{"id":66164,"date":"2018-11-11T07:20:51","date_gmt":"2018-11-11T06:20:51","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=66164"},"modified":"2018-11-11T07:20:51","modified_gmt":"2018-11-11T06:20:51","slug":"koenigin-der-berge","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=66164","title":{"rendered":"K\u00f6nigin der Berge"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt das wahrscheinlich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/oesterreichischer-buchpreis\/\">letzte \u00f6st. Buchpreis Buch,<\/a> Daniel Wissers &#8220;K\u00f6nigin der Berge&#8221;, der f\u00fcr mich und wahrscheinlich auch f\u00fcr andere \u00fcberraschend <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/05\/dritte-oesterreichische-buchpreisverleihung\/\">den dritten \u00f6sterreichischen Buchpreis gewonnen hat<\/a> und ich mu\u00df sagen, es ist ein wirklich gutes Buch mit einem wichtigen, mich sehr interessierenden Thema, das uns alle betreffen kann. Wie gehe ich um, wenn ich unheilbar krank bin, wie mache ich es da mit dem Sterben und beende wie mein Leben?<\/p>\n<p>Ein Thema das uns alle betrifft und das wir vielleicht deshalb oft verdr\u00e4ngen und das w\u00e4re vielleicht eine kleine Kritik, die bei &#8220;Amazon&#8221; von einem Leser auch nur eine &#8220;Ein Stern Rezension&#8221; bekommen hat.<\/p>\n<p>&#8220;Leider sind im E Book, immer wieder Seiten bei denen viele Buchstaben durch scharze Balken\/Fl\u00e4chen ersetzt werden.<\/p>\n<p>Bei einigen Seiten sind auch die Abs\u00e4tze komplett verschoben. Um das Buch zu lesen, mu\u00df man auch immer wieder zur\u00fcckbl\u00e4ttern, es ist wirklich verwirrend&#8230;&#8230;<\/p>\n<p>Schade, es war sehr teuer&#8230;&#8221;<\/p>\n<p>Und das, der experimentelle Stil in dem Daniel Wisser seinen Roman verpackt, ist wahrscheinlich nicht nur dem Inhalt und der Distanz die man braucht, um das Lesen zu verkraften, geschuldet, denn Daniel Wisser ist ein experimenteller Autor, zumindest wird der 1971 geborene, dieser Szene zugerechnet und da habe ich auch ein Bonmot zu erz\u00e4hlen, habe ich ihn doch 2003, glaube ich, im Amerlinghaus, ich glaube weiter, im Rahmen des &#8220;Fr\u00f6hlichen Wohnzimmers&#8221; kennengelernt, als er aus seinem &#8220;Ritter-Buch&#8221; &#8220;Dopplergasse 8&#8221; gelesen hat und da war ich \u00fcber den realistischen Stil sehr erstaunt und habe gedacht, wenn das bei &#8220;Ritter&#8221; erscheint, dann kann ich das auch.<\/p>\n<p>Ich konnte, wie bekannt nicht und habe auch noch kein anderes Buch von Daniel Wisser gelesen, ihn nur bei verschiedenen Lesungen beispielsweise im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/03\/02\/musik-im-musa\/\">Musa<\/a>, bei den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/08\/24\/zweimal-krankheit-und-sterben-bei-den-o-toenen\/\">O T\u00f6nen<\/a>, etcetera, geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Er macht auch<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/10\/16\/zur-zeit-nur-fur-immer\/\"> literarische Performances,<\/a> ist Musiker und ist und das ist erfreulich nach und nach aufgestiegen, hat beim<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/07\/07\/donnerstag-in-harland-und-in-klagenfurt\/\"> &#8220;Bachmannpreis&#8221;<\/a> gelesen, bei &#8220;Klever&#8221; und jetzt bei &#8220;Jung und Jung&#8221; verlegt und als ich &#8220;K\u00f6nigin der Berge gelesen habe, war ich wieder etwas erstaunt, da\u00df das ein so realistischer mit einem so wichtigen Thema ist. Nur der experimentelle Touch der f\u00fcr mich eigentlich nicht wirklich experimentell ist, st\u00f6rte mich etwas. Wirkte er doch f\u00fcr mich ein wenig aufgesetzt und hat vielleicht auch mich wie den &#8220;Amazon-Leser&#8221; vom Lesen\u00a0 abgelenkt.<\/p>\n<p>Es wird in dem Buch n\u00e4mlich immer wieder etwas durchgestrichen. Es gibt sehr viele Dialoge und an manchen Seiten gibt es immer gleich zwei Reden. das was man sagt und das was man denkt und Daniel Wisser lenkt von der Brisanz des Themas auch immer wieder durch theoretische Diskurse ab. Geht in die Vergangenheit zur\u00fcck, erz\u00e4hlt von Bankr\u00e4ubern, amerikanischen Pr\u00e4sidenten, l\u00e4\u00dft seinen Helden mit einer toten Katze kommunzieren, etcetera, obwohl das, da\u00df man mit einer nicht real existierenden Person spricht, vielleicht gar nicht so experimentell ist.