{"id":6266,"date":"2011-03-20T11:25:18","date_gmt":"2011-03-20T10:25:18","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=6266"},"modified":"2011-03-20T11:25:18","modified_gmt":"2011-03-20T10:25:18","slug":"leipzig-in-den-wohnzimmern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6266","title":{"rendered":"Leipzig in den Wohnzimmern"},"content":{"rendered":"<p>Die letzten Tage also Leipzig virtuell, Freitag in Wien, am Wochenende in Harland, ist Alfred ja Freitagabend aus Spanien zur\u00fcckgekommen. Der Freitag war etwas m\u00fchsam, habe ich ja einige Zeit gebraucht, herauszubekommen, wo und wie ich alles finden kann. Es gab auch alles und die kleinen Filmchen waren, vielleicht ein wenig anders, wie erwartet, zu entdecken, gibt es ja in Leipzig auch Clemens Meyer als Messeblogger, der in seinen Kolumnen vom feuchten Partyleben auf der Messe und den Indepentverlagen erz\u00e4hlt, zwischendurch auch eine Laudatio hielt, aus seinem Buch in dem er Hundegedichte nachdichtete, las und Besprechungen macht. Von ihm habe ich ein ungelesenes Buch auf meiner<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/16\/hundert-bucher\/\"> Liste<\/a>, das glaube ich, den ersten Leipzigerbuchpreis bekommen hat. Am Freitag hat das Leipzigschauen mit den Nachrichten in \u00d61 und Kristina Pfosers Mitteilung, da\u00df Clemens J. Setz \u00fcberraschend den Leipziger Buchpreis bekommen hat, begonnen. Ich habe zwar diesmal keine Prognose gemacht, wer von den f\u00fcnf Nominierten, Clemens J. Setz, Arno Geiger, Wolfgang Herndorf, Peter Stamm und Anna Katharina Fr\u00f6hlich gewinnen wird,  Arno Geiger wurde aber prominent erw\u00e4hnt und Wolfgang Herndorf hatte sicher auch seine Chancen. Mich hat es aber nicht erstaunt und habe auch knapp vorher in der Figaro \u00dcbertragung geh\u00f6rt, da\u00df er, wenn auch vielleicht nicht diesmal, aber sicher irgendwann gewinnen wird. Danach gab es einige Setz Interviews zu sehen und ich bin den ganzen Freitag zwischen dem blauen Sofa und den 3 Sat Gespr\u00e4chen hin und hergependelt. Da gab es au\u00dfer den genannten Namen, eigentlich viel Sachbuchliteratur zu h\u00f6ren. Romane wurden vorgestellt, die von einer Soldatin in Afghanistan handelt und einer Frau, die in Tschernobyl forschte und ein Buch dar\u00fcber geschrieben hat. Auch die S\u00f6hne ber\u00fchmter V\u00e4ter kamen vor, hat doch Walter Kohl, ein Buch \u00fcber die Traumatisierung mit einem ber\u00fchmten Vater aufzuwachsen, geschrieben, sowie Andrej Hermlin, der Sohn des ber\u00fchmten DDR Dichters. Wolf Wondratschek sa\u00df mit seinem Buch &#8220;Das Geschenk&#8221; auf dem Sofa und da geht es wieder \u00fcber das Leiden des alternden Dichters an seiner Prostata, geht doch Wondratscheks Held zu einer wundersch\u00f6nen Urologin und leidet schrecklich, als sie ihm den Becher hinh\u00e4lt und s\u00e4uselt &#8220;Spritzen Sie mal ab!