{"id":6451,"date":"2011-04-03T22:43:59","date_gmt":"2011-04-03T20:43:59","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=6451"},"modified":"2011-04-03T22:43:59","modified_gmt":"2011-04-03T20:43:59","slug":"lyrik-von-e-a-richter-und-hans-lebert","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6451","title":{"rendered":"Lyrik von E.A.Richter und Hans Lebert"},"content":{"rendered":"<p>Wieder eine Lyrik-Session in der Badewanne, meinem bevorzugten Leseort und ein Schm\u00f6kern in den Gedichtb\u00e4nden &#8220;Das leere Kuvert&#8221; von E.A.Richter und dem 50. Podium Portrait mit siebendunddrei\u00dfig Gedichten von Hans Lebert. Der Tag der Lyrik bzw der Monat M\u00e4rz sind  schon vorbei, auf meiner Leseliste findet sich aber beides und ich habe ja vor meine Lyrikb\u00e4nde zu lesen, obwohl ich eine Romanleserin und Schreiberin bin.<br \/>\n&#8220;Das leere Kuvert&#8221; ist ein Fund aus einem der B\u00fcchert\u00fcrme, als es die Literatur im M\u00e4rz noch gab. Der Name E.A.Richter ist mir bekannt, weil er der Schwiegersohn meiner lieben Psychologenkollegin Ilse Pollack war, das Residenzbuch &#8220;Die Berliner Entscheidung&#8221; habe ich in den Achtzigerjahren gelesen und l\u00e4ngst vergessen, im November meldete sich E.A.Richter bei mir und lud mich zu der Pr\u00e4sentationes seines Korrespondenzen-Buches <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/20\/fliege\/\">&#8220;Fliege&#8221;<\/a> ein, ich habe ihn auf der Buch-Wien getroffen und im J\u00e4nner im zuf\u00e4llig im Literaturhaus, seither sind wir in Kontakt, er hat mir auch seine <a href=\"http:\/\/earichter.twoday.net\/\">Homepageadresse<\/a> geschickt, auf die er t\u00e4glich Gedichte stellt. Grund genug mich an &#8220;Das leere Kuvert&#8221; zu erinnern, da\u00df ja schon seit einigen Jahren in meinen Regalen steht. Es sind sechsundsechzig Gedichte in f\u00fcnf Teilen.<br \/>\nWendelin Schmidt-Dengler hat das Nachwort geschrieben. Seine Eindr\u00fccke decken sich mit meinen, obwohl ich es nicht so literaturwissenschaftlich ausdr\u00fccken kann.<br \/>\nDer Band schlie\u00dft mit dem Gedicht &#8220;Verd\u00fcnnung&#8221;, dessen letzte zwei Zeilen &#8220;L\u00f6sch dich nicht aus, l\u00f6s dich ab, sei ganz d\u00fcnn im Raum&#8221; lauten, Wendelin Schmidt-Dengler beginnt seine Erkl\u00e4rungen damit und geht zur Struktur \u00fcber, die jeder Gedichtband haben mu\u00df und damit an den Anfang zu Teil I. Da gibt es ein paar erstaulich aktuelle erscheinende Schlafgedichte und dann auf Seite 26, Schmidt-Dengler zitiert es auch, das Gedicht &#8220;In jenen Tagen&#8221;, wo der Autor von seinem Hund erz\u00e4hlt, der ihn dreizehn Jahre seines Lebens begleitete und man sieht die kindliche Idylle und das Aufwachsen am Land, meint Schmidt Dengler. Ich habe den eingesperrten Kettenhund vor mir gesehen, den die H\u00fchner und die Katzen nicht ernst nahmen und auch den Autor, der selbst das Grab f\u00fcr den Hund aushob und dann den Hund in seinen Tr\u00e4umen bellen h\u00f6rte<br \/>\n &#8220;Er starb v\u00f6llig unspektakul\u00e4r &#8211; unter einem der Hollerb\u00fcsche\/am Zaun zu den dicken Nachbarn.\/Ich fand ihn flach unter dem r\u00e4udigen Fell,\/wei\u00dfbest\u00e4ubt, schon starr&#8221;<br \/>\nDer zweite Teil f\u00fchrt nach Paris und der &#8220;Pariser Morgen&#8221; in ein Spital, wo &#8220;H\u00e4kelp\u00f6lsterchen, Harnflaschen,Briefe, Familienfotos, Prospekte und unverbrauchte Medikamente&#8221; herumliegen.<br \/>\nDann geht es in den &#8220;Jardin de Plantes&#8221;, wo ja Rilkes ber\u00fchmter Panther spielt<br \/>\n&#8220;Kein einziger Panther im Tanz\/von Kraft, mit gro\u00dfen Willen\/Nur schl\u00e4frig blinselnd ein L\u00f6we,\/ wie alle anderen Tiere in einem\/bauf\u00e4lligen K\u00e4fig.