{"id":61372,"date":"2018-05-17T00:06:38","date_gmt":"2018-05-16T22:06:38","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=61372"},"modified":"2018-05-17T00:06:38","modified_gmt":"2018-05-16T22:06:38","slug":"seht-was-ich-getan-habe","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=61372","title":{"rendered":"Seht, was ich getan habe"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt, nein, kein Krimi, auch wenn es vielleicht so angek\u00fcndigt wird, sondern die literarische Aufarbeitung eines realen bis heute ungekl\u00e4rten Mordfalls, der 1892 in Fall River, USA passierte und dem sich die in Melbourne lebende Sarah Schmidt, die einen Master in kreativen Schreiben und als Bibliothekarin gearbeitet hat,\u00a0 in ihrem <a href=\"https:\/\/www.piper.de\/buecher\/seht-was-ich-getan-habe-isbn-978-3-86612-435-6\">Debut<\/a> angenommen hat.<\/p>\n<p>Im August 1892 wurden in Fall River Andrew Borden und seine zweite Frau Abby von einer Axt erschlagen\u00a0 aufgefunden.<\/p>\n<p>Im Haus ist das irische Hausm\u00e4dchen Bridget und die zweiunddrei\u00dfigj\u00e4hrige Lizzy, ihre um zehn jahre \u00e4ltere Schwester Emma, ist bei einer Freundin auf Besuch. Mehrere Indizien weisen auf Lizzy.\u00a0 Sie wird des Mordes angeklagt. Verbringt zehn Monate im Gef\u00e4ngnis, wird dann freigesprochen und stirbt nachdem sie sich 1905 von ihrer Schwester trennte und nie mehr mit ihr gesprochen hat, 1927.<\/p>\n<p>Das findet man so bei &#8220;Wikipedia&#8221; und auch in der Zeittafel, die Sarah Schmidt dem Roman angef\u00fcgt hat, den sie, sie hat wohl sehr gut\u00a0 recherchiert und auch einige Zeit in dem Wohnhaus der Bordens, das heute ein &#8220;Bed und Breakfast&#8221; ist, zugebracht, aus vier unterschiedlichen Perspektiven erz\u00e4hlt und hier sowohl Lizzy, als auch der \u00e4lteren Schwester, dem Hausm\u00e4dchen und einem Mann namens Benjamin, der offenbar fikitiv ist, eine Stimme gibt.<\/p>\n<p>Die meistens Kapitel spielen am Tag des Mordes, beziehungsweise davor, so wird das Geschehen sehr gr\u00fcndlich durchgekaut, beziehungsweise spielen auch R\u00fcckblenden in die Vergangenheit eine gr\u00f6\u00dfere Rolle, eines auch 1905, als Emma, die Schwester verl\u00e4\u00dft und nun werden die Geschehnisse aus den unterschiedlichen Perspektiven und Blickwinkeln aufgerollt oder wiedergekaut, wie man weniger wollwollend schreiben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Es beginnt damit, da\u00df Lizzy, den zerst\u00fcmmelten Vater findet, sie schickt das Hausm\u00e4dchen zum Arzt, die Nachbarin kommt und danach die Polizei, w\u00e4hrend Emma zu dieser Zeit noch bei ihrer Freundin ist und eigentlich beschlossen hat, dort Malunterricht zu nehmen und nie mehr zur\u00fcckzukommen.<\/p>\n<p>Das Hausm\u00e4dchen erz\u00e4hlt auch ihre Sicht der Dinge. Sie will eigentlich nach Irland zur\u00fcck, Abby Borden l\u00e4\u00dft sie aber nicht, nimmt ihr sogar das gesparte Geld weg und Emma ist Lizzy b\u00f6s, weil die einige Zeit in europa war, was sie nicht durfte.<\/p>\n<p>Emma hat nachdem ihre Mutter bald nach Lizzys Geburt gestorben ist, die Schwester sozusagen aufzezogen, bis eben die Stiefmutter ins Haus kam, die von Lizzy immer noch als Missis Borden angesprochen wird, k\u00fcmmert sich auch nach dem Mord sehr um sie und verl\u00e4\u00dft sie erst 1905, denn das hat sie ihrer Mutter so versprochen und als sie doch einmal heiraten will, erwischt sie Lizzy mit ihrem Br\u00e4utigam beim vorehlichen Sex, erpresst Emma mit ihrem Versprechen, die sich dann von ihrem Verlobten trennt.<\/p>\n<p>Das ist vielleicht so fiktiv, wie die Tatsache, da\u00df der Vater kurz vor dem Mord, Lizzys Tauben den Kopf abhackte, weil sie Schmutz machen und Krankheiten bringen. Der Einbruch, der fr\u00fcher stattfand und weshalb auch alle T\u00fcren abgesperrrt werden, findet man, glaube ich, bei &#8220;Wikipedia&#8221; und hier steht auch, da\u00df er Lizzy zugeschrieben wurde.