{"id":64702,"date":"2018-09-21T02:18:53","date_gmt":"2018-09-21T00:18:53","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=64702"},"modified":"2018-09-21T02:18:53","modified_gmt":"2018-09-21T00:18:53","slug":"all-die-nacht-ueber-uns","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=64702","title":{"rendered":"All die Nacht \u00fcber uns"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/06\/08\/dunkelgruen-ist-fast-schwarz\/\">Jetzt<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/02\/21\/herr-kato-spielt-familie\/\"> kommt<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/08\/25\/unter-der-drachenwand\/\">das<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/02\/10\/kein-platz-mehr\/\">sechste<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/03\/04\/die-bueglerin\/\">beziehungsweise<\/a> erste Buch der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/09\/05\/die-dritte-oesterreichische-buchpreisliste\/\">\u00f6st Buchpreisliste<\/a>, n\u00e4mlich Gerhard J\u00e4gers &#8220;All die Nacht \u00fcber uns&#8221;, aus dem &#8220;Picus-Verlag&#8221;, wo mir bisher, sowohl Buch, als Autor v\u00f6llig unbekannt war.<\/p>\n<p>Ja man erlebt mit den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/oesterreichischer-buchpreis\/\">Buchpreislisten<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/deutscher-buchpreis\/\">immer wieder seine \u00dcberraschungen<\/a>, so war ja auch vor zwei Jahren <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/21\/die-auswandernden\/\">Peter Waterhouse &#8220;Die Auswandernden&#8221;<\/a> f\u00fcr mich eine \u00dcberraschung und das zweite Buch des 1966 in Dornbirn geborenen, hat auch ein \u00e4hnlich aktuelles Thema, wenn es vielleicht auch manchmal etwas kitscheriger, als die Poesie des Peter Waterhouse ist.<\/p>\n<p>Geht es dabei doch, wie im Klappentext steht, um die &#8220;Chronik einer Nacht&#8221;, in der ein Soldat von neunzehn Uhr bis sechs Uhr fr\u00fch allein auf einem Turm an der Grenze steht, sein Vaterland allein, obwohl das gegen die Vorschrift ist, gegen die b\u00f6sen Eindringliche aus dem Osten oder von wo auch immer bewacht, dabei raucht, sich betrinkt, mit dem Gewehr, der &#8220;einzigen Braut&#8221;, die ihm geblieben ist, mehr oder weniger sinnlos herumballert und dabei \u00fcber sein Leben resumiert.<\/p>\n<p>Stimmt nicht ganz, poetisch ist diese Chronik auch, geht es doch dabei um V\u00f6gel, um den Mond und, um das Brunftgeschrei der Hirsche, das der junge Wehrdienstpflichtige, der ihm einmal begleitete, f\u00fcr eine Bedrohung h\u00e4lt und durch die Gegend robbt.<\/p>\n<p>Manchmal scheint sich auch die Phantsisie mit der Wirklichkeit zu vermischen, wenn die Nacht lang ist und der namenlos gebliebene Soldat stundenweise durch sein Leben geht. Denn er hat sehr viel erlebt, der noch im Haus seiner immer betenden Mutter und seines Vaters, der jetzt auch neue Schl\u00f6\u00dfer an der Haust\u00fcr angebracht hat, um sich vor den fremden Eindringlichen zu sch\u00fctzen, lebt. Es gibt auch eine Gro\u00dfmutter, die als junges M\u00e4dchen nach dem Krieg selber aus Hinterpommern hergefl\u00fcchtet ist, die hat, obwohl fikitiv, wie Gerhard J\u00e4ger in seinem Nachwort schreibt, ein reales Vorbild einer gefl\u00fcchteten Frau, der das Buch gewidmet ist und die Gro\u00dfmutter hat den Soldaten auch ihr Tagebuch, in dem die Fluchterlebnisse und die Briefe, die sie an ihre Toten schrieb, aufgezeichnet sind, \u00fcberlassen, das er auf seinem Wachposten durchliest und dabei gehen ihm die eigenen Erlebnisse durch den Kopf.<\/p>\n<p>Die erste Einf\u00fchrung in die Liebe durch eine Prostiutierte, die von ihm daf\u00fcr einen Sonderpreis verlangte, die erste Bebegnung mit seiner Frau von der er einen Sohn hatte, dessen Bild er auch in seinem Rucksack mit sich f\u00fchrt und es\u00a0 an der Grenze kurzfristig verliert.<\/p>\n<p>Er hat auch den Sohn und die Frau verloren und in seinen Phantasien tauchen auch immer die Szenen von den Polizisten auf, die zu ihm kamen und ihm vom Tod der Frau erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Das Kind ist im Swimmingpool ertrunken, die Frau hat darauf im Streit das Haus verlassen, sich ins Auto gesetzt und ein Fl\u00fcchtlingheim gibt es auch in dem Dorf und die Vergewaltigung einer Kellnerin, worauf dann alle mit Fackeln auf das ehemalige Hotel zust\u00fcrzen um ihre &#8220;Heimat zu verteidigen&#8221; und der Soldat steht unter ihnen, schreit hypnotisiert mit,\u00a0 wirft auch seine Fackel und sch\u00e4mt sich dann, als er na\u00df nach Hause kommt und ihm die entsetzt schauende Gro\u00dfmutter dabei erwischt.<\/p>\n<p>Sehr eindringlich und wie erw\u00e4hnt manchmal auch ein wenig kitschig, hat Gerhard J\u00e4ger diese &#8220;Chronik der Nacht&#8221; geschrieben. Ein Mann jenseits des Zaunes, den der Soldat &#8220;B\u00e4cker&#8221; nennt, taucht auch noch auf und der Soldat denkt an seinen Schie\u00dfbefehl und die Meldung, die er machen m\u00fc\u00dfte und dann doch nicht macht und denkt auch an eine Begegnung mit einem fl\u00fcchtlingskind das er einmal hatte, das mit einem Auto spielte und ihn genauso, wie sein Sohn &#8220;Babab&#8221; und &#8220;ta&#8221; nannte.<\/p>\n<p>Viel zu viel f\u00fcr eine einzige Nacht wahrscheinlich wieder, aber sehr eindrucksvoll erz\u00e4hlt\u00a0 und daher ein Buch, das in Zeiten wie diesen, wo in Chemnitz und anderswo auch gerade die Heimat verteidigt wird, erinnern kann, da\u00df sich die Fl\u00fcchtlingsschicksale wiederholen, da\u00df kein Mensch illegal ist und\u00a0 Schie\u00dfbefehle zur Grenzverteidigung hier und dort nicht gerechtfertigt sind, so da\u00df ich sehr froh dar\u00fcber bin, da\u00df das Buch, das sonst wahrscheinlich an mir vorbeigegangen ist, auf\u00a0 die \u00f6sterreichische Buchpreisliste kam und bin nun sehr gespannt ob es auf die Shortlist kommt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das sechste beziehungsweise erste Buch der \u00f6st Buchpreisliste, n\u00e4mlich Gerhard J\u00e4gers &#8220;All die Nacht \u00fcber uns&#8221;, aus dem &#8220;Picus-Verlag&#8221;, wo mir bisher, sowohl Buch, als Autor v\u00f6llig unbekannt war. 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