<\/p>\n<p>Nun zu dem, um das es in dem Buch geht. Es geht, wie in einer anderen &#8220;Amazon Rezension&#8221; steht um einen gar nicht so sympathischen Helden, um einen politisch unkorrekten Ungustl und Frauenheld, den Mittevierzigj\u00e4hrigen Robert Turin, einstmal ein erfolgreicher EDVler, der mit einem Freund eine eigene Firma mit vielen Angestellten hatte. Dann bekam er MS und sitzt jetzt mit Mitte vierzig in einem Pflegeheim, mu\u00df von den Schwestern dort angezogen, gewaschen und in den Rollstuhl gehievt werden, schaut ihnen dabei immer wieder auf den Busen, irritiert sie auch, in dem er von sich in der direkten Rede spricht, wenn sie seinen Namen falsch aussprechen &#8220;Nein, Herr Turin will nicht in den Garten, Herr Turin ha\u00dft die Natur, weil sie grausam ist&#8221;<\/p>\n<p>Er hat eine Frau namens Irene, die ihn am Wochenende besucht, ansonsten verbringt er anfangs seine Tage in der Cafeteria und l\u00e4pt sich von den Zivildienern gr\u00fcnen Veltliner servieren und nervt alle mit der Frage, ob sie ihn in die Schweiz fahren?<\/p>\n<p>Er fragt das anfangs auch seine Lieblingsschwesgter Aliki, die Namen der Schwestern \u00fcbt er in einen sogenannten &#8220;Schwesternalphabet&#8221;, die antwortet, was wohl alle Schwestern in einem katholischen Pflegeheim antworten m\u00fcssen oder sie gibt keine Antwort und Daniel Wisser f\u00fchrt uns trotz seiner experimentellen Spielchen sehr realistisch in die Welt der Pflegeheime und Hospize ein, denn er war, hat er bei den &#8220;O T\u00f6nen&#8221; erz\u00e4hlt, einmal Zivildiener in einem solchen und hat dort eine Cafeteria betrieben und wahrscheinlich auch einen \u00e4hnlichen Patienten gekannt.<\/p>\n<p>Es gibt in dem Heim auch eine etwas aufm\u00fcpfige Psychologin namens Katharina, die Herrn Turin zu einer Gespr\u00e4chstherapie veranlassen will, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/07\/bevor-wir-verschwinden\/\">die er auch nicht braucht<\/a> und w\u00e4hrend seine Frau Irene zu Weihnachten Karriere in Japan macht, wird er von ihrer Schwester, einer An\u00e4sthesisitin besucht, der er auch diese Frage stellt.<\/p>\n<p>Dazwischen bekommen wir die Realit\u00e4t der Pflegeheime mit, die Schwestern kommen alle aus dem Ausland und haben Heimweh oder ihre Berufe gewechselt, anstatt Deutschunterrichten m\u00fcssen sie jetzt Harnbeutel wechseln, die Cafeteria wird ausgelagert, der Putzdienst ist es schon, einer der Patienten bekommt einen Schlaganfall und mu\u00df von Herrn Turin auf der Pflegestation besucht werden, der sagt\u00a0 zu allem nur noch &#8220;ja, ja, ja&#8221; und eine andere Patientin und das finde ich, ist ein gelungenes Beispiel, sitzt st\u00e4ndig vor dem Fernseher und schreit laut &#8220;Trump&#8221;, denn es ist Wahlkampfzeit und sie ist begeistert vom amerikanischen Pr\u00e4sidenten.<\/p>\n<p>Herr Turin ist das weniger, findet aber zwei Komplizinnen, die Schw\u00e4gerin und die Psychologin. Es kommt aber trotzdem zu einem Selbstmordversuch und er wird dann vom Heim erpresst zu sagen, da\u00df es ein Unfall war, damit er in keine Psychiatrie kommt, was er nicht brauchen kann, denn um dem Verein f\u00fcr Sterbehilfe beizutreten, mu\u00df er bei geistigen Kr\u00e4ften sein. Er mu\u00df daf\u00fcr auch verschiedene Formulare ausf\u00fcllen was er nicht kann. So mu\u00df er den Zivildiener und die Schwestern dazu bitten. Seine Frau ist dagegen, die An\u00e4sthesistin hilft ihm und verschafft ihm die richtigen Tabletten, die er aber ausw\u00e4rts nehmen mu\u00df, so da\u00df er\u00a0 in ein Einkaufszentrum f\u00e4hrt und sich dort einsperren lassen will. Der Zivildiener vereitelt das. Es kommt zu weiteren Schwierigkeiten. Herr Turin mu\u00df\u00a0 nun eine Therapie machen und Psychopharmaka nehmen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich gelingt es ihm doch und die Psychologin f\u00e4hrt ihn in die Schweiz und wir haben ein sehr sehr gutes Buch mit einem sehr brisanten Thema gelesen \u00fcber das man diskutieren kann und sollte und, wie geschrieben, wenn ich Daniel Wisser einen Rat geben k\u00f6nnte, den er wahrscheinlich nicht annehmen wird, w\u00fcrde ich ihm empfehlen, den &#8220;experimentellen Schnickschnack&#8221; wegzulassen, weil das Buch meiner Meinung nach dadurch besser werden w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Es ist aber wahrscheinlich auch so gut genug, hat es ja den dritten \u00f6sterreichischen Buchpreis gewonnen. Ich gratuliere sehr!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt das wahrscheinlich letzte \u00f6st. 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