<\/p>\n<p>Es kursieren auch allerlei Krankheiten und Ger\u00fcchte, um Vergiftungen, wegen verdorbenen Essen, die in den letzten Tagen passierten und so ist auch der Onkel John zu der Familie gekommen, um sich um die beiden M\u00e4dchen zu k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Hier wird es dann wahrscheinlich wieder fiktiv, denn der Onkel lernt auf seiner Reise einen sehr gewaltt\u00e4tigen jungen Mann namens Benjamin kennen, der sich an seinem Vater r\u00e4chen will und beauftragt ihn wohl in das Haus einzudringen und Andrew zu ermorden. Der kommt auch, findet eine Gelegenheit in das versperrte Haus zu kommen, findet aber nur die Leichen und man wei\u00df wieder nicht, wer es getan hat, nur wie es vielleicht gewesen sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Was bei einem Roman, um einen ungek\u00e4rten realen Mordfall auch sehr schwierig ist, weil man da ja seine Phantasie nicht zu sehr spielen lassen kann, sondern sich an die Fakten halten sollte. Wenn man das tut, wird es aber vielleicht ein wenig langweilig, beziehungsweise kommt man auch nicht weiter, als zu dem, was\u00a0 schon in den Polizeiakten steht.<\/p>\n<p>So beklagen sich bei &#8220;Wikipedia&#8221; auch einige Leser wegen der nicht stattgefundenen Spannung, die zwar &#8220;unheimlich und fesselnd zugleich&#8221; am Buchr\u00fccken versprochen wird, wo auch etwas von einem &#8220;neuen literarischen Talent&#8221; steht.<\/p>\n<p>Nun das habe ich auch nicht so gefunden. Zwar schafft die Autorin, glaube ich, ein sehr dichtes Bild von dem stickigen Leben im vorvorigen Jahrhundert, das zwei \u00e4ltere Mittelschichtt\u00f6chter im Haus eines autorit\u00e4ren Vaters und wahrscheinlich streits\u00fcchtigen Stiefmutter f\u00fchren mu\u00dften, mit allen Sinnen zu zeichnen. so da\u00df man den Miff und den Gestank f\u00f6rmlich riechen kann.<\/p>\n<p>Spannend habe ich es aber eigentlich nicht empfunden, sondern eher langwierig und weitschweifend und am Schlu\u00df wei\u00df man wahrscheinlich auch nicht wirklich, was damals in dem Haus geschehen ist, hat sich aber ein bi\u00dfchen mit dem Fall besch\u00e4ftigt und ist in die Vergangenheit eingetaucht.<\/p>\n<p>Den gewaltt\u00e4tigen Benjamin habe ich auch als etwas st\u00f6rend, unsympathisch und unrealistisch empfunden. Er war aber wahrscheinlich das Spannungsemelemt, das Sarah Schmidt brauchte, um in in die Geschichte einzutauchen und einen Roman aus den Polizeiakten zu machen.<\/p>\n<p>Was mir aber an dem Buch wirklich gef\u00e4llt und was wahrscheinlich der Grund war, warum ich es mir schicken lie\u00df, ist das sch\u00f6ne Cover. Die Frau in dem schwarzen Kleid mit dem wei\u00dfen Kragen, von der man nur den R\u00fccken sieht und die ihre H\u00e4nde auch dorthin verschr\u00e4nkt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt, nein, kein Krimi, auch wenn es vielleicht so angek\u00fcndigt wird, sondern die literarische Aufarbeitung eines realen bis heute ungekl\u00e4rten Mordfalls, der 1892 in Fall River, USA passierte und dem sich die in Melbourne lebende Sarah Schmidt, die einen &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=61372\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[1354,4480,4752,5018],"class_list":["post-61372","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized","tag-debut","tag-pendo","tag-realer-mordfall","tag-sarah-schmidt"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61372","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=61372"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61372\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=61372"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=61372"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=61372"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}