{"id":62820,"date":"2018-07-08T12:04:29","date_gmt":"2018-07-08T10:04:29","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=62820"},"modified":"2018-07-08T12:04:29","modified_gmt":"2018-07-08T10:04:29","slug":"zweiundvierzigstes-bachmannlesen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=62820","title":{"rendered":"Zweiundvierzigstes Bachmannlesen"},"content":{"rendered":"<p>Ich bin ja ein gro\u00dfer Fan des Bachmannpreises, verfolge ihn eigentlich seit seiner Gr\u00fcndung 1977, als in Nachfolge der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/14\/die-gruppe-47\/\">Gruppe 47<\/a> von Marcel Reich Ranicki, Humbert Fink und ich glaube Ernst Willner ins Leben gerufen, obwohl es damals f\u00fcr eine Nichtfernseherin wahrscheinlich sehr schwer war, etwas mitzubekommen.<\/p>\n<p>Nicht desto trotz hat<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/02\/25\/jonke-und-jung\/\"> Gert Jonke<\/a> ihn gewonnen und ich habe oder h\u00e4tte immer gerne dort gelesen, aber als <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/\">realistisch schreibende<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/07\/03\/zehnter-geburtstag-mit-cheesecake-und-holundersekt\/\">Selbstdarstellerin<\/a> wahrscheinlich keine Chance.<\/p>\n<p>Das wei\u00df ich jetzt, damals habe ich es<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/06\/02\/bachmannpreisgefluster\/\"> nicht gewu\u00dft<\/a> und habe auch, glaube ich, zweimal oder dreimal einen Text an die Juroren geschickt.<\/p>\n<p>Seit man aber eine Verlagsempfehlung haben mu\u00df, tue ich das nicht mehr. Obwohl was w\u00fcrde passieren, wenn ich es trotzdem t\u00e4te? W\u00fcrde ich da eine Verwarnung kriegen?, habe ich mich damals, als das eingef\u00fchrt wurde, bei den Orgnisatoren beschwert und seit es Internet gibt verfolge ich die Texte und das Lesen nat\u00fcrlich ganz besonders und war einmal, ein einziges Mal in meinem Leben, n\u00e4mlich 1996, auf eigene Faust und eigene Kosten sozusagen live dort.<\/p>\n<p>Jetzt w\u00fcrde ich wahrscheinlich auch eine Einladung brauchen, um am Er\u00f6ffnungsabend teilzunehmen, aber die w\u00fcrde ich als &#8220;Literaturgefl\u00fcsterin&#8221; wahrscheinlich bekommen und ich habe meistens auch Spekulationen angestellt, wer da eingeladen wird und die \u00f6sterreichischen Teilnehmer auch meistens gekannt. Die Deutschen, die Schweizer oder anderen Deutschhreibenden nicht so sehr und heuer sind die Teilnehmer erst sehr sp\u00e4t, n\u00e4mlich am<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/06\/04\/werkstattgespraech-in-der-as\/\"> vierten Juni<\/a> bekannt gegeben worden, daf\u00fcr folgten die Videos, auf die ich immer wartete, gleich bald hernach und ich habe von den vierzehn Autoren, die von den sieben Juroren, von denen es heuer zwei neue gibt, n\u00e4mlich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/05\/neununddreisigstes-bachmannlesen\/\">Nora\u00a0 Gominger, die Bachmannpreistr\u00e4gerin<\/a> von 2015 und Insa Wilke, sowie schon bew\u00e4hrt Hildegard Keller, Klaus Kastberger, Stefan Gm\u00fcnder, Michael Widerstein und als sogenannter Vorsitzender Hubert Winkels, ausgesucht wurden, nur die einzige \u00d6sterreicherin<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/11\/12\/die-zehnte-buch-wien\/\"> Raphaela