&#8221;. Ein uneheliches Kind ist dem einsamen Helden auch passiert, interessant und vielleicht ein wenig ich-bezogen. Freitagabend hatte ich dann auch die anderen \u00dcbertragungen gefunden und konnte mir die Gespr\u00e4che auf der ARD-B\u00fchne ansehen und auch in kleinen Filmchen sehen, da\u00df man auf den Manga St\u00e4nden f\u00fcr Japan spenden konnte. Samstag sind wir ein St\u00fcck, die Strecke Richtung Leipzig gefahren, bin in Harland mit meinen zwei Computern gesessen, auf das Radfahren verzichtet und das erste blaue Sofa-Gespr\u00e4ch mit Margriet de Moor &#8220;Der Maler und das M\u00e4dchen&#8221;, das ich jetzt gerade nachh\u00f6re, vers\u00e4umt. Inzwischen habe ich auch das Bild zum blauen Sofa gefunden, konnte also auch das Messepublikum, beispielsweise die Manga-Kost\u00fcmierten sehen, die auch prompt von einem Interviewten bekritelt wurden.<br \/>\nJetzt h\u00e4tte ich fast vergessen zu erw\u00e4hnen, da\u00df am Freitagabend immer auf dem blauen Sofa der Preistr\u00e4ger der Literaturh\u00e4user vorgestellt wird. Einige Male war ich da direkt dabei, da gibts dann Wein und Brezel und einmal habe ich Silvia Bartl da getroffen und gefragt, wieso das Wiener Literaturhaus nicht daran beteiligt ist? &#8220;Gute Frage!&#8221;, hat sie geantwortet und sich verabschiedet. Diesmal sah ich den livestream, erfuhr Elke Erb ist die Gewinnerin, dann verschwand die \u00dcbertragung, die ich auch noch nachschauen mu\u00df.<br \/>\nSamstagmorgen fand ich bei den Neuigkeiten heraus, da\u00df am Abend die gro\u00dfe B\u00fcchernacht, die ihr zwanzigj\u00e4hriges Jubil\u00e4um feiert, im livestream \u00fcbertragen wird. Das ist ja etwas, was ich in Leipzig regelm\u00e4\u00dfig vers\u00e4ume, weil wir am Schmetterlingsweg mit den Hundertmarks Abend essen bzw. zweimal in das Schl\u00f6\u00dfchen zu einer Lesung mit Rainer Kunze oder einmal zu der Lyrik im M\u00e4rz ins Ring-Cafe fuhren. Die B\u00fcchern\u00e4chte und die Veranstaltungen in der Moriztbastei habe ich aber regelm\u00e4\u00dfig vers\u00e4umt. Diesmal auch das mitbekommen und  wieder gleichzeitig blaues Sofa und 3SAT geh\u00f6rt, was die Psychologin, die immer die Konzentration auf das Eine empfielt, zwar eigentlich nicht machen sollte, am Wochenende habe ich aber Freizeit und in Leipzig passiert auch viel auf einmal und ich zappe auch dort sehr viel herum und bin am Ende nie, wo ich eigentlich hin wollte. Also habe ich zwischendurch noch ein bi\u00dfchen meinen Text korrigiert. Da h\u00f6rte ich bei den Gespr\u00e4chen auch sehr viel Interessantes, fragen doch die Moderatoren gerne, &#8220;Sind Erz\u00e4hlungen f\u00fcr Sie Et\u00fcden?&#8221;, so die Frage an Clemens J. Setz und Kathrin Schmidt, die vorige  deutsche Buchpreistr\u00e4gerin hat auch einen neuen Erz\u00e4hlband und wu\u00dfte \u00fcber das Schreiben dar\u00fcber viel Interessantes zu berichten. Interessiert sie sich ja auch f\u00fcr den Rand und sogenannte Unterschichtfiguren, erz\u00e4hlte \u00fcber Verdichtungen und las eine Geschichte vor, die mit dem Satz &#8220;Heute habe ich meine Mutter ermordet&#8221;, beginnt, dann h\u00f6rte man einiges \u00fcber die Beziehung zur Mutter und dem Vater der Protagonistin, eine gerade gek\u00fcndigte Frau, bis man erfuhr, sie hat nur das Bild der Mutter mit dem Messer drangsaliert und nicht wirklich gemordet und ich war wieder beim Thema Erh\u00f6hen und Verdichten, auf das ich ja immer sto\u00dfe. Die Wichtigkeit der ersten und der letzten S\u00e4tze wurde mehrmals