{"id":63422,"date":"2018-07-29T00:52:32","date_gmt":"2018-07-28T22:52:32","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=63422"},"modified":"2018-07-29T00:52:32","modified_gmt":"2018-07-28T22:52:32","slug":"bis-ans-ende-marie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=63422","title":{"rendered":"Bis ans Ende Marie"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt habe ich es ausgelesen,\u00a0 diese &#8220;emotionae Achterbahnfahrt durch die Wesenz\u00fcge einer jungen Frau&#8221;, wie es Michael Stavaric am Buchr\u00fccken nannte und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/07\/26\/schon-bekanntes-bei-den-o-toenen\/#respond\">Daniela Strigl hat es bei den O- T\u00f6nen<\/a> einen Coming of Age Roman genannt, der bei einer Debutschiene nat\u00fcrlich nicht fehlen darf.<\/p>\n<p>Was ist ein Coming of Age Roman?, habe ich wohl gedacht und ein wenig ratlos auf das aufgeschlagene Buch, bei dem ich gerade hundert Seiten gelesen hatte, geschaut und bin jetzt w\u00e4hrend des Zuendelesens daraufgekommen, da\u00df wohl hier oder \u00fcberhaupt,<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/04\/07\/sonnenkoenige\/\"> das Erwachsenenwerden und in die Weltgehen junger Menschen gemeint ist.<\/a><\/p>\n<p>Gottfried Keller hat das, wohl wenn ich mich nicht irre bei seinem &#8220;Gr\u00fcnen Heinrich&#8221; auch getan. Ein Entwicklungsroman also. Aber kann man das Ertasten einer zwanzig bis f\u00fcnfundzwanzigj\u00e4hrigen Psychologiestudentin, die von einem Dominik tr\u00e4umt, von ihrer Mutter immer wieder gesagt bekommt, da\u00df sie besser Medizin studiert h\u00e4tte, aber das wegen ihrer Blutphobie nicht k\u00f6nnte, wirklich so nennen?<\/p>\n<p>Im Klappentext steht, das habe ich schon erw\u00e4hnt, geschrieben, da\u00df Marie all das, was die namenlosgebliebene Ich-Erz\u00e4hlerin hat, nicht besitzt: &#8220;attratktiv und beliebt, dominat und extrovertiert&#8221;.<\/p>\n<p>Die Erz\u00e4hlerin ist verliebt in einen Dominik, der wohl beides, sowohl, die begehrte MedIzin, als auch das &#8220;Nebenfach Psychologie&#8221;, studiert.<\/p>\n<p>All das, was ich in den Siebzigerjahren, als die Erz\u00e4hlerin noch nicht geboren war, irgendwie auch erlebte und\u00a0 eine ebenfalls Psychologie studierende Freundin in eine Schizophrenie abgleiten sah und ins ber\u00fchmte Melkweg in Amsterdam, hat sie mich wegen der Selbsterfahrung auch mitnehmen wollen. Da bin ich standhaft geblieben und habe nicht gekifft und Gras gerochen.<\/p>\n<p>Die Ich-Erz\u00e4hlerin, die am Anfang des Buches, Marie die Musikerin, die offenbar in einer Bar kellnert, kennenlernt und auch eifrig, die Werke Freuds studiert, tut das aber. Sie hascht und trinkt und macht auch ihre sexuellen Erfahrungen. Geht mit Marie, die wie weiter im Klappentext steht, immer herausfordert und Grenzen \u00fcberschreitet, auf einen Berg. I\u00dft Schnitzel mit ihr oder eigentlich tut das nur Marie. Denn die Namenlose ist ja Vegetarierin und, als sie das Ketschup sieht, in das Marie ungeniert ihr Pommes taucht, denkt sie wohl verzweifelt&#8221;Es ist nur Ketchup!&#8221;<\/p>\n<p>Ich tue mir ja, das habe ich schon <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/07\/26\/schon-bekanntes-bei-den-o-toenen\/#respond\">\u00f6fter geschrieben<\/a> mit poetisch sch\u00f6nen Texten, die ohne Struktur und Inhalt dahinpl\u00e4tschern schwer. Ich brauche die Struktur der Handlung, sowei die zeitliche Chronologie und die scheint mir nicht gegeben, denn mir war \u00f6fter nicht ganz klar, ob das, was da jetzt beschrieben wird, vorher oder nachher in der Kindheit der Protogonistin, in ihren Tr\u00e4umen oder auch in ihren Wahnvorstellungen passiert? Denn sie geht weiter hinten in eine Vorlesung, wo der Professor etwas von der Schizophrenie und ihren Sympomen erkl\u00e4rt und sie ihm nachher erz\u00e4hlt, da\u00df sie sich krank f\u00fchle.<\/p>\n<p>Aber vorher ist sie noch mit ihren Freunden und mit Marie nach Venedig zu einem Festival gefahren. Hat dort auch etwas mit ihren Haaren angestellt, was die Mutter, selber \u00c4rztin oder Arzgattin, die vom Ehemann mit Tabletten versorgt wird, auch das habe ich von Arzts\u00f6hnen erz\u00e4hlt bekommen, da\u00df das in den Sechziger- und siebzigerjahren so war, aber Barbara Rieger wurde ja erst 1982 in Graz geboren, entsetzt und die Tochter auf der Grillparty, die sie gibt, als &#8220;Die Rebellin!