{"id":66407,"date":"2018-11-23T00:36:41","date_gmt":"2018-11-22T23:36:41","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=66407"},"modified":"2018-11-23T00:36:41","modified_gmt":"2018-11-22T23:36:41","slug":"alles-was-glaenzt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=66407","title":{"rendered":"Alles was gl\u00e4nzt"},"content":{"rendered":"<p>Man erlebt beim Lesen immer wieder seine \u00dcberraschungen und man kann, das erlebe ich immer wieder \u00fcber ein Buch nichts sagen, wenn man eine Lesung daraus h\u00f6rte oder sich durch die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/08\/25\/die-longlist-leseproben\/\">Leseprobenheftchen liest.<\/a><\/p>\n<p>So erging es mir mit dem Debut der 1992 in Graz geborenen Marie Gamillscheg, die dort die &#8220;Jugend- Literatur-Werkstatt besuchte, 2016 am Klagenfurter Literaturkurs teilnahm und mit ihrem Debut bei den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/07\/12\/o-toene-start\/\">&#8220;O T\u00f6nen&#8221;<\/a> gelesen hat.<\/p>\n<p>Da habe ich, obwohl Daniela Strigl alles genau erkl\u00e4rte, nicht genau mitbekommen, um was es in dem Buch eigentlich geht. Um einen Berg und ein Dorf, das von dessen Einsturz bedroht ist, um einen Journalistin, um ein Espresso und einen Mann, der in einem Auto verungl\u00fcckt und das alles in sch\u00f6ner experimenteller Sprache, nun gut nun ja.<\/p>\n<p>Dann kam das Buch auf die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/09\/05\/die-dritte-oesterreichische-buchpreisliste\/\">\u00f6st Debutliste<\/a> und ich hatte mich schon ein bi\u00dfchen in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/07\/bevor-wir-verschwinden\/\">David Fuchs &#8220;Bevor wir verschwinden&#8221;<\/a> verliebt, das und <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/10\/06\/im-verborgenen\/\">Ljuba Arnautovics &#8220;Im Verborgenen&#8221;<\/a> gelesen, das mir alles in allen zu wenig literarisch schien und war eigentlich sicher, da\u00df David fuchs den &#8220;Debutpreis&#8221; bekommen wird oder vielleicht doch Ljuba Arnautovic, da die Geschichte ihrer Gro\u00dfmutter ja ein wichtiges Thema ist?<\/p>\n<p>Dann war ich \u00fcberrascht, als es hie\u00df <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/05\/dritte-oesterreichische-buchpreisverleihung\/\">&#8220;And the winnerin is Marie Gamillscheg&#8221;<\/a>, obwohl ich schon bei der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/10\/18\/dritte-oesterreichische-debutpreislesung\/\">Lesung in der AK<\/a> zur Angela und zwei interessierten Damen am Bufettisch sagte, da\u00df, das das literarisch anspruchsvollste Buch ist, ich aber den Inhalt nicht so ganz verstanden habe, &#8220;And the winnerin is&#8230;&#8221;., nun ja,\u00a0 die Geschm\u00e4cker der Jury sind ja verschieden und meistens an der Sprache orientiert und da das Buch ja nicht zu mir gekommen ist&#8230;.<\/p>\n<p>Inzwischen ist es gekommen und vorher noch das PDF und habe den Roman auf zweierlei Art gelesen. Die eine H\u00e4lfte elektronisch, wie ich es ja schon mit den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/10\/22\/val-die-non\/\">experimentellsten<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/01\/27\/buch-der-zahlen\/\">B\u00fcchern<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/05\/03\/visby-infra-ordinaire\/\">so tat<\/a>, die andere in der guten alten Printform, wo ich unterstreichen kann und habe, glaube ich, schon nach wenigen Seiten erkannt, das ist ein tolles Buch.