Edelbauer<\/a> und dann die in Wien lebende Ukrainerin <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/04\/13\/literatur-in-gottweig-und-krems\/\">Tanja Maljartschuk<\/a> gekannt und von den deutschen Jakob Nolte, weil er mit seinem doch nicht Vampirroman <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/05\/24\/schreckliche-gewalten\/\">&#8220;Schreckliche Gewalten&#8221;<\/a> im letzten jahr auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/08\/15\/vier-und-zwei-aus-zwanzig\/\">DBp-Longlist<\/a> gestanden ist und dann habe ich noch vom Namen Stephan Lohse und dessen Debutroman der &#8220;Ein fauler Gott&#8221; ein Begriff und, da\u00df\u00a0 Bov Bjerg mit seinem Bestseller &#8220;Auerhaus&#8221;, der ber\u00fchmtesten der heuer Eingeladenen ist, habe ich erst heute durch Wolfgang Tischers ersten Bachmannpodcast erfahren, der daf\u00fcr die einzige \u00d6sterreicherin vergessen hat. Die anderen Autoren werde ich wohl in den n\u00e4chsten Tagen kennenlernen, denn ich werde mir\u00a0 das Ganze, soviel, wie m\u00f6glich geben, obwohl ich am Donnerstag, den ganzen Tag Stunden habe und am Samstag Omas Geburtstag zu feiern ist.<\/p>\n<p>Zuerst ging es aber an die Er\u00f6ffnung, die wieder nach bew\u00e4hrten Muster musikalisch begonnen wurde. Es spielte das &#8220;World Sounds Ensemble&#8221; unter dem Jazzsaxophonisten Michael Erlan. Christian Ankowitsch moderierte und dann wurden zuerst wieder die Honoratoren vorgestellt und die Politiker und Preisstifter interwiet.<\/p>\n<p>Die vierzehn Autoren waren hinten auf einer langen Bank aufgereiht, die Jury ist sp\u00e4ter feierlich einmarschiert und wurde platziert. Der Vorsitzende begann mit seiner Rede, wobei er erw\u00e4hnte, da\u00df Deutschland\u00a0 in den letzten Tagen eine Krise erlebte und stellte die Frage, ob man sich Angesichts der bewegten Zeiten, wo an der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/16\/ein-abend-zum-thema-flucht-und-migration\/\">Fl\u00fcchtlingsfrage<\/a>, eine Koalition\u00a0 am Zerplatzen ist, vier Tage lang im sch\u00f6nen und schon viel <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/10\/26\/gedanknen-zu-schwarz-blau\/\">regideren \u00d6sterreich<\/a> der sch\u00f6nen Literatur widmen kann, was er nat\u00fcrlich bejahte.<\/p>\n<p>Ich denke zwar, da\u00df das nicht so einfach ist, werde das aber ebenfalls tun und dann kam schon der Justitiar mit der Box und die Autoren durften anmarschieren und sich ihre Zettelchen mit der Lesereihenfolge ziehen. Raphaela Edelbauer wird am Donnerstag beginnen und dann folgte, mit Spannung erwartet, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/03\/26\/evangelio\/\">Ferdiun Zaimoglus<\/a> Rede, der 2003 in Klagenfurt gelesen und gewonnen hat.<\/p>\n<p>&#8220;Der Wert der sch\u00f6nen Worte&#8221; hie\u00df seine Rede, die sich sprachlich sehr kompliziert,\u00a0 gegen die Rechten und die Patrioten wandte und f\u00fcr die Schwachen und die Menschlichkeit eintrat und gro\u00dfen Applaus bekam.<\/p>\n<p>&#8220;Er rennt offene T\u00fcren ein, aber in \u00d6sterreich sind die ja schon geschlossen!