{"id":65594,"date":"2018-10-26T00:53:21","date_gmt":"2018-10-25T22:53:21","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=65594"},"modified":"2018-10-26T00:53:21","modified_gmt":"2018-10-25T22:53:21","slug":"heimkehr-nach-fukushima","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=65594","title":{"rendered":"Heimkehr nach Fukushima"},"content":{"rendered":"<p>Buch<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/deutscher-buchpreis\/\"> zw\u00f6lf des dBps<\/a>, allm\u00e4hlich wird es, denn die folgenden drei B\u00fccher sind auch viel d\u00fcnner und eines das mich an meinen<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/08\/19\/der-schweiz-urlaub\/\"> Schweiz Urlaub<\/a> erinnert, wurde doch Adolf Muschg, 1934 in Z\u00fcrich geboren und sein Buc lag das mit der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/08\/20\/die-deutsche-longlist-etwas-verspaetet\/\">Italien-Schweizerin Gianna Molinari<\/a> auch in der kleinen feinen<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/08\/17\/berner-buecherkastentour\/\"> Berner-Buchhandlung<\/a> auf, die ich am Tag nach der Longlistverk\u00fcndung, betreten habe, w\u00e4hrend der Alfred mit meiner vollen B\u00fcchertasche aus den Schr\u00e4nken und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/08\/25\/unter-der-drachenwand\/\">Arnos Geigers &#8220;Drachenwand&#8221;<\/a> drau\u00dfen auf mich wartete.<\/p>\n<p>Was soll ich schreiben? Das ist jetzt das Buch des schweizerischen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/05\/26\/drei-todesfaelle\/\">Philiph Roth<\/a> oder <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/05\/14\/mit-martin-walser-unterwegs-am-bodensee\/\">Martin Walser?<\/a> Das Alterswerk des Vierundachtigj\u00e4hrigen der sich in seinem Werk mit der Liebe und den Tod des alternden Mannes besch\u00e4ftigt und interessiert das wirklich die mittelalterlichen Deutschlehrinnen, die noch B\u00fccher kaufen und sie lesen?<\/p>\n<p>Ich wollte das schreiben, ich gebe es zu, bis ich etwa bei Seite zweihundertzwanzig des zweihundertvierzig Seiten Buches war und suche auch noch vergeblich nach dem You Tube Video, wo eine sagte, sie h\u00e4tte das Buch abgebrochen, weil sie die Szene wo sich der Protagonist mit der j\u00fcngeren Japanerin in der verseuchten Erde w\u00e4ltz, unertr\u00e4glich fand.<\/p>\n<p>Ich habe es nicht mehr gefunden, aber Adolf Muschg hat auf dem <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/10\/14\/frankfurter-buchmesse\/\">blauen Sofa in Frankfurt<\/a> selber \u00fcber diese Szene gel\u00e4chelt und was ist das Buch dann? Ein geniales Alterswerk des vierundachtigj\u00e4hrigen bekannten Schweizer Dichters?<\/p>\n<p>Das scheint mir nun doch \u00fcbertrieben, weil es mir ja ganz ehrlich auch auf die Nerven geht, wenn die Achtzig- oder Sechzigj\u00e4hrigen, der Paul Neuhaus, der Held des Buches, ist, glaube ich, gerade dar\u00fcber, auf ihre letzten Reisen gehen und dabei die Lieben ihres Lebens nochmals erleben und \u00fcber den Tod resumieren.<\/p>\n<p>Da denke ich nat\u00fcrlich, was ist, wenn ich das machen w\u00fcrde? Was w\u00fcrden die Verlage dazu sagen und wer w\u00fcrde das lesen?