{"id":63561,"date":"2018-08-04T00:28:50","date_gmt":"2018-08-03T22:28:50","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=63561"},"modified":"2018-08-04T00:28:50","modified_gmt":"2018-08-03T22:28:50","slug":"flammenwerfer","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=63561","title":{"rendered":"Flammenwerfer"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wahrscheinlich das letzter Buch aus meiner Backjahresliste, bevor es an das<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/07\/22\/vorschau-auf-die-besten-jahresbuecher\/\"> gro\u00dfe Buchpreis und Herbstneuerscheinungs<\/a>&#8211; beziehungsweise Urlaubslesen geht und da habe ich aus der Reihe der Schmankerln die noch auf mich warten Rachel Kuschners &#8220;Flammenwerfer&#8221; aus den noch auf mich wartenden Schmankerln gezogen, ein Buch, das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/07\/24\/madame-hemingway\/\">2013<\/a> im Original <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/07\/25\/marlene\/\">2015<\/a> in deutscher \u00dcbersetzung bei &#8220;Rowohlt&#8221; herausgekommen ist und ich es wahrscheinlich Ende 2015 oder Anfang 2016 oder\u00a0 aus einem der Schr\u00e4nke gezogen habe.<\/p>\n<p>&#8220;Unververk\u00e4ufliches Leseexemplar&#8221;, ist auf dem Cover aufgedruckt.<\/p>\n<p>&#8220;Wir bitten Sie Rezensionen nicht vor dem 27. Februar 2015 zu ver\u00f6ffentlichen&#8221;.<\/p>\n<p>Nun da ist es schon an der Zeit dazu und das Buch, kann ich mich erinnern, ist damals durch alle Munde und Blogs gegangen und heute, wie ich fast vermuten w\u00fcrde, schon vergessen, weil sich ja alle Blogger durch die brandthei\u00dfen Neuerscheinungen lesen und die anderen ohnehin lieber Netflix h\u00f6ren und die B\u00fccher auch nicht mehr kaufen.<\/p>\n<p>Sie legen sie noch in die Schr\u00e4nke\u00a0 und &#8220;Flammenwerfer&#8221; auf das ich sehr neugierig war, hatte, glaube ich, sowohl gute, als auch schlechte Rezensionen. Die schlechten habe ich, wenn ich mich nicht irre in \u00d61 geh\u00f6rt, die guten flammenden stehen am Buchr\u00fccken:<\/p>\n<p>&#8220;Wow was f\u00fcr ein Buch! Alle,\u00a0 wirklich alle sollen es lesen, es ist das beste, was zeitgen\u00f6ssische Literatur zu bieten hat, ein absolutes Meisterwerk&#8221; und Jonathan Franzen, von dem ich heuer <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/01\/21\/unschuld\/\">auch schon was gelesen<\/a> habe, hat noch &#8220;Ich liebe Kushners Flammenwerfer&#8221;, dazugeschrieben.<\/p>\n<p>Weiter oben kann man etwas vom Inhalt erfahren &#8220;Dieses Buch ist ein erz\u00e4hlerisches Naturereignis &#8211; ein Roman \u00fcber eine schnelle junge Frau auf einem Motorrad, ihre Liebschaften im New Yorker Kunst-Untergrund der sp\u00e4ten Siebziger und ihre politischen Verwicklungen im Italien der roten Brigade&#8221;.<\/p>\n<p>Wow, welche Vorgabe, k\u00f6nnte man meinen und, sich fragen, warum habe ich eine Woche gebraucht mich durch die f\u00fcnfundert Seiten zu lesen, fast k\u00f6nnte man sagen, gequ\u00e4lt und manche Kapitel habe ich direkt \u00fcberflogen und mich bei den vielen verschiedenen Namen auch nicht sehr ausgekannt. Bei &#8220;Amazon&#8221; l\u00e4\u00dft sich auch nachlesen, da\u00df manche der Rezenseten diese enthusiatstischen Vorgaben nicht ganz teilten.<\/p>\n<p>&#8220;Das Buch ist gut geschrieben. Langweilig ist es trotzdem, da die Charakt\u00e4re kein Leben eingehaucht bekommen. Alles pl\u00e4tschert, psychologisch treffen beschrieben, ins Nirgendwo, so als h\u00e4tte sich die Autorin beim Schreiben gelangweilt.