{"id":6073,"date":"2011-03-03T22:28:51","date_gmt":"2011-03-03T21:28:51","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=6073"},"modified":"2011-03-03T22:28:51","modified_gmt":"2011-03-03T21:28:51","slug":"otto-basil-revisited","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6073","title":{"rendered":"Otto Basil revisited"},"content":{"rendered":"<p>Heute gab es nicht nur den Opernball und den Skandal um Baumeister Lugners Ehreng\u00e4ste, sondern gleich vier hochkar\u00e4tige Literaturveranstaltungen, die mich alle interessierten. Ich hatte auch schon einen Plan, wo ich den Abend verbringen wollte, n\u00e4mlich in der Buchhandlung Thalia bei der Pr\u00e4sentation von Andreas Unterwegers neuem Buch &#8220;Du bist mein Meer&#8221;, das ich ja gerne lesen wollte. Dann kam das Alte Schmiede Programm und ich sah, dort liest die Friederike Mayr\u00f6cker. Gut ich habe schon ein Mayr\u00f6cker-Archiv im Literaturgefl\u00fcster und bin auch \u00f6fter auf ihren Lesungen. Das Buch der Susanne Scholl, pr\u00e4sentiert in der Hauptb\u00fccherei ist auch sehr interessant, weil es zur Fl\u00fcchtlingsproblematik passt und in der der Gesellschaft f\u00fcr Literatur wurde der von Milena wiederaufgelegte, 1966 erstmals erschienene satirische Roman &#8220;Wenn das der F\u00fchrer w\u00fc\u00dfte&#8221; vorgestellt. Da ich zwar ein wenig zwanghaft bin und mich gerne an das Vorgenommene halte, dann aber doch auf meine innere Stimme h\u00f6ren kann, habe ich umdisponiert und bin ins Palais Wilczek gegangen.<br \/>\nVorstellungen \u00fcber das Buch, hatte ich keine, nur ein allgemein historisches Interesse an Romanen, die die NS-Zeit beschreiben und \u00fcber den 1901 in Wien geborenen und 1983 gestorbenen Otto Basil wu\u00dfte ich ungef\u00e4hr das, was alle von ihm wissen, die sich ein bi\u00dfchen f\u00fcr Literatur interessieren, n\u00e4mlich, da\u00df er die Zeitschrift &#8220;Plan&#8221; herausgegeben hat, die in den ersten Nachkriegsjahren, die wichtigsten Stimmen der \u00f6sterreichischen Gegenwartsliteratur, n\u00e4mlich Bachmann, Busta, Celan, Fried, Haushofer, Mayr\u00f6cker, etc vorstellte. Dabei ist er offenbar als Schriftsteller untergegangen, denn da\u00df er satirische Romane geschrieben hat, war mir unbekannt.<br \/>\nDie Gesellschaft f\u00fcr Literatur war, als ich sie erreichte, auch nicht sehr voll, ein paar mir bekannt erscheinende \u00e4ltere Paare habe ich gesehen und die Helga K\u00f6cher. Marianne Gruber hat eingeleitet und den Roman, der 1966 bei Molden in einer gro\u00dfen Auflage herausgekommen ist, zweimal f\u00fcnfundzwanzigtausend St\u00fcck und &#8220;Wagenburg Deutschland&#8221; hei\u00dfen sollte, hoch gelobt. Obwohl es ein sehr negatives Buch hat, das keinen guten Ausgang nimmt, so da\u00df man es nicht in einem Zug durchlesen kann. Unkommentiert soll man es auch nicht lesen, so hat es der Salzburger Germanistik Professor Johann Holzer herausgegeben und mit einem Nachwort versehen. Er hat auch daraus gelesen und kommentiert. Das Ganze beruht auf einer Utopie oder der ber\u00fchmten &#8220;Was w\u00e4re wenn&#8230;Geschichte&#8221;.<br \/>\n&#8220;Was w\u00e4re, wenn Hitler den Krieg gewonnen h\u00e4tte?&#8221;<br \/>\nAlso beginnt das Buch damit bzw. am 9. November 1960, Hitler hat den Krieg gewonnen, ist aber schon alt und krank und verstirbt auch im Lauf der Handlung, Wien gibt es nicht mehr, die St\u00e4dte hei\u00dfen G\u00f6ringstadt und Kyffh\u00e4userkaff, die Atombomben sind statt auf Hiroshima auf London gefallen, der Papst und der Dali-Lama werden in einer Nervenklinik gefangen gehalten und Deutschland regiert den Rest der Welt.<br \/>\nDa\u00df die Handlung und alle \u00c4hnlichkeiten mit lebenden Personen Zufall und erfunden sind, steht auf der ersten Seite. Dann gibt es aber ein paar deutscht\u00fcmelnde Gro\u00dfschriftsteller, die an Stehpulten schreiben und Romane geschrieben haben, die mit &#8220;Die D\u00e4monen..