<\/p>\n<p>Sorgf\u00e4ltig gearbeitet auch in Kleindetailst erz\u00e4hlt und in einer wundersch\u00f6nen Sprache, die an <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/02\/05\/die-welt-hat-ihre-erinnerung-verloren\/\">Valerie Fristsch<\/a> erinnert, die ja, glaube ich, auch diese Grazer Jugendliteraturwerkstatt besuchte, aber ihr <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/09\/20\/winters-garten\/?preview_id=38674\">&#8220;Winters Garten&#8221;<\/a> hat mir dann nicht\u00a0 so gefallen, weil zu \u00fcbertrieben sprachexklusiv, da\u00df es mir zu kitschig war, bei Marie Gamillscheg ist es anders. Denn jetzt wei\u00df ich, worum es in dem Buch geht und es hat mich auch ein bi\u00dfchen an meine eigenen literarischen Anf\u00e4nge erinnert, obwohl sie zugegeben, meine Kritiker m\u00fc\u00dfen nicht aufschreien, nicht so sprachlich exklusiv sind.<\/p>\n<p>Es geht eigentlich, um nichts in den sehr kurzen Skizzen und dann wieder um sehr viel. Um das ganze Leben in dem wahrscheinlich kleinen steirischen Dorf und der nicht genannte Berg, der sich verzieht, Risse und Spalten macht und das ganze Dorf zu verschlingen droht, k\u00f6nnte der Erzberg sein, so denke ich es mir, geschrieben steht das nirgends.<\/p>\n<p>Es geht, das war schon bei den Lesungen klar, um Susa, die in den Dorf ein Espresso f\u00fchrt und &#8220;wenn sie nachts die Pumpen von den Ketchupflaschen schraubt sp\u00fcrt sie dieses Zittern&#8221;, um den alten Wenisch, der einst in den Stollen gearbeitet hat, jetzt noch f\u00fcr das Archiv des Bergwerkmuseums forscht, aber langsam in die Demenz versinkt und schlie\u00df\u013aich in ein Altersheim \u00fcbersiedet, um Martin, der eines Tags einen Autounfall hat und diese Stelle, wie die Polizisten zu den Toten kommen und mit dem Lastwagenfahrer, der ihn gefunden hat, sprechen, hat Marie Gamilscheg bei den &#8220;O T\u00f6nen&#8221; gelesen und die ist, finde ich sehr liebevoll erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Seine Freundin Esther erf\u00e4hrt durch seinen Tod einen Schock, ihre Schwester Teresa, die in die Musikschule zum Klavierunterricht geht, sieht im Fernsehen eine Sendung \u00fcber eineiige Zwillinge und bekommt den Gedanken an sie nicht los. Vielleicht ist sie mit Esther auch auf diese Art und Weise verbunden, die nach Martins Tod das Dorf verl\u00e4\u00dft. Aber der kommt immer wieder zur\u00fcck, sucht alle Personen auf und geistert, wie der Klabautermann, der auch eine Rolle spielt, durch das Buch, k\u00f6nnte man so sagen.<\/p>\n<p>Der Journalist der \u00fcber die Einsturzgefahr des Berges geschrieben hat, verschwindet selber irgendwann. Es gibt ein geschlossenes Kaufhaus namens &#8220;Ahoi&#8221; und einen Regionalmanager, der das Ganze durch ein Fest irgendwie am Leben erhalten will und das dann doch nicht schafft.<\/p>\n<p>&#8220;Vielstimmig und untergr\u00fcndig erzt\u00e4hlt Marie Gamillscheg von einer kleinen Schiksalsgemeinschaft im Schatten eines gro\u00dfen Berges, vom Strukturwandel un einem Ungleichgewicht in der Natur, vom Glanz des Unterganges wie des Neubeginns&#8221;, steht am Buchr\u00fccken. Die Amazon-Rezensenten waren sich nicht ganz einig \u00fcber das Buch und haben sowohl einen, als auch f\u00fcnf, am meisten aber drei Sterne vergeben und ich sage, es ist ein tolles Buch, poetisch sch\u00f6n in liebevoller Sprache aber auch sehr genau und sorgsam erz\u00e4hlt. Eines das mir sehr gefallen hat, so da\u00df ich sehr gespannt bin, wie es ihm beim &#8220;Bloggerdebutpreis&#8221;, gehen wird, f\u00fcr das es ebenfalls, wie f\u00fcr den &#8220;Aspekte Literaturpreis&#8221;, den aber Bettina Wilpert gewonnen hat, nominiert war.<\/p>\n<p>Was ich aber noch immer nicht verstanden habe, sind die Zahlenfolgen, die den einzelnen Kapiteln, die an sich Personennamen haben, vorangestellt sind. Vielleicht hat es Daniela Strigl bei den O-T\u00f6nen erkl\u00e4rt, im Buch habe ich jedenfalls nicht davon gefunden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man erlebt beim Lesen immer wieder seine \u00dcberraschungen und man kann, das erlebe ich immer wieder \u00fcber ein Buch nichts sagen, wenn man eine Lesung daraus h\u00f6rte oder sich durch die Leseprobenheftchen liest. 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