fragen und ihn auch noch auf einige andere Details aufmerksam machen, die ich aus dem Buch herauslektoriert h\u00e4tte.<\/p>\n<p>So wird man glaube ich, nicht &#8220;Meine Herzfrequenz steigt an!&#8221;, sondern &#8220;Mein Herz schl\u00e4gt schneller!&#8221;, sagen und bei einer Szene mit dem Pfarrer gibt es einen Perspektivenwechsel, der mir auch unlogisch erscheint.<\/p>\n<p>Sonst aber ein interessantes Buch. Ein sehr interessantes St\u00fcck Zeitgeschichte, das ich wirklich nur empfehlen kann und ansonsten kann ich nur hinzuf\u00fcgen, da\u00df ich es sehr schade finde, da\u00df Luis Stabauer kein GAV-Mitglied ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein St\u00fcck \u00f6sterreichische Zeitgeschichte, eigentlich ein Rundgang durch das letzte Jahrhundert, denn der 1950 geborene Luis Stabauer behandelt in seinen B\u00fcchern, obwohl er Schreibseminare der Schule f\u00fcr Dichtung oder der Leondinger Akademie, beispielsweise bei Lydia Mischkulnig oder Bettina &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=60403\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[465,1583,3751,5469],"class_list":["post-60403","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-austrofaschismus","tag-dr-gross","tag-luis-stabauer","tag-spiegelgrund"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/60403","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=60403"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/60403\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=60403"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=60403"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=60403"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}