{"id":65573,"date":"2018-10-25T00:24:27","date_gmt":"2018-10-24T22:24:27","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=65573"},"modified":"2018-10-25T00:24:27","modified_gmt":"2018-10-24T22:24:27","slug":"die-juedische-souffleuse","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=65573","title":{"rendered":"Die j\u00fcdische Souffleuse"},"content":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/08\/26\/has-herbst-lesen\/\">Herbstneuerscheinungen<\/a>, die nicht auf den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/oesterreichischer-buchpreis\/\">Buchpreis<\/a>listen stehen und da ist jetzt Adriana Altaras Roman &#8220;Die j\u00fcdische Souffleuse&#8221; an der Reihe.<\/p>\n<p>Roman? Ist das zweihunder Seiten bei &#8220;Kiepenheuer &amp; Witsch&#8221; erschienene B\u00fcchlein, der 1960 in Zagreb geborneen Schauspielerin und Regisseurin, die mit &#8220;Titos Brille&#8221; literarisch bekannt wurde, ein solcher?<\/p>\n<p>Ich sage nein und versteife mich wieder auf eine Mischung zwischen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/09\/23\/fuenfzehn-jahre-writersstudio\/\">Memoir und Personal Essay<\/a>, obwohl wahrscheinlich nicht so ganz klar ist, was hier wahr ist und was daran erfunden wurde?<\/p>\n<p>Es kommt jedenfalls eine Opernregisseurin als Ich-Erz\u00e4hlerin vor, die unschwer, als die Autorin zu erkennen ist und die inszeniert in einer deutschen Stadt gerade &#8220;Die Entf\u00fchrung aus dem Serail.&#8221;<\/p>\n<p>Weil ja nicht von allen erwartet werden kann, da\u00df sie die Oper kennen, wird der Inhalt genau erz\u00e4hlt und dann bekommt man und das fand ich sehr interessant, einen Einblick, wie man sich das Opernesemble eines mittelgro\u00dfen Theaters vorzustellen hat.<\/p>\n<p>Das ist eine bunte Mischung aus Koreanern, Ukrainern, Bulgaren, Finnen, Deutschen, etcetera und in dieses Ensemble platzt die etwas sechzigj\u00e4hrige Souffleuse namens Susanne hinein, stellt sich vor und m\u00f6chte der Regisseurin ihre Geschichte erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Das ist der Plot, denn die Autorin ist J\u00fcdin, Susanne, respektive Sissele ist es auch und die wurde, glaube ich, 1952 in Israel geboren und ist mit einem Jahr, mit ihren Eltern, die beide den Holocaust erlebten, nach Deutschland in ein Lager f\u00fcr Displaced Persons gekommen. Die Mutter ist bald darauf gestorben, der Vater, der in Auschwitz, die Leichen aus den Gaskammern wegr\u00e4umen mu\u00dfte, hat die Kleine bald aus den Armen einer Tante und zwei Cousins entrissen und sie zu Nonnen oder katholischen Pflegeeltern gegeben, bevor er mit ihr nach Kanada auswanderte und das Kind erst recht Pflegefamilien \u00fcberlie\u00df.<\/p>\n<p>Jetzt ist Sissele also Sechzig geworden, arbeitet als Souffleuse und erkennt in Adriana Altaras, beziehungsweise ihren Filmen und B\u00fcchern, die Seele, die ihr bei der Familienfindung helfen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Da k\u00f6nnte man vielleicht sagen, da\u00df das gar kein so au\u00dfergew\u00f6hnliches traumatisches Schicksal ist, sondern eines, das auch kinder mit nicht j\u00fcdischen W\u00fcrzeln erleben, die von ihren Eltern verlassen, in Pflegeheimen aufwuchsen und dort vielleicht auch noch mi\u00dfbraucht wurden.<\/p>\n<p>Aber hier kommt das j\u00fcdische Schicksal noch hinzu und Adriana Altaras, die schlie\u00dflich, wenn vielleicht auch nur widerwillig mit Sissele doch die Dokumentationsarchive und Theresienstadt, sowie Mauthausen abklappert, besch\u00e4ftigt sich vorher auch in einer leicht lockeren Art, die das Buch ausmacht mit der Frage von Schuld und S\u00fchne und wie das mit dem Verzeihen ist?