thematisiert. Inzwischen habe ich auch den<a href=\"http:\/\/www.literadio.org\/\"> livestream bzw. die \u00dcbertragungen der \u00d6sterreiche<\/a>r  gefunden und neiderf\u00fcllt, die Namen derer gelesen und auch ein paar Beispiele geh\u00f6rt, die auf der \u00d6sterreichb\u00fchne lesen d\u00fcrfen. Da w\u00fcrde ich auch gern eingeladen werden, geht aber mit selbstgemachten B\u00fcchern wahrscheinlich nicht. Also selber schuld. Peter Clar hat ein neues Buch und Robert Prosser, sein zweites bei Clever, das demn\u00e4chst auch in Wien vorgestellt werden wird. Es gibt ein paar Krimiautoren und Linda Stift hat aus ihrem neuen Roman &#8220;Kein einziger Tag&#8221; gelesen. Melinda Nadj Abonji hat am blauen Sofa gelesen und ihr erstes Buch &#8220;Schaufenster im Fr\u00fchling&#8221;, das ich mir genommen habe, als die ber\u00fchmte Kolisch-Buchhandlung schlo\u00df und man sich drei B\u00fccher aussuchen durfte, wurde von Jung und Jung neu aufgelegt. Uwe Timm hat ein interessantes Buch geschrieben, das ich mir w\u00fcnschen w\u00fcrde, wenn ich mir ein paar Leipzig B\u00fccher aussuchen k\u00f6nnte. &#8220;Freitisch&#8221;, da geht es um zwei M\u00e4nner, die sich an einem Stammtisch treffen und \u00fcber ihre Liebe zu Arno Schmidt in den Sechzigerjahren sprechen, die ihr gro\u00dfes Idol, der sich der \u00d6ffentlichkeit nicht zeigte, besuchen wollten. Das n\u00e4chste Wunschbuch w\u00e4re das von Sven Regener &#8220;Meine Jahre mit Hamburg Heiner&#8221;, ein Logbuch oder Blogroman, wo es einige interessante Interviews \u00fcber das Bloggen gab. Das Buch d\u00fcrfte als Blog entstanden sein, Sven Regener hat aber nicht eins zu eins berichtet, sondern einen Roman daraus gemacht und der war auch am Freitag im Leporello und hat aus seinem Leben und das von Herrn Lehmann erz\u00e4hlt. &#8220;Herr Lehmann&#8221;, das ich im offenen B\u00fccherschrank fand, steht ja auch auf meiner <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/16\/hundert-bucher\/\">Leseliste<\/a>. Gregor Sander, der 2009 beim Bachmannpreis gewonnen hat, hat seinen Erz\u00e4hlband &#8220;Windfisch&#8221; vorgestellt, der an der Ostsee spielt, eine Erz\u00e4hlung tr\u00e4gt den Namen &#8220;Jenseits&#8221; und spielt in dem Dorf Rerik, der auch in Alfed Andersch Roman &#8220;Sansibar oder der letzte Grund&#8221; eine Rolle spielt. Ein Roman, der in meinen Regalen steht und auf meine <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/16\/hundert-bucher\/\">Leseliste<\/a> sollte und die habe ich ja gestern, als ich nach Harland kam, um meine Harlander B\u00fccher erg\u00e4nzt. Das gleiche gilt f\u00fcr Rocko  Schamoni, der Literat und Musiker hat ein neues Buch geschrieben, das &#8220;Geschlossene Gesellschaft&#8221; hei\u00dft und  am 3 Sat Stand vorgestellt wurde. Ihn kenne ich durch Cornelia Travniceks Blog und habe seine &#8220;Dorfpunks&#8221; auch im B\u00fccherschrank gefunden und noch nicht auf der Leseliste. Ich brauche also gar keine neue Leseempfehlungen, sondern komme durch Leipzig darauf meine alten B\u00fccher zu lesen und so ist auch  Hans Falladas &#8220;Keiner stirbt f\u00fcr sich allein&#8221; zum ersten Mal in ganzer L\u00e4nge und unzensiert bei Aufbau wiederverlegt worden, das mich daran erinnerte, da\u00df ich im B\u00fccherschrank Band 1 der wundersch\u00f6nen rororo Taschenbuchreihe &#8220;Kleiner Mann was nun&#8221; gefunden und noch immer nicht gelesen habe, was also auch auf meine Liste sollte und ich vielleicht  wenn \u00fcberhaupt, erst im n\u00e4chsten Jahr schaffen werde.