{"id":63006,"date":"2018-07-15T00:05:25","date_gmt":"2018-07-14T22:05:25","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=63006"},"modified":"2018-07-15T00:05:25","modified_gmt":"2018-07-14T22:05:25","slug":"elementarteilchen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=63006","title":{"rendered":"Elementarteilchen"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Klassiker von meiner Backleseliste, n\u00e4mlich Michel Houellebeqcs, 1999 erschienener Kultroman &#8220;Elementarteilchen&#8221;, den ich mir einmal beim Rotary Flohmart in St. P\u00f6lten vom Alfred kaufen lie\u00df und auf den ich schon sehr gespannt war, obwohl das Buch jetzt im Schutzumschlag und die erste Seite angelesen,\u00a0 ein halbes Jahr lang im Harlander Badezimmer lag, denn als ich es im J\u00e4nner zu lesen angfangen wollte, habe ich nach der ersten Seite \u00fcberlegt, da\u00df es doch besser w\u00e4re mit dem PDF von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/01\/27\/buch-der-zahlen\/\">Joshua Cohens &#8220;Buch der Zahlen&#8221;<\/a> anzufangen und bin seither mit dem Neuerscheinungslesenlesen nicht wirklich fertig geworden.Das hei\u00dft,<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/06\/23\/autolyse-wien\/\"> doc<\/a>h<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/06\/21\/deine-gruenen-augen\/\"> im<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/06\/30\/nobels-testament\/\">Juni,<\/a> aber da war der Alfred in Amerika und ich bin in Wien geblieben.<\/p>\n<p>Ein Kultbuch also von dem man schon viel geh\u00f6rt hat und mit dem auch, glaube ich, der 1956 oder 1958 geborene Autor, der\u00a0 etwas exzentrisch sein d\u00fcrfte, ber\u00fchmt wurde und von dem ich einmal einen Gedichtband, der mir sehr gefallen hat und dann <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/03\/22\/unterwerfung\/\">&#8220;Unterwerfung&#8221;<\/a> gelesen habe.<\/p>\n<p>Hier, schreibe ich gleich, war ich anfangs etwas entt\u00e4uscht, beziehungsweise habe ich gedacht, da\u00df man dem zwanzig Jahre alten Buch sein Erscheinungsdatum deutlich anmerkt, denn das, was da \u00fcber diese Sommerakademie mit den kreativen Writingkursen geschrieben wurde, habe ich nicht so sensationell, sondern allt\u00e4glich gefunden.<\/p>\n<p>Es d\u00fcrfte auch ein bi\u00dfchen Autobiografisch sein, denn ich habe bei den beiden Br\u00fcdern Bruno und Michel, die da beschrieben werden, 1956 der eine 1958 der andere geboren, einige Parallelen zum Lebensweg des Autors gefunden.<\/p>\n<p>Aber dann ist es nat\u00fcrlich ein das ganze Jahrhundert umfassende, breitgef\u00e4chertes Buch, das das Nachkriegsfrankreich mit all seinen sexuellen Phantasien, dem Leiden von S\u00f6hnen von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/04\/13\/paris-mai-68\/\">neunzehnhundertachtundsechziger M\u00fctter<\/a>, obwohl oder weil, die zehn Jahre fr\u00fcher geboren wurden, den wissenschaftlichen Fortschritten, den sexuellen Abartigkeiten und und genau darstellt wird und es ist, weil es ja bis in die H\u00e4lte des einunzwanzigsten Jahrhunderts geht, wahrscheinlich auch ein<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/03\/21\/utopie-workshop\/\"> utopischer Roman<\/a>, den ich mit Stephan Teichgr\u00e4ber im Workshop behandeln h\u00e4tte k\u00f6nnen, wenn das, das sich im letzten Kapitel abspielt, nicht nur eine listige Variante des Autors sein sollte, ich neige dazu, das zu glauben und stelle schlie\u00dflich fest, da\u00df es doch ein sehr beeindruckendes Buchist, obwohl soviel m\u00e4nnliche sexuelle Besessenheit\u00a0 immer ein bi\u00dfchen abt\u00f6rnend auf mich wirkt, so da\u00df ich ganze Seiten nur \u00fcberflogen habe und trotzdem l\u00e4nger, als geplant zum Lesen gebraucht habe.<\/p>\n<p>Es gibt ein Vorwort und ein Nachwort, das sich, um das Leben des Molekularbiologen Michel\u00a0 Djerzinski, man sieht schon den autobiografischen Bezug, handelt, der in Irland das neue menschliche Leben klonte oder den wissenschaftlichen Beweis dazu lieferte und dann nachdem er die Artikel an die entsprechenden Fachzeitungen schickte, ins Wasser ging.<\/p>\n<p>Das wird in der sogenannten &#8220;Nachrede&#8221; ausgef\u00fchrt und dann noch bis 2050 oder so die wissenschaftlichen Folgen der Forschung erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Dazwischen liegen aber drei lange Teile, die das Leben der beiden Br\u00fcder Bruno und Michel, der eine, wie geschrieben 1956 der andere 1958 beboren, erz\u00e4hlt. Die Mutter hie\u00df Janine und war eine \u00c4rztin, die die sexuellen Ausschweifungen von 1968 sehr geno\u00df, ihre beiden Buben von zwei V\u00e4tern hatte, sie bei den Gro\u00dfm\u00fcttern aufwachsen lie\u00df, so war der eine Zeitlang in Algerien,\u00a0 der andere bei der anderen Gro\u00dfmutter in Frakreich, beziehungsweise bei seinem Vater, auch einem Arzt, der Frankreichs Frauen, die Sch\u00f6nheitschirurgie bescherte, dann aber den Trend vers\u00e4umte.