{"id":65796,"date":"2018-11-03T00:52:33","date_gmt":"2018-11-02T23:52:33","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=65796"},"modified":"2018-11-03T00:52:33","modified_gmt":"2018-11-02T23:52:33","slug":"die-farbe-der-wuensche","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=65796","title":{"rendered":"Die Fahne der W\u00fcnsche"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das zweite Buch, des 1981 in Sarajevo geborenen Tiljan Sila, der seit 1994 in Deutschland lebt und als Berufsschullehrer arbeitet, dessen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/02\/20\/tierchen-unlimites\/\">&#8220;Tierchen unlimited&#8221;<\/a> mir sehr, den anderen weniger gefallen hat und man jetzt sicher \u00fcber seinen zweiten Roman und die Frage, wie wichtig, ein solcher f\u00fcr die Karriere ist und wie gut, die meistens nach den Debuts gelingen, diskutiert.<\/p>\n<p>Es ist, denke ich, ein Jugendbuch, ein dystopischer Roman, der den Jugendlichen, das System einer Diktatur ala DDR oder auch die in Albanien, Rum\u00e4nien, Bugarien etcetera n\u00e4her bringen k\u00f6nnte. Denn das Buch spielt in einer osteurop\u00e4ischen Dikataur namens &#8220;Crocutanien&#8221;, das von den &#8220;Spiroisten&#8221; beherrscht wurde und es hat, ein der Berufsschullehrer wird es schon wissen, ein die Jugend interessierendes, n\u00e4mlich den Sport zum Thema.<\/p>\n<p>Ein \u00e4lterer Mann, der Goldene, wegen seiner ersetzten Goldz\u00e4hne, genannter ehemaliger Radrennsportler blickt im Westen auf seine Jugend zur\u00fcck. Das hei\u00dft, er bekommt einen Anruf aus seiner ehemaligen Heimat, die sich jetzt offenbar mehr oder weniger von der Diktatur erholt, der ihm von Tod seiner Mutter berichtet und die Geschichte beginnt:<\/p>\n<p>&#8220;Crocutanien, ein tolatlit\u00e4rer Staat am Rande Europas, versinkt im Chaos. Mittendrin ein junger Rennradfahrer, der lernt, nicht aufzugeben, auch wenn es scheinbar nichts mehr zu gewinnen gibt.&#8221;, steht am Buchr\u00fccken.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde den Ambrosio als Mitl\u00e4ufer und daher als eher unsympathische Figur beschreiben. Aber so war es halt in den sozialistischen Dikataturen. Man konnte nicht aus, wenn man \u00fcberleben, seine Familie sch\u00fctzen, etcetera, wollte, w\u00fcrde man heute sagen.<\/p>\n<p>Ambrosio hat und das ist interessant, weil es meiner Meinung nach eher die heutige Realit\u00e4t, als die vor vierzig Jahren, Ambrosio ist im Eingangskapitel sechzig und erinnert sich an dieZeit zur\u00fcck, wo er etwa sechzehn oder siebzehn war, entspricht, eine depressive, er nennt sie &#8220;irre&#8221; Mutter, die ihm feindlich gegen\u00fcbersteht und sich sonst eher, die wie von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/10\/07\/bungalow\/\">Helene Hegemannns Heldin<\/a> benimmt.<\/p>\n<p>Der Trainer des Siebzehnj\u00e4hrigigen erkennt die Misere, holt ihn zu sich und verschafft ihm sp\u00e4ter einen Platz in einem eher lockeren Internat, wo er \u00e4hnlich, wie der Held in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/09\/skizze-eines-sommers\/\">Andre Kubitscheks &#8220;Skizze&#8221; eines Sommers&#8221;<\/a> die Freuden eines Siebhehnj\u00e4hrigen\u00a0 erlebt. Er liebt Betty, ebenfalls eine Leistungsportlerin, die sich sp\u00e4ter in den Westen absetzt, kennen und er begegnet mit einem Freund einem Flipperautomaten. Ein harmloses Vegn\u00fcgen k\u00f6nnte man meinen. Nicht in einer Dikatur, die den Leuten alles verbietet. Er wird deshalb von den &#8220;M\u00e4ntel&#8221; also der Geheimpolizei zusammengeschlagen und als sich der Trainer auch ins Ausland absetzt, verliert er seine Z\u00e4hne, die ihm sp\u00e4ter durch die &#8220;Goldenen&#8221; ersetzt werden und daf\u00fcr mu\u00df er zum Spitzel werden.<\/p>\n<p>Er lernt dann noch ein paar Jungs und M\u00f6del vom Kader kennen, Kinder der Familie, die in der Diktatur aufgestiegen ist, das ist \u00e4hnlich wie in Nordkorea. Es kommt zu einem Putsch. Ambrosio kann sich mit seinem Rennrad in den Westen ansetzen und nun erf\u00e4hrt er vom Tod seiner Mutter, die er zur\u00fccklassen mu\u00dfte, die auch in eine ber\u00fcchtigte Anstalt gebracht wurde und dort verhungerte, was ihm den letzten Rest gibt oder auch nicht, denn:<\/p>\n<p>&#8220;Manche \u00fcberlebten und sch\u00e4mten sich &#8211; aber ich nicht.<\/p>\n<p>&#8220;Und was machst du jetzt?&#8221;, fragte der Taxifahrer.<\/p>\n<p>&#8220;Jetzt gehe ich wieder.&#8221;, lauten die letzten S\u00e4tze.<\/p>\n<p>Schwer zu sagen, wie ich das Buch einordnen soll. Es ist ein Jugendbuch, das die Jugend von heute wahrscheinlich vom Rechtsruck abhalten und ihnen ein bi\u00dfchen beibringen soll, wie es damals in der DDR oder auch im kommunistischen Jugoslawien, von wo Tiljan Sila ja herkommt, war.<\/p>\n<p>Ich werde demn\u00e4chst f\u00fcnfundsechzig und habe schon viele dieser B\u00fccher gelesen. So da\u00df\u00a0 mich dieses eigentlich weder \u00fcberraschen noch vom Sessel rei\u00dfen konnte.<\/p>\n<p>Das Neue, was ein gutes Buch ja angeblich haben mu\u00df, war f\u00fcr mich also nicht darin enthalten, was vor vierzig Jahren aber sicher anders gewesen w\u00e4re und der gute Ambrosio war mir ein bi\u00dfchen unsympathisch.<\/p>\n<p>Aber so wars halt das Leben in der DDR-Diktatur oder in der\u00a0 Ex-Jugoslawiens und das arbeitet Tiljan Sila, glaube ich, gut heraus, obwohl er es nicht so benennt und den Ambrosio eigentlich als Helden einf\u00fchrt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt das zweite Buch, des 1981 in Sarajevo geborenen Tiljan Sila, der seit 1994 in Deutschland lebt und als Berufsschullehrer arbeitet, dessen &#8220;Tierchen unlimited&#8221; mir sehr, den anderen weniger gefallen hat und man jetzt sicher \u00fcber seinen zweiten Roman &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=65796\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[1627,3179,4417,5793],"class_list":["post-65796","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-dystopisches-jugendbuch","tag-kiwi","tag-osteuropaeische-exdiktatur","tag-tiljan-sila"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/65796","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=65796"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/65796\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=65796"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=65796"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=65796"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}