&#8221;, witzelte Wolfgang Tischler auf Twitter und dann ging es in Klagenfurt\u00a0 ans Buffet in den sch\u00f6nen Garten, was wie ich sp\u00e4ter h\u00f6rte, aber durch starken Regen nicht m\u00f6glich war und am Donnerstag habe ich zwar in der K\u00fcche, die ganze Zeit den Livestream laufen lassen, aber zwischendurch meine Stunden gemacht, so da\u00df ich nur zur Diskussion \u00fcber Raphaela Edelbauers Text &#8220;Das Loch&#8221;, wo es um die Seegrotte in Hinterbr\u00fchl, einen Techniker und die Ermordung der Juden im dritten Reich ging, zurechtkam, der von Klaus Kastberger, der die Autorin und &#8220;Rauris-Preistr\u00e4gerin&#8221;, auch eingeladen hat, verteidigt hat.<\/p>\n<p>Mit\u00a0 &#8220;Schnittmuster&#8221; dem Text, der 1979 geborenen Schweizer Autorin Martina Clavadetscher, die von Hildegard Keller eingeladen wurde, in dem es um das Sterben einer alten Frau geht, ist es mir \u00e4hnlich gegangen und auch bei dem 1964 in Hamburg geborenen Stephan Lohse, dessen Text &#8220;Lumumbaland&#8221;\u00a0 hei\u00dft, bin ich nur in die Diskussion gekommen, da war die Jury begeisteter, so da\u00df sich da wahrscheinlich ein erster Favorit abzeichnen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Bei den zwei anderen Lesenden der 1990 in Rorschach geborenen und in Z\u00fcrich lebenden Anna Stern, deren Text &#8220;Warten auf Ava&#8221; hei\u00dft\u00a0 und dem 1989 in Bayern geborenen Joshua Gro\u00df mit &#8220;Flexen in Miamai&#8221; bin ich in meinen Pausen jeweils ein St\u00fcck in den Text hineingekommen und habe die Diskussion erst sp\u00e4ter nachgeh\u00f6rt, wie ich auch die Texte, der schon erw\u00e4hnten Autoren erst h\u00f6ren oder lesen mu\u00dfte.<\/p>\n<p>Dann sind wir, w\u00e4hrend die Prominenz in Klagenfurt zum Empfang nach Loretto pilgerte, nach Harland gefahren, so da\u00df ich mir die Freitagstexte ganz und per livestream geben konnte und da hat es der in Z\u00fcrich lebenden Zahn\u00e4rztin Corinna T.\u00a0 Sievers angefangen und die, deren Text &#8220;Der n\u00e4chste Bitte&#8221; hei\u00dft, eine\u00a0 1965 geborene geschminkte Frau mit langen blonden Frauen und gro\u00dfer Brille, die, als ihre Vorbilder <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/03\/22\/unterwerfung\/\">Michel Houllebecq,<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/05\/14\/mit-martin-walser-unterwegs-am-bodensee\/\">Martin Walser<\/a> und<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/05\/26\/drei-todesfaelle\/\"> Philip Roth<\/a> angibt, scheint die besondere Variante des\u00a0 heurigen Bachmannslesen zu sein, zuerst einmal ihr Beruf und dann ihre Fixierung auf die Sexualit\u00e4t, denn da steht dieZahn\u00e4rztin mit ihren Instrumenten und wahrscheinlich Mundschutz vor ihrem Patienten, hat die Sprechstundenhilfe vorsorglich ins Wartezimmer hinausgeschickt und l\u00e4\u00dft\u00a0 ihre erotischen Phantasien spielen &#8220;Weder die L\u00e4nge des Penis&#8230;&#8221; etcetera, w\u00e4hrend die \u00c4rztin vor Lust ins Koma f\u00e4llt und zu einem Psychiater geht sie nat\u00fcrlich auch. Und dann war ich gespannt, was die Jury zu diesem Text sagen wird, die dann sehr wissenschaftlich dar\u00fcber diskutierte und interessant, die mangelnde Radikalit\u00e4t bem\u00e4ngelte, was Huberts Winkels bemerkte und Wolfgang Tischer hat unter dem Text, glaube ich, sehr gelitten, wie ich seinen Twitternotes entnehme.