{"id":63329,"date":"2018-07-25T00:55:28","date_gmt":"2018-07-24T22:55:28","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=63329"},"modified":"2018-07-25T00:55:28","modified_gmt":"2018-07-24T22:55:28","slug":"marlene","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=63329","title":{"rendered":"Marlene"},"content":{"rendered":"<p>Alfred Polgar, der, glaube ich, zu den Wiener Kaffeehausliteraten z\u00e4hlt, 1873 in Wien geboren wurde und 1955 starb, war ein fr\u00fcher Fan von Marlene Dietrich, die 1927 in den Kammerspielen in einer Revue namens &#8220;Broadway&#8221; aufgetreten ist und dort glaube ich, eine Pistole z\u00fcckte.<\/p>\n<p>Polgar war auch Filmkritiker und ist so h\u00f6chstwahrscheinlich mit der 1901 in\u00a0 Berlin Sch\u00f6neburg geborenen, die, wie er schreibt, zuerst eine Musikerkarriere in Weimar anstrebte, das Studium wegen einer Sehnenscheidenentz\u00fcndung aber aufgeben mu\u00dfte, im Max Reinhardt-Seminar nicht aufgenommen wurde und daher in Filmen meistens in Revuegirlrollen auftrat, bevor sie mit Josef von Sternbergs &#8220;Der blaue Engel&#8221; nach dem Roman &#8220;Professor Unrat&#8221; von Heinrich Mann ber\u00fchmt wurde und mit Sternberg in den Drei\u00dfigerjahren auch nach Amerika ging.<\/p>\n<p>Alfred Polgar, der ab 1925 vorwiegend in Berlin lebte, mu\u00dfte, als dort die Nazis kamen, wieder nach Wien beziehungsweise Prag zur\u00fcckgehen und war offenbar in Geldnot, so da\u00df er einen Brief an die Dietrich sandte, die ihn auch sogleich unterst\u00fctzte, wof\u00fcr er ihr versprach, \u00fcber sie zu schreiben und so ist 1937 &#8211; 1938 ein ewa siebzig Seiten Text &#8220;Marlene &#8211; Bild einer ber\u00fchmten Zeitgenossin&#8221; entstanden, wo er in einigen Kapiteln, das schon erw\u00e4hnte und dann auch Lobeshymnen auf ihren Stil, ihre Beine, ihren Sexappeal, etcetera,\u00a0 abgab.<\/p>\n<p>Die Dietrich gab ihm daf\u00fcr die Erlaubnis in Deutschland \u00fcber sie ein Buch herauszugeben und da sie im Sommer 1937 in Salzburg beziehungsweise in St. Gilgen war und dort auch eine Villa gemietet hat, hat er sie an beiden Orten besucht und auch ein Interview mit ihr gef\u00fchrt und verschiedene Fragen an sie gesgtellt.<\/p>\n<p>Dann kamen auch in Wien die Nazis und der Verlag mit dem schon ein Vertrag ausgehandelt war, ich wunderte mich ein bi\u00dfchen wegen der K\u00fcrze des Textes, aber vielleicht war das damals \u00fcblich, h\u00f6rte auf zu existieren.<\/p>\n<p>Polgar mu\u00dfte mit seiner Frau und dem Manuskript im Koffer fliehen, das offenbar dort bis 1984 liegen blieb und erst da von Ulrich Weinzierl, der mit Marcel Reich-Ranicki in den 1980 Jahren an einer Polgar- Gesamtausgabe arbeitete, entdeckt wurde. Der Text kam aber seiner L\u00e4nge wegen nicht in sie hinein, die Dietrich, die 1992 in Paris gestorben ist, hat zu dieser Zeit auch noch gelebt und so ist der Text von ihm erst 2015 bei &#8220;Zsolnay&#8221; herausgekommen.<\/p>\n<p>&#8220;Zsolnay&#8221; geh\u00f6rt zu &#8220;Hanser&#8221; und &#8220;Hanser&#8221; hatte zu dieser Zeit auf seiner Facebookseite \u00f6fter Gewinnspiele und Facebookaktionen, wo ich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/08\/27\/der-susan-effekt\/\">einige<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/06\/06\/die-erstaunlichen-abenteuer-der-maulina-schmitt-mein-kaputtes-konigreich\/\">B\u00fccher<\/a> gewonnen habe, darunter auch das hundertsechzig Seiten B\u00e4ndchen, das weil ja kein Rezensionsexemplar auf meiner Leseliste landete und est jetzt von mir gelesen wurde.<\/p>\n<p>Die ersten f\u00fcnfundsiebzig Seiten geh\u00f6ren also Polgars-Text und da die Dietrich da ja erst Mitte drei\u00df\u00edg war ist es nat\u00fcrlich keine Biografie, sondern eine Huldigung oder ein Portrait in knappen Blitzlichtern. Die n\u00e4chsten f\u00fcnfundvierzig Seiten hat der 1954 in Wien geborene Herausgeber geschrieben, der bis 2013 Korrespondent der FAZ war. Hier gibt er unter dem Titel &#8220;Aber verliebt in sie war ich schon -Alfred Polgar und Marlene Dietrich&#8221;, Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Buches.<\/p>\n<p>Polgar hat Marlene Dietrich sp\u00e4ter, glaube ich, nicht mehr gesehen, mit<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/09\/17\/die-gefahren-der-vielseitigkeit\/\"> Friedrich Torberg<\/a> war sie befreundet mit Polgar eigentlich nicht und so ist es sehr interessant in den sp\u00e4ten Zweitausendzehnerjahren sowohl Einblicke in das Leben der fr\u00fchen Dietrich, als auch das in Alfred Polgars zu bekommen, der durch die Nazis ja seinen Verlag, seine Reputation und seine Heimat verloren hat.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem gibt es in dem Buch auch einen Anhang, wo Weinzierl genaue Quellenangaben zu seinen Behauptungen liefert und ein weiterer umfangreicher Teil sind auch den Ver\u00e4nderungen, die an \u00dcolgars Text vorgenommen wurden, gewidmet, der wahrscheinlich haupts\u00e4chlich f\u00fcr Literaturwissenschafter und Historiker interesant sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Der gew\u00f6hnliche Leser wird sich eher an den beigef\u00fcgten Fotografien erfreuen und wenn man mehr und die Dietrich &#8220;gesamt&#8221; erleben will, sollte man sich wohl an eine sp\u00e4ter erschienene Biografie halten. <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/03\/28\/du-sagst-es\/\">Connie Palmen<\/a> hat, glaube ich, in ihrem neuen Buch &#8220;Die S\u00fcnde der Frau&#8221; \u00fcber sie geschrieben.<\/p>\n<p>Hier ist wohl mehr der historische Zeitrahmen und die Entstehungsgeschichte interessant und daher ist &#8220;Die kleine gro\u00dfe Biografie \u00fcber Marlene Dietrich&#8221;, wie am Buchr\u00fccken steht, h\u00f6chstwahrscheinlich doch sehr interessant.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Alfred Polgar, der, glaube ich, zu den Wiener Kaffeehausliteraten z\u00e4hlt, 1873 in Wien geboren wurde und 1955 starb, war ein fr\u00fcher Fan von Marlene Dietrich, die 1927 in den Kammerspielen in einer Revue namens &#8220;Broadway&#8221; aufgetreten ist und dort glaube &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=63329\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[156,3890,6365,6389],"class_list":["post-63329","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-alfred-polgar","tag-marlene-dietrich","tag-zeitdokument","tag-zsolnay"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63329","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=63329"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63329\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=63329"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=63329"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=63329"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}