{"id":61984,"date":"2018-06-08T07:23:35","date_gmt":"2018-06-08T05:23:35","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=61984"},"modified":"2018-06-08T07:23:35","modified_gmt":"2018-06-08T05:23:35","slug":"dunkelgruen-ist-fast-schwarz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=61984","title":{"rendered":"Dunkelgr\u00fcn ist fast schwarz"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt habe ich es doch gelesen, das neue Buch von Mareike Fallwickl, deren Blog und Facebookseite ich seit ein paar Jahren regelm\u00e4\u00dfig verfolge und das in die Bloggerwelt eingeschlagen ist, wie ein Sturmgewitter.<\/p>\n<p>&#8220;Wow, eine von uns und sie hat es geschafft!&#8221;, war m\u00f6glicherweise der Grund f\u00fcr diese Jubeleuphorie, die mich, ich gebe es zu, etwas skeptisch und abwehrend machte und neugierig nat\u00fcrlich, deshalb habe ich mich auch um das Buch sehr bem\u00fcht und war bei der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/04\/10\/susanne-gregor-und-mareicke-fallwickl-im-literaturhaus\/\"> Lesung im Literaturhaus<\/a>, wo\u00a0 die 1983 in Hallein geborene und dort lebende Autorin ein wenig schnippisch wirkte und so auch mit dem Moderator umging und ich wu\u00dfte nach der Lesung immer noch nicht so genau, wie ich mit dem Hype umgehen soll, denn eigentlich hatte mich diese Dreiecksgeschichte auch jetzt noch nicht vom Sessel gerissen und dann habe ich das Buch zu lesen angefangen, dachte anfangs, das wird mir nicht gefallen und nach noch nicht mal zwanzig Seiten, da\u00df dieser sanfte \u00f6sterreichische Dialekt das &#8220;Hollerkoch&#8221; und der &#8220;Eierlik\u00f6r&#8221; vielleicht ein\u00a0 weniger b\u00f6sartiger<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/12\/12-februar\/\"> Thomas Bernhard<\/a>\u00a0 werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Aber Mareike Fallwickl hat in einem Interview gesagt, da\u00df sie mehr unterhalten, als gro\u00dfe Literatur sein wollte und das Buch deshalb in einzele Puzzlesteine zerlegt hat, so da\u00df sich der Leser selbst sein Bild machen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Deshalb ist das Lesen vielleicht auch nicht so ganz einfach und man braucht lange in die Geschichte hineinzukommen und sie zu verstehen und ich habe das\u00a0 vierhundertachtzig Seiten Buch in jeweils hundert Seiten Etappen gelesen und dachte bei der zweiten, wo Moritz seine schwangere Freundin zur\u00fccklassend mit dem nach sechhzehn\u00a0 jahren zur\u00fcckgekommen Raf sich gleich in Salzburg betrinkt und es dann auch noch eine Sadomaso Szene zwischen Johanna und Raf gibt und Marie Motz Mutter ihren Mann mit Rafs Vaters Christian betr\u00fcgt, da\u00df mir das doch nicht so gef\u00e4llt und mir dieser farbensehende Motz eigentlich viel zu passiv, wie auch die anderen Charakt\u00e4re au\u00dfer diesem Archlochkind Raf sind und mir das ganze auch nicht psychologisch richtig erscheint.<\/p>\n<p>Das hat sich dann in den drei weiteren Lesesessions wieder ge\u00e4ndert und mein Fazit ist, da\u00df es wahrscheinlich doch ein gutes Buch mit einem wahrscheinlich wirklich neuen, noch nicht so abgelutschten Thema und wahrscheinlich auch eine spannend erz\u00e4hlte Beziehungsgeschichte ist, die wenn man sie chronologisch erz\u00e4hlt auch logisch wird.<\/p>\n<p>Da ist also Marie, eine ehemalige Krankenschwestern, die mit ihren zwei Kindern in ein Haus am Berg bei Hallein zieht, Alexander der Vater studiert noch in Wien Medizin. Sie ist allein im Ort, kennt noch niemanden,\u00a0 geht auf den Spielplatz und sieht dort Sabrina, die ebenfalls ein Kind am Arm und eines im Tragetuch hat, das am Arm ist Raffael, derei tage j\u00fcnger, als Moritz, Maries Sohn und das Einzige, was der ihm voraus hat, denn Raffael, das Arschlochkind, Mareike Fallwickl schreibt in ihrem Blog und erz\u00e4hlte auf der Lesung, das eine Spielplatzszene, wo ein Kind grinsend einem anderen auf den Bauch trat, der Ausl\u00f6ser f\u00fcr das Buch war, nimmt Moritz gleich an die Hand und und sagt: &#8220;Motz ist jetzt mein Freund!&#8221; und von da beginnt dann die Geschichte rasant sich zu entwickeln.<\/p>\n<p>Im Buch beginnt sie 2017 als Motz seiner schwangeren Freundin die Hand auf den Bauch legt, denn bald wird das Baby geboren. Da l\u00e4utet es\u00a0 und Raf steht mit dem Koffer vor der T\u00fcr, sagt, das Hotel hatte kein Zimmer mehr und ob er nicht eine Nacht hier schlafen kann und dabei gibt es offenbar gar kein Hotel in Hallein.<\/p>\n<p>Die beiden haben sich seit sechzehn Jahren nicht mehr gesehen. Motz ist ist ganz durcheinander kann aber nicht nein sagen, das kann er bei Raff nie und\u00a0 so werden aus der Nacht drei Wochen, Kristin, die Freundin zieht schon aus, bis sich die Geschichte endlich kl\u00e4rt und man alles versteht.<\/p>\n<p>Iin drei Perspektiven von1987, als Motz drei Jahre war und mit seiner Mutter auf den Spielplatz kam, wird das erz\u00e4hlt. Moritz, Marie und Johanna , das ist die dritte der Dreiecksbeziehung, haben eine Stimme, Raffael, das Arschlochkind gegen das sich der sensible, farbensehende Moritz, deshalb hat das Buch auch seinen Namen, nicht wehren kann, nicht.<\/p>\n<p>Und so kommt Motz vom Kindergarten mit blauen Flecken heim, Raffael sperrt ihn auch in den stillgelegenen Stollen und Marie, die all das sieht, kann ihm nicht helfen, obwohl sie sp\u00e4ter sogar im Gymnasium zum Direktor geht und sagt, da\u00df die beiden in verschiedene Klassen sollen, kommt kurz darauf doch ein Anruf, Motz h\u00e4tte ein M\u00e4dchen im Keller eingeperrt und Marie wei\u00df, das Raf, das war, der Blender, der mit seinem Grinser alle Herzen einnimmt und seinem Freund Motz\u00a0 so 2001 Johanna, die ihre Eltern verlor und zu den Beiden ins die Schule kam, wegnimmt und als sie schwanger wird, ist das Kind nat\u00fcrlich von Raf, wird aber Motz unterschoben, die ihn, als es tot auf die Welt kommt, auch verl\u00e4\u00dft und so haben alle ihre Traumen, als es 2017 in der Nacht in Hallein klingelt undMotz mit dem Koffer vor der T\u00fcr steht.<\/p>\n<p>Aus der einen Nacht werden drei Wochen, Kristin verlangt von Motz da\u00df er mit Raffael redet, ihn hinauswirft. Der kann das nicht, durchsucht nur seinen Koffer, findet einen doppelten Boden, Geld, falsche P\u00e4sse und Medikamente, so da\u00df diese Geschichte auch ein Krimielement beinhaltet, obwohl man ja eigentlich\u00a0 nicht genre\u00fcbergreifend schreiben soll.<\/p>\n<p>In den Johanna Kapiteln bekommt man noch heraus, da\u00df sie in Florenz sitzt, wo offenbar ein Mord geschehen ist und sie nicht wei\u00df, ob Raff der T\u00e4er war. Sie sucht nach ihm und bekommt dann in Berlin ein Mail von ihm wo er sie nach Hallein holt, denn Raff ist auch der gro\u00dfe Stratege, der alles plant, alles inszeniert und dann, wenn man vielleicht doch auf ihn b\u00f6se ist, zu kochen beginnt.<\/p>\n<p>Kristin ist inzwischen zur einer Freundin gezogen und hat Motz &#8220;Er oder ich?&#8221; vor die Wahl gestellt. So da\u00df der dann endlich doch zu reden anf\u00e4ngt. Dann l\u00e4utet es noch an der T\u00fcr, Johanna erscheint mitten in der Nacht. Es kommt zur Ausprache. Motz wirft die Beiden, beziehungsweise Raff endlich hinaus, will dann seine Mutter anrufen. Aber da l\u00e4utet es wieder. Es ist Kristin, die ihm sagt, er soll kommen, denn sie mu\u00df in die Klinik, das Baby will heraus.<\/p>\n<p>Das ist jetzt vielleicht wieder ein wenig kitschig, aber eigentlich doch ein fulminantes Buch und kein Debut, obwohl das am Klappentext so steht, denn Mareike Fallwickl hat schon einen erotisches Auftragsroman geschrieben und es ist wahrscheinlich trotz der beschriebenen Schwachpunkte immer noch um vieles origineller, als die<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/06\/03\/traumrakete\/\"> unz\u00e4hligen Midlifekriseromane,<\/a> die ich in der letzten Zeit gelesen habe.<\/p>\n<p>Besonders, das sollte ich noch erw\u00e4hnen, haben mir, die ich zwar so um die zehn Jahre \u00e4lter als Marie bin, aber mein Kind 1984 geboren habe und da offenbar auch, wie Mareike Fallwickl es nannte, in der ersten \u00d6kowelle drinnen war, die Stellen gefallen, wo Motz keine s\u00fc\u00dfen Sachen essen darf, ihn die Gro\u00dfmama Gitt, die seine Mutter, weil eine Zugereiste und nur eine Krankenschwester nicht leiden kann, Zuckerln zusteckt, Marie Dinkelkuchen b\u00e4ckt und von der Schweigermama dann angefahren wird, der das nicht schmeckt, weil sie kein Schlagobers besorgte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt habe ich es doch gelesen, das neue Buch von Mareike Fallwickl, deren Blog und Facebookseite ich seit ein paar Jahren regelm\u00e4\u00dfig verfolge und das in die Bloggerwelt eingeschlagen ist, wie ein Sturmgewitter. &#8220;Wow, eine von uns und sie hat &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=61984\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[406,1599,2206,3840,590],"class_list":["post-61984","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-arschlochkind","tag-dreiecksgeschichte","tag-fva","tag-mareike-fallwickl","tag-oesterreichische-gegenwartsliteratur"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61984","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=61984"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/61984\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=61984"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=61984"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=61984"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}