<\/p>\n<p>Aber die Vehemenz mit der Adolf Muschg diese schon hundertmal geschriebenen Themen bearbeitet, dabei vom Hundersten in Tausendste kommt und alles,\u00a0 alles, was ja gar nicht dazu passt, dazu vermengt, ist wirklich beeindruckend und als er verlassen und frustriert in seinem Hotel in Hakone sitzt, \u00fcber die verlorene Liebe und den Tod nachdenkt, dabei den Fujiyama beobacht und pl\u00f6tzlich nach Wien-Ottakring und auf das Harry Lime Thema kommt, dachte ich zuerst &#8220;Das passt ja gar nicht dazu!&#8221; und dann &#8220;Das ist genial und warum soll er das nicht schreiben und so sein Leben bew\u00e4ltigen und zusammenfassen?&#8221;<\/p>\n<p>Ob man das lesen will oder soll, ist eine andere Frage. Die b\u00fccher liegen aber in den Buchhandlungen auf, es stand auf der deutschen Longlist, auf der Schweizer nicht, da steht von den dBp B\u00fcchern nur die Gianna Molinair und sonst noch der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/11\/20\/peter-stamm-im-literaturhaus\/\">Peter Stamm.<\/a><\/p>\n<p>Es ist aber \u00fcberhaupt die Frage, wer heute noch B\u00fccher liest und wen das wirklich interessiert, da\u00df hier ein sechzigj\u00e4hriger Architekt und Schriftsteller namens Paul Neuhaus, der mit seiner Freundin Schwierigkeiten hat, pl\u00f6tzlich einen Brief von Freunden aus Japan mit einer Einladung nach Fukushima bekommt, weil dort der B\u00fcrgermeister eine K\u00fcnstlerkolonie aufbauen will, um die Leute in das verseuchte Land zur\u00fcckzubringen und die Wirtschaft zu beleben.<\/p>\n<p>Weil ihm seine Suzanne gerade verlassen hat, fliegt er hin, hat und das ist auch ein wenig verwunderlich, aber warum nicht, als ich einmal nach Amsterdam geflogen bin, habe ich im Flieger auch Elias Canettis &#8220;Blendung&#8221; gelesen, die damit ja nichts zu hat, Adalbert Stifters Werke mit und die werden in dem Buch immer wieder so zwischendurch zeilenlang zitiert und ich glaube im Anhang auch nicht extra ausgeweisen, aber das ist ein verlegerischen Problem.<\/p>\n<p>Im Hotel Imperial in Tokyo wird er von den Freunden, der Germanistin Mitsuko und ihren MannKen erwartet, die ihm er\u00f6ffnen, da\u00df Mitsuko ihn durch die verseuchten Gebiete begleiten soll, da Ken an Leuk\u00e4mie leidet und sie also nicht begleiten kann.<\/p>\n<p>Es kommt, wie es kommen mu\u00df. Die Beiden fahren mit dem Shinkansen, dem japanischen Schnellzug, e\u00dfen\u00a0 ihre Bento Box, haben Geigerz\u00e4hler und Schutzanz\u00fcge dabei, werden dann von dem b\u00fcrgermeister erwartet und fahren ein paar Tage lang durch die versuchten und verlassenen D\u00f6rfer und interviewen dabei Familien, wor\u00fcber sich Paul Neuhaus seine schriftstellerischen Gedanken macht. Sie m\u00fcssen vor Wildschweinen fl\u00fcchten, w\u00e4lzen sich, wie schon beschrieben in der verseuchten Erde, was ich eigentlich auch nicht sehr n\u00f6tig finde, deshalb habe ich das Buch aber nicht abgebrochen, denn ich will mich ja gern und freiwillig durch die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/07\/09\/deutscher-buchpreis\/\">dBp Longlist<\/a> lesen.<\/p>\n<p>Am Ende gibt es noch ein Abschiedsessen, da taucht dann der Ehemann auf. Der mu\u00df ins Krankenhaus, so begleitet seine Gattin ihn. Paul bleibt allein zur\u00fcck, beziehungsweise sind\u00a0 schon zehn Tage in einem anderen Hotel gebucht, wo er verlassen auf der Hotelterrasse sitzt, den Fujiyama beobachtet und \u00fcber Gott und das Leben sinniert.<\/p>\n<p>Dann kommt der Tag der Abreise, Mitsuko erscheint nat\u00fcrlich im Hotelbuffet, gesteht, da\u00df sie schwanger ist und zu ihrem Mann ins Krankenhaus mu\u00df und ich habe wirklich nicht verstanden, von wem das ist? Denn, um eine Schwangerschaft festzustellen, braucht man wahrscheinlich mehr als zehn Tage oder irre ich mich da?