<\/p>\n<p>Und wenn jemand meine Meinung wissen wollte, ich fand den Text lustig und interpretiere ihn auch, als eine Parodie auf\u00a0 die m\u00e4nnlichen Sexphantasien und h\u00e4tte ein Mann diesen Text geschrieben, lieber Klaus Kastberger, h\u00e4tte ich auch aufgeschrieeen.<\/p>\n<p>Dann kam die 1984 geborene\u00a0 Ally Klein, deren Debutroman &#8220;Carter&#8221; erst erscheinen mu\u00df. Sie las mit stark empathischer Stimme einen Teil daraus, wo ein &#8220;Ich&#8221; durch die Gegend rennt, dann ein Haus erreicht und\u00a0 mit einer Person namens Carter konfrontiert wird. Die Jury war von der sprachlichen Gewalt begeistert und r\u00e4tselte, wie der Text, der zu viele Adjektive hat, zu interpretieren ist? Ob das eine der Preistr\u00e4gerinnen ist?<\/p>\n<p>Dann kam Tanja Maljartschuk mit ihrem Text &#8220;Fr\u00f6sche im Meer&#8221;, eine sehr packende Geschichte von einem Mann ohne Pass, der in einem Park kehrt und eine demente alte Frau, die in einer Wohnung mit Fr\u00f6sche lebt, versorgt und dabei verhaften wird, w\u00e4hrend seine Mutter in der Ukraine ohne ihn begraben wird, den ich aber vorl\u00e4ufig\u00a0 vers\u00e4umte, weil ich mit der Anna und dem Ouzo mit dem Rad zum Bootshaus fuhr und dort den Alfred und die Oma traf und nach dem gebackenen Zander, erst wieder zur\u00fcckkam, als ich Christian Ankowitsch abschlie\u00dfend \u00fcber Bov Bjergs\u00a0 Text &#8220;Serpentinen&#8221; sagen h\u00f6rte, da\u00df er sehr stark w\u00e4re, der handelt von einem Mann, der mit einem Jungen einen Tag lang in seiner ehemaligen Heimat spazierenf\u00e4hrt, an seine Familie denkt, dabei das Handy in einer Dose versteckt und einen falschen Namen angibt.<\/p>\n<p>Applaus t\u00f6nte auf und dann kam der letzte Freitagleser, n\u00e4mlich der 1973 in Hamburg geborenen Anselm Neft, der heute Geburtstag hat und der schon viel literarische Erfahrung hat. Sein Text hei\u00dft &#8220;Machs, wie Miltos&#8221; undhandelte von einem Obdachlosen, der ebenfalls mit seiner Familie spricht, Hefte seiner Tochter verbrennt, weil die schon verstorben ist und den \u00fcberfahren wordenen Hund, beerdigen mu\u00df.<\/p>\n<p>Das wars f\u00fcr den Freitag und am Samstag habe ich noch vor der ersten Lesung, hoffentlich nicht wieder voreilig, wie vor ein paar Jahren, im Literaturcafe f\u00fcr Klaus Kastberger als den besten Juror abgestimmt, weil ich ja zu Mittag wieder ins Boothaus radeln werde, um mit der Oma ihren Geburtstag zu feiern.<\/p>\n<p>Und in Klagenfurt hat der 1988 geborene Jakob Nolte, der von Hubert Winkels eingeladen wurde, mit seinem Text &#8220;Tagebuch einer jungen Frau, die am Fall beteiligt war&#8221;, begonnen, ein strebsam wirkender junger Mann in einem hochgeschlossenen hellblaugemusterten Hemd und runder Brille, der diesmal nicht von &#8220;Schrecklichen Gewalten&#8221;, sondern in einem Tagebuch von einem Mexiko-Aufenthalt und zwei Niederl\u00e4nderinnen las.<\/p>\n<p>Die Lesung mu\u00dfte wegen eines Kreislaufzusammenbruchs einer Zuschauerin kurz unterbrochen worden, was f\u00fcr einige Irritierung und Unsicherheiten sorgte. Es ist aber bald wieder weitergagen und bei der Diskussion waren sich die Juroren nicht einig, ob man ein Tagebuch so schreiben kann und warum man Kokain nimmt? Hildegard Keller war wieder sehr kritisch und unzufrieden und es wurde diskutiert, was ein&#8221;Unbedarftes Delirium&#8221; ist und, ob der Autor seine Textfehler bewu\u00dft eingesetzt hat und das ein schlechter oder guter Text ist?