{"id":60713,"date":"2018-04-17T23:27:53","date_gmt":"2018-04-17T21:27:53","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=60713"},"modified":"2018-04-17T23:27:53","modified_gmt":"2018-04-17T21:27:53","slug":"von-der-forschungswerkstatt-zur-literaturkritik","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=60713","title":{"rendered":"Von der Forschungswerkstatt zur Literaturkritik"},"content":{"rendered":"<p>In der Wien-Bibliothek im Rathaus gibt es gerade zum Gedenkjahr 1938 eine Ausstellung. Da war ich bei der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/02\/22\/gedenkjahr-1938\/\">Er\u00f6ffnung<\/a> und da ist auf den Pl\u00e4tzen ein Folder gelegen, denn es gibt dazu ein umfgangreiches Begleitprogramm und da war ich heute bei der ersten diesbez\u00fcglichen Veranstaltung.<\/p>\n<p>&#8220;Ja oder nein, Plakate zur Volksabstimmung am 10. Apruil 1938. Da h\u00e4tte es vorher zwar eine Volksberfragung geben sollen, wo man sich zu Schuschnigg und zu \u00d6sterreich bekennen h\u00e4tte sollen. Das w\u00e4re im M\u00e4rz gewesen, da sind aber vorher schon die Nazis in \u00d6sterreich einmarschiert und haben dann das Volk pro forma dazu befragt.<\/p>\n<p>Der Kreis in dem man mit &#8220;Ja&#8221; ankreuzen sollte, war ungef\u00e4hr dreimal gr\u00f6\u00dfer als der mit &#8220;nein&#8221;. So sollten wohl damals schon die Werbepsychologie wirken und es hat, glaube ich, auch keine richtigen Wahlzellen gegeben, so da\u00df das Ergebnis dann 99 oder so Prozent lautete.<\/p>\n<p>Meine Mutter hat trotzdem mit &#8220;nein&#8221; gestimmt. Das hat sie mir erz\u00e4hlt und ich glaube es ihr auch. Von meinem Vater wei\u00df ich es nicht, aber der war ein aufrechter und<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/09\/20\/erinnerungen\/\"> aktiver Sozialist<\/a> und wird sich wahrscheinlich auch dementsprechend ge\u00e4u\u00dfert haben.<\/p>\n<p>Julia K\u00f6nig hat die Veranstaltung &#8220;Aus der Forschungswerkstatt&#8221; im Seminarraum der Wien-Bibliothek, es gibt auch noch Ausstellungsrundg\u00e4nge und Ausstellungsgespr\u00e4che im Programm, geleitet. Das hei\u00dft, sie hat die Plakate projeziert, die es diesbez\u00fcglich gegeben hat.<\/p>\n<blockquote><p>Ich interessiere mich ja f\u00fcr die Geschichte Wiens der Zwischenkriegsjahre, w\u00e4hrend des Nationalsozialismus, etcetera. So habe ich mir einige besonders interessante Veranstaltungen aus dem Programm in meinem Kalender eingetragen und h\u00e4tte trotzdem fast nicht hingehen k\u00f6nnen. Denn die Veranstaltung war um f\u00fcnf. Da hatte ich mir keine vier Uhr Stunde eingeteilt, hatte dann aber eine um sechs und da w\u00e4re ich, nachdem die Veranstaltung eine dreiviertel Stunde dauerte, nicht rechtzeitig in meiner Praxis gewesen und um sieben wollte ich schon in die &#8220;Gesellschaft f\u00fcr Literatur&#8221;.<\/p>\n<p>Ich konnte aber die Stunde auf vier verschieben. Die Klientin ist auch ein wenig fr\u00fcher gekommen, so da\u00df es sich sehr sch\u00f6n ausgegangen ist und ich nachher ganz bequem und langsam mit einem Umweg \u00fcber die Buchhandlung Kuppitsch und, nein, das Klaus Modik-Buch &#8220;Konzert ohne Dichter&#8221;, um 5. 95 habe ich mir nicht gekauft, obwohl das eigentlich ein Versehen war und es mir nachher fast leid tat, in die Herrengasse spazieren konnte und da gab es auch ein besonderes Programm. Stellte da doch die wahrscheilichlich nicht nur in \u00d6sterreich sehr bekannte Literaturkritikerin Daniela Strigl ihr bei &#8220;Droschl&#8221; erschinenen Erssayband &#8220;Alles mu\u00df man selber machen&#8221; vor und das hat mich sehr interessiert, obwohl mir Henirke Blum das PDF schon geschickt hat und ich das Buch demn\u00e4chst lesen werde.