<br \/>\nIn Teil III gibt es ein &#8220;Therapie&#8221; genanntes Gedicht und die Therapeutin sitzt &#8220;\u00e4u\u00dferst befremdet von solchen Reden,\/mit gekreuzten Beinen, und sie mit ihrem Block\/auf den sie mehr schrieb als sonst&#8221;. Wendelin Dengler spricht hier von philosophischen Fragen.<br \/>\nIm viertel Teil gibt es dann das titelgebende Gedicht &#8220;Das leere Kuvert&#8221;, das Schmidt-Dengler, als die Chance des Lesers sieht, da er es mit Inhalt auff\u00fcllen kann. E.A. Richter hat das aber ohnehin schon getan und so ziehen diese sechsundsechzig Gedichte einen weiten Bogen von der Kindheit, \u00fcber Paris, bis zu den letzten Fragen und der Verd\u00fcnnung auf der letzten Seite, sehr klar, erstaunlich modern und dicht und dann wieder in die Geschichte und in die Vergangenheit hinabgleitend, wie passen diese Gedichte des 1941 geborenen E.A. Richter zu dem 1919 geborenen Hans Lebert, der durch den Roman &#8220;Die Wolfshaut&#8221; bekannt wurde, dessen erster Gedichtband vor kurzem als Podium Portrait erschienen ist, in dem siebenunddrei\u00dfig in Zeitschriften und Anthologien meist in den F\u00fcnfzigerjahren erstver\u00f6ffentlichte Gedichte wieder aufgelegt wurden, die sich zum gr\u00f6\u00dften Teil reimen?<br \/>\nAuf den ersten Blick \u00fcberhaupt nicht und es ist ein Zufall, das beide auf meiner Leseliste standen und ich eine Schnellleserin bin, die sich beides geben wollte, auf den zweiten Blick besteht die Verbindung darin, da\u00df E.A. Richter zum siebzigsten Geburtstag eines der n\u00e4chsten Portrait-B\u00e4ndchen bekommen wird und als ich in der <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/03\/08\/podium-portrait\/\">Alten Schmide bei der Pr\u00e4sentation des Portrait 50<\/a> war, haben mich die Gedichte so beeindruckt, da\u00df ich mir den Band besorgt habe. J\u00fcrgen Egyptien hat ihn herausgegeben und eingeleitet. Seinem Vorwort ist zu entnehmen, da\u00df es einige Gedichtsammlungen geben h\u00e4tte sollen, die alle aus irgendeinem Grund verhindert wurden. Wo und wann die Gedichte erschienen sind, ist jeweils nach dem Gedicht abgedruckt. Meistens sind es die &#8220;Neuen Wegen&#8221;, aber auch die Lyrik Anthologien von Rudolf Felmayer werden genannt.<br \/>\nDie Gedichte sind wie erw\u00e4hnt bis auf einige Ausnahmen gereimt, in J\u00fcrgen Egyptiens Vorwort wird die Bildhaftigkeit der Sprache beschrieben und erkl\u00e4rt, da\u00df es sich dabei um Landschafts- und Naturgedichte handelt. Die Gedichte sind sehr beeindruckend und mitrei\u00dfend in eben dieser Bildhaftigkeit und manchmal sehr verbl\u00fcffend in ihrem Inhalt und nicht so konventionell, wie es auf den ersten Blick scheint.<br \/>\nEin paar Beispiele:<br \/>\n&#8220;Hafenserenade&#8221;<br \/>\n&#8220;Wo wir geliebt und geschlafen,<br \/>\nsind wir nun Fremde im Haus.<br \/>\nWir gehen hinunter zum Hafen<br \/>\nund schauen nach Schiffen aus.&#8221;<br \/>\nAus &#8220;Neue Wege 9 (Nov 1953)<br \/>\nsehr beeindruckend, da ich da ja geboren bin , die<br \/>\n&#8220;Elegie des Bildstocks&#8221; ist da schon hintergr\u00fcndiger<br \/>\n&#8220;Langsam, breite Tage<br \/>\nverflimmern \u00fcber dem Land-<br \/>\nErstarrt in meiner Klage<br \/>\nsteh ich am Stra\u00dfenrand&#8221;<br \/>\nAus &#8220;Neue Wege 19 (Sep 1954) und<br \/>\n&#8220;Abendschnellzug&#8221;<br \/>\nSignale &#8211; Maste -Dr\u00e4hte<br \/>\nSchatten ,am Fenster vorbei<br \/>\nMurmeln die R\u00e4der Gebete<br \/>\nin dies eilige Einerlei?&#8221;<br \/>\nAus Neue Weg 10 (M\u00e4rz 1955)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wieder eine Lyrik-Session in der Badewanne, meinem bevorzugten Leseort und ein Schm\u00f6kern in den Gedichtb\u00e4nden &#8220;Das leere Kuvert&#8221; von E.A.Richter und dem 50. 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