{"id":62532,"date":"2018-07-05T00:15:41","date_gmt":"2018-07-04T22:15:41","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=62532"},"modified":"2018-07-05T00:15:41","modified_gmt":"2018-07-04T22:15:41","slug":"der-wahre-muftoni","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=62532","title":{"rendered":"Der wahre Muftoni"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Eine Nacht im Hotel zu gewinnen (oder viele) hat mir &#8220;Wagenbach&#8221; vor kurzem geschrieben und mich davon informiert, da\u00df sie in der TB-Reihe sechs gro\u00dfe Roman, die alle vom Hotelleben handeln oder dort spielen, wieder aufgelegt haben.<\/p>\n<p>Etwas, was mir gar nicht so unbekannt gewesen war, bin ich doch doch vor fast zwei Monaten von der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/05\/15\/wien-1938\/\">Wien-Bibliothek<\/a> und dem<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/06\/13\/stadt-ohne-seele\/\"> Jahr 1938<\/a> nach Hause gegangen und habe da bei &#8220;Anna Jeller&#8221; in der Auslage <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/06\/02\/hotel-berlin\/\">Vicki Baums &#8220;Hotel Berlin&#8221;<\/a> liegen sehen, auf das ich ja schon so lange spitzte und eigentlich nicht glaubte, da\u00df ich es<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/01\/24\/vicki-baums-verstreute-feuilletons\/\"> jemals bekommen w\u00fcrde<\/a> und da stand\u00a0 hinten etwas von<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/04\/18\/menschen-im-hotel\/\"> &#8220;Menschen in Hotels&#8221;<\/a> zu lesen und die Namen der sechs, beziehungsweise f\u00fcnf B\u00fccher waren abgedruckt.<\/p>\n<p>Markus Orths &#8220;Zimmerm\u00e4dchen&#8221;, aus dem er, glaube ich, lang lang ists her einmal in Klagenfurt gelesen hat, war dabei und ich habe angesichts der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/12\/08\/von-alten-und-von-neuen-buecherbergen\/\">B\u00fccherberge<\/a>, die mich umgeben, darauf vergessen.<\/p>\n<p>Wurde nun wieder erinnert und ja eine Nacht im Hotel, l\u00e4\u00dft sich angesichts der nahenden <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/07\/03\/sommerfrische\/\">Sommerfrische<\/a> die ja inzwischen nur mehr aus verl\u00e4ngerten Wochenenden besteht, immer gerne gewinnen, habe aber das &#8220;Zimmerm\u00e4dchen&#8221; und auch Jarolav Rudis &#8220;Grand Hotel&#8221;, der ja heuer den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/03\/16\/leipziger-messeimpressionen-ii\/\">&#8220;Preis der Literaturh\u00e4user&#8221;<\/a> gewonnen hat, ignoriert und mir stattdessen Christiph Meckels &#8220;Der wahre Muftoni&#8221; gew\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Denn von Chruistoph Meckel, dem 1935 in Berlin geborenen Autor und Graphiker, den ich eigentlich f\u00fcr einen Ostdeutschen hielt, obwohl er in Freiburg aufgewachsen ist, habe ich schon einiges geh\u00f6rt und auch einige B\u00fccher in den Regalen von denen ich, f\u00fcrchte, noch nicht viel gelesen habe, also der &#8220;Wahre Muftoni&#8221; f\u00fcr meine zweite Nacht im Hotel und wurde, was soll ich sagen, gleich einmal entt\u00e4uscht.<\/p>\n<p>Auf der einen Seite nur, denn wenn auch am Buchr\u00fccken &#8220;Wir lebten, wer wei\u00df, zum letzten Mal im Hotel, im luftigsten unserer Stile &#8211; Salut und chapeau! Wir gingen wie gew\u00e4hnlich am Morgen aus, begr\u00fc\u00dften den Herrn Portier und blieben weg&#8221;, hei\u00dft, so ist von Hotelleben und seinenMenschen darin, in dem Buch nicht viel die Rede, so da\u00df ich fragen kann, hat der, der das 1982 bei &#8220;Hanser&#8221; erschienene Buch f\u00fcr die Sommerreihe aussuchte, es \u00fcberhaupt gelesen oder ist er nur ein Meckel Fan, der es unbedingt und um jeden Preis einschmuggeln und wieder auflegen wollte?