{"id":6376,"date":"2011-03-28T12:46:45","date_gmt":"2011-03-28T10:46:45","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=6376"},"modified":"2011-03-28T12:46:45","modified_gmt":"2011-03-28T10:46:45","slug":"du-blutest-du-blutest","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6376","title":{"rendered":"Du blutest, du blutest"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Du blutest, du blutest&#8221;, der neue Roman von Michaela Falkner ist ein Buch \u00fcber Gewalt und und Krieg, aber auch ein Versuch in poetisch sch\u00f6nen Worten die grausamsten Dingen des Lebens zu erz\u00e4hlen und sich mit einer Wirklichkeit auseinanderzusetzen, die so unwirklich und unbeschreibbar ist, da\u00df man sich ihr nur mit sehr viel Distanz, Dissoziation, Listen, Regeln, aber auch mit sch\u00f6nen S\u00e4tzen, Bildern und Beschreibungen entziehen kann und man kann es sich wahrscheinlich auf mehr als eine Art und Weise deuten und so habe ich das Buch, da\u00df ich einem Zug gelesen haben, schlie\u00dflich ganz anders verstanden, als ich bei der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/03\/01\/das-neue-buch-von-michaela-falkner\/\">Lesung<\/a> dachte.<br \/>\nEs geht um einen kleinen Jungen, in einer namenlosn Stadt, in welchen Land das spielt, wird nirgends ausgeschrieben, nur die Jahreszahl 2010, glaube ich. Trotzdem dachte ich, an Ex-Jugoslawien, vielleicht weil der Junge, in dessen Land und Heimatort der Krieg ausgebrochen ist, Ivan hei\u00dft, aber, da\u00df die Namen neu erfunden werden und sie die Kinder, um sie sich zu merken, hundertmal an die W\u00e4nde schreiben, steht auch in dem Buch geschrieben.<br \/>\nDa ist also der kleine Junge, &#8220;der an einem sch\u00f6nen Tag im Sommer, mit dem Linienbus in die n\u00e4chste Stadt fahren soll. &#8220;Morgen werde ich zw\u00f6lf&#8221;<br \/>\nDann scheinen die Soldaten in das Dorf zu kommen, die Leute zu t\u00f6ten und der Junge ger\u00e4t in die Gewalt der Soldaten, Terroristen, etc. auch das erf\u00e4hrt man nicht genau, nur, da\u00df er irgendwo gefangengehalten wird, vielleicht seinen Vater t\u00f6tet, seine Mutter vergewaltigt und, das auch an den anderen Kinder so sieht.<br \/>\nDas alles in wundersch\u00f6nen poetischen Worten und S\u00e4tzen und geheimnisvollen Bildern. Er geht dann in das Haus der Eltern, die Mutter und der Vater haben viel gearbeitet, es gibt eine Schwester zu der er eine gute Beziehung hatte und die ihn mit ihren starken H\u00e4nden, da zwei Jahre \u00e4lter, irgendwohin getragen hat. Die ist vielleicht auch ermordet, vergewaltigt, vergraben worden.<br \/>\nZwischendurch wird noch von Ausgangssperren berichtet, von Fl\u00fcchtlingen, die das Land gerade noch verlassen k\u00f6nnen, von Notarztwagen und von Dolmetschern.<br \/>\nDer Junge ger\u00e4t dann in einen Wald, wo die Mienen liegen und die Leichenteile herumliegen, die er sich zusammenbastelt, um aus ihnen einen neuen Menschen, einen Spielgef\u00e4hrten etc zu basteln. Er kommt wieder in das elterliche Haus, &#8220;wo mittlerweile das Wasser abgedreht ist, die Fensterrahmen im obersten Stockwerk herausgerissen, das Balkongel\u00e4nder abmontiert sind. Und im Garten hinten die Wiese mit Chemikalien bespr\u00fcht, die Zusammengepferchten langsam und qualvoll verreckten&#8221;<br \/>\nDort findet er dann viele Kinder, die \u00dcbergebliebenen namens Maximilian, Georg, Emad, Omar, Alexander, Zinedine, uswusf. und das deja vue, das flash back beginnt wahrscheinlich.