{"id":6409,"date":"2011-04-01T11:50:36","date_gmt":"2011-04-01T09:50:36","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=6409"},"modified":"2011-04-01T11:50:36","modified_gmt":"2011-04-01T09:50:36","slug":"sechs-osterreicher-unter-den-ersten-funf","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6409","title":{"rendered":"&#8220;sechs \u00f6sterreicher unter den ersten f\u00fcnf&#8221;"},"content":{"rendered":"<p>Das ist eine Werbepostkarte, die in der Wohnung des Protagonisten h\u00e4ngt und der Roman einer Entpiefkenisierung des 1965 in Duisburg geborenen und seit 1987 in Wien lebenden popul\u00e4ren Kabarettisten und TV-Moderator Dirk Stermann, ein Buch das 2010 erschienen ist, soviel ich wei\u00df, noch immer in gro\u00dfen St\u00f6\u00dfen bei Thalia und Morawa zu finden ist, das von mir im J\u00e4nner im offenen B\u00fccherschrank gefundene, ist die 7. Auflage und  offenbar ein nicht passendes Weinachtsgeschenk, denn ein silbernes Sternchen verklebt noch immer den Preis.  Aber das Duo Stermann und Griessemann aus dem Salon Helga von FM4 mag nicht jeder, mir waren die diversen Scherzchen, die ich h\u00f6ren mu\u00dfte, wenn wir fr\u00fcher Freitagabend mit der Anna nach Harland gefahren sind, auch ein wenig zu plump, aber ich habe ja keine Vorurteile gegen B\u00fccher und so habe ich das Buch gelesen und war angenehm \u00fcberrascht, fand ich ja nicht den Superbl\u00f6dler, wie ich es eigentlich erwartet hatte, obwohl ein bi\u00dfchen mit Vorurteilen f\u00e4ngts schon an.<br \/>\nDa beschreibt der Autor, wie er im Wintersemester 1987\/88 mit dem alten Taxi eines Freundes von D\u00fcsseldorf nach Wien gekommen ist, da fuhren sie zuerst in den S\u00fcden, dann nach Osten und da kamen auch die Familienvorurteile auf, \u00fcber die DDR und, da\u00df den Ostberlinern Wien vertrauter als Westberlin ist und von der alten Tante Olga, die den kleinen Dirk im Westen besuchen durfte und f\u00fcr all die sch\u00f6nen Westgeschenke wie Jeans und Salami ein selbstgeh\u00e4keltes Taschentuchsackerl mitbrachte, von dem der Dirk im Taxi noch nicht wu\u00dfte, da\u00df es ein solches ist, denn die Deutschen oder Piefke sagen ja &#8220;T\u00fcte&#8221; dazu und so kommt er in das fremde Ausland und versteht erst einmal die Sprache nicht, da trifft er auf der Uni aber einen deutschen Kommilitonen und der dr\u00fcckt ihm ein Vokabelheft in die Hand, wo man lernen kann, wie es hei\u00dft.<br \/>\n&#8220;Links das \u00f6sterreichische Wort, rechts das richtige also Karfiol statt Blumenkohl, Fiolen statt Bohnen&#8221;, weil es hier aber um \u00d6sterreich und nicht nur um das k u. k angekr\u00e4nkelte Wien geht, lernen wir auch da\u00df die K\u00e4rrntner &#8220;Strankalen&#8221; sagen. Trotzdem ist es schwer mit diesem \u00d6sterreich, wo man statt Wei\u00dfweinschorle einen Gespritzen trinkt, der K\u00f6llner Hartmut, der geizig ist, nimmt den Dirk erstmal auf eine Party in ein wundersch\u00f6nes Altbauhaus, in eine WG mit Friedenszins mit,&#8221; wo es zw\u00f6lf Zimmer mit riesigen Fl\u00fcgelt\u00fcren und Doppelstock&#8221; und einen  uralten Aufzug in dem nur die Hausbewohner fahren d\u00fcrfen, daf\u00fcr aber mit Spiegel und mit roter Pl\u00fcschsitzbank gibt, dort lernt er zwei Frauen kennen, betrinkt sich mit einem Viertel Sliwowitz und h\u00f6rt, wie es Hartmut mit dem Qualtinger versucht, den er nat\u00fcrlich nicht parodieren kann.<br \/>\nSo schleppt der unbedarfte Dirk die zwei betrunkenen Frauen die Stockwerke hinunter, l\u00e4\u00dft sich an Mezzanin und Hochparterre verwirren und den goldenen Wienercharme trifft er dabei auch, er landet schlie\u00dflich im Bett der einen, wo er seinen sp\u00e4teren Freund Robert kennenlernt und weil die Freundin Interviews f\u00fcr den Jugendsender macht, nimmt sie ihm am n\u00e4chsten Morgen mit und Dirks Karrere als Radiomoderator beginnt.<br \/>\nDas Buch hat eine Rahmenhandlung, es beginnt mit der Fahrt nach Wien, f\u00fchrt zu Roberts drei\u00dfigsten Geburtstag, am Schlu\u00df steht er kurz vor dem Vierzigsten,  das will Dirk feiern, in dem er f\u00fcr Robert die Rache in Cordoba nachinszenieren will, also ein deutsch-\u00f6sterreichisches Fu\u00dfballspiel zusammenstellt.<br \/>\nEr ist inzwischen verheiratet, hat in Sophie eine friedliche Frau gefunden, die die Endemiten studiert und eine kleine Tochter nahmens Kina, da kann man jetzt philosophieren, wie sich das aussprechen l\u00e4\u00dft?