<\/p>\n<p>Denn es geht in dem phantasischen m\u00e4rchenhaften kleinen B\u00fcchlein mit zehn Illustrationen vom Autor um sehr viel, am wenigstens aber um Hotels, obwohl, ja nat\u00fcrlich, eines in Paris vorkommt und eines in der Normandie und dann noch ein Landgasthof, wo alles beginnt.<\/p>\n<p>Aber beginnen tut die skurrile kleine Geschichte, die sich sehr wohl als Sommerlekt\u00fcre eignet ganz traditionell orignell mit einem Klappentext, dem Motto und der Widmung und dann geht es los mit dem Leben der Susanne, die ihren Bruder verloren hat, was sie sehr traurig macht, so da\u00df sie mit ihrem Auto zu dem Gasthof reist, wo die Kinder &#8220;in Milchkannen schlafen gelegt werden&#8221;, man sieht schon den skurillen Stil und es &#8220;\u00fcberall nach Rauchspeck, Hefe und frischen Holunder&#8221; riecht. Sie will schlafen gehen, da h\u00f6rt sie Rufe aus dem Kohlenkeller &#8220;Susanne, Susanne!&#8221;, klingt es ihr entgegen und sie in einem Fa\u00df einen &#8220;erwachsenen Gnom mit dem Kopf meines Bruders&#8221;, findet.<\/p>\n<p>Der mu\u00df nat\u00fcrlich erst wachsen, also schmuggelt sie ihm am Dienstm\u00e4dchen vorbei in ihr Zimmer und ern\u00e4hrt ihn t\u00fcchtig mit der Vollpension und als er gro\u00df genug ist, l\u00e4\u00dft sie ihn des Nachts hinaus und am Morgen klopft das Dienstm\u00e4dchen und sagt artig &#8220;Fr\u00e4ulein susanne, der Herr Bruder ist da!<\/p>\n<p>Die beiden fr\u00fchst\u00fccken noch einmal zusammen und verlassen dann den Gasthof. Fahren nach Paris und quartieren sich, jawohl im GRANDE BRETAGNE, &#8220;einem schr\u00e4gen Haus&#8221; ein, denn der wahre Muftoni, so wird das zwergenhafte und jetzt gro\u00dfgewordene Br\u00fcderchen genannt, oder auch petin Matin, besitzt eine Zauberhose, aus der die Gelscheine nur so herausquellen, so da\u00df er dem Schwesterchen alle W\u00fcnsche erf\u00fcllen kann.<\/p>\n<p>Der Geldsegen versiegt allerdings sehr bald, so verlassen die Beiden und das ist die schon zitierte Stelle, das Hotel und ein wahrer geisterhafter Reigen durch ganz Europa oder auch ins ferne Amerika zu den Warner oder sonsitgen Brothers beginnt.<\/p>\n<p>Denn jetzt werden Coups ausgedacht, H\u00e4user, Villen und anderes \u00fcberfallen, Plakate entworfen und damit\u00a0 viel Geld gemacht, das wieder zerrinnt. Ein Riese wird gefunden, ein Fr\u00e4ulein entw\u00e4chst einem Ei, bis alles, wie \u00fcblich zu Ende geht. Der Traum zerrinnt und das Br\u00fcderchen wieder schrumpft und wenn ich auch nicht, wie versprochen eine oder zwei N\u00e4chte in einem Hotel verbracht habe, so habe ich doch mit Christoph Meckels wiederaufgelegten Buch eine h\u00f6chst phantastische Reise durch die Welt gemacht und bin jetzt auf das Weitere, auf eventuell folgende Hoteln\u00e4chte, sowie auf meine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/07\/31\/sommerfrischenmitte\/\">Sommerfrische in Harland<\/a> bei St. P\u00f6lten, ganz ohne Hotelzimmer sehr gespannt.<\/p>\n<p>Und ein Nachwort, ja richtig, fast h\u00e4tte ichs vergessen, gibt es in \u00e4hnlich phantastischen Stil geschrieben, nat\u00fcrlich auch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Eine Nacht im Hotel zu gewinnen (oder viele) hat mir &#8220;Wagenbach&#8221; vor kurzem geschrieben und mich davon informiert, da\u00df sie in der TB-Reihe sechs gro\u00dfe Roman, die alle vom Hotelleben handeln oder dort spielen, wieder aufgelegt haben. 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