{"id":6633,"date":"2011-04-22T18:13:18","date_gmt":"2011-04-22T16:13:18","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=6633"},"modified":"2011-04-22T18:13:18","modified_gmt":"2011-04-22T16:13:18","slug":"der-kalteste-winter","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6633","title":{"rendered":"Der k\u00e4lteste Winter"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Der k\u00e4lteste Winter&#8221; von der 1923 geborenen Paula Fox &#8220;Erinnerungen aus dem befreiten Europa&#8221;  oder &#8220;Eine Fahrt in Herz der Finsternis&#8221;, wie auf der Buchr\u00fcckseite steht, sind seine Reihe von Texten, die eine Reise auf einem notd\u00fcrftig umgebauten Kriegsschiff nach Europa schildern,  wo die dreiundzwanzigj\u00e4hrige Paula Fox einen Winter in London, Paris, Warschau und Spanien verbringt. Geschickt und beauftragt wurde sie von einer Nachrichtenagentur. Die Reise scheint sie sich als Kellnerin in einem Ferienhotel im Fr\u00fchjahr 1946 in den Catskills verdient zu haben und die Geschichten erst viel sp\u00e4ter, der Band ist  2005 in der Originalausgabe erschienen, zusammengestellt zu haben. Beginnen tut es in New York, wo Paula Fox geboren wurde und die meiste Zeit ihres Lebens verbrachte, mit einer Schilderung von Begegnungen mit Menschen &#8220;deren Namen heute zum Teil auf ber\u00fchmten Grabsteinen stehen.&#8221; Duke Ellington zum Beispiel oder Billie Holiday, die &#8220;in einem Jazzclub auf der zweiundf\u00fcnfzigsten Stra\u00dfe auf einem Barhocker sa\u00df und sie bat &#8220;Sch\u00e4tzchen w\u00e4rst du so nett?&#8221; ihren Pelzmantel aufzuheben, der ihr von den Schultern gefallen war.&#8221; Es gibt dann auch ein Bild von Billie Holiday im Pelzmantel im Buch und das ist in verschiedene Kaptitel geteilt, die von New York nach Europa und wieder zur\u00fcck f\u00fchren.<br \/>\nSo kommt sie mit dem umgebauten Kriegsschiff 1946 zuerst nach London, wo sie bei drei Ehepaaren wohnt, von denen eines ein Kind hat, das die ber\u00fchmte Schule von Summerhill besucht. Paula Fox arbeitet bei einen Verleger und sieht Manuskripte durch, obwohl sie keine Arbeitserlaubnis hat und so auch einmal Besuch von der Polizei bekommt. Es gibt ein Foto vom zerst\u00f6rten Stra\u00dfenverkehr Londons. Dann geht es nach Paris, wo auf den Champs Elysees vor kurzem noch die schwarzen Nazistiefeln entlangmarschierten. Die Franz\u00f6sinnen versuchen jedoch schon wieder unbek\u00fcmmert ihren Besch\u00e4ftigungen und Besorgungen nachzugehen. Sie trifft kurz Jean Paul Sartre  und einen Mann, der die Schaflederjacke tr\u00e4gt, die ihn drei Jahre  im KZ w\u00e4rmte  und wird, als sie wieder in London ist von der Nachrichtenagentur mit einem Flugzeug nach Prag und von dort im Zug nach Warschaugeschickt, weil sie nur eine kleine Journalistin ist, die bedeutenderen d\u00fcrfen direkt in das zerst\u00f6rte Warschau fliegen, sie wird auch vor dem kalten Winter gewarnt und darf in einem der drei noch existierenden Hotels wohnen, wo man nur einmal in der Woche baden kann und auch nur, wenn einem zuvor das Stubenm\u00e4dchen das hei\u00dfe Wasser nach oben schleppt und in die Badewanne lehrt. Sie reist mit den anderen Journalisten herum und erf\u00e4hrt, da\u00df niemand \u00f6ffentlich von den Juden spricht. Mrs Helen Grassner ist aber eine davon und empfindet Schuldgef\u00fchle, da\u00df niemand von ihrer Familie umgekommen ist und hat Schwierigkeiten mit dem Jungen mit dem Holzstumpf, der vor dem Hotel steht und Zeitungen verkaufen will und die, die sie nicht kaufen, mit dem Holzstumpf ins Schienbein tritt.