<br \/>\n  &#8220;Oachkatzerlschwoarf&#8221;, kann er inzwischen sagen und er ist auch von Papgenogasse, wo er ins Theater an der Wien hineinsah und immer die Darsteller bedauerte, die sich f\u00fcr &#8220;Cats&#8221; schminken lie\u00dfen.<br \/>\n&#8220;Da\u00df die Mullahs im Iran Verbrecher vor die Wahl stellen: Hand ab oder Cats ansehen und sich die meisten f\u00fcr die Hand entscheiden&#8221;, ist ein b\u00f6ser Witz, aber zum Gl\u00fcck sind nur wenige in dem Buch enthalten, daf\u00fcr ein paar treffende Charakterbeschreibungen, die so weit ich es nachvollziehen kann, auch Wahrheitsgehalt haben.<br \/>\nSo gab es in der Wohnung in der Papagenogasse eine brustamputierte Alkoholikerin, die jeden Abend M\u00e4nner nach Hause schleppt, aber keinen Schl\u00fc\u00dfel hat und eine mit Kleinkind die regelm\u00e4\u00dfig betrunken im Treppenhaus liegt, das wird vielleicht \u00fcbertrieben sein, im Laufe der Jahre \u00fcbersiedelt er in die Kettenbr\u00fcckengasse in Schuberts Sterbehaus und schreibt da von der &#8220;Wie sp\u00e4t ist es Frau&#8221;, die immer aus dem Fenster nach der Zeit fragte  und die habe ich gesehen und geh\u00f6rt, da ich ja auch \u00f6fter durch die Kettenbr\u00fcckengasse gehe, ich glaube allerdings, sie rief aus ein paar H\u00e4usern weiter unten.<br \/>\nDirk wohnt mit Kira und Sophie jedenfalls in dieser Gegend und trifft auch seine Freunde dort und das sind ein paar urige Typen, der ostdeutsche Rocco, der Geschichte studierte, dann in Tirol  Gastarbeiter war und beim Fu\u00dfballspielen \u00fcber die Berge kullerte, so da\u00df er in einem Gefangenenspital einen Zahnarzt kennenlernte, der s\u00e4mtliche alte Zahnarztinstrumente aus s\u00e4mtlichen Museen auf Bestellung stiehlt und dadurch reich und ber\u00fchmt wurde, das mag vielleicht auch nicht stimmten, dann gibt es noch den patscherten Architekten, dem den Hund seiner Freundin aus dem Fenster springt und den sie dann ins Krematorium f\u00fchren m\u00fc\u00dfen.<br \/>\nSo wird Wien und \u00d6sterreich erkl\u00e4rt und sich dem fremden Land mit der \u00e4hnlichen Sprache angen\u00e4hert, bzw. ein Verkaufserfolg erzielt, denn B\u00fccher \u00fcber \u00d6sterreich werden ja auch in Deutschland gern gelesen, so erf\u00e4hrt man auch ein bi\u00dfchen was \u00fcber Vorarlberg und das, was die Deutschen immer schon \u00fcber Wien und \u00d6sterreich wissen wollen, da\u00df der 71 zum Zentralfriedhof f\u00e4hrt, beispielsweise, vom Nachmarkt mit seinen W\u00fcrstlfrauen, die die G\u00e4ste, die ihren Stand beschmutzen, mit der Zange in die Nase zwicken und dem Cafe &#8220;Donauwelle&#8221;, wo Dirk der nicht weich genug Fr\u00fchst\u00fccksei aussprechen kann, seine erste Moderation verpatzt, er macht aber auch mit einem \u00fcberheblichen Vorarlberger eine Sendung, wo sie die Wohnorte ber\u00fchmter Pers\u00f6nlichkeiten vorstellen wollen, der H.C. Artmann nicht erkennt, sondern f\u00fcr einen Vollkoffer h\u00e4lt und auch keine Ahnung von Ernst Jandl hat und damit man aus dem Buch auch ein bi\u00dfchen einen Reisef\u00fchrer machen kann, wenn man sich schon von Ostfriesland oder Bayern etc hierher begibt, gibt es auch ein paar Original Torbergzitate und diese Geschichte von Corduba von der ich nicht viel Ahnung habe, weil ich mich nicht f\u00fcr Fu\u00dfball interessiere, spielt auch eine wichtige Rolle. Also ein interessantes Buch, das die Wienkennerin mit dem literarischen Anspruch \u00fcberraschte, das meiste scheint zu stimmen und ist charmant beschrieben und ich hoffe nur, da\u00df sich die &#8220;Wie sp\u00e4t ist es Frau&#8221; nicht wirklich umebrachte,  ich habe sie aber schon l\u00e4nger nicht geh\u00f6rt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das ist eine Werbepostkarte, die in der Wohnung des Protagonisten h\u00e4ngt und der Roman einer Entpiefkenisierung des 1965 in Duisburg geborenen und seit 1987 in Wien lebenden popul\u00e4ren Kabarettisten und TV-Moderator Dirk Stermann, ein Buch das 2010 erschienen ist, soviel &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6409\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-6409","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6409","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6409"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6409\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6409"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6409"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6409"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}