{"id":61814,"date":"2018-05-28T00:28:53","date_gmt":"2018-05-27T22:28:53","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=61814"},"modified":"2018-05-28T00:28:53","modified_gmt":"2018-05-27T22:28:53","slug":"undergroundrailroad","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=61814","title":{"rendered":"Undergroundrailroad"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wieder ein sogenanntes <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/05\/24\/schreckliche-gewalten\/\">&#8220;Backlist-Buch&#8221;<\/a>, also kein Rezensionsexemplar aus der Fr\u00fchjahrs- oder Herbstproduktion, sondern eines das 2017 den &#8220;Pullitzer-Preis&#8221; bekommen hat, im Vorjahr bei &#8220;Hanser&#8221;&#8221; erschien, dann \u00fcberall bei den Blogs auftauchte und auch bei der &#8220;Thalia-Buchhandlung&#8221;, die es im Vorjahr bei der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/11\/12\/die-zehnte-buch-wien\/\">&#8220;Buch-Wien&#8221;<\/a> gab, auf dem B\u00fcchersta\u00fcel lag, als ich nach meinem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/11\/11\/literarisches-geburtstagsfest-5\/\">Geburtstagsfest<\/a>, mit dem B\u00fcchergutschein von der Anna dort auftauchte und ihn einl\u00f6sen wollte.<\/p>\n<p>&#8220;Ein interessantes Buch, ein wichtiges Thema!&#8221;, habe ich wohl gedacht und den 1969 in New York geborenen Colson Wihitehead auch bei der letzten<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/11\/26\/dialektik-der-befreiung\/\"> &#8220;Literatur im Herbst&#8221;<\/a> pers\u00f6nlich aus dem Buch lesen geh\u00f6rt und als Kind, ich wei\u00df nicht, genau, ob ich das schon mal erw\u00e4hnt habe, habe ich wahrscheinlich so mit zehn oder zw\u00f6lf &#8220;Onkel Toms H\u00fctte&#8221; gelesen und war davon tief beeindruckt.<\/p>\n<p>Das k\u00f6nte man vielleicht sentimental oder kitschig nennen und diesbez\u00fcgliche Einw\u00e4nde haben. Colson Whitehead, von dem ich k\u00fcrzlich entdeckte, da\u00df ich schon einmal ein Buch von ihm gefunden und auf meinen B\u00fccherstapel liegen habe, tut es, no na, weit moderner, in dem er die Phantasik mit der Realit\u00e4t vermischt und auch st\u00e4ndig zwischen Gegenwart und Zukunft hin und her springt, Ereignisse vorwegnimmt oder wiederholt, was das Lesen nicht unbedingt einfach macht, am Schlu\u00df aber ein sehr dichtes Bild \u00fcberbleibt, was das Buch auf jeden Fall lesenswert macht.<\/p>\n<p>Die &#8220;Undergroundrailroad&#8221; hat es auch gegeben, zwar nicht wirklich als Eisenbahn, die unter der Erde herumfuhr und entlaufenen Sklaven in Freiheit brachte, sondern sie war ein Netzwerk von Sklavenhelfer, das sich des Eisenbahnjargons bediente, also von &#8220;Tickets&#8221;, &#8220;Stations&#8221;, etcetera sprach, um ihr tun geheimzuhalten oder zu codieren.<\/p>\n<p>Colson Whitehead nimmt es w\u00f6rtlich und erz\u00e4hlt von den Zust\u00e4nden des damaligen Amerikas, der Sklaverei, mit einer unheimlichen Brutalit\u00e4t, w\u00e4hrend es Harriet\u00a0 Beecher Stowe im neunzehnten Jahrhundert nat\u00fcrlich viel christlicher und sanfter machte.<\/p>\n<p>Es geht in dem Buch im wesentlichen, um die Sklavin Cora , die ihrem Herrn entflieht: &#8220;Als Caesar das erste Mal von einer Flucht in den Norden redete, sagte Cora nein!&#8221;, lautete so auch der erste Satz.<\/p>\n<p>Denn erinnern wir uns, der Norden Amerikas war liberaler, im S\u00fcden herrschte Skaverei und laut Colson Whitehead, der wahrscheinlich auch aus einer solchen Familie entstammt, unglaubliche Brutalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Cora, deren Mutter Mabel es als einziger Sklavin jemals gelang ihrem Herrn zu entfliehen und dabei die zehnj\u00e4hrige Tochter zur\u00fccklie\u00df, weshalb Cora sie entsetzlich ha\u00dft, am Schlu\u00df des Buches erfahren wir, sie h\u00e4tte zur\u00fcckgehen wollen, aber, Perversit\u00e4t des Schicksals oder der Whiteheadschen Phantasie, sie wurde durch einen Schlangenbi\u00df daran gehindert und von den S\u00fcmpfen verschlungen, entschlie\u00dft sich dann doch zur Flucht und ben\u00fctzt dazu die Undergroundrailroad f\u00fcr jeweils eine Station.