<br \/>\nDann geht es in ein ehemaliges Jagdschlo\u00df eines preu\u00dfischen Adeligen im Tatragebirge, das die polnische Regierung in ein Erholungsheim f\u00fcr Kinder aus Konzentrationslagern umgebaut hat, bevor Paula Fox zu einem siebzigj\u00e4hrigen Onkel nach Spanien f\u00e4hrt, der mit dem  Philosophen  Ortega y Gasset befreundet war. Der Onkel hat einen Hund, der Perlita hei\u00dft, den er mit Knoblauch aufzog und hatte Schwierigkeiten mit General Francos Polizei, weil er in einem Brief an seine Schwester  in Amerika der Hoffnung Ausdruck gab, bald vom Faschismus erl\u00f6st zu werden. Leider zeigte ihn eine junge Cousine aus Cadiz an, so da\u00df er verhaftet und gefoltert wurde, trotzdem ist Paula Fox sehr traurig, als sie nach Amerika zur\u00fcckkehrt und nicht sicher, ob sie nicht  in Europa  bleiben h\u00e4tte sollen.<br \/>\nDas letzte Kapitel hei\u00dft &#8220;Astronomiestunde&#8221; spielt wieder in Amerika und in den F\u00fcnfzigerjahren, da ist Paula Fox Lehrerin in einem Heim f\u00fcr schwer erziehbare Jugendlichen und f\u00e4hrt mit einem solchen Jungen, der sich f\u00fcr Astronomie interessiert, zur Columbia University um ihm ein Teleskop zu zeigen. Das spannt  wieder den Bogen von den Jugendlichen in Amerika zu denen in dem Erholungsheim an der Tatra und zu den Erfahrungen, die sie zehn Jahre zuvor im zerst\u00f6rten Europa machte.<br \/>\nDas Buch mit den Geschichten des k\u00e4ltesten Winters, die Paula Fox &#8220;von den Ketten befreite, von deren Fesseln sie gar nichts ahnte&#8221; ist sicher sehr interessant, wenn auch vieles nur kurz angerissen wird und daher vage und schwer verst\u00e4ndlich bleibt, dennoch passt es wahrscheinlich das Buch am Karfreitag zu lesen.<br \/>\nVon Paula Fox, die, wie Wikipedia schreibt, lange Zeit vergessen war und heute als eine Klassikerin der Modere gilt, habe ich, 2002 das erste Mal geh\u00f6rt, als ich auf der Frankfurter Buchmesse auf  eine Lesprobe ihres Buches &#8220;In fremden Kleidern &#8211; Geschichte einer Jugend&#8221; stie\u00df. Bei Beck und bei dtv sind ihre B\u00fccher erschienen. Von den &#8220;Kalfornischen Jahren&#8221; habe ich auch etwas geh\u00f6rt, gelesen habe ich bis auf diese Kriegserinnerungen noch nichts von ihr, glaube aber, da\u00df ich vor kurzem erst auf eine Rezension von oder \u00fcber sie gesto\u00dfen bin. Hat doch  Bernadette Conrad 2011 bei Beck &#8220;Die vielen Leben der Paula Fox&#8221; herausgebracht, ebenso ist 2011 der Band &#8220;Die Zigarette und andere Stories&#8221; erschienen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Der k\u00e4lteste Winter&#8221; von der 1923 geborenen Paula Fox &#8220;Erinnerungen aus dem befreiten Europa&#8221; oder &#8220;Eine Fahrt in Herz der Finsternis&#8221;, wie auf der Buchr\u00fcckseite steht, sind seine Reihe von Texten, die eine Reise auf einem notd\u00fcrftig umgebauten Kriegsschiff nach &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6633\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-6633","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6633","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6633"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6633\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6633"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6633"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6633"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}