{"id":6398,"date":"2011-03-31T22:39:38","date_gmt":"2011-03-31T20:39:38","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=6398"},"modified":"2011-03-31T22:39:38","modified_gmt":"2011-03-31T20:39:38","slug":"offener-bucherschrank-und-rosa-winkel","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6398","title":{"rendered":"Offener B\u00fccherschrank und rosa Winkel"},"content":{"rendered":"<p>Seit heute gibts einen neuen offenen B\u00fccherschrank, den dritten neben dem in der Zieglergasse und dem am Brunnenmarkt, im neunten Bezirk, in dem offenbar erst seit kurzem so benannten Heinz Heger Park. Unter dem Namen Heinz Heger erschien 1972 das Buch &#8220;Die M\u00e4nner mit dem rosa Winkel&#8221; ein Bericht eines Homosexuellen \u00fcber seine KZ-Haftzeit.<br \/>\nDeshalb gibt es t\u00e4glich dieses Buch zur freien Entnahme, der Nationalfond hat den Ankauf gef\u00f6rdert und der Kasten, das ist wieder ein Novum besteht aus drei schalen hohen Kasteln, einer ist mit rosa Winkeln geschm\u00fcckt, da gibt es dann ein kleines Fach mit dem Buch, das t\u00e4glich von einem Arzt, der am Zimmermannplatz eine Gemeinschaftspraxis hat, hineingestellt wird. Es gibt auch eine Tafel, die auf die Geschichte des Buches hinweist und eine, wo man lesen kann, da\u00df Frank Gassner und noch einige andere Engagierten dieses Projekt angeregt, finanziert und initieert haben und dann einen kleineren und einen gr\u00f6\u00dferen Kasten mit den B\u00fcchern.<br \/>\nIm Februar 2010 wurde in der Zieglergasse\/Westbahnstra\u00dfe der erste Kasten er\u00f6ffnet, seither bin ich ich eine sehr regelm\u00e4\u00dfige Ben\u00fctzerin, habe schon viele B\u00fccher dort gefunden, gelesen und besprochen, ein paar auch selber hingebracht und vor allem in zwei meiner B\u00fccher, in der &#8220;Mimi&#8221; und in der &#8220;Absturzgefahr&#8221; dar\u00fcber geschrieben und berichte auch im Literaturgefl\u00fcster gern <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/02\/19\/silberbote\/\">dar\u00fcber.<\/a><br \/>\nMan k\u00f6nnte soziologische Studien betreiben, was sich alles da finden l\u00e4\u00dft. Die B\u00fcchergilde Gutenberg B\u00fccher der F\u00fcnfzigerjahre, das, was ich von meinem Vater erbte, die Vicki Baum, die Pearls S. Buck ctc,  sind, glaube ich, schon verschwunden, bzw, die Leute, die sie besessen haben  gestorben und ihre Bibliotheken aufgel\u00f6st.<br \/>\nJetzt geht es eher um die Siebzigerjahre, um das, was gerade in war, als ich studiert habe. Karin Struck und Gabriele Wohmann wird entsorgt oder auch das, was die Leute so lesen und nachher nicht mehr brauchen. Da gab es ja ein <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/03\/06\/lisbeths-leseliste-und-andere-neuigkeiten\/\">Interview mit einer Germanistin<\/a>, die sagte, sie tr\u00e4gt ihre Krimis hin, weil sie die nur einmal liest.<br \/>\nIch habe auch einmal ein Paar mehrere Schachtel mit englischen Krimis einr\u00e4umen sehen.<br \/>\nDie eigentliche Idee des sehr engagierten Betreibers, der f\u00fcr seine Projekte  sehr k\u00e4mpft und wenn man seine <a href=\"http:\/\/www.facebook.com\/pages\/offener-B%C3%BCcherschrank\/119307621447153\">facebook Seite<\/a> liest, auch gen\u00fcgend Niederlagen erlebt, ist ja das Kunstprojekt. Fank Gassner ist ein bildender K\u00fcnstler, dem geht es mehr, um die Schr\u00e4nke, weniger um die B\u00fccher.