&#8221; vorstellt.<\/p>\n<p>Es gibt auch eine Gro\u00dfmutter, der es schlecht geht, im Rollstuhl sitzt, und wenn ich mich nicht irre, stirbt und Marie zieht zur Erz\u00e4hlerin in eine Wohngemeinschaft. Da erz\u00e4hlt sie der Gro\u00dfmutter schon, da\u00df ihr das nicht guttut. Sp\u00e4ter wird Silvester gefeiert. Da hat die Mutter der Tochter geraten, ja nicht betrunken auf das Dach zu klettern. Sie bleibt daher mit Tom, das ist offenbar der Kneipenbesitzer, bei dem Marie arbeitet, unten und geht mit ihm ins Bett.<\/p>\n<p>&#8220;Tut es weh? fragt Tom. Maries Augen sehen mich an, ich bei\u00dfe sie z\u00e4rtlich, ich bei\u00dfe sie fest. Bist du bereit?\u00a0 Ihre Augen, ihr offener Mund, ich verschlinge sie z\u00e4rtlich, sie schnappt nach Luft. Komm sagt er. Ich bei\u00dfe sie tot.&#8221;<\/p>\n<p>Das war offenbar das Ende oder auch nicht. Denn auf der n\u00e4chsten Seite geht es noch ein bi\u00dfchen weiter.<\/p>\n<p>&#8220;Das Feuerwerk ebbt langsam ab. Tom zieht seinen Penis aus mir heraus, entfernt das Kondom, knotet es zu, l\u00e4sst es auf den Boden fallen und sieht mich an. Ich bemerke, dass ich weine und lache, ich lache und weine. Marie sagt er. Alles okay sage ich.&#8221;<\/p>\n<p>Das ist also ein Coming of Age Roman. Aber vielleicht sind die, wie im Klappentext steht &#8220;Begegnungen mit Mare, die immer merkw\u00fcrdiger und bruchst\u00fcckhafter werden, als w\u00fcrde etwas nicht stimmen, eine Art St\u00f6rbild, das sich \u00fcber die Realit\u00e4t legt&#8221;,\u00a0nur eine Verschmelzung vom Realbild in den Traum und die Marie nur die Wunschverstellung der Namenblos bleibenden?<\/p>\n<p>So etwas habe ich<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/06\/19\/eines-tages-verschwand-karola\/\"> auch <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/01\/10\/rosengift\/\">schon gelesen<\/a> und das Cover deutet auch auf die beiden Seiten. Die Dunkle und die Helle hin da sieht man zwei Frauengestalten in wei\u00dfen und dunklen gepunktenten Blusen und ihre Gesichter sind auch jeweils schwarz oder wei\u00df angemalt.<\/p>\n<p>Ein spannendes Buch, schlie\u00dft die fast F\u00fcnfundsechzigj\u00e4hrige, die in den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/05\/deja-vue-und-arbeitsbericht\/\">Siebzigerjahren Psychologie <\/a>studiert hat und da auch, wie <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/05\/deja-vue-und-arbeitsbericht\/\">Daniela Strigl<\/a> einleitete, die Universit\u00e4t erlebt, die Barbara Rieger beschreibt. Ein Buch wahrscheinlich f\u00fcr j\u00fcngere Leserinnen von einer j\u00fcngeren Frau geschrieben.<\/p>\n<p>Interessant das Erwachsenewerden der heutigen Psychologiestudentinnen zu erleben, die sich auch ihren Weg zwischen Sex, Kondome, Gras und Whisky in die Erwachsenenwerlt erk\u00e4mpfen m\u00fcssen und dabei nicht in der Psychiatrie landen sollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt habe ich es ausgelesen,\u00a0 diese &#8220;emotionae Achterbahnfahrt durch die Wesenz\u00fcge einer jungen Frau&#8221;, wie es Michael Stavaric am Buchr\u00fccken nannte und Daniela Strigl hat es bei den O- T\u00f6nen einen Coming of Age Roman genannt, der bei einer Debutschiene &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=63422\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[665,1149,1354,3277],"class_list":["post-63422","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-barbara-rieger","tag-coming-of-age-roman","tag-debut","tag-kremayr-scheriau"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63422","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=63422"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63422\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=63422"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=63422"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=63422"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}