{"id":66271,"date":"2018-11-16T01:08:00","date_gmt":"2018-11-16T00:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=66271"},"modified":"2018-11-16T01:08:00","modified_gmt":"2018-11-16T00:08:00","slug":"selbstbild-mit-russischen-klavier","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=66271","title":{"rendered":"Selbstbild mit russischen Klavier"},"content":{"rendered":"<p>Weiter gehts mit der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/08\/26\/has-herbst-lesen\/\">allgemeinen Literatur,<\/a> wir bleiben in \u00d6sterreich, sogar in Wien, obwohl der 1943 geborene Wolf Wondratschek, ein deutscher Autor ist. Er lebt aber in Wien und sein neuestes Buch spielt auch dort.<\/p>\n<p>Das Letzte das ich vor <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/07\/04\/mozarts-friseur-und-aktueller-schreibbericht\/\">neun Jahren von ihm gelesen habe, &#8220;Mozarts Friseur&#8221;<\/a> spielt auch dort und es ist mir beim Lesen ein wenig seltsam gegangen. Denn eine sehr sch\u00f6ne poetische Sprache f\u00fchren durch die Kapitel und das Buch, in dem es um einen Schriftsteller oder ein Ich, das wird gar nicht so so genau erkl\u00e4rt, geht, der in einem Wiener Kaffeehaus oder eigentlich ist es die Pizzeria &#8220;La Gondola&#8221; am Siebenbrunnenplatz, einen alten russischen Musiker namens Suvorin trifft und der eine erz\u00e4hlt, da\u00df der andere ihm sein Leben erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Beides in der Ich-Form, so da\u00df es gar nicht so leicht ist, die Erz\u00e4hlebenen zu unterscheiden und sich auszukennen und Handlung hat das Buch ebenfalls eigentlich keine. So da\u00df ich zwar nicht <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/09\/13\/ueber-das-spoilern\/\">soviel spoilern<\/a> kann, aber vielleicht wieder eine <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/06\/eu-literaturpreise\/#comments\">R\u00fcge bekomme<\/a>, da\u00df ich wesentliche Dinge ausgelassen mich nur im Details festgehalten habe.<\/p>\n<p>Es ist ein leichtes lockeres Plaudern \u00fcber Gott und die Welt k\u00f6nnte man so sagen und manchmal ist es auch ein Geschimpfe, beispielsweise \u00fcber Wien, da\u00df dort die Post zwei Wochen braucht, um Briefe zuzustellen und, da\u00df die Fenster in den Wohnungen so z\u00fcgig sind, da\u00df man mit Westen schlafen mu\u00df.<\/p>\n<p>Das betrifft, denke ich, h\u00f6chstens die Altbauwohnungen und es ist in gewi\u00dfer Weise auch ein &#8220;altmodisches Buch&#8221;, das viel von Musik handelt, denn jener Suvorin, ein alter kranker, ich glaube auch ungepflegter Mann, dem die \u00c4rzte das Trinken und das Rauchen verboten haben, war ein, ich glaube wieder, ber\u00fchmter Pianist, der das Klavierspielen l\u00e4ngst aufgeben mu\u00dfte, aber immer noch von Bach, Beethoven und Heinrich Schiff schw\u00e4rmt.<\/p>\n<p>Sehr beeindruckt hat mich, um bei den Details zu bleiben, die Stelle, wo der Musiker, &#8220;in Wien habe man das Gef\u00fchl, da\u00df es nur zwei Sorten Russen gebe, Million\u00e4re und Musiker&#8221;, wird zitiert,\u00a0 den Applaus nach einem Konzert ha\u00dft. was ich verstehen kann, da\u00df das einen sensiblen Menschen irritieren kann, wenn er sich in seine Musik vertieft und dann auf einmal geht der L\u00e4rm und das Geklatsche, das Bravo rufen los. Das kann einen wahrscheinlich\u00a0 aus der Stimmung herausrei\u00dfen. Deshalb will er es bei seinen Konzerten verbieten lassen, was wohl m\u00f6glich ist, beim &#8220;Parsifal&#8221; darf man das eigentlich auch nicht und der Pianist k\u00f6nnte es auch am Anfang sagen oder ins Programmheft drucken lassen, aber im Arbeiter- und Bauernstaat der SU, wo Savorin herkam, war das nicht m\u00f6glich und da besuchten ihn auch die Funktion\u00e4re und lie\u00dfen ihn wissen, da\u00df das von der Obrigkeit nicht erw\u00fcnscht ist.