&#8221;<\/p>\n<p>Rachel Kushner, entnehme ich dem Buch, wurde in Oregon geboren, studierte Literatur und kreatives Schreiben an der Columbia Universit\u00e4t, arbeitete in diversen Kunst- und Literaturmagazinen und liebt schnelle Motorr\u00e4der und Skirennen.&#8221; Flammenwerfer&#8221; ist ihr zweites Buch, mit ihm und dem ersten wurde sie f\u00fcr den National Book Award nominiert, was, wie noch weiter steht, noch nemanden vor ihr gelungen ist.<\/p>\n<p>Hm, wieder sehr viel autobiografischen k\u00f6nnte man meinen und unken.<\/p>\n<p>Es gibt dann auch ein Nachwort der Autorin, das erkl\u00e4rt, wie sie zu dem Schreiben des Buches gekommen ist. Der Beginn war ein Foto ihrer Sammlung, das auch das Cover ziert, ein Frauenkopf mit verklebten Mund, zwei kleine\u00a0 Plasterstreifen in Kreuzform, am Cover steht auf einem noch &#8220;Roman&#8221; darauf.<\/p>\n<p>Damit ist sie wohl ausgezogen, die Siebzigerjahre in New York mit den Siebzigerjahren in Italien, den Tod Aldo Moros, den Entf\u00fchrungen durch die roten Brigaden, etcetera zu verkn\u00fcpfen und dann ist das entstanden, was am Buchr\u00fccken noch so beschrieben wird &#8220;Als dieser Roman 2013 in new York erschien, l\u00f6ste er ein unbeschreibliches Echo unter Rezensenten und Autoren aus. Einm\u00fctig stellten sie fest, da\u00df &#8220;Fallenwerfer&#8221; \u00fcber alle vorgefassten Meinungen, was heute einen guten Roman auszumachen habe, hinwegfegt und alle seine Leser mitrei\u00dft und begeistert&#8221;.<\/p>\n<p>Man kann es dem oben geschriebenen wahrscheinlich schon entnehmen, da\u00df ich diese Meinung auch nicht ganz teile und fast glauben, wirde da wird in den f\u00fcnfunhunderf\u00fcnfzig Seiten ziemlich unstrukturuert vor sich hin geschrieben, Geschichten und Ereignisse aneinandergereiht und nach dem, was ich mir in den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/08\/25\/schreiben-lernen\/\">letzten vierzig Jahren \u00fcber das B\u00fccherschreiben angeeignet habe<\/a>, erstaunt mich fast, da\u00df das so gro\u00dfe\u00a0 Beigeisterungswellen ausl\u00f6ste, denn ich w\u00fcrde sagen, da geh\u00f6rt viel mehr strukutriert, eine Handlung hineingebracht, nicht blo\u00dfe Fakten, Material und Konzeptwissen aneinandergereiht.<\/p>\n<p>Dann werde ich versuchenden roten Faden der Handlung zu finden, was mir, wie ich f\u00fcrchte, nicht sehr gelingt, denn eigentlich habe ich den\u00a0 ja nicht entdeckt.<\/p>\n<p>Da ist also Reno, die junge Frau und Konzeptk\u00fcnstlerinn mit den schnellen Motorr\u00e4dern, die f\u00e4hrt am Anfang des Buches \u00fcber die gro\u00dfen Salzseen, hat dabei auch einen Unfall, macht aber einen Rekord. Dann kommt sie nach New York, lernt dort ihre Freundin Giddle kennen, arbeitet bei einem Fotografenteam und Sandro Valero, Sohn einer italienischen Autoreifendynastie lernt sie auch kennen.<\/p>\n<p>Mit ihm verbringt sie einen Sommer in Italien, im Haus oder Schlo\u00df seiner Mutter, die dort mit einem alten Dichter lebt, das Hauspersonal ignoriert sie, denn sie ist nicht vom feinen italienischen Adel, wo man nicht &#8220;Haus&#8221; sondern&#8221; Eigenheim&#8221; zu sagen hat.<\/p>\n<p>So feine Spitzen gibt es auch. Sandro betr\u00fcgt sie schlie\u00dflich mit seiner Cousine. Die roten Brigaden entf\u00fchren seinen Bruder und bringen ihn um. Es wird auch von der Konzeptkunst erz\u00e4hlt, wo Frauen ihren Arsch oder ihre Titen in einen Kasten stellen und die M\u00e4nner ihn ber\u00fchren k\u00f6nnen und noch w\u00e4hrend man &#8220;Wow !&#8221;,denkt&#8221;das habe ich doch schon wo geh\u00f6rt!