{"id":61862,"date":"2018-05-30T00:15:41","date_gmt":"2018-05-29T22:15:41","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=61862"},"modified":"2018-05-30T00:15:41","modified_gmt":"2018-05-29T22:15:41","slug":"erinnerungen-aus-der-sackgasse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=61862","title":{"rendered":"Erinnerungen aus der Sackgasse"},"content":{"rendered":"<p>Von der 1964 in Tokyo geborenen Banana Yoshimoto, die eigentlich mit Vornamen Mahoko hei\u00dft, habe ich vor Jahren, ich wei\u00df gar nicht, ob ich vorher oder nachher zehn Tage in Japan war, ihr inzwischen zum Kultbuch gewordenes &#8220;Kitchen&#8221; gelesen und den Stil, wie ich mich erinnern kann, ein wenig fremd und eigenartig gefunden.<\/p>\n<p>Nun, das Japanische eben, von dem ich damals wohl noch wenig Ahnung hatte, inzwischen ist die japanische Literatur sehr &#8220;in&#8221; geworden. Die Blogger schw\u00e4rmen s\u00e4mtlich davon und &#8220;Diogenes&#8221; hat jetzt einen Erz\u00e4hband mit f\u00fcnf Erz\u00e4hlungen der Autorin herausgebracht, die, wie sie in ihrem Nachwort schreibt und sich wohl auf die japanische Art bei ihren Lesern daf\u00fcr entschuldigt, alle sehr traurig sind, obwohl oder weil sie von der Liebe handeln.<\/p>\n<p>Nun das habe ich beim &#8220;Geisterhaus&#8221; gar nicht so empfunden, da hat mich wohl der Stil und diesmal auf sehr angenehme Art und Weise positiv \u00fcberrascht.<\/p>\n<p>Die Ich-Erz\u00e4hlerin Setchan, die wohl am Anfang noch sehr jung ist, Tochter eines Restaurantbesitzerpaars, das sie gern einmal \u00fcbernehmen will, studiert noch auf einer sogenannten &#8220;Idioten-Uni&#8221; und da, beziehungsweise beim Jobben lernt sie Iwakura kennen, dessen Eltern haben eine Biskuitrollen-B\u00e4ckerei und die soll er \u00fcbernehmen, will aber nicht so recht. Deshalb ist er sehr sparsam und lebt in einem verfallenen Haus, das bald abgerissen werden soll. Dorthin l\u00e4dt er Setchan ein und bitte sie f\u00fcr ihn Nabe, das ist, wie ich den Anmerkungen entnehme, ein japanisches Wintergericht, zu kochen. Dort erz\u00e4hlt er ihr, da\u00df in der ger\u00e4umigen Wohnung, die ehemaligen Hausbesitzer wohnten und\u00a0 sie oder ihre Geister sind immer noch dort anzutreffen.<\/p>\n<p>Das wird eigentlich sehr einfach und wohl auch, als Symbol f\u00fcr die Familientraditionen und das sich Finden erz\u00e4hlt. Denn Setchan kommt noch einmal dorthin, um f\u00fcr Iwakura zu kochen, was eigentlich ein Symbol daf\u00fcr ist, da\u00df sie Sex miteinander haben wollen. Da erz\u00e4hlt er ihr, da\u00df er nach Frankreich gehen und dort einen Patisserie-Kurs machen wird. Zum Abschied beschlie\u00dft sie f\u00fcr ihn oder eigentlich f\u00fcr die Hausbesitzer deren Lieblingsessen Schweinfleisch Curry und\u00a0 Reisomlett zu kochen\u00a0 und ihnen zu opfern. Dann geht er dahin und sie sehen sich l\u00e4nger nicht, haben ihre Liebschaften, sie \u00fcbernimmt das Restaurant ihrer Eltern und als seine Mutter stirbt, kommt er zur\u00fcck, um mit seinem Vater die Buskuitrollenb\u00e4ckerei zu \u00fcbernehmen. Sie heiraten auch und verbringen ihre Hochzeitsreise in Nizza, weil er so gut franhz\u00f6sisch kann.<\/p>\n<p>Eigentlich eine sehr fr\u00f6hliche und hoffnungsvolle Geschichte, finde ich und sie hat mich \u00fcberrascht, weil ich ja\u00a0 zwischen dem zweiten Weltkrieglesen und vor <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/04\/10\/susanne-gregor-und-mareicke-fallwickl-im-literaturhaus\/\">Mareike Fallwickl<\/a> so gar nicht auf\u00a0 japanische Literatur eingestellt war.<\/p>\n<p>Etwas verwirrender fand ich dagegen die Geschichte &#8220;Maamaaa!&#8221;<\/p>\n<p>Da erwischt eine Verlagsangestellte in der Betriebskantine ein vergiftetes Curry, das ein Mitarbeiter hineinmischte, der vorher eine Autorin stalkte und entlassen wurde. Sie kommt ins Krankenhaus, geht danach aber gleich arbeiteten, ist aber offenbar doch mit ihren Nerven zu Ende, so da\u00df sie einem anderen Autor, dem sie ein Manuskript bringen soll, der sie nach ihrem Befinden fragt, anzuschreien beginnt. Das endet in die \u00fcblichen japanischen Entschuldigungsrituale, der Chef r\u00e4t Urlaub zu nehmen, was sie tut, um dann gleich ihren Verlobten zu heiraten und in die Familiengeschichte mit ihrer Mutter, wie schon der Titel besagt, gleitet das Ganze dann auch noch ab, was mir aber etwas zu aufgesetzt erschien.