{"id":60585,"date":"2018-04-16T00:16:04","date_gmt":"2018-04-15T22:16:04","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=60585"},"modified":"2018-04-16T00:16:04","modified_gmt":"2018-04-15T22:16:04","slug":"alte-engel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=60585","title":{"rendered":"Alte Engel"},"content":{"rendered":"<p>Noch ein Debut, diesmal eines, das schon auf der &#8220;<a href=\"https:\/\/dasdebuet.com\/bloggerpreis\/eingereichte-titel\/\">Blogger-Debutlonglist&#8221;<\/a> steht und das ich mir aus <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/03\/16\/leipziger-messeimpressionen-ii\/\">Leipzig<\/a> mitgebracht habe. Simon Grimm vom <a href=\"https:\/\/www.rowohlt.de\/hardcover\/alte-engel.html\">&#8220;Rowohlt-Verlag&#8221;<\/a> hat es mir mit freundlichen Gr\u00fc\u00dfen mitgegeben und mir auch ein bi\u00dfchen was zu der Autorin und dem Buch erz\u00e4hlt, von der ich noch nie etwas geh\u00f6rt habe.<\/p>\n<p>Mareike Schneider wurde 1881 geboren, lebt in Leipzig, studierte in Hildesheim und hat 2014 beim &#8220;Open Mike&#8221; einen Preis gewonnen und dann w\u00fcrde ich noch vermuten, da\u00df ihr erster Roman ziemlich autobiografisch ist.<\/p>\n<p>Denn da geht es um Franka Raben, eine abgebrochene Kunststudentin, die mit ihrer Katze K\u00e4the in das Haus ihrer Gro\u00dfmutter Marie f\u00e4hrt, um ihren Vater, der Maries Schwiegersohn ist, bei der Betreuung der alten Frau zu helfen.<\/p>\n<p>Franka hat, wird angedeutet keine andere Wahl, weil keine Wohnung, die prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/04\/traurige-freiheit\/\">Generation Drei\u00dfig<\/a> wird wieder einmal <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/04\/07\/sonnenkoenige\/\">thematisiert<\/a>. Sie sucht sich auch einen Job und verkauft dann Br\u00f6tchen in einer Billigb\u00e4ckerei oder steht in der Kantine des Kulturhauses und das alles wird sehr skurril bizarr erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Mehr frech und rotzig, als poetisch, w\u00fcrde ich sagen und das Buch ist in drei Kapitel: Sommer, Herbst, Winter eingeteilt, die sich dann in jeweils mit einem bis drei Kreuzen markierten Abschnitten untergliedern. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob Mareike Schneider, das wirklich komplett durchgehalten hat, da\u00df ein Stern, die Vergangenheit der Gro\u00dfmutter, zwei Kreuze das Leben mit ihr und\u00a0 drei die, prek\u00e4re Arbeitssituation und die Zukungsperspektiven der jungen Frau thematisieren. Es k\u00f6nnte aber so sein, vielleicht auch in anderer Reihenfolge.<\/p>\n<p>Denn es geht in den \u00fcber f\u00fcnfhundert Seiten, in denen auch ein kurzer Anhang \u00fcber die vogtl\u00e4dische Sprache angef\u00fcgt ist, denn die Oma kommt aus dem Vogtland und spricht noch diesen Dialekt, ein wenig ungeordnet zu.<\/p>\n<p>Hier meine ich, h\u00e4tte eine K\u00fcrzung und Straffung des Inhaltes und vielleicht eine Reduktion von hundert oder so Seiten gen\u00fctzt, denn es kann einem beim Lesen so vorkommen, als w\u00fcrde hier ungeordnet dahin erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Die Sprache ist frech und rotzig, hat durchaus originelle Wendungen, wie, wenn Franka ihrem Vater von der Herfahrt im Bus erz\u00e4hlt. Da sa\u00df sie mit dem Katzenkorb auf den Knien vor einer Frau, die sich dar\u00fcber aufregte, da\u00df man sowas ihrer Katzenallergie antuen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Die Gro\u00dfmutter wird auch ein wenig rotzig frech geschildert. Sie ist Diabetikerin, ist blind oder stellt sich vielleicht nur so, jedenfalls hat sie die Augen st\u00e4ndig geschlossen, so da\u00df ihr ein Zivi zugeteilt wurde, der sich um sie k\u00fcmmern soll, den sie aber nur mit Keksen f\u00fctterte, so da\u00df alles andere liegenblieb. So beschlo\u00df die Verwandtschaft, Hagen, der Schwiegersohn mu\u00df her. Die Mutter, die Wohnungsausr\u00e4umerin ist, wollte oder konnte