&#8221;, wird schon Valie Export erw\u00e4hnt und kommt auch in dem Nachwort der Autorin vor, wo sie eben erz\u00e4hlt, da\u00df sie die beiden Str\u00f6menungen der siebzigerjahre, Italen, New York\u00a0 und\u00a0 wahrscheinlich noch viel mehr verkn\u00fcfen wollte.<\/p>\n<p>Freud wird zitiert oder kritisiert, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/10\/26\/die-glasglocke\/\">Sylvia Plath<\/a> erw\u00e4hnt und immer wieder Geschichten erz\u00e4hlt. Zum Beispiel von einem, der irgendwohin Kaninchen liefern sollte, aber nicht darauf achteten , da\u00df sie ja zwischen durch Nahrlung, Luft und Wasser brauchten, so da\u00df sie am Ende tot ankamen oder eine von einemMatrosen und auch immer wieder sch\u00f6ne S\u00e4tze, die beeindrucken.<\/p>\n<p>Am Schlu\u00df gibt es Fotos und auch das Material wird zitiert, aus dem Rachel Kushner ihren Jahrhundertroman, der offenbar doch kein solcher ist, montiert hat und ich bin vielleicht wieder ein bi\u00dfchen kl\u00fcger geworden, was das Romanschreiben und die Industrie herum betrifft, wei\u00df nicht, ob mein Leseexemplar gelesen oder so entsorgt wurde und nat\u00fcrlich ist es interessant von einer weiblichen Motorradfahrerin, der amerikanischen Konzueptkunst, dem Feminismus, den Kampf, um das rote Italien und noch viel es mehr zu lesen und war, wie schon erw\u00e4hnt, erstaunt, da\u00df ein f\u00fcr mich eigentlich eher unstrukturiertes Aneinanderreihen von Fakten und Erlebnissen, wenn auch nur f\u00fcr kurze Zeit ein so gro\u00dfes Medienecho ausl\u00f6sen konnte.<\/p>\n<p>Interessant ist vielleicht noch zu erw\u00e4hnen. Reno geht als einzige Frau alleine in ein Pornokino. Dort wird zwar kein Popcorn verkauft. Es rascheln aber alle trotzdem mit Papiert\u00fcten. Auf einmal geht das Licht aus, der Kartenverk\u00e4ufer kommt mit einer Taschenlampe heirein und bitte alle ruhig den Saal zu verlassen, denn in New York gab es inzwischen einen gro\u00dfen Stromausfall, der zu Pl\u00fcnderungen und Katastrophen f\u00fchrte, was auch noch beschrieben wird.<\/p>\n<p>Vielleicht sind es Wenungen, wie diese, die diesen Hype und das M\u00e4r, um den noch nie dagewesenen Schreibstil ausl\u00f6sten.<\/p>\n<p>Nochmals interessant und wahrscheinlich ein Druckfehler, der Satz auf Seite 13 &#8220;Mein Onkel Bobby, der seinen Lesbenunterhalt mit dem Transport von Schrott verdiente&#8230;&#8221;, passt aber zu dem Buch und seinen Stil sehr gut.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wahrscheinlich das letzter Buch aus meiner Backjahresliste, bevor es an das gro\u00dfe Buchpreis und Herbstneuerscheinungs&#8211; beziehungsweise Urlaubslesen geht und da habe ich aus der Reihe der Schmankerln die noch auf mich warten Rachel Kuschners &#8220;Flammenwerfer&#8221; aus den noch &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=63561\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[223,3238,4099,4699,4943],"class_list":["post-63561","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-amerikanische-gegenwartsliteratur","tag-konzeptkunst","tag-motorradfahren","tag-rachel-kushner","tag-rote-brigaden"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63561","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=63561"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/63561\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=63561"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=63561"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=63561"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}