<\/p>\n<p>Wenn man genau ist, ist es auch nicht soviel Au\u00dfergew\u00f6hnliches, was Sissele in Mauthausen und in dem Dokumentationsarchiv \u00fcber ihren Vater erf\u00e4hrt. Denn sie ist ja mit ihm nach Kanada ausgewandert und hat sich sp\u00e4ter von ihm getrennt, beziehungsweise hat er sie hinausgeschmissen, sie sp\u00e4ter aber die Pflegeheimkosten f\u00fcr ihn bezahlt, aber da gibt es noch die zwei Cousins und die Tante, von denen sie als Kind entrissen wurde.<\/p>\n<p>Wo sind die? Die Frage scheint sich zun\u00e4chst nicht zu kl\u00e4ren, denn Sissele verschwindet nach der Lagertour, k\u00fcndigt im Theater und Adriana Altaras macht andere Regiearbeiten, bevor sie wieder an das Ausgangstheater kommt, wo Elektra zu inszeniereni ist und da kommt sie auf die Idee, da man ja die St\u00fccke nicht mehr so inzensieren darf, wie sie sind, sondern sie einen Zeitbezug haben mu\u00df, der Elektra und den anderen Personen, die Z\u00fcge von Sissele und ihrem Schicksal zu verpassen.<\/p>\n<p>Da habe ich einen Moment innegehalten und mich nach der Rolle von Richard Strauss gefragt, der ja im dritten Reich Pr\u00e4sident der Reichsmusikkammer war, aber wenn man da genauer nachforscht, kommt man \u00fcber die Verstrickungen nicht hinaus und wahrscheinlich nicht zum vergeben.<\/p>\n<p>Das wird also \u00fcbergangen, daf\u00fcr meldet sich ein in Isreal lebender Freund der Autorin, wie der Deus ex Machina oder der Theaterdonner und erz\u00e4hlt ihr die Geschichte von den beiden im Holocaustmuseum ausgestellten Blechringe, von denen einer Sisseles Vater geh\u00f6rte, der sie allerdings f\u00fcr seine erste Liebe, also nicht f\u00fcr Sisseles Mutter aus einem L\u00f6ffel schnitze,\u00a0 der ist Sisseles Cousin und alles findet sich.<\/p>\n<p>Sissele kommt\u00a0 wieder aus der Versenkung zur\u00fcck, trifft sich mit dem Cousin auf der Premierenfeier, die Geschichte ist gut ausgeangen und wir haben, wenn wir das noch nicht wu\u00dften oder, weil wir vielleicht j\u00fcnger sind und unsere Gro\u00df- und Urgro\u00dfeltern nicht danach fragen k\u00f6nnen, wieder etwas \u00fcber den Holocaust erfahren.<\/p>\n<p>Wenn ich mir so die Entwicklungen in Deutschland ansehe, bin ich mir zwar nicht sicher, ob das die jungen Leute noch h\u00f6ren wollten und ich habe eigentlich auch nicht so viel Neues erfahren, weil ich mich ja schon sehr lange mit dem Thema besch\u00e4ftige und daher schon einiges, beispielsweise die B\u00fccher von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/04\/12\/von-der-entschluselung-der-welt\/\">Lily Brett<\/a> und auch die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/09\/08\/sechs-koffer\/\">&#8220;Sechs Koffer&#8221;<\/a>, etcetera, gelesen habe.<\/p>\n<p>Oder doch nat\u00fcrlich, von Adriana Altaras habe ich noch nichts gelesen, denn ich habe in der &#8220;Seedosen- Telefonzelle&#8221;, einmal &#8220;Titos Brille&#8221; gefunden und auf meinen Stapel gelegt, aber keine Ahnung gehabt, da\u00df es sich da, um ihre Familiegeschichte und um die Aufarbeitung eines Holocaust-Schicksals handelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiter geht es mit den Herbstneuerscheinungen, die nicht auf den Buchpreislisten stehen und da ist jetzt Adriana Altaras Roman &#8220;Die j\u00fcdische Souffleuse&#8221; an der Reihe. 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