<\/p>\n<p>Dann kam ein noch surrealerer Text, den von Nolte habe ich gar nicht so verwirrend empfunden, des 1965 in Hamburg geborenen Stephan Groetzner, ein Romanauszug aus &#8220;DESTINATION AUSTRIA&#8221;, der von Gagausien, Haus der Landwirtschaft und Kultur, einem Grazer Kino und und st\u00e4ndig hinundherschwankte, der von Wolfgang Tischer, &#8220;als sprach sch\u00f6n gebauter reiner Nonsensetext&#8221; beurteilt wurde und mir wahrscheinlich auch zu \u00fcberdreht war, wenn er auch wahrscheinlich sehr politisch zu interpretieren ist.<\/p>\n<p>Die letzten zwei Texte habe ich nach dem Mittagessen und der Geburtstagsfeier mit Annas Cremeschnitten und Omas alten Schulfreundinnen, Schw\u00e4gerin und Schwager, Alfred und Andreas, wieder nachgeh\u00f6rt und da gab es, wie ich Wolfgang Tischers Twitternotes entnahm, in der 1983 in Solingen geborenen t\u00fcrkischen Autorin \u00d6zlem \u00d6zgut D\u00fcndar, wieder eine Shortlistfavoritin, die\u00a0 einen Romanauszug aus &#8221; und ich brenne&#8221; gelesen hat, in dem verschiedene &#8220;m\u00fctter&#8221; eine Rolle spielen und es trotz der poetischen Form einen real politischen Hintergrund zu geben scheint, w\u00e4hrend der letzte Leser in der Runde, der 1992 in Braunschweig geborene Lennardt Lo\u00df, einen sehr \u00fcberfrachteten Text hatte, in dem ein Mann sich zuerst in einem Flugzeug an einem Katalog, die Finger aufschneidet, dann st\u00fcrzt das Flugzeug ab. Er sitzt mit einem sch\u00f6nen M\u00e4dchen, dem ein Zahn fehlt, er ist Zahntechniker, auf einem Flugzeugsitz im Pazifik und rast sein Leben durch. Es k\u00f6nnte aber auch, wie einer der Juroren bemerkte, auch nur seine Flugangst sein, die ihm dieses tuen l\u00e4\u00dft. Er hat jedenfalls eine Kugel im Bauch, deshalb ist er den Flug \u00fcberhaupt erst angetreten, denn er war RAF-Terrorist und sein Ausbildner ein SS-Mann, der auch eine t\u00f6tliche T\u00e4towierung mit sich herumschleppte&#8230;<\/p>\n<p>Vierzehn sehr unterschiedliche Texte also, die da in den letzten Tagen in Klagenfurt zu h\u00f6ren waren. Erstaunlich welch unterschiedliche Genres, da jetzt zugelassen werden und ab Samstag f\u00fcnzehn Uhr bis Mittermacht konnte man wieder f\u00fcr seinen Favoriten abstimmen.<\/p>\n<p>Weil ich das Ganze diesmal ein bi\u00dfchen lockerer angegangen bin und mir auch nicht eine eigene Shortlist zusammenbastle, um dann am Sonntag entt\u00e4uscht zu sein, welche Namen auf der, der Jury stehen, die dann doch nur Platzhalter waren, verrate ich jetzt nur, da\u00df mir die Texte von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/10\/06\/gespraeche-mit-zugewanderten-schriftstellern\/\">Tanja Maljartschuk<\/a> und der, der erotikbesessenen Zahn\u00e4rztin, den ich immer noch f\u00fcr eine Parodie auf die M\u00e4nnersexphantasien a la <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/05\/13\/der-augenblick-der-liebe\/\">Martin Walser<\/a> und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/02\/mein-mann-der-kommunist\/\">Philip Roth<\/a> halte, sehr gut gefallen haben und abgestimmt habe ich f\u00fcr die\u00a0 &#8220;Fr\u00f6sche&#8221;, weil ich erotikbesessene Zahn\u00e4rztinnen eigentlich doch nicht haben will.