&#8221; beginnen. Nun ja, da lacht das Publikum. Aber der Held des Buchs ist ohnehin ein W\u00fcnschelruteng\u00e4nger namens Albin Totila H\u00f6llriegl und der w\u00fcnschelt dem Gro\u00dfschriftsteller nicht nur sein Schreibzimmer aus, sondern betreibt den Verfall der Werte, sowohl privat als auch \u00fcberhaupt&#8230;<br \/>\nJohann Holzer hat immer nur sehr kleine St\u00fccke aus dem Buch gelesen, dazwischen hat er viel erkl\u00e4rt und auch ein Trakl Gedicht zitiert, denn Otto Basil war auch ein gro\u00dfer Trakl-Kenner, so da\u00df es mir schwer gefallen ist, der Handlung zu folgen, die mir sehr zerzerrt, schw\u00fclstig und bizarr vorgekommen ist.<br \/>\nMarianne Gruber hat in der Einleitung den Bezug zur Gegenwart erw\u00e4hnt, leiden wir ja auch an Wertverlusten und haben gerade eine Wirtschaftskrise durchlebt, aber Basil ist schon lange tot und hat das Buch auch schon vor langer Zeit geschrieben. Ich denke mir eher, da\u00df es mit der Traumatisierung der Nachkriegsgeneration zu tun hat, da\u00df man dann so etwas Absurdes schreibt, um das k\u00fcrzlich Erlebte zu bew\u00e4ltigen. Hans Weigel hat das ja mit seinen &#8220;Gr\u00fcnen Stern&#8221; auch versucht, obwohl das nicht so eine absurde Handlung hat, die erinnerte mich eher an die &#8220;Merowinger&#8221;, um bei Doderer zu bleiben.<br \/>\nAllerdings ist das  eine Vermutung, da ich von der Handlung nicht wirklich viel mitbekommen habe, ich sp\u00fcrte aber eine gewisse Abwehr, wahrscheinlich weil ich was dagegen habe, mich \u00fcber ein totalit\u00e4res Regime lustig zu machen, obwohl ich schon verstehe, da\u00df das helfen kann, wenn man ein solches gerade \u00fcberlebt hat.<br \/>\nMarianne Gruber hat das Lesen und das Kaufen des Buches jedenfalls empfohlen und in der Diskussion wurde es von den \u00e4lteren Herrn, die sich zu Wort meldeten, auch sehr begr\u00fc\u00dft. Aufgelegt wurde es von Milena, dem ehemaligen Wiener Frauenverlag und dagegen, da\u00df es den nicht mehr gibt, habe ich auch sehr viel.<br \/>\nMilena verlegt jetzt nicht nur M\u00e4nner und Science Fiction, sondern auch alte B\u00fccher neu und so ist neben dem Otto Basil, auch Rudolf Brunngrabers &#8220;Karl und das zwanzigste Jahrhundert&#8221; neu erschienen und das habe ich vor zwei Jahren sehr gesucht, so da\u00df es mir der Alfred sogar antiquarisch bestellte.<br \/>\nIch finde schon das Buchcover f\u00fcrchterlich, braun und alt wirkend mit einem Schriftbild, das von damals stammt. &#8220;Geheim&#8221; steht auch noch darauf. Kein Buch, das ich unbedingt lesen will, denke ich und habe mich auch gefragt, ob ich nicht doch besser in die Alte Schmiede oder in die Thalia Buchhandlung  gegangen w\u00e4re?<br \/>\n &#8220;Wer liest stirbt nicht!&#8221;, steht im Katalog. Eine glatte L\u00fcge und so falsch, wie das utopische Szenario. In der Diskussion wurde noch er\u00f6rtert, da\u00df die Welt, wenn Hitler den Krieg gewonnen h\u00e4tte, anders ausgesehen h\u00e4tte. Ich finde es auch interessant, da\u00df ich von dem Buch, das in den Sechzigerjahren offenbar  ein gro\u00dfer Erfolg gewesen war, noch nie etwas geh\u00f6rt habe. Ich habe w\u00e4hrend der Lesung daran gedacht, da\u00df ich 1960 in die erste Klasse Volksschule, 1966 in die zweite Hauptschulklasse gegangen bin und dort den Namen Otto Basil nat\u00fcrlich nicht h\u00f6rte. Peter Handke hat da aber, glaube ich, gerade, den ersten Durchbruch erlebt&#8230;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute gab es nicht nur den Opernball und den Skandal um Baumeister Lugners Ehreng\u00e4ste, sondern gleich vier hochkar\u00e4tige Literaturveranstaltungen, die mich alle interessierten. 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