<\/p>\n<p>Es gibt auch noch einige andere beeindruckende sch\u00f6ne geschriebene Szenen, denn Adolf Muschg versteht ohne Zweifel sein Handwerk, obwohl, wenn ich schon wieder beim Motzen bin, mir ein Zweiundsechzigj\u00e4hriger als fast F\u00fcnfundsechzigj\u00e4hrige nicht wirklich alt erscheint und, da\u00df sich der Gedanken \u00fcber eine m\u00f6gliche Demenz macht, erscheint mir zu literarisch aufgesetzt.<\/p>\n<p>Es gibt aber noch eine eher peinliche Szene von einem fr\u00fcheren Abendessen mit dem B\u00fcrgermeister, wo er sich nachher nackt im Bet vorfindet und nicht wei\u00df, wer ihn ausgezogen hat?<\/p>\n<p>Tr\u00e4ume und Fieberfantasien gibt es auch und eine geheimnisvolle Karte, die ihm der Hotelportier nachtr\u00e4gt, als er ins Taxi steigt. Es gibt eine antike Schale, die er dem Paar mitbringen soll und dann einem Hotelangestellten schenkt und, wie schon beschrieben noch hunderttausend andere Einf\u00e4lle, die eigentlich nicht zusammenpassen, so da\u00df ich schon das Obige formulierte und dann innehielt und pl\u00f6tzlich dachte:<\/p>\n<p>&#8220;Es ist ein geniales Buch, vielleicht oder gerade deshalb, weil man die Zusammenh\u00e4nge nicht versteht. Aber sie sind auf jeden Fall bewu\u00dft oder unbewu\u00dft, das, was Adolf Muschg besch\u00e4ftigte und daher f\u00fcr die Leserin interessant und jetzt noch ein paar Japan- oder andere Buchbez\u00fcge, weil das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/20\/echos-aus-japan\/\">Japanthema in der Literatur derzeit sehr modern ist<\/a> und ich, schreibe ich noch dazu, ja auch schon zehn Tage dort war, wenn auch nat\u00fcrlich nicht als Stipendiatin, wie die anderen, die dann ihre Japan-B\u00fccher geschrieben haben.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/05\/baba-dunjas-letzte-liebe\/\">Alina Bronskys\u00a0 &#8220;Baba Dunjas letzte Liebe&#8221;<\/a>, auch ein dBp Buch hat, das mit Tschernobyl versucht und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/09\/30\/die-kieferninseln\/\">Marion Poschmanns &#8220;Kieferninsel&#8221;<\/a> f\u00fchrt uns in ein anderes, sehr lyrisches Japan und in einen Selbstm\u00f6rderwald.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buch zw\u00f6lf des dBps, allm\u00e4hlich wird es, denn die folgenden drei B\u00fccher sind auch viel d\u00fcnner und eines das mich an meinen Schweiz Urlaub erinnert, wurde doch Adolf Muschg, 1934 in Z\u00fcrich geboren und sein Buc lag das mit der &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=65594\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,5],"tags":[89,1012,1338,2890,3716,5228],"class_list":["post-65594","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","category-buchpreisbloggen","tag-adolf-muschg","tag-c-h-beck","tag-dbp2018","tag-japan","tag-longlist","tag-schweizer-literatur"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/65594","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=65594"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/65594\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=65594"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=65594"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=65594"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}