<\/p>\n<p>Der Text \u00fcber den Obdachlosen hat mir auch ganz gut gefallen, \u00fcber die Politsatire von Stephan Groetzner m\u00fc\u00dfte ich noch nachdenken und von Wolfgang Tischer, der ja wieder im Literaturcafe einen t\u00e4glichen Podcast hatte und dort seine Einsch\u00e4tzungen gab, h\u00f6rte ich, da\u00df der B\u00f6v Bjerg f\u00fcr den Preistr\u00e4ger h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Am Sonntag kam wurde dann als Erstes die Shortlist verlautet:<\/p>\n<ol>\n<li>Raphaela Edelbauer<\/li>\n<li>Joshua Gro\u00df<\/li>\n<li>Ally Klein<\/li>\n<li>Anna Stern<\/li>\n<li>Tanja Malatschuk<\/li>\n<li>Bov Bjerg<\/li>\n<li>\u00d6zlem \u00d6zg\u00fcl Dundar<\/li>\n<\/ol>\n<p>Und dann habe ich diesmal recht gehabt,\u00a0 Tanja Maljartschuk, dessen n\u00e4chstes Buch, aus dem sie schon ein St\u00fcck damals im Literaturhaus geboren hat, wird demn\u00e4chst bei\u00a0 &#8220;Kiwi&#8221; erscheinen wird, wurde die neue &#8220;Bachmannpreistr\u00e4gerin&#8221;, gefolgt von B\u00f6v Bjerg mit seiner Vater Sohn Geschichte, die von Klaus Kastberger vorgeschlagen wurde.<\/p>\n<p>Die dritte Preistr\u00e4gerin wurde\u00a0 \u00d6zlem \u00d6zgul D\u00fcndar, mit ihren vier M\u00fcttern, die ihren Text klein und ohne Punkt und Beistriche geschrieben hat.<\/p>\n<p>Und die vierte Jurypreistr\u00e4gerin wurde f\u00fcr mich \u00fcberraschend, weil sie in der Diskussion gar nicht so gut weggekommen ist, die Schweizerin Anna Stern mit ihren Text &#8220;Warten auf Ava&#8221; und was den Publikumspreis betrifft, ging die Folge, da\u00df der an\u00a0 \u00d6sterreich geht, wie das glaube <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/17\/alpha-literaturpreis-an-karin-peschka\/\">ich<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/07\/03\/der-vierzigste-bachmannpreis\/\">seit<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/10\/29\/cornelia-travicek\/\">Cornelia Travnek<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/12\/11\/writers-retreat-2\/\">so<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/10\/18\/feministische-oder-auch-unfeministische-schreibgespraeche\/\">\u00fcblich<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/20\/winters-garten\/\"> ist<\/a>, an Raphaela Edelbauer weiter, die aber diesmal in der Shortlist war und\u00a0 bei der Jury \u00fcber geblieben ist.<\/p>\n<p>Dann zog Hubert Winkel den Vorhang zu und mokierte sich ein bi\u00dfchen \u00fcber <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/01\/10\/so-wird-das-leben\/\">Marlene Streeuwitz<\/a> und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/19\/f\/\">Daniel Kehllmann<\/a>, die im Vorfeld den Preis kritisiert haben und zu kapitalistisch hielten und ein paar Reden und Interviews gab es auch, bevor es im n\u00e4chsten Jahr weitergehen wird und ich habe wieder einmal vier Tage interessante Literatur erlebt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin ja ein gro\u00dfer Fan des Bachmannpreises, verfolge ihn eigentlich seit seiner Gr\u00fcndung 1977, als in Nachfolge der Gruppe 47 von Marcel Reich Ranicki, Humbert Fink und ich glaube Ernst Willner ins Leben gerufen, obwohl es damals f\u00fcr eine &hellip; 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