{"id":6512,"date":"2011-04-09T21:51:52","date_gmt":"2011-04-09T19:51:52","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=6512"},"modified":"2011-04-09T21:51:52","modified_gmt":"2011-04-09T19:51:52","slug":"lugen-in-zeiten-des-krieges","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6512","title":{"rendered":"L\u00fcgen in Zeiten des Krieges"},"content":{"rendered":"<p>Diese Woche habe ich mich ganz zuf\u00e4llig mit Romanen von Holocaustopfern, \u00dcberlebenden bzw. deren Kindern besch\u00e4ftigt und so kommt nach den Lesungen von <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/04\/06\/herzgeschichten\/\">Peter Stephan Jungk<\/a>, <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/04\/06\/aharon-appelfeld-erzahlt\/\">Aharon Appelfeld<\/a> und<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/04\/08\/erzahlungen-von-bruno-schulz\/\"> Bruno Schulz<\/a>, die Besprechung von Louis Begleys &#8220;L\u00fcgen in Zeiten des Krieges&#8221;, das ich schon vor einiger Zeit im offenen B\u00fccherschrank gefunden habe, aber nach den Buchmessenb\u00fcchern und den Fr\u00fchjahrsneuerscheinungen auch jetzt erst lese und es passt sehr gut sowohl zu Aharon Appelfeld, als auch zu Bruno Schulz, kommt die Stadt Drohobycz, in der Bruno Schulz lebte und starb vor und  autobiographische Z\u00fcge hat die Geschichte des j\u00fcdischen Knaben Maciek, des 1933 in Stryj, damals Polen heute Ukraine geborenen Ludwig Beglejter auch. Ist er und Maciek ja der beh\u00fctet aufgewachsene Sohn eines j\u00fcdischen Arztes, im Roman stirbt die Mutter bei der Geburt, Maciek wird von ihrer Schwester Tanja und zuerst einer Reihe verarmter j\u00fcdischer Gouvernanten mit Brillen, die sich das Geld zum Studieren verdienen wollen, sp\u00e4ter von dem Kinderm\u00e4dchen Zosia, Tochter des Hilfsstationsvorstehers von Drohobycz aufgezogen und von den Gro\u00dfeltern sehr geliebt. Er ist ein verw\u00f6hntes kr\u00e4nkliches Kind, das sich vor Geistern f\u00fcrchtet, empfindet erotische Gef\u00fchle zu Zosia, die ihn ihre Z\u00f6pfe halten l\u00e4\u00dft und auf den Schultern tr\u00e4gt, sieht ihr zu, wie sie mit nackten F\u00fc\u00dfen in F\u00e4\u00dfern Kraut stampft und erlebt auf diese Art und Weise sehr verw\u00f6hnt den Herbst 1939, wo die Deutschen kommen und alles anders wird.<br \/>\nZuerst geht es im Ghetto von T. noch fr\u00f6hlich weiter. Lebt die Familie ja mit Pan Kramer zusammen und der hat eine Tochter namens Irina, in die der kleine Maciek ein bi\u00dfchen verliebt ist und kindliche Spiele mit ihr spielt, dann werden die Juden mit Ausnahme Maczik, Tanja und den Gro\u00dfeltern, die sich verstecken konnten, abtransportiert, der Vater mu\u00dfte sich der russischen Armee anschlie\u00dfen, der Gro\u00dfvater fl\u00fcchtet nach Warschau, Tanja wird die Geliebte eines deutschen Armeeangeh\u00f6rigen, der sie versteckt und besch\u00fctzt, die Gestapo erwischt ihn aber, so da\u00df er sich und die Gro\u00dfmutter erschie\u00dft und das L\u00fcgen in Zeiten des Krieges beginnt, was bedeutet, da\u00df sich die sehr resolute Tanja mit dem Kind, den Schmuck und dem Geld, das sie noch besitzt, durchzuschlagen beginnt, denn \u00fcberall lauern Polen, die sie erpressen, verraten und  ihr dieses abnehmen wollen. Mit  Papieren, die sie als katholische Polen ausweisen, kommen sie von Lemberg nach Warschau, erleben dort den Aufstand und passen sich, um ihr Leben zu retten an, so mu\u00df Maciek, der jetzt Janek und dann wieder anders hei\u00dft, konformiert werden und seinen Penis mu\u00df er auch verbergen, so da\u00df er nur zu Hause unterrichtet werden darf, was den Polen eigentlich verboten ist. Nach dem Aufstand m\u00fc\u00dfen sie wieder fl\u00fcchten und kommen aufs Land, wo Tanja mit Schnaps handelt, Maciek zum Kuhh\u00fcter wird, der Gro\u00dfvater wird inzwischen von den Nazis erscho\u00dfen und selbst als der Krieg zu Ende ist und Tanja mit Macziek nach Krakau kommt, geben sie sich immer noch als katholische Polen aus, so da\u00df Maciek, der inzwischen das Gymnasium besucht, auch noch mit seinem Freund Koscielny ministriert.<br \/>\nLouis Begley, der ein \u00e4hnliches Schicksal hatte,  kam 1947 nach New York, wo er Jura studierte, als Rechtsanwalt arbeitete und erst sehr sp\u00e4t im Rahmen schreiben begann. 1991 ist der Roman erschienen, mit dem er ber\u00fchmt wurde, ich habe ihn im <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/11\/louis-begley\/\">Februar 2009 in der Hauptb\u00fccherei <\/a>gesehen und geh\u00f6rt und glaube, da\u00df ich ihn, wie mir das ja \u00f6fter passiert, zuerst mit Don Delillo verwechselt habe, dessen &#8220;Unterwelt&#8221; einmal im literarischen Quartett besprochen wurde, was insofern passend ist, da Marcel Reich-Ranicki Begleys autobiografischen Roman &#8220;ein einzigartiges Zeitdokument und ergreifenden Roman&#8221; nannte und auch Ruth Kl\u00fcger das Buch sehr lobte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese Woche habe ich mich ganz zuf\u00e4llig mit Romanen von Holocaustopfern, \u00dcberlebenden bzw. deren Kindern besch\u00e4ftigt und so kommt nach den Lesungen von Peter Stephan Jungk, Aharon Appelfeld und Bruno Schulz, die Besprechung von Louis Begleys &#8220;L\u00fcgen in Zeiten des &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6512\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-6512","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6512","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6512"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6512\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6512"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6512"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6512"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}