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wenn ich es schon gelesen h\u00e4tte, w\u00e4re ich wahrscheilich eher ins Literaturhaus zu der Lesung von Cordula Simon neuem Buch &#8220;Der Neuauber&#8221; gegangen, obwohl ich das Buch auch auf meinem Badezimmerstapel liegen habe, weil ich ja eher nicht zu Veranstaltungen gehe, wenn ich das Buch schon gelesen habe, aber das habe ich noch nicht und ein wenig Hintergrundinformation dachte, ich w\u00e4re auch sehr gut.da<\/p>\n<p>Der Veranstaltungssaal sehr voll, obwohl ich schon sehr fr\u00fch eingetroffen bin, kein Wunder, wenn \u00d6sterreichs bekannteste Literaturkritikerin liest, die au\u00dferdem noch sehr charmant und schlagfertig ist, kommen die Leute und f\u00fcr mich gab es auch eine \u00dcberraschung, lagen doch auf dem Tischchen mit der freien entnahme die <a href=\"http:\/\/www.alte-schmiede.at\/derhammer\/eva-jancak-und-ruth-aspoeck-kunstwerke-denkmaeler-im-stadtraum\/\">&#8220;Hammer 95&#8221;<\/a> und wahrscheinlich 96 auf und da habe ich ohnehin schon fast alle verteilt, die mir Kurt Neumann zuschickte. So nahm ich mir einen Sto\u00df und verteilte sie dann munter an das Publikum. <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/18\/hertha-kraftners-wirklichkeit\/\">Dine Petrik<\/a> war da, Frau Schmidt-Dengler, Helga K\u00f6cher, und und und&#8230;<\/p>\n<p>Manfrend M\u00fcller leitete ein und erkl\u00e4rte, es g\u00e4be Biografie, Essays und Kritiken in dem Buch und die 1964 in Wien geborene, die glaube ich \u00fcber Theodor Kramer dissertierte, ein Buch \u00fcber Marlen Haushofer und eines \u00fcber <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/10\/22\/marie-ebner-von-eschenbacht-entstaubt\/https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/10\/22\/marie-ebner-von-eschenbacht-entstaubt\/\">Marie von Ebener Eschenbach<\/a> geschrieben hat, bekannte in ihrem ersten lesen Block, das ihr das Schreiben \u00fcber ihre Pers\u00f6nlichkeit eher schwer fiele. Esg ibt eine Menge Ebner Eschenbach-Aphorismen in dem Buch, die sie zitierte. Dann las sie \u00fcber die Rolle der Kritik und dann noch etwas Pers\u00f6nliches. Dazwischen gab es Gespr\u00e4che mit Manfred M\u00fcller, die sie zu den Biografien befragte. Die wr\u00e4en\u00a0 jetzt modern und ich habe in der letzten Zeit auch eine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=60696\">ganze<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/03\/28\/du-sagst-es\/\">Reihe<\/a> gelesen und die Leute lesen sie offenbar lieber als Romane. So erz\u00e4hlte Daniela Strigl von einer Frau, die sie angesprochen hat, als die Haushofer Biobgrafie vorgestellt wurde und sie von ihr wissen wolle, ob sie nun Haushofer lesen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&#8220;Nein!&#8221;, sagte die Damie.<\/p>\n<p>&#8220;Ich lese nur Biografien!&#8221;<\/p>\n<p>Das ist wohl eine Entt\u00e4uschung f\u00fcr die Bigorafin. Dann ging es weiter zur Literaturkritik und zu den Verrissen. Das ist ja recht schwer, wenn man mit dem Autor befreundet ist und in \u00d6sterreich kennt ja jeder jeden, meinte Manfred M\u00fcller. Das trifft zumindestens auf das literarische Publikum in Wien zu und eine Konkorrenz der Literaturkritik ist ja bekanntlich auch die Kritik im Netz. Daniela Strigl nannte sie leicht belustigt, Befindlichkeitskritik und meinte, da w\u00fcrden die jungen M\u00e4dchen ihr Buch in die H\u00f6he halten und stolz sagen &#8220;Das habe ich am Strand gelesen!&#8221; und das ist nat\u00fcrlich etwas anderes, als die Feuilletons und auch das was \u1e3earcel Reich Ranicki vor einiger Zeit betrieben hat. Daniela Strigl zitierte sich auch durch die Geschichte und brachte Au\u00dferungen von Kurt Tucholsky, der schon vor achtzig oder so Jahren, beklagte, da\u00df die Leute keine Kritiken+ mehr lesen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Nun mu\u00df ich gestehen, ich lese sie eigentlich auch nicht sehr viel, weil ich ja keine Verrisse mag und auch nicht, wenn der Kritiker glaubt, allles sehr viel besser zu wissen, werde mich aber wenn ich meinen &#8220;Koran-Krimi&#8221;, den mir &#8220;Literturtest&#8221; geschickt hat und auch die Amerikareportagen von Martin Amanshauser, die er \u00fcbrigens heute beim &#8220;Thalia&#8221; vorstellte und bei denen der Alfred war, der ja im Kuni wieder nach Amerika f\u00e4hrt, ausgelesen habe, auch an eine Befindlichkeitskritik machen, wie ich Henrike Blum und Manfred M\u00fcller schon andeutete. Bei Daniela Strigl habe ich mich das nicht ganz getraut zu sagen, habe sie aber beim Weggehen nicht mehr gesehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Wien-Bibliothek im Rathaus gibt es gerade zum Gedenkjahr 1938 eine Ausstellung. 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