{"id":66606,"date":"2018-11-29T00:04:44","date_gmt":"2018-11-28T23:04:44","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=66606"},"modified":"2018-11-29T00:04:44","modified_gmt":"2018-11-28T23:04:44","slug":"der-letzte-huelsenbeck","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=66606","title":{"rendered":"Der letzte Huelsenbeck"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/04\/08\/orchis\/\">Buch<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/07\/bevor-wir-verschwinden\/\">vier<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/23\/alles-was-glaenzt\/\">der<\/a> Bloggerdebutshortlist und wieder kann ich mich \u00fcber die Zusammenstellung der ausgew\u00e4hlten B\u00fccher nur wundern, <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/11\/24\/immer-ist-alles-schoen\/\">ein<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?s=blauschmuck\">paar <\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/11\/17\/weissblende\/\">h\u00f6chstpoetische<\/a>, wie sie die Literaturwissenschaftler wahrscheinlich lieben, sind dabei und dann immer wieder das realistisch phantastisch oder was auch immer, Gegenst\u00fcck, das war 2016 der\u00a0 Uli Wittstock, mit seinen Rechtschreibfehlern, im Vorjahr wahrscheinlich <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/12\/08\/oder-florida\/\">&#8220;Oder Florida&#8221;<\/a> und jetzt ist mit dem &#8220;Letzten Huelsenbeck&#8221;, ein solch irrwitziges und wahrscheinlich nicht poetisches Buch dabei, von dem ich mir aber lange nicht sicher war, auf welchen Platz in meiner Reihenfolge ich es stellen soll, wie ich \u00fcberhaupt die heurige Shortlistauswahl, das Buch der Bettina Wilpert habe ich noch nicht gelesen, f\u00fcr sehr gut halte und ich liebe ja die realistischen Romanen, die vom <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/10\/07\/bungalow\/\">Wahnsinn<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/02\/07\/farbe-der-angst\/\">und<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/08\/08\/axolotl-roadkill\/\">vom<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/12\/18\/der-russe-ist-einer-der-birken-liebt\/\">Leben<\/a> handeln, von den ICD Diagnosen und den Drogencocktails, bei den letzteren kenne ich mich nicht so aus und kann daher auch nicht unterscheiden, ob es sich in dem Buch, um eine reine Psychose oder um eine durch Drogen induzierte handelt.<\/p>\n<p>Gut, das Daniel S. Drogen nimmt ist kein Geheimnis, das gibt er selber zu un schreibt dar\u00fcber. Er ist auch in einer Anstalt, wie <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/10\/02\/ach-diese-luecke-diese-entsetzliche-luecke\/\">Joachim Meyerhoff<\/a> aufgewachsen und er geht schon zu Beginn des Buches zu einem allerdings auch durchgeknallten Psychiater und l\u00e4\u00dft sich ohm einen Pharmacocktail verschreiben.<\/p>\n<p>Das alles deutet auf ein enormes Fachwissen oder eine hervorragende Recherche des 1956 geborenen Christian Y Schmidt hin, der in verschiedenen Satire- und anderen magazinen arbeitete und sowohl in Berlin, als auch in Peking lebt.<\/p>\n<p>F\u00fcr einen Debutanten nicht\u00a0 sehr jung, aber <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/10\/06\/im-verborgenen\/\">Ljuba Arnautovic<\/a> ist noch \u00e4lter und Daniel S., der Protagonist lebte auch mehrere Jahre in Asien und kommt zu Beginn des Buches von dort zur\u00fcck, um an einem Begr\u00e4bnis teilzunehmen.<\/p>\n<p>Auffallend ist, da\u00df er gleich zu Anfang an von seinem Tod spricht und sp\u00e4ter in seinen Tagebuchnotizen immer wieder davon schreibt, wieviele Tage er noch zu leben h\u00e4tte. Sp\u00e4ter schreibt der ihm behandelte Psychiater dann von einem &#8220;Cotard-Syndrom&#8221;, keine Ahnung, ob es das wirklich gibt, da m\u00fc\u00dfte ich erst googlen. Das sind aber die, die sich einbilden gestorben zu sein, aber\u00a0 noch leben und bis man dahin kommt, geht es auf fast vierhundert Seiten auf eine irrwitzige Reise durch Berlin, durch eine Psychose,\u00a0 einen permanenten Drogenrausch oder, wie man das auch nennen will.<\/p>\n<p>Richard Huelsenbeck, auch da m\u00fc\u00dfte ich erst googlen, war ein deutscher Dadaist und der letzte Huelsenbeck hei\u00dft das Buch, weil Daniel S. sich in den Siebzigerjahren, es ist auch ein Buch \u00fcber dieseZeit, in der ich Psychologie studierte, mit der Elfi zwar einmal nach Amsterdam fuhr, aber nicht einmal einen