{"id":6492,"date":"2011-04-06T22:09:56","date_gmt":"2011-04-06T20:09:56","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=6492"},"modified":"2011-04-06T22:09:56","modified_gmt":"2011-04-06T20:09:56","slug":"aharon-appelfeld-erzahlt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6492","title":{"rendered":"Aharon Appelfeld erz\u00e4hlt"},"content":{"rendered":"<p>Irgendwie habe ich, glaube ich, Aharon Appelfeld mit Hartmut Abendschein verwechselt, auf dessen Texte ich bei Christinae Zintzens<br \/>\nin\/ad\/ae\/qu\/at gesto\u00dfen bin, die Lesung war im Programm der Hauptb\u00fccherei angek\u00fcndet und am Montag im Morgenjournal, so habe ich es mir angestrichen, dann w\u00e4re ich beinah doch nicht hingegangen, weil ich den Heinrich Steinfest Krimi auslesen oder korrigieren wollte und zweimal am Tag einen Literaturgefl\u00fcsterartikel, das geht doch nicht, bin dann doch gegangen und habe mich vor dem offenen B\u00fccherschrank, dem man seine Besch\u00e4digung nicht mehr sehr ansieht, mit einem j\u00fcngeren Mann unterhalten, der mich fragte, ob ich mich f\u00fcr &#8220;Frauenliteratur&#8221; interessierte, weil ich gerade Claudia Keller &#8220;Ich schenk dir meinen Mann&#8221; in der Hand hielt, dabei h\u00e4tte es auch Radek Knapp &#8220;Franjo&#8221; gegeben, was ich, glaube ich, schon habe und den Fantasyroman &#8220;Die Ameisen&#8221;, den ich einmal zur\u00fcckgebracht habe auf Franz\u00f6sisch.<br \/>\nAls bei der Galerie Westlicht vorbeigekommen bin, in der es gerade eine Thomas Bernhard Ausstellung zu geben scheint, kam der Mann heraus, den ich immer bei Literaturveranstaltungen sehe und den ich, als es im Volkstheater die Widerstandslesungen gab, f\u00fcr einen Billeteur gehalten habe, er ist  in die Stra\u00dfenbahn eingestiegen, ich bin zu Fu\u00df weitergegangen und in einen erstaunlich vollen Vortragesaal gekommen.<br \/>\nIn der ersten Reihe ist Heinz Janisch wahrscheinlich neben Frau Appelfeld gesessen, der andere Platz war frei, so da\u00df ich Gl\u00fcck hatte und Heinz Janisch erz\u00e4hlte mir, da\u00df Aharon Appelfeld am 15. Mai in die Sendung &#8220;Menschenbilder&#8221; kommt.<br \/>\nEs war eine Veranstaltung mit dem j\u00fcdischen Museum, den Rauriser Literaturtagen und dem Institut f\u00fcr Judaistik und Aharon Appelfeld ist ein 1932 in der N\u00e4he von Czernowitz geborener, sehr freundlicher Mann, der aus der &#8220;Geschichte meines Lebens&#8221; erz\u00e4hlte, daraus gelesen hat Robert Reinagl, den ich von den Literatur im M\u00e4rz oder Herbst Veranstaltungen kenne, Doris Appel, die irgendwie einen \u00e4hnlichen Namen hat und eine ORF Abteilungsleiterin ist, hat moderiert und mit dem alten Herrn gesprochen, der mich schon bei der ersten Feststellung, da\u00df er die Menschen liebe, aufhorchen lie\u00df. Das w\u00e4re bei seiner Bigorafie nicht zu vermuten, hat er doch die Muttersprache Deutsch nur bis zu seinem achten Lebensjahr gesprochen, er entschuldigte sich auch daf\u00fcr, da\u00df er es nicht so gut k\u00f6nne. Er konnte es sehr gut, wenn das jiddisch darin auch nicht zu \u00fcberh\u00f6ren war und erz\u00e4hlte, da\u00df er mit seinen assimilierten Eltern sehr beh\u00fctet in Czernowitz aufgewachsen ist, der Gro\u00dfvater war Gutsbesitzer und gl\u00e4ubig, die Eltern nicht, er hatte eine eigene Synagoge, wo der kleine Aharon beten lernte, ruthenisch und ukrainisch hat er auch gesprochen. Als er acht war, wurde die Mutter ermordet, er wurde mit dem Vater interniert, hat sich dann einige Jahre in den W\u00e4ldern der Ukraine durchgeschlagen, bei einer Prostiutierten gelebt, sich Kriminellen angeschlossen und in der K\u00fcche der russischen Armee gearbeitet, bevor er 1946 nach Israel kam, wo er bei Martin Buber studierte und Professor f\u00fcr hebr\u00e4ische Literatur war, sp\u00e4t zu publizieren anfing und eine Menge Romane geschrieben hat, die auch ins Deutsche \u00fcbersetzt wurden. Doris Appel interviewte den alten Herrn, der seine Geschichte sehr freundlich und so schnell erz\u00e4hlte, da\u00df Robert Reinagl mit dem Lesen gar nicht nachkam, der las dann zwei Stellen, eine wie der kleine Aharon mit dem Gro\u00dfvater in der Synagoge ist und nicht beten kann und dann noch eine \u00fcber die Rolle der Sprache, Muttersprache Deutsch, die Kultursprache Hebraisch, wie e es nannte, die er, glaube ich, auch beim Gro\u00dfvater lernte, der Kafka und die B\u00fccher von Max Brod auf Hebraisch hatte.<br \/>\nDoris Appel lobte den alten Herrn f\u00fcr sein Erz\u00e4hlen und meinte, da\u00df es es in dem Buch nicht so chronologisch ist, &#8220;aber das ist Literatur&#8221; sagte der dann bestimmt und meinte auch, da\u00df man mit den Worten, die man von Gott bekommen hat, sparsam umgehen soll, er hat aber sehr viel erz\u00e4hlt und das war auch sehr interessant, weil der Name Aharon Appelfeld bisher offenbar an mir vorbei gegangen ist, er den vielen Leuten, die gekommen waren, aber durchaus ein Begriff gewesen sein d\u00fcrfte, so da\u00df es beim B\u00fcchertisch ein gro\u00dfes Gedr\u00e4nge gab.<br \/>\n<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/11\/louis-begley\/\">Louis Begley<\/a>, den ich vor einiger Zeit auch in der Hauptb\u00fccherei h\u00f6rte und dessen &#8220;L\u00fcgen in Zeiten des Krieges&#8221; als n\u00e4chstes auf meiner Leseliste steht, ist ein ebenso charmanter \u00e4lterer Mann, mit einem \u00e4hnlichen Schicksal und einer \u00e4hnlichen Bigorafie, ob es bei ihm auch so voll gewesen ist, kann ich mich nicht mehr erinnern.  <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Irgendwie habe ich, glaube ich, Aharon Appelfeld mit Hartmut Abendschein verwechselt, auf dessen Texte ich bei Christinae Zintzens in\/ad\/ae\/qu\/at gesto\u00dfen bin, die Lesung war im Programm der Hauptb\u00fccherei angek\u00fcndet und am Montag im Morgenjournal, so habe ich es mir angestrichen, &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6492\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-6492","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6492","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6492"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6492\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6492"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6492"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6492"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}