das offenbar nicht schaffen und Hagen, der auch ein origineller Mann ist und davon lebt, alte Sachen zu reparieren und seltene Plfanzen zu z\u00fcchten, hat auch unkonventonelle Betreuungsmehthoden. Er baut im Winter aus dem Schnee auch einen Iglu und setzt die Oma dann auch einmal hinein.tra\u00dfe<\/p>\n<p>Die Oma ist eine, die in der vogtl\u00e4ndischen Sprache st\u00e4ndig schimpft und Hagetra\u00dfen immer noch detra\u00dfen &#8220;Moa&#8221; nennt und Franka das &#8220;Madl&#8221;. Sie versteckt ihre S\u00fc\u00dfigkeiten an allen Ecken und Enden und schmatzt sie dann auf, w\u00e4hrend die Familie sich bem\u00fcht, ihr Diabetikeressen zu servieren.<\/p>\n<p>Es geht aber auch in die Vergangenheit, der jungen Marie, die im World War II zwangsverpflichtet war. Ihr Haushaltsjahr bei verschiedenen Familien absolvierte. Sich dann mit dem Sohn der einen verlobte, der aber gefallen ist. So kam sie zu dem Opa in die DDR, der war Alkoholiker und meldete Oma vom Kindergarten, ihren Traumberuf, gleich ungefragt ab.<\/p>\n<p>Mit der Katze gibt es nat\u00fcrlich auch Probleme , was wieder zu bizarren Szenen f\u00fchrt, wenn Franka versucht die schwarzgef\u00e4rbte Katze in der Badewanne abzuduschen.<\/p>\n<p>Ganz schwierig wird es zu Weihnachten. Da wird die Oma vorher, damit der Vater sich erholen kann, in ein Spital gebracht, das nat\u00fcrlich unterbesetzt ist und wo es ihr auch nicht gef\u00e4llt. dann holen sie sie zu Weihnachten wieder ab, der Arzt ist trotz der Unterbesetzung dagegen und die Familie ist mit ihren selbstgebastelten Geshenken, die man fr\u00fcher &#8220;Aus der Not eine Tugend machen&#8221; jetzt &#8220;recyclet&#8221; nett, angekommen und auch mit den neunerlei Schnittchen, mit den man im Vogtland schon zu Weihnachten, das neue Jahr begr\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p>Brot mit neun verschiedenen Aufschnitten, von denen man immer nur von jedes eines essen durfte. Das war fr\u00fcher ein arme Leute essen. Ein Brot mit Butter, eines mit Salz, eines mit Pfeffer, dann mit Pfeffer und Salz und so weiter und so fort, bis man satt gegessen war.<\/p>\n<p>Jetzt gibt es nat\u00fcrlich viel bessere Aufstriche und als die Mutter mit den Platten kommt, mu\u00df sie sich \u00fcber die Neffen und Cousins \u00e4rgern, die sich einfach gleich zwei der selben Sorte ergreifen und auf den Brauch pfeifen.<\/p>\n<p>Weihnachten wird trotz des echten Weihnachtsbaumes, den Franka ihrer Oma schenkte, damit sie nicht immer im Plastikm\u00fcll leben mu\u00df, schrecklich, denn die Dilalyseschwester gibt ihr nur noch ein paar Tage und die Mutter steht schon am Dachboden und r\u00e4umt sie Sachen aus, denn das ist ja ihr Beruf, w\u00e4hrend Franka das streng unterbindet.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich ist man eingeschneit, die Dialyseschwester kann nicht kommen und man diskutiert, ob man die Oma mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus bringen oder selber &#8220;Sterbehilfe&#8221; leisten soll. Das sind die Stellen, wo die junge Frau vielleicht ein wenig \u00fcbertreibt oder die Emotionen \u00fcberschwappen. Aber ansererseits auch wahrscheinlich das, was man empfindet, wenn man mit zwanzig oder f\u00fcnfundzwanzig\u00a0 seine Gro\u00dfmutter beim Sterben begleiten soll.<\/p>\n<p>Am Schlu\u00df gibt es das Begr\u00e4bnis und die Pastorin lobt den Vater und Franka geht in ihren Erinnerungen in ihre Jugend zur\u00fcck, wo sich alle manchmal mit Schneeb\u00e4llen auf einen Jungen st\u00fcrzten, bis dieser am Boden lag und erz\u00e4hlt auch von den Aprilscherzen, die die Oma mit ihren beiden T\u00f6chtern machte, die ihr immer darauf hineinfielen und einmal, ein einziges Mal war es umgekehrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Noch ein Debut, diesmal eines, das schon auf der &#8220;Blogger-Debutlonglist&#8221; steht und das ich mir aus Leipzig mitgebracht habe. 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