{"id":65175,"date":"2018-10-07T00:13:33","date_gmt":"2018-10-06T22:13:33","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=65175"},"modified":"2018-10-07T00:13:33","modified_gmt":"2018-10-06T22:13:33","slug":"bungalow","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=65175","title":{"rendered":"Bungalow"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/deutscher-buchpreis\/\">Buch neun des dBps<\/a>, eines das meiner Meinung nach, leider nicht auf der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/09\/11\/die-deutsche-shortlist\/\"> Shortlist<\/a> steht, n\u00e4mlich der dritte Roman, der 1992 in Freiburg im Breisgau geborenen Helene Hegemann, die 2010, also achtzehnj\u00e4hrig einen Skandal mit ihrem ersten Roman<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/08\/08\/axolotl-roadkill\/\"> &#8220;Axolotl Roadkill&#8221;<\/a> ausl\u00f6ste, den ich gelesen habe.<\/p>\n<p>&#8220;Jage zwei Tiger&#8221;, 2013, erschienen, nicht mehr und jetzt bin ich, weil es auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/08\/20\/die-deutsche-longlist-etwas-verspaetet\/\">dBp Longlist<\/a> steht, auf dieses Buch gekommen, das auf den Blogs und Vlogs sehr unterschiedlich beurteilt wird.<\/p>\n<p>Die meisten sagen &#8220;Wollen wir nicht, wegen dieser Copy und Paste-Geschichte, die ich inzwischen eher differenziert betrachte und einige sind vielleicht auch mit der Mischung zwischen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/03\/21\/utopie-workshop\/\">Dystopie<\/a> und harter Sozialbeschreibung, die wahrscheinlich Helene Hegemanns Spezialit\u00e4t ist, \u00fcberfordert und sagen &#8220;Wir wollen eine Dystopie lesen und nicht seitenlang, die Beschreibungen einer\u00a0 Jugendlichen, die rotzfreche Sachen von sich gibt und provozieren will!&#8221;<\/p>\n<p>Eine hat es eine Mischung zwischen Poesie und Provokation genannt und ich denke, das stimmt und ist gut ausgedr\u00fcckt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist das Buch \u00fcberfrachtet und Helene Hegemann hat wahrscheinlich wieder einmal viel zu viel hineigepackt und \u00fcberfordert damit ihre Leser.<\/p>\n<p>Aber mir hat, ich wiederhole es, das Buch sehr gut gefallen und ich w\u00fcrde es beispielsweise sehr gerne gegen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/08\/28\/archipel\/\">&#8220;Archipel&#8221;<\/a>, wo ich das Besondere nicht herausgefunden habe, auf der Shortlist austauschen.<\/p>\n<p>Was passiert in dem Buch? Schwer zu sagen, denn, weil so viel passiert, ist es f\u00fcr den Normalleser, der ich wahrscheinlich gar nicht bin, schwer mitzubkommen.<\/p>\n<p>Da ist also Charly, die nach Charlotte Rumpling von ihrer alkoholkranken Mutter, Charlotte genannt wurde. Sie ist erwachsen und sitzt nach einer Katastrophe, einem Krieg, dem Umweltzusammenbruch oder was sonst auch immer, in der nahen oder ferneren Zukunft an einem Ort, ich glaube, in de rKaribik und schreibt ihre Jugenderinnerungen auf.<\/p>\n<p>Aber so beginnt das Buch gar nicht. Es beginnt, als Charly, glaube ich, siebzehn ist und sich im namensgebenden Bugalow ihrer Nachbarn befindet. Dort liegt sie mit dem Oberk\u00f6per auf der Waschmaschine und l\u00e4\u00dft sich von Nachbarn Georg ficken. Seine Frau Maria schaut dabei zu.<\/p>\n<p>Sch\u00f6n provokant, in Zeiten, wo die sexuellen Mi\u00dfbrauchsskandale geahndet werden, habe ich wohl gedacht,\u00a0 in Videos gesehen, da\u00df sich Booktuber dar\u00fcber emp\u00f6ren und war beim Weiterlesen verwirrt, weil da nicht das kam, was ich in den Vorschauen gelesen habe.<\/p>\n<p>Denn da wurde in einigen Kapitel, die beiden, Georg und Maria beschrieben und erst in Kapitel vier oder so f\u00e4ngt es so richtig an und kann wahrscheinlich absto\u00dfen oder faszinieren. Nachdenken kann man dar\u00fcber allemal, wenn man, ob der Verfrachtetheit dazu kommt.<\/p>\n<p>Denn jetzt ist Charly zw\u00f6lf und lebt mit ihrer alkoholkranken Mutter in einem Hochhaus und von dort sieht sie auf eine Bungalow-Siedlung, wo die Reichen wohnen und bekommt ihre untere Sozialklasse damit so richtig mit.<\/p>\n<p>Ich bezweifle, da\u00df das in Wirklichkeit so passiert, denn die Reichen w\u00fcrden sich ja von den Assis nicht in ihre Wohnzimmer sehen lassen. Charly tut das aber und beobachtet, wie eine Frau, die sie die &#8220;Blockwartin&#8221; nennt, aus ihrem Bungalow hinausstirbt. Das Schauspielerpaar Maria und Georg ziehen dort ein und eine Abh\u00e4ngigkeit beginnt, die Helene Hegemann, glaube ich, sehr gut beschreibt.