{"id":6241,"date":"2011-03-17T00:17:44","date_gmt":"2011-03-16T23:17:44","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=6241"},"modified":"2011-03-17T00:17:44","modified_gmt":"2011-03-16T23:17:44","slug":"aus-der-schule","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6241","title":{"rendered":"Aus der Schule"},"content":{"rendered":"<p>Ludwig Roman Fleischers 1999 erschienener Roman &#8220;Aus der Schule oder Europaanstalt Mayerlingplatz&#8221;, ist, wie er im Vorwort selber schreibt &#8220;eine Burleske mit tragischen Unterton. Hinter Bergen von Klamauk lauern Abgr\u00fcnde der Einsamkeit, der Sinnlosigkeit, der Angst und des existentiellen Ekels&#8221;.<br \/>\nUnd das alles in der ber\u00fchmten  Wirtschaftsfachschule Mayerlingplatz, die sich zu ihrer Hundertjahrfeier r\u00fcstet. Es beginnt, eher ungew\u00f6hnlich zu Schulanfang, wie sich herausstellt aber sehr gew\u00f6hnlich f\u00fcr die WIFASCH mit einem Bombenalarm. Die Polizei r\u00fcckt an und durchsucht, die verehrten Kollegen, Sch\u00fcler befinden sich noch nicht in dem Haus, m\u00fcssen sich bis zur Entwarnung in den Mayerlingpark begeben und der Deutschlehrer, S\u00e4ufer und Dichter Markus Terlaner, ein Alterego Ludwig Roman Fleischers?, begibt sich auf einen doppelten Veccchia Romagna ins Istrione. Der hat Probleme mit den Alimentationszahlungen und seinen zwei geschiedenen Kindern, schreibt aus Geldmangel st\u00e4ndig Rezensionen oder \u00fcbernimmt Pr\u00fcfungsbeisitze und nein sagen kann er auch nicht, so stellt er dem Ex-Jugoslawen und Ex-Sch\u00fcler Rado Radiovejevic, der sich inzwischen in einer Bank schikanieren lassen mu\u00df, eine Schulbest\u00e4tigung aus, damit er nicht in den Krieg in ein Land mu\u00df, desen Sprache er kaum spricht.<br \/>\nAuch sonst gibt es in der Schule die seltsamsten Typen. Direktor ist ein Herr Willi Muster, der r\u00fcstet zu der Feier, auf der eine Mayerlingb\u00fcste, hat nichts mit dem Kronprinz Rudolf zu tun, sondern ist der Namenspatron der Schule enth\u00fcllt werden soll und plant dazu den Ex-Kardinal, den Ex- Pr\u00e4sidenten und einen Herrn Habsburg einzuladen. Es gibt Verbindungen mit der Wirtschaft, \u00dcbungsschulen und offensichtlich auch den Auftrag die Kinder der Wirtschaftsbosse, die die Schule sponsern, zur Matura zu bringen, ganz egal, wie bl\u00f6d sie sind.<br \/>\nEs gibt aber auch anderere Sch\u00fcler, den Ex-Jugoslawen Rado Radiovejevic z.B. oder auch D\u00fcrdane \u00d6nal, Tochter eines Oberarztes, die Mutter eine \u00f6sterreichische Krankenschwester starb bei der Geburt des zweiten Kindes, der Doktor nennt sie Rose oder Prinzessin, hat sonst aber wenig Zeit f\u00fcr sie und \u00fcberl\u00e4\u00dft sie der tunesischen Haush\u00e4lterin Yusra, so da\u00df sie, die ebenfalls erst T\u00fcrkisch lernen mu\u00df, mit einem Kopftuch, im Buch Tschador genannt, in der Schule erscheint, versucht sich mit einem Joghurt, einem Apfel und einem Becher unges\u00fc\u00dften Kaffee auf eine schlanke St\u00e4rke hinunterzuhungern, geht mit ihrem Tschador auch tapfer zur \u00dcbung die Stufen der Tiefgarage hinauf und hinunter und wird dabei prompt angep\u00f6pelt, beleidigt, beschimpft, bzw. bekommt das Kopftuch hinuntergerissen.<br \/>\nDrei neonazistische Sch\u00fcler mit ihren Wertsport\u00fcbungen, das sind auch die, die hinter den Bombenarlarmen steckt, gibt es auch, wovon zwei den blonden Dommi drangsalieren und ihn mit Schnaps anf\u00fcllen, so da\u00df er bewu\u00dftlos am Gang liegenbleibt und ihn der ebenfalls besoffene Lehrer Terlaner in seine Wohnung zur Ausn\u00fcchterung schleppt und jede Art skuriller Lehrertypen.