{"id":6503,"date":"2011-04-08T00:43:47","date_gmt":"2011-04-07T22:43:47","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=6503"},"modified":"2011-04-08T00:43:47","modified_gmt":"2011-04-07T22:43:47","slug":"erzahlungen-von-bruno-schulz","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6503","title":{"rendered":"Erz\u00e4hlungen von Bruno Schulz"},"content":{"rendered":"<p>Den Namen Bruno Schulz kenne ich seit 2008. Da wurden die <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/10\/29\/cornelia-travicek\/\">&#8220;Zimtl\u00e4den&#8221;<\/a> im Literaturhaus vorgestellt und bei der<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/11\/17\/ukrainisches-wochenende\/\"> Literatur im Herbst,<\/a> die der Ukraine gewidmet war, habe ich Daureen Daume, die \u00dcbersetzerin kennengelernt, danach auf Bruno Schulz vergessen, aber als ich im Februar einmal in die Alte Schmiede gegangen bin, in der \u00fcbergebliebenen Buchhandlung auf der Wiedner Hauptstra\u00dfe die &#8220;Zimtl\u00e4den&#8221; in der Abverkaufskiste gefunden und um zwei Euro gekauft. Das war in der Zeit als ich gerade meine <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/02\/16\/hundert-bucher\/\">Leseliste<\/a> machte, also habe ich das Buch auf die damals letzte Stelle, auf Platz 72 gesetzt. Im Herbst werde ich es dann wahrscheinlich lesen.<br \/>\nInzwischen hat die 1957 geborene Daureen Daume ein zweites Buch von Bruno Schulze aus dem Polnischen \u00fcbersetzt &#8220;Das Sanatorium der Sanduhr&#8221;. Im Ex Libris h\u00f6rte ich vor ein paar Wochen davon, jetzt wurde es in der Gesellschaft f\u00fcr Literatur vorgestellt. Daureen Daume hat daraus gelesen und mit der Literaturkritikerin Daniela Strigl dar\u00fcber gesprochen. Ganz zuf\u00e4llig passen Buch und Autor thematisch gut zu der gestrigen Lesung  von<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/04\/06\/aharon-appelfeld-erzahlt\/\"> Aharon Appelfeld<\/a>  und Louis Begleys &#8220;L\u00fcgen in Zeiten des Krieges&#8221;, dem Buch das ich gerade lese.<br \/>\nBruno Schulz wurde 1892 im galizischen Drohobycz als Sohn eines Tuchh\u00e4ndlers geboren, er studierte Architektur, war auch Zeichner und Maler und wurde 1942 von der Gestapo erschossen. Es gibt einige Erz\u00e4hlb\u00e4nde. Vor Daureen Daume wurden sie schon von  Josef Hahn ins deutsche \u00dcbersetzt. Bei ihm hei\u00dft &#8220;Das Sanatorium zur Sanduhr&#8221; &#8220;Das Sanatorium zur Todesanzeige.<br \/>\nDaureen Daume hat, wie sie erz\u00e4hlte sehr lang und sehr sorgf\u00e4ltig Bruno Schulz Werke \u00fcbersetzt und schw\u00e4rmte von den Stimmungen und Bildern, die sie fasziniert haben und die sie sich sehr gut vorstellen konnte. Sie las drei Ausschnitte aus drei Geschichten. In der ersten geht ein alter Mann wieder zur Schule und fliegt am Ende der Geschichte davon, der Lehrer sieht ihm nach, wie er im Himmel verschwindet und stellt lapidar fest &#8220;Wir werden ihn aus der Liste streichen m\u00fc\u00dfen.&#8221;<br \/>\nDie zweite Geschichte &#8220;Das Sanatorium zur Sanduhr&#8221; ist \u00e4hnlich kafkaesk, wenn auch, wie Daureen Daume betonte, in einer ganz anderen Stimmung geschrieben, ein Sohn f\u00e4hrt in einem leeren Zug in ein Sanatorium um seinen Vater zu besuchen, der eigentlich schon gestorben ist, aber in dem Sanatorium dreht man offenbar die Zeit zur\u00fcck und gibt so den Patienten eine reale Chance zum Weiterleben, so erkl\u00e4rt es jedenfalls der Herr Doktor in dem Sanatorium in dem alle st\u00e4ndig schlafen, dem Sohn, zu dem ihm das Stubenm\u00e4dchen f\u00fchrt, vorher befand er sich in einem leeren Restaurant, in dem das Buffet mit Torten und Pasteten gef\u00fcllt war, auf den Tischen aber nur Speisereste und Trinkgeld herumlagen. Also sehr skurril, phantastisch und unwirklich. Es gab noch eine dritte Geschichtenkostprobe von einer Erz\u00e4hlung, die &#8220;Das Buch&#8221; hei\u00dft, da liegt ein Buch herum, aus dem das Dienstm\u00e4dchen Seiten zum Einwickeln von Fleisch etc rei\u00dft, es enth\u00e4lt aber eine F\u00fclle von Geschichten, durch die sich der Erz\u00e4hler bl\u00e4ttert, zum Beispiele eine von einer Frau mit sp\u00e4rlichen Haarwuchs, die durch ihr Gebet einen so f\u00fclligen Haarwuchs bekommt, da\u00df ihre Haare bis zum Boden reichen und die B\u00e4rte der M\u00e4nner ihrer Familie sind ebenfalls so lang, da\u00df sie diesen damit aufwischen k\u00f6nnen. Da haben dann alle gelacht und Daniela Strigl erkl\u00e4rte im Gespr\u00e4ch, da\u00df die M\u00e4nner in Schulz Geschichten alle sehr poetisch veranlagt, w\u00e4hrend die Frauen viel praktischer sind. So verwandeln sich die V\u00e4ter in verschiedene Gestalten und kauern auf Vogelstangen, die praktischen Dienstm\u00e4dchen kommen dann und werfen sie aus dem Fenster oder rei\u00dfen die Seiten aus den B\u00fcchern hinaus.<br \/>\nSehr spannend also und sicher interessant zu lesen, autobiografisch, mythologisch, expressionistisch, surrealistisch, wie man heute vielleicht nicht mehr schreibt und gleich an Kafka denkt, der Vergleich fiel auch in dem Gespr\u00e4ch und Bruno Schulz Verlobte hat auch Kafkas &#8220;Prozess&#8221; \u00fcbersetzt und er hat seinen Namen daf\u00fcr hergegeben.<br \/>\nDie Gesellschaft f\u00fcr Literatur war nicht so gut besucht, wie es gestern die Hauptb\u00fccherei gewesen ist. Ein paar Bekannte habe ich trotzdem getroffen, so bin ich neben der \u00dcbersetzerin Utta Roy-Seifert gesessen, die mir erz\u00e4hlte, da\u00df sie in Rauris war, Christel Fallenstein hat mich begr\u00fc\u00dft, Andrea Grill, der am Montag der Otto Stoessl Preis verliehen wird, war glaube ich, auch da und Dine Petrik, die ich ja zu den &#8220;Mittleren VI&#8221; einladen will. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Den Namen Bruno Schulz kenne ich seit 2008. 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