<\/p>\n<p>Sie nennt es &#8220;Ich will nicht von ihnen adoptiert werden, sondern mit ihnen ficken!&#8221; und beschreibt dann Studien von Schw\u00e4nen, die sich auf das n\u00e4chste Ding fixieren lassen, beispielsweise ein Tretboot, wenn sie ihre Mutter verlieren.<\/p>\n<p>Aber Charly hat noch eine Mutter. Die liegt im Bett und s\u00e4uft. Manchmal steht sie auf und liefert sich mit Charly einen Kampf oder ein Schreiduell. Dann versucht sie wieder ein paar Tage lang nichts zu trinken und Charly und dem Vater normale Welt vorzuspien. Ja, richtig, einen Vater gibt es auch. Der kommt zu Weihnachten und zum Geburtstag, bringt ein Geschenk und verabschiedet sich wieder und wenn das Geld ausgeht haben Mutter und Tochter tagelang nichts zu essen.<\/p>\n<p>Das Ganze spielt, wie beschrieben, in der Zukunft, etwas, das ich eigentlich auch unn\u00f6tig finde. Mir w\u00fcrde die Sozialbeschreibung reichen und eigentlich, wenn man genau liest, ist es so gar nichts mit der Zukunft, gibt es ja Festnetztelefone und Schauspielernamen, die, glaube ich, aktiv unterwegs sind. Es gibt aber auch Flugautos, Ozonwarnungen, wo man das Haus nicht verlassen darf, etcetera und dazwischen geht Charly ganz normal in die Schule, beobachtet ihre e\u00dfgest\u00f6rten Mitsch\u00fclerinnen, w\u00e4hrend sie real hungert, weil die Mutter kein Geld mehr hat. Beobachtet, wie die frustrierten Jugendlichen Hamster kaufen und von einer Mauer fallen lassen und sie steht daneben und \u00e4rgert sich, da\u00df sie nicht reagieren konnte.<\/p>\n<p>Das schei\u00dfnormale Alltagsleben halt. Der Lehrer ist Afrikaner. Charly wird zu manchen Parties nicht eingeladen und, als die neuen Nachbarn kommen, beginnt sie sie, so k\u00f6nnte man es nennen, zu stalken.<\/p>\n<p>Das Ganze wird, wie beschrieben, in R\u00fcckblednungen erz\u00e4hlt. Es ist von einer Selbstmordwelle die Rede, eine Explosion l\u00f6st den Krieg aus. Die Mutter wird in die Psychiatrie eingewiesen, als sie ihr eigenes Grab schaufeln will, entkommt aber als einzige der brennenden Psychiatrie, weil sie ihre Medikamente nicht genommen hat und dadurch normal reagieren konnte.<\/p>\n<p>Ja, sozialkritisch ist das Buch, der wahrscheinlich blitzgescheiten und vermutlich auch \u00fcberforderten jungen Frau und der letzte Satz lautet:<\/p>\n<p>&#8220;Das ist das Letzte was ich von ihr geh\u00f6rt habe. Ich bin dann ja irgendwann abgehauen.&#8221;<\/p>\n<p>Ja, es ist ein Buch \u00fcber die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit ihrer Mutter. Eine Ha\u00dfliebe und wahrscheinlich die Geschichte einer \u00fcberforderten Seele und Helene Hegemann hat, glaube ich, ihre Mutter auch sehr fr\u00fch verloren,\u00a0 ist mit Dreizehn zu ihrem Vater, einem Theaterschaffenden, gezogen und\u00a0 da zu schreiben angefangen.<\/p>\n<p>Ein ungew\u00f6hnliches Buch, das abgesehen von der Dystope, die mich genervt hat, sehr zu empfehlen ist, wenn man etwas von den Leiden oder den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2008\/12\/01\/krankheit-der-jugend\/\">Krankheiten der heutigen Jugend<\/a> erfahren will.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt Buch neun des dBps, eines das meiner Meinung nach, leider nicht auf der Shortlist steht, n\u00e4mlich der dritte Roman, der 1992 in Freiburg im Breisgau geborenen Helene Hegemann, die 2010, also achtzehnj\u00e4hrig einen Skandal mit ihrem ersten Roman &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=65175\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,5],"tags":[1325,2518,2586,3724,4055],"class_list":["post-65175","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","category-buchpreisbloggen","tag-dbp-2018","tag-hanser","tag-helene-hegemann","tag-longlistenlesen","tag-mischung-zwischen-dystopie-und-sozialbeschreibung"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/65175","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=65175"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/65175\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=65175"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=65175"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=65175"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}