<\/p>\n<p>So ist ihr erster Aufenthalt in Slouth Carolina und hier werden meiner Meinung nach die Zeiten etwas vermischt, denn das Leben was die freie Bessie, die aber eigentlich der USA geh\u00f6rt, f\u00fchrt, klingt sehr modern und auch interessant, aber das k\u00f6nnte auch an der \u00dcbersetzung liegen, denn ich habe ja nicht das Original gelesen, werden hier auch Ausdr\u00fccke verwendet, die damals h\u00f6chst wahrscheinlich nicht \u00fcblich waren. So gibt es &#8220;Wohnheime f\u00fcr Farbige&#8221;, in dem Bessie, wie Cora dort genannt wird, lebt, w\u00e4hrend in anderen Kapiteln durchaus auch von &#8220;Negern&#8221; oder &#8220;Niggern&#8221; geschrieben wird.<\/p>\n<p>Bessie wohnt also in einem solchen Wohnheim, das von der freundlichen Miss Lucy geleitet wird, sie arbeitet zuerst bei einer wei\u00dfen Familie als Dienstm\u00e4dchen, dann auch ein skurriles Detail aus der Wihiteheadschen Phantasie in einem Museum, wo sie die Entwicklung der Sklaverei darstellen mu\u00df, was ihr von Miss Lucy, als Aufstieg, weil man mit ihr so zufrieden war, eingeredet wird. Man sieht schon, Colson Whitehead ist sehr modern und man hat auch in anderen Kapitel den Eindruck, er meint vielleicht nicht nur die Sklavenbewegung, sondern auch den Holocaust oder die Fl\u00fcchtlingskrise der heutigen Zeit, etcertera, aber davon sp\u00e4ter.<\/p>\n<p>Erst mu\u00df Bessie, auch sehr modern, zur \u00e4rztlichen Untersuchung, wo ihr die Vorz\u00fcge der Sterilisation eingeredet wird, sie darf sich das zwar \u00fcberlegen, es wird ihr aber sehr empfohlen, etcetera.<\/p>\n<p>Es kommt dann, als noch von medizinischen Experimenten die Rede ist, die an den farbigen Bewohnern ver\u00fcbt werden, zur Fluchgt mit der Railroad nach North Carolina.<\/p>\n<p>Dort herrscht das blanke Entsetzen. Cora mu\u00df sich, wie <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/22\/anne-frank-tagebuch\/\">Anne Frank<\/a>, wie ich in einer Rezension gelesen habe, auf dem Dachboden verstecken und sieht vom Fenster in einen Park, wo Schwarze zur Belustigung der Bev\u00f6lkerung aufgeh\u00e4ngt werden, w\u00e4hrend es unten, bei ihren Fl\u00fcchtlingshelfern zu st\u00e4ndigen Hausdurchsuchungen kommt, denn, wenn man Schwarze versteckt, wird man selbst exekutiert.<\/p>\n<p>Der Gedanke an die Nazis ist da auch mir gekommen. Es geht aber weiter nach Indiana und hier landet Cora auf einer Farm, die einem Schwarzen geh\u00f6rt, der von den Wei\u00dfen, als ein solcher gehalten wird. Hier gibt es wieder Unterricht und Schulen und es wird auf Diskussionen im Versammlungshaus auch davon geredet medizinische Schulen und andere Fortbildungen f\u00fcr Schwarzeeinzurichten.<\/p>\n<p>Die Wei\u00dfen halten das nat\u00fcrlich nicht aus und verbrennen, sowohl das Haus, als auch die Bibliothek, in der sich Cora gerne einfindet, um B\u00fccher zu lesen und hier steht auch wieder ein sehr beeindruckender Satz, der einem beuteln und nachdenken l\u00e4\u00dft:<\/p>\n<p>&#8220;Mein Herr hat gesagt, das Einzige, was gef\u00e4hrlicher w\u00e4re, als ein Nigger mit einem Gewehr&#8221;, sagte er zu ihnen, &#8220;w\u00e4r ein Nigger mit einem Buch&#8221;.<\/p>\n<p>Es kommt also wieder zur Flucht mit der Railroad in den Norden. Ob es dort wirklich besser ist, bleibt eigentlich offen oder besser, wir wissen es, wenn wir uns das heutige Amerika anschauen, wo die Schwarzen immer noch sehr diskriminiert werden, es aber auch schon zum Pr\u00e4sidentenstatus oder zu Pulitzerpreistr\u00e4ger brachten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wieder ein sogenanntes &#8220;Backlist-Buch&#8221;, also kein Rezensionsexemplar aus der Fr\u00fchjahrs- oder Herbstproduktion, sondern eines das 2017 den &#8220;Pullitzer-Preis&#8221; bekommen hat, im Vorjahr bei &#8220;Hanser&#8221;&#8221; erschien, dann \u00fcberall bei den Blogs auftauchte und auch bei der &#8220;Thalia-Buchhandlung&#8221;, die es &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=61814\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[223,1145,2518,4688,5352],"class_list":["post-61814","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-amerikanische-gegenwartsliteratur","tag-colson-whitehead","tag-hanser","tag-pulitzer-preis","tag-sklavenbewegung"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61814","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=61814"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61814\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=61814"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=61814"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=61814"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}