<br \/>\nSo habe ich mich gestern und ich hoffe ich bin mit meinen Gedankenspr\u00fcngen jetzt wieder nicht zu unverst\u00e4ndlich, genauer stehts auf <a href=\"http:\/\/www.leipzig-liest.de\/\">leipzigliest.de<\/a>, durch das blaue Sofa und die anderen Leipzig News gesurft. Es gab auch ein paar Filmchen, wo man durch die Messe gef\u00fchrt wird und sehen konnte, da\u00df es gestern in Leipzig warm und sonnig war. Am Abend habe ich den livestream zur langen B\u00fcchernacht geh\u00f6rt, da sprach Arno Geiger \u00fcber sein Buch &#8220;Der alte K\u00f6nig in seinem Exil&#8221;. Es gab es Diskussion \u00fcber das Buch dieser Frau, die meint, da\u00df die Frauen schuld darin sind, da\u00df sie noch immer nicht genug verdienen, weil sie sich von den M\u00e4nnern alles gefallen lassen und daher freiwillig unfreiwillig auf ihre Karriere verzichten. Richtig, die gro\u00dfe Demo am Ring habe ich gestern auch vers\u00e4umt, weil Alfred seinen Eltern bei der Gartenarbeit helfen mu\u00dfte. Ein bi\u00dfchen was \u00fcber den Serbien Schwerpunkt habe ich inzwischen erfahren, gab es ja eine Serben-Desco, wo Dragan Velikic, den ich schon \u00f6fter in Wien geh\u00f6rt habe, interviewt wurde und heute geht es weiter mit dem blauen Sofa und den 3 Sat \u00dcbertragungen.  Michael Degen spricht da gerade \u00fcber sein neues Buch \u00fcber Thomas Manns &#8220;Familienbande&#8221;. Von dem h\u00e4tte ich sonst vielleicht nie etwas geh\u00f6rt.  David Albahari ein ber\u00fchmter Auslandsserbe kommt um 13 Uhr auf das Sofa. Am 3Sat Stand treten Alex Capus und Yasmin Hafdeh, die junge \u00f6sterreichische Poetry Slamerin auf, die ich beim <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/01\/16\/ein-fest-fur-ernst-jandl\/\">Fest f\u00fcr Ernst Jandl<\/a> im J\u00e4nner kennenlernte, auf. Ich werde mich auch da noch rumh\u00f6ren, am Nachmittag aber trotzdem auf die Rudolfsh\u00f6he gehen, bzw. mit dem Rad an der Traisen dorthin fahren und wenn ich vergleichen sollte, ob Leipzig real oder virtuell besser ist, kann ich nur schreiben, beides hat seine Vor- und Nachteile. Man kann es in seinen Wohnzimmern aber durchaus intensiv betreiben und vielleicht mehr, als direkt am Ort mitbekommen. Die pers\u00f6nlichen Gespr\u00e4che fehlen nat\u00fcrlich, aber die kann ich in Wien ein bi\u00dfchen nachholen und erinnere mich, da\u00df ich in Leipzig sehr viel im \u00d6sterreich-Cafe herum gesessen bin, allerdings habe ich Christa Wolf und G\u00fcnter Grass dort gesehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die letzten Tage also Leipzig virtuell, Freitag in Wien, am Wochenende in Harland, ist Alfred ja Freitagabend aus Spanien zur\u00fcckgekommen. Der Freitag war etwas m\u00fchsam, habe ich ja einige Zeit gebraucht, herauszubekommen, wo und wie ich alles finden kann. 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