<\/p>\n<p>Poetischer die Geschichte der sachlichen Schriftstellerin, einer Buchh\u00e4ndlerstochter, die in ihren Romanen &#8220;die Dinge bis in die allerletzen, tiefsten Winkel durchdringen will&#8221;.<\/p>\n<p>Da geht es um das Licht und das Wasser und um ihre Jugenderinnerungen an den kleinen Makoto, den Nachbarsbub, der als unehelicher Sohn trotzdem im Hause seines Vaters wohnte, mit ihr befreundet war und die unergr\u00fcndlichsten Gespr\u00e4che mit ihr f\u00fchrte. Eines Tages war er bei ihr und wollte nicht nach Hause, ihre Mutter rief bei der Familie an, ob er nicht \u00fcbernachten k\u00f6nne?<\/p>\n<p>&#8220;Das geht nicht!&#8221;,\u00a0 sagte die. Das Hausm\u00e4\u00fcdchen holte ihn ab. Am n\u00e4chsten Tag war er tot, weil ihn seine leibliche Mutter mit in einem erweiterten Selbstmord nahm.<\/p>\n<p>Dann geht es wieder oder ebenfalls, um die unerf\u00fcllte Liebe, denn\u00a0 Tomo-, die auch schon traumatische Erfahrungen durchlebte, mit Sechzehn wurde sie vergewaltigt und dann wurde ihre Mutter auch noch von ihrem Vater verlassen, das hei\u00dft die Sekret\u00e4rin hatte sich vorgedr\u00fcngt und sa\u00df schon, bald schwanger, am Kankenbett, als Mutter und Tochter ihn dort nach einem Schiunfall w\u00e4hrend des Betriebsausflugs besuchen wollten, -ist in einen Mann verliebt, den sie in der Kantine des Hauses in dem sie arbeitet fast t\u00e4glich sieht. Er sitzt mit seiner Freundin dort, sie wartet, so lange bis die verschwunden ist und dann wird sich vielleicht etwas zwischen den beiden anbahnen oder schiefgehen, man wei\u00df es nicht so genau, meint die Autorin hintergr\u00fcndig und kommt zu ihrer, wie sie schreibt Lieblingsgeschichte, &#8220;Den Erinnerungen aus der Sackgasse&#8221;, wo\u00a0 Mimi miterleben mu\u00df, da\u00df ihr ihr Verlobgter mehr und mehr entgleitet. Sie ist langsam von Begriff, er arbeitet in einer anderen Stadt und antwortet ihr immer weniger auf ihre Mails. So f\u00e4hrt sie hin, sieht das Auto f\u00fcr das sie ihm das Geld geborgt hat, vor der T\u00fcre stehen. Es \u00f6ffnet die Geliebte und sagt &#8220;Tut mir leid, das ist uns so passiert!&#8221;<\/p>\n<p>Sie bespricht mit ihren Eltern, da\u00df sie eine Weile allein sein will und zieht in das Haus ihres Onkels, in dem sich eine Bar befindet, die &#8220;Sackgasse&#8221; hei\u00dft. Mit dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer dort freundet sie sich an. Er holt sie aus ihrer Traurigkeit heraus und bringt ihr\u00a0 das Auto zur\u00fcck und sp\u00e4ter, schreibt die Autorin werden sie sich wahrscheinlich nicht mehr wiedersehen, die Erinnerungen und die Gef\u00fchle werden aberommer immer vorhanden sein.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;F\u00fcnf starke Erz\u00e4hlungen, herzergreifen und liebeswert!&#8221;, steht am Klappentext. Das Buch ist &#8220;dem gro\u00dfen Fujiko F. Fujio&#8221; gewidmet, &#8220;dem Sch\u00f6pfer von Doraemon&#8221;.<\/p>\n<p>Das das eine Mangaserie ist, die seit Dezember 1969 durchgehenden im japanischen Fernsehen l\u00e4uft, erf\u00e4hrt man in den Anmerkungen und wer mehr dar\u00fcber, beziehungsweise \u00fcber die traditionellen japanischen S\u00fc\u00dfigkeiten, Zeremonien und Riten erfahren will, dem sind die poetischen und manchmal etwas hintergr\u00fcndigen Geschichten, sehr zu empfehlen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der 1964 in Tokyo geborenen Banana Yoshimoto, die eigentlich mit Vornamen Mahoko hei\u00dft, habe ich vor Jahren, ich wei\u00df gar nicht, ob ich vorher oder nachher zehn Tage in Japan war, ihr inzwischen zum Kultbuch gewordenes &#8220;Kitchen&#8221; gelesen und &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=61862\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[655,1534,1837,2891],"class_list":["post-61862","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-banana-yoshimoto","tag-diogenes","tag-erzaehlungen","tag-japanische-gegenwartsliteratur"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61862","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=61862"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61862\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=61862"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=61862"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=61862"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}