<br \/>\nDie sind pro Standort jeweils extra  geplant, sehen ganz anders aus und auch entsprechend teuer, dann begannen die Schwierigkeiten mit den Finanzierungen, den Bewilligungen, etc.<br \/>\nEs geht auch, wie bei der Sendung Diogonal deutlich wurde, um den \u00f6ffentlichen Raum und gar nicht um das Lesen, das sagte Frank  Gassner, da\u00df er das nicht f\u00f6rdern will und das finde ich, die ich von der anderen Seite komme, sehr interessant. Denn es ist spannend zu beobachten, wie aufwendig es ist, einen Kasten irgendwohin zu stellen, in dem Leute ihre alten B\u00fccher r\u00e4umen und sich welche nehmen k\u00f6nnen. Ich merke aber auch, da\u00df es manchmal schwierig ist, ein Buch zu tauschen. Damit kann man bei Autoren geh\u00f6rig ins Fettn\u00e4pfchen treten. Im Kapitalismus mu\u00df man eben alles verkaufen und so landen auch alte B\u00fccher am Flohmarkt und mit dem B\u00fcchercrossing tue ich mir  schwer, das ist mir zu kompliziert und zu b\u00fcrokratisch, so finde ich diese Idee sehr gut.<br \/>\nUnd es funktioniert ja auch. Der Schrank ist immer voll und ich denke, da\u00df das sowohl das Geben und das Nehmen klappt, die einen leeren ihre B\u00fccherschr\u00e4nke, die anderen lesen gratis und schreiben dar\u00fcber, so wie ich und das ist wahrscheinlich die Funktion des \u00f6ffentliches Raumes, schade nur, da\u00df man daf\u00fcr offenbar viel Geld und viel b\u00fcrokratischen Aufwand braucht.<br \/>\nDa\u00df sich das Produkt Buch gerade jetzt sehr ver\u00e4ndert, bekommt man mit, wenn man auf Buchmessen geht oder die Seite des Literaturcafe. de liest. Da ist ja jetzt das E-Buch stark im Kommen und ich denke inzwischen auch, da\u00df man durch E- B\u00fccher  viel Papier erspart, aber daran m\u00fc\u00dfen wir uns erst gew\u00f6hnen, derzeit h\u00f6rt man immer noch, es geht nicht ohne das gute alte Buch, weil der Leser den Roman sehen, riechen und begreifen will, da\u00df sich das vielleicht in zwanzig drei\u00dfig Jahren \u00e4ndert und man dann ganz anders liest, l\u00e4\u00dft sich schon vorstellen. Die Leute lesen auch immer weniger und die Pisa Studie zeigt, da\u00df man da viel f\u00f6rdern mu\u00df und da kommt ein bildender K\u00fcnster von einer ganz anderen Seite, stellt Kunstwerke in den \u00f6ffentlichen Raum und l\u00f6st damit sehr viel aus. Die Gr\u00fcnen lese ich auf Frank Gassners Facebook Seite stellten sich auch quer, so da\u00df das jetzt der letzte Kasten ist, den Frank Gassner schon wieder aus seiner eigenen Tasche finanziert, weil in Zeiten, wie diesen kein Geld daf\u00fcr da ist und der in der Otto Bauergasse scheint doch nicht zu kommen, obwohl es schon einen Entwurf dazu gibt.<br \/>\nHeute gab es also die feierliche Er\u00f6ffnung.  Ich verfolge ja Frank Gassners facebook Seite und bekomme von ihm auch die Einladungen zu den Besprechungen, so wei\u00df ich, da\u00df die drei schmalen K\u00e4sten schon vor ein paar Tagen aufgebaut und verh\u00fcllt wurde. Um 13 Uhr war die Bezirksvorsteherin, die glaube ich, gar nicht viel finanziert hat, da und hielt eine sch\u00f6ne Rede, in dem sie beteuerte, wie sehr sie das Projekt ideell unterst\u00fctzt und Frank Gassner und seinen Eltern dankte, da\u00df sie sich so daf\u00fcr einsetzen.