<\/p>\n<p>Bruno kam bald in ein Internat, wo er von den \u00e4lteren Sch\u00fclern gequ\u00e4lt und mi\u00dfhandelt wurde, mit den M\u00e4dchen Schwierigkeiten hatte und Zeit seines Lebens sich seines zu kleinen Penis wegen sch\u00e4mte. In der Jugend erlebte er mit seinem Bruder und mit Annabelle, einen wahrscheinlich nicht so flotten Dreier, in einer dieser Komunen, der Zeltanlage mit kreativen Angebot, die wohl an den Wiener Aktionismus und an Otto M\u00fchl erinnern soll, denn das Buch ist wissenschaftlich unterminiert, die Wiener Ferkeleien werden erw\u00e4hnt und auf der anderen Seite auch Albert Einstein und Werner Heisenberg.<\/p>\n<p>Bruno wird Lehrer, verheiratet sich auch, wird bald geschieden, hat seinen Sohn Victor nur am Wocheneinde bei sich und versteht ihn nicht. Die Geschichte der sexuellen Revolution wird nebenbei erl\u00e4utert und Bruno, der dann als Lehrer an das Internat kommt, wo er gedem\u00fctigt wurde, wird fast verr\u00fcckt an den Minir\u00f6cken seiner Sch\u00fclerinnen, holt sich wahrscheinlich hinter einem Schulheft verborgen, einem nach dem anderen hinunter und ber\u00fchrt dann eine nordafrikanische Sch\u00fclerin, weil er die afrikanischen Sch\u00fcler schon l\u00e4ngst, wegenihrer angeblich l\u00e4ngeren Pimmel beneidet.<\/p>\n<p>Das M\u00e4dchen schweigt, Bruno sucht einen Psychiater auf und wird ins Ministerium versetzt. Dann hat er eine Zeitlang eine ebenfalls sexbesessene Freundin namens Christiane, als die aber nach einem R\u00fcckenmarkleiden gel\u00e4hmt wird und sich umbringt, l\u00e4\u00dft er sich wieder in die Psychiatrie einweisen, besucht nur mehr die Mutter, die in ihrer Gl\u00fcckskommune, wo sie den Rest ihres Lebens verbringt und der auch allen ihren Besitz vermicht, stirbt, w\u00e4hrend Michel, nachdem seine Gro\u00dfmutter exhuminiert wurde, an dem Ort, wo er mit seiner Jugendfreunin Annabelle aufgewachsen ist, diese wiedersieht. Die will mit vierzig nochmals schwanger von ihm werden, was sich aber zu einer Katastrophe ausw\u00e4chst, die \u00c4rzte entdecken einen Krebs an ihr, so da\u00df sie schlie\u00dflich nach einem Selbstmordversuch ins Koma f\u00e4llt und stirbt und Michel nach Irland geht, wo er die oben schon beschriebenen Forschungen anstellt, wovon das Buch wohl auch seinen Namen hat.<\/p>\n<p>Ganz am Anfang gibt es eine sehr ber\u00fchrende Stelle, \u00fcber Michel, der als eine Art Autist beschrieben wird,\u00a0 von einem Kanarienvogel, den er gerne loslassen will, der aber an panischer Angst vor der Freiheit stirbt, so da\u00df Michel bis er nach Irland geht,\u00a0 jahrelang mit einem leeren Vogelk\u00e4fig in der Wohnung lebt.<\/p>\n<p>Die zwei Seiten des Michel Houllebecqs, k\u00f6nnte man so deuten, ein stark sexlastiges Buch, eines das wohl skandialierte und das ich mir auch etwas anders vorgestellt habe. Es aber sicher wichtig und gut es gelesen zu haben, um sich in der Welt der\u00a0 starken M\u00e4nner vielleicht wieder ein bi\u00dfchen besser auszukennen und auch, um auch eineL\u00fccke im literarischen Kanon zu schlie\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt ein Klassiker von meiner Backleseliste, n\u00e4mlich Michel Houellebeqcs, 1999 erschienener Kultroman &#8220;Elementarteilchen&#8221;, den ich mir einmal beim Rotary Flohmart in St. P\u00f6lten vom Alfred kaufen lie\u00df und auf den ich schon sehr gespannt war, obwohl das Buch jetzt &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=63006\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[550,2113,3344,4024,4072],"class_list":["post-63006","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-aeltere-buecher-lesen","tag-franzoesische-gegenwartsliteratur","tag-kultbuch","tag-michel-houellebecq","tag-moderner-klassiker"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63006","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=63006"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63006\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=63006"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=63006"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=63006"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}