<br \/>\nGr\u00fcnden sie doch &#8220;eine Gang, um nachts zu kommen, zu pl\u00fcndern und zu entf\u00fchren.&#8221;<br \/>\n&#8220;Wir werden Krieg gegen die Erwachsenen f\u00fchren, Dinge tun, zu denen sie selbst nicht f\u00e4hig w\u00e4re, die sie nicht wagen w\u00fcrden.&#8221;<br \/>\nDie Kinder verlieren dann auch ihre Namen, werden zu Nummern und wieder werden nur die st\u00e4rksten \u00dcberleben und am Schlu\u00df ist &#8220;Ivan dann nach Hause gelaufen, hat sie das Leben genommen, weil er es nicht mehr ausgehalten, das war im Herbst&#8221;<br \/>\nDas steht auf Seite 115 kurz vor Schlu\u00df, der letzte Satz auf Seite 118 lautet dann noch &#8220;Kinder h\u00e4ngen am Baum.&#8221;<br \/>\nDazwischen hat man einen Schnellkurs in Traumataverarbeitung bekommen, beschreibt Michaela Falkner das alles ja in sch\u00f6nen kurzen S\u00e4tzen, f\u00fchrt dissoziativ-distanziert ein in das Elend, das in Afghanistan, Irak, Kosovo oder wo auch immer Tag f\u00fcr Tag passiert und wir inzwischen auch hautnahm in unseren Fernsehern miterleben k\u00f6nnen. W\u00e4hrend das Buch erschienen ist, hat es in den arabischen L\u00e4ndern neue Unruhen und Tote gegeben und in Japan den Tsunami mit dem Reaktorunfall, dessen Auswirkungen wir noch erleben werden.<br \/>\nMan bleibt sprachlos zur\u00fcck, denkt, ich will nicht so viel Gewalt, \u00fcberlegt, ob es Michaela Falkner mit diesem Buch gelungen ist, das Kunstst\u00fcck zu schaffen, die grauslichsten Inhalte in sch\u00f6nen Worten hin\u00fcberbringen, fragt sich, ob man das lesen mu\u00df und will und ob man das Buch jetzt richtig verstanden hat und denkt, da\u00df die, die das \u00fcberlebt haben, auch die sind, die in den Lastw\u00e4gen mit den doppelten B\u00f6den \u00fcber die Grenzen kommen. Linda Stift hat das bei einem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/06\/wie-man-den-bachmannpreis-gewinnt\/\">Bachmannpreislesen<\/a> so beschrieben und Ludwig Laher vor kurzem in seinem Buch <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/26\/verfahren\/\">&#8220;Verfahren&#8221;<\/a> in etwas weniger poetischen Worten , wo ich bei einer Bloggerin las, da\u00df sie das Lesen abgebrochen hat, weil es ihr zu wenig erz\u00e4hlend und zu dokumentierend gewesen ist.<br \/>\n&#8220;Kunst ist ein Manifest&#8221;, steht sicher irgendwo oder denke ich mir jetzt und das Leben ist ein einziger Gewaltakt und ich habe das Gl\u00fcck in einer Zeit und an einem Ort zu leben, wo mir das nicht selbst passiert, aber wissen, da\u00df das gar nicht so weit weg geschieht, ist auch nicht gerade lustig und Michaela Falkner sicher eine  interessante junge Frau und militante Romantikerin, wie der Deutschlandfunk \u00fcber sie meint.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Du blutest, du blutest&#8221;, der neue Roman von Michaela Falkner ist ein Buch \u00fcber Gewalt und und Krieg, aber auch ein Versuch in poetisch sch\u00f6nen Worten die grausamsten Dingen des Lebens zu erz\u00e4hlen und sich mit einer Wirklichkeit auseinanderzusetzen, die &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6376\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-6376","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6376","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6376"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6376\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6376"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6376"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6376"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}