<br \/>\nEs waren eine Menge, vor allem junge Leute da. Es gab Mineralwasser und was zum Knabbern und nachdem die K\u00e4sten enth\u00fcllt waren, wurde eifrig fotografiert. Inzwischen r\u00e4umten einige junge M\u00e4dchen ganze S\u00e4cke mitgebrachter B\u00fccher ein. Eine Frau st\u00fcrzte sich auf das rosa Winkel Buch, das nahmen dann auch die Politiker in die Hand und posierten damit vor den Fotografen. Radio Arbabella und Radio Wien machte Interviews, die Frau Bezirksvorsteher betonte, wie sehr sie sich freue, da\u00df ihr Bezirk den letzten Schrank bekommen hat, denn in Zeiten der Pisa Studie ist die F\u00f6rderung des Lesens doch sehr wichtig und von einigen jungen Leute h\u00f6rte ich ebenfalls, wie sehr sie sich freuen, da\u00df sie dort, wo sie wohnen, einen Gehsteigb\u00fccherkasten bekommen haben.<br \/>\nIch wundere mich noch immer,  wie kompliziert das Einfache ist. Denn eigentlich k\u00f6nnte man ja in jedem Amtshaus und in jener Volkshochschule eine Schachtel aufstellen und man legt hinein oder nimmt, das ginge dann mit viel weniger Aufwand und Frustration. Aber ich wei\u00df schon, es geht um das Kunstprojekt und um den \u00f6ffentlichen Raum und ich habe auch nichts dagegen.<br \/>\nF\u00fcr mich ist der  offene B\u00fccherschrank auf jeden Fall sehr wichtig und die Zahl meiner gelesenen B\u00fccher hat sich, seit ich ihn frequentiere, auch verdoppelt. Wenn der offene Raum  dadurch belebt wird und die Leute zusammenkommen, ist das sicher auch sehr sch\u00f6n.<br \/>\nBei meinem jetztigen Work on progress, geht es zwar nicht um die B\u00fccherschr\u00e4nke aber \u00fcber Leselisten und das was dort draufsteht, stammt zum Teil aus dem Schrank und ich komme mit dem <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/03\/22\/zum-uberarbeiten\/\">Korrigieren<\/a> auch recht gut voran. Letzte Woche habe ich es im Computer einmal durchkorrigiert und es auf f\u00fcnfundneuzig Seiten reduziert. Danach das ganze h\u00e4ndisch durchgesehen, um das was noch ver\u00e4ndert werden soll, anzustreichen. Haupts\u00e4chlich ist es die Sprache an der ich arbeite, da habe ich durch die R\u00fcckmeldungen meiner Leser viel gelernt. Zu k\u00fcrzen und zu verbessern ist sicher auch noch viel und ich denke ich werde noch viele Durchg\u00e4nge brauche, bis es stimmt. Aber auch das erlaube ich mir jetzt viel leichter, fr\u00fcher war ich eher verzweifelt, da\u00df es noch immer nicht fertig ist, jetzt denke ich, es braucht halt seine Zeit, bis es stimmt. Beim Mittelteil, dem &#8220;Friedhof der ungelesenen B\u00fccher&#8221;, habe ich  sogar gedacht, das w\u00e4re vielleicht etwas f\u00fcr den Bachmannpreis. Ich reiche da zwar nicht mehr ein und h\u00e4tte auch keine Verlagsempfehlung, es w\u00e4re wahrscheinlich auch zu lang und da ich im Literaturgefl\u00fcster ausf\u00fchrlich dar\u00fcber geschrieben habe, w\u00fcrde es vielleicht auch nicht als unver\u00f6ffentlicht gelten und sprachlich wirds den Oberprofis wahrscheinlich auch zu einfach und zu unoriginell sein, aber ich dachte, das w\u00fcrde ich nehmen, wenn mich jemand dazu einl\u00e4dt und das ist ja auch schon ein Erfolg, da\u00df es mir gef\u00e4llt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit heute gibts einen neuen offenen B\u00fccherschrank, den dritten neben dem in der Zieglergasse und dem am Brunnenmarkt, im neunten Bezirk, in dem offenbar erst seit kurzem so benannten Heinz Heger Park. 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