<br \/>\nDen anderen Deutschlehrer Urlaner, der sich irgendwann in Prag eine Milena anlachte, von ihr geheiratet wurde und unter dem Pantoffel kam, so da\u00df er jeden Mittwoch einen vollen Schultag vort\u00e4uscht, obwohl er stattdessen ins Cafehaus oder ins Museum geht, den Gr\u00fcngewerkschaftler  Gotti Specht, der f\u00fcr seine gr\u00fcnen Gewerkschaftsanschl\u00e4ge nur eine Tafel hinter einer T\u00fcr bekommt und daf\u00fcr mit den Sch\u00fclerinnen  Petja und Beta flirtet und sich am Ende f\u00fcr die Alimentaionszahlungen an eine verschulden mu\u00df, die Lehrerin Huberta Farkas mit ihren Vogelspinnen und Elvira Geigenburger-Postrihatsch, die Englisch unterrichtet, Horoskope erstellt und immer mit einem Yokshire Terrier im Arm herumspaziert.<br \/>\nSie begleiten wir durch das Jahr und erleben alle ihre grotesken Schwierigkeiten und menschlichen Verwirrungen, die es in einem wahrscheinlich nicht so \u00fcbersteigerten Ausma\u00df wahrscheinlich wirklich in den Schulen gibt, schlie\u00dflich ist der 1952 in Wien geborene Autor, ebenfalls Lehrer und ich kann mich erinnern, da\u00df, als ich ihm im J\u00e4nner bei der Pr\u00e4sentation seines neuesten Buches &#8220;Neue Einf\u00e4lle des Kauzes&#8221;, die Themen bleiben gleich, in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/25\/literatur-von-seltsamen-phanomenen\/\">Alten Schmiede<\/a> traf, von den Pensionierungen gesprochen wurde, bzw. wer wie lange noch in die Schule gehen mu\u00df?<br \/>\nDer Roman endet mit der Fr\u00fchpensionierung Markus Terlaners, der nach dem die Hundterjahrfeier abgehalten wurde und man wieder wegen eines Bombenalarms fr\u00fchzeitig zum Buffet in den Mayerlingpark ausrucken mu\u00dfte, von der schlecht aufgestellten B\u00fcste zwar nicht erschlagen, aber umgeworfen wurde, so da\u00df er nun, &#8220;wie einst Ruprecht Mayerling &#8211; als fr\u00fchpensionierter Lehrer und freischaffender Schriftsteller leben kann.<br \/>\nDer literarische Durchbruch wird ihm zwar, wie vielleicht auch dem ehemaligen Bachmannpreistr\u00e4ger, verwehrt bleiben, so da\u00df er einen Roman \u00fcber die neu gegr\u00fcndete European Trade Academy vormals WIFACH schreiben wird, der ihm aber von den Verlagen wegen allzu billigen Klamauks abgelehnt wird.&#8221;<br \/>\nDenn um die Globalisierung und das Gesundschrumpfen ging es 1999 auch schon, da wird pl\u00f6tzlich das Schulgeld hinaufgesetzt.&#8221;Es soll weniger und besser ausgebildete Lehrer geben, Aufnahmestop f\u00fcr lebendige Subventionen und wie die Programme der privatstaatlichen Schulversuche f\u00fcr Marktwirtschaftliche Schulen&#8221; sonst noch lauten. Zehn Jahre sp\u00e4ter erscheint einem all das bekannt und nur die ewig Gestrigen werden sich vielleicht inzwischen wirklich schon in die Pension verabschiedet haben und so ist &#8220;Aus der Schule oder Europaanstalt Mayerlingplatz&#8221;, bei all den Debatten \u00fcber Pisa, neue Mittelschule und sekund\u00e4ren Analphabetismus, ganz egal wie der nun entsteht, ein wirklich lesenswertes Buch, ein Fund aus dem B\u00fccherschrank und eine Produktion des Sisyphus-Verlages, dessen Verleger Ludwig Roman Fleischer ebenfalls ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ludwig Roman Fleischers 1999 erschienener Roman &#8220;Aus der Schule oder Europaanstalt Mayerlingplatz&#8221;, ist, wie er im Vorwort selber schreibt &#8220;eine Burleske mit tragischen Unterton. 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