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/03\/06\/der-laerm-der-zeit\/\"> Schostakowitsch<\/a> hat ja unter der Wilk\u00fcr Stalins sehr gelitten und unser Held war acht, als der gestorben ist. Die Funktion\u00e4re hat es aber noch immer gegeben, so hatte er Fluchtgedanken, w\u00fcnschte sich nach San Remo oder stellte sich vor, da\u00df er ab nun mehr nur unbeliebte Musik spielen w\u00fcrde, denn dann klatscht man nicht.<\/p>\n<p>Er war auch verheiratet und hatte zwei Kinder und unter dem Tod seiner Frau sehr gelitten. Jetzt sitzt er allein in Wien, darf nichts mehr trinken und rauchen und sitzt offenbar die ganze Zeit bei einem Glas Wasser oder h\u00f6chstens einer Melange in dem Cafe oder geht mit dem Schriftsteller auch manchmal die Margaretenstra\u00dfe hinunter, was ich sehr spannend finde, weil ich ja in diesem Bezirk wohne und die Protagonisten in meinen B\u00fcchern, das auch manchmal tun und ich mir auch die Frage stellte, ob Wolf Wondratschek vielleicht ebenfalls in diesem Bezirk wohnt?<\/p>\n<p>Der Musiker verschwindet gegen Schlu\u00df und der Schriftsteller mu\u00df\u00a0 ihm suchen, geht aus diesem Grund sogar aufs Friedhofsamt und l\u00e4\u00dft sich von einer netten Dame dort erkl\u00e4ren, da\u00df er nicht gestorben ist, aber die Rechnung f\u00fcr sein Grab nicht bezahlt hat.<\/p>\n<p>So \u00fcberlegt er, die nette Dame nach der Adresse zu fragen, tut es dann nicht und der alte Musiker war ein Ansichtskartensammler und hat von seinen Reisen, die er ins Ausland machen durfte, immer einige mitgebracht, aber nie solche geschrieben.<\/p>\n<p>Von solchen Details lebt das Buch, das eigentlich kein wirklicher Roman ist, sondern ein leichtes lockeres Geplauder mit\u00a0 vielen Details in sch\u00f6ner Sprache. Philosophische Gedankensplitter k\u00f6nnte man fast sagen und es liest sich einerseits leicht, andererseits wieder f\u00fcr eine, die gewohnt ist, die Handlung zusammenzufassen, wieder nicht.<\/p>\n<p>&#8220;Kann man gott zum Lachen bringen?&#8221; lautet so einer dieser philosophischer Gedankensplitter, die sogar am Buchr\u00fccken stehen.<\/p>\n<p>&#8220;Wer gefallen will, hat auf einem Konzertpodim nichts verloren&#8221;, ein anderer und so geht es durch das\u00a0 Buch und durch das Leben des alten kranken russischen Suvorin. Wahrscheinlich auch durch das Leben von Wolf Wondratschek und ich habe ein interessantes Buch mit interessanten Fragen gelesen und bleibe am Schlu\u00df noch am Einstiegsmotto &#8220;Wei\u00df der Zufall was er will?&#8221;, h\u00e4ngen und wei\u00df auch hier die Antwort nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Weiter gehts mit der allgemeinen Literatur, wir bleiben in \u00d6sterreich, sogar in Wien, obwohl der 1943 geborene Wolf Wondratschek, ein deutscher Autor ist. Er lebt aber in Wien und sein neuestes Buch spielt auch dort. 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