{"id":62097,"date":"2018-06-10T21:00:56","date_gmt":"2018-06-10T19:00:56","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=62097"},"modified":"2018-06-10T21:00:56","modified_gmt":"2018-06-10T19:00:56","slug":"sprachspiel-biennale-west","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=62097","title":{"rendered":"Sprachspiel.Biennale.West"},"content":{"rendered":"<p>Der Dichter H. C. Artmann, der den Dialektband &#8220;Med ana schwoazzn dintn&#8221; geschrieben hat, Mitglied der Wiener Gruppe war und den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/12\/2-tage-reden-uber-h-c-artmann\/\">&#8220;Poetischen Akt&#8221;<\/a> proklamierte, wurde 1921 in Breitensee geboren, dort gibt es ein Kino, die &#8220;Breitenseer Lichtspiele&#8221; und das f\u00fchlt sich offenbar H. C und seinen Werken sehr verbunden, wurde dort\u00a0 doch ein Artmann-Festival &#8220;Schwarze Chansons-med ana schwoazzn Dintn&#8221; lautete, das drei t\u00e4gige Festival und das ist, kann ich sagen, schlichtweg falsch, ging es in dem Programm doch um vieles anderes und gesungen wurde, wenn, nur ganz am Schlu\u00df.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, so richtig kann ich es eigentlich nicht sagen, denn ich war gestern, wo Julia Danielczyk er\u00f6ffnet hat und es einen Er\u00f6ffnungsvortrag von Thomas Eder zu diesem Thema gegeben hat, nicht dort, denn ich hatte einige Stunden, die zum Teil zwar ohnehin nicht stattgefunden haben, es war aber auch das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/06\/09\/mit-einem-grillfest-in-das-wochenende\/\">Augustin-Grillfest<\/a> und das hatte ich mir schon l\u00e4nger eingetragen und nochmals eigentlich habe ich am Samstag einen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/04\/stadtflanerie\/\">Stadtflanerie Spaziergang<\/a> auf den Spuren <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/06\/17\/kontinent-doderer\/\">Doderers<\/a> machen wollen, der war aber bei meiner Anmeldung schon ausgebucht, dann ist die Einladung zu dem Festival gekommen, ich habe gedacht &#8220;Ich sollte eigentlich korrigieren!&#8221; und dann &#8220;Das ist interessant!&#8221; und so bin ich heute nach Breitensee hinausmarschiert, eine Gegend, die mir bekannt ist, weil ich als Kind meine Ferien oft bei meiner Gro\u00dfmutter, die in der H\u00fctteldorferstra\u00dfe 150 wohnte, verbrachte.<\/p>\n<p>Die Breitenseer Lichtspiele sind so ein altes Kino, aus den F\u00fcnfzigerjahren, ob es noch als Kino ben\u00fctzt wird, wei\u00df ich gar nicht so genau, aber die &#8220;Schwarzen Chansons&#8221;, von Sprachspiel. biennalewest. at organisiert, haben am Samstag jeweils immer mit einigen k\u00fcnstlerischen Kurzfilmen begonnen, dann gab es eine Autorenlesung und danach ein Gespr\u00e4ch mit einem Literaturwissenschaftler \u00fcber das Gelesene.<\/p>\n<p>In den Programmzetteln, die ich mir ausdruckte, steht noch etwas \u00fcber die Absichte der &#8220;Sprachspiele&#8221;, die wollen H. C. Artmann und seine Werke dem Publikum nher bringen, obwohl am Samstag eigentlich gar nicht von ihm die Rede war.<\/p>\n<p>Denn nach den ersten Kurzfilmen, wo ein Theater zertr\u00fcmmert wurde und eine Frau von ihrer Vergewaltugung erz\u00e4hlt, kam sinone Hirt auf die B\u00fchne und las aus ihrem Debut<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/24\/lied-ueber-die-ggeignete-stelle-fuer-eine-notunterkunft\/\"> &#8220;Lied \u00fcber die geeignete Stelle f\u00fcr eine Notunterkunft&#8221;,<\/a> ein Buch das ich schon gelesen habe und ich mu\u00df sage, es schlo\u00df sich nahtlos, wie auch sp\u00e4ter mit Ferdinand Schmatz diskutiert wurde, an die gezeigten Filme an. Geht es da ja nicht um eine Zertr\u00fcmmerung, sondern um eine Frau die mit einem toten Maulwurf in einem Keller haust und sich dort anhand eines Lehrbuchs der Betriebswirtschaft eine Notunterkunft zurechtzimmern will.<\/p>\n<p>Der Realistin in mir, war das Buch ein wenig zu surreal, beziehungsweise habe ich es wahrscheinlich, weil ich es ja realistisch will, nicht so ganz verstanden, so da\u00df es ein Gl\u00fcck war, da\u00df nach der Lesung Ferdinand Schmatz auf die B\u00fchne kam und Inhalt und Absicht erkl\u00e4rte. Einer Fleischertochter wurde nach dem Tod ihrer Eltern das Haus abgerissen und nun sitzt sie da und baut es surreal auf. Nat\u00fcrlich das war zu erwartet, da\u00df bei einem Festival das H. C Artmann gedenken will, keine realistischen Autoren eingeladen waren.<\/p>\n<p>So folgte nach der Pause, wo alle auf der Stra\u00dfe standen und sich k\u00fc\u00dften und umarmten oder ein Bier beziehungsweise Wein tranken und hier sah man sehr wohl das realistische Gef\u00e4lle, denn neben und zwischen dem Kino mit dem F\u00fcnfzigerjahre Charme sind Pizza und Kebabbuden, die eine ganz andere Klientel haben, als die Leute, die zu dem Festival kamen, Max H\u00f6fler mit dem, bezeihugsweise seinem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/09\/07\/linkes-wort-und-volksstimmefest-09\/\">Roboter<\/a> ich einmal am Volksstimmefest gelesen habe, dessen ersten Buch ich im Schrank gefunden habe, das zweite bei einer <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/21\/barbara-hundegger-und-max-hoefler-im-gespraech\/\">Lesung im Literaturmuseum<\/a> h\u00f6rte und das dritte, alle drei sind bei &#8220;Ritter&#8221; erschienen vor und wurde dann von Alexandra Millner erkl\u00e4rt, die ich ja auch schon \u00fcber H. C. Artmann referieren geh\u00f6rt habe.<\/p>\n<p>Sein Buch ist nach Dante &#8220;G\u00f6ttlicher Kom\u00f6die&#8221; geschrieben, also in drei Akten oder Teilen, aber nat\u00fcrlich viel moderner, denn es geht um das Internet, den Neoliberalismus und interessant. Es tauchen real existierende Personen auf, n\u00e4mlich beispielsweise der Schauspieler Peter Simonischek, der ist bei H\u00f6fler allerdingjs ein Politiker, whrend H. C. Strache ein Autor ist.<\/p>\n<p>Dann kam nochmals eine Pause und dann Erwin Einzinger aus O\u00d6, der dort als Lehrer arbeitete und den ich schon bei <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/04\/12\/von-der-entschluselung-der-welt\/\">&#8220;Literatur und Wein&#8221;<\/a> lesen h\u00f6rte. Er las Fragmente, beziehungsweise M\u00e4rchensplitter, die demn\u00e4chst bei den &#8220;Mansukskipten&#8221;, die ich ja nicht mehr bekomme, erscheinen werden und danach kam das Finale mit einerLesung der Artmann Witwe Rosa Pock aus ihrem Buch &#8220;Die Hundekette, mein eigenes Revier&#8221; und wurde dabei von Peter Ahorner, beziehungsweise den Musikern Hannes L\u00f6schel und V<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/05\/15\/um-den-bodensee-mit-ruth-und-alfred\/\">inzenz Witzelsberger<\/a> unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Am Sonntag ging es am Vormittag mit Kurzfilfmen von Peter Kubelka und einer Performance von J\u00f6rg Pieringer den ich schon von<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/03\/04\/lange-nacht-im-amerlinghaus\/\"> einigen<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/24\/zweimal-experimentelles-crossover\/\"> Veranstaltungen<\/a> kenne. Er projizierte das Alphabet an die Wand und machte dann sehr sinnliche Sprachspiele daraus. Anschlie\u00dfend gab es ein Gespr\u00e4ch mit Fritz Ostermayer und am Nachmittag ging es dann direkt in die Wiener Gruppe, beziehungsweise zu Gerhard R\u00fchm, dem Doyen, den ich ja erst am <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/06\/07\/gesellschaft-im-kasten\/\">Donnerstag im Literaturhaus<\/a> gesehen habe, jetzt wurde ein H\u00f6rspiel zum Thema &#8220;rhythmus r&#8221;, also alles r Worte, wie er erkl\u00e4rte, gezeigt und dann gab es einen Stummfilm zum Thema Regen aus den Zwanzigerjahen von Joris Ivens mit der Musik von Hanns Eisler.<\/p>\n<p>Dann kamen die &#8220;Dental Princes&#8221;, sprich Ann und Lucy Cotten mit Mario Schlager, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/05\/04\/sehr-politische-experimentelle-literaturstipendiaten\/\">Ann Cotten<\/a> schwarz geschminkt im Kimono und da gab es dann feministische schwarze Chansons, wenn man so sagen kann, wo alles in Oarsch ist und man sich nicht aufrgen soll oder doch.<\/p>\n<p>Das Gespr\u00e4ch f\u00fchrte wieder Alexandra Millner.Sie interviewte auch gleich Hannes L\u00f6schel, der ja am Samstag Abend aufgetreten ist.<\/p>\n<p>Dann kamen Kurzfilme von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/03\/08\/zum-frauentag-in-die-wien-bibliothek\/\">Linda Christanell, der Frauenbewegten<\/a>, sehr sch\u00f6ne Filme, der letzte allerdings in einer sehr schlechten Tonqualit\u00e4t. Dann sollte <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/09\/17\/zwanzig-jahre-rund-um-die-burg\/\">Friedrich Achleitner<\/a>, ebenfalls ein Mitglied der Wiener Gruppe folgen, der aber nicht kommen konnte. So las Fritz Ostermayer seine Texte und der Impulsvortrag von Marc Oliver Schuster fiel ebenfalls aus. So kam es gleich zum Podiumsgespr\u00e4ch mit<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/05\/01\/alles-muss-man-selber-machen\/\"> Daniela Strigl,<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/01\/22\/wien-rhapsodie\/\">Ferdinand Schmatz<\/a> und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/04\/20\/cafe-gerstl-to-go\/\">Fritz Ostermeyer<\/a>, und Thomas Eder unter der Leitung der ORF-Journalistin Judith Brandter, wo gerkl\u00e4rt wurden, was die Ziele der Wiener Gruppe waren?<\/p>\n<p>&#8220;Die b\u00f6sen Buben wollten nach der Nazizeit die Gesellschaft provozieren!&#8221; sagte, glaube ich, ungef\u00e4hr Daniela Strigl, und wurde von Gerhard R\u00fchm unterbrochen, der erkl\u00e4rte, da\u00df eigentlich gar nicht ihre Absicht war. Aber die Publikumsbefragung kommt erst sp\u00f6ter erkl\u00e4rte Judith Brandtner etwas ungehalten und Ferdinand Schmatz erkundigte sich , ob man weiter machen sollte?<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich, die Experten wissen es ja besser, als die die damals dabei waren. Gerhard R\u00fchm lie\u00df sich aber nicht beirren und Linda Christanell erg\u00e4nzte die Rollen der starken Frauen, die es damals auch gegeben hat, die sich aber in anderer Art und Weise \u00e4u\u00dferten, beispielsweise da\u00df sie die AUF gr\u00fcndeteten oder Experimantalfilme machte. In der Wiener Gruppe waren, glaube ich, ja nur <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/06\/08\/elfriede-gerstl-tag\/\">Elfriede Gerstl<\/a> und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/06\/03\/von-friederike-mayrocker-zu-ceja-stojka\/\">Friederike Mayr\u00f6cker<\/a>, aber auch erst sp\u00e4t und die Gerstl hat sich ja, glaube ich, eher an den Rand gedr\u00e4ngt gef\u00fchlt.<\/p>\n<p>Dann kam es zur Pr\u00e4sentation der H.C.Artmann-Klasse der Schule f\u00fcr Dichtung, die unter der Leitung des <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/04\/15\/zum-zwanzigsten-mal-literatur-und-wein\/\">Trio Lepschi, beziehungsweise Stefan Slupetzky<\/a>, einige Songs nachgedichtet\u00a0 oder neu geschrieben haben,\u00a0 die sie jetzt mehr oder weniger gut vorbereitet,\u00a0 mehr oder weniger gut gesungen vortrugen.<\/p>\n<p>Sie bekamen gro\u00dfen Applaus. Eine Danksagung der Festivalorganisatoren gab es auch noch und es war\u00a0 eine sehr sch\u00f6ne Veranstaltung in einen eher kleinen Rahmen des literarisch interessierten Insiderpublikums und soll, wenn ich es recht verstanden habe, in zwei Jahren wiederholt werden und da w\u00e4re es sch\u00f6n, wenn die Akteure der Wiener Gruppe soweit vorhanden, selber zu Wort kommen k\u00f6nnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Dichter H. C. Artmann, der den Dialektband &#8220;Med ana schwoazzn dintn&#8221; geschrieben hat, Mitglied der Wiener Gruppe war und den &#8220;Poetischen Akt&#8221; proklamierte, wurde 1921 in Breitensee geboren, dort gibt es ein Kino, die &#8220;Breitenseer Lichtspiele&#8221; und das f\u00fchlt &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=62097\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[19],"tags":[910,2482,3633],"class_list":["post-62097","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-veranstaltungen","tag-breitensee","tag-h-c-artmann","tag-literaturfestival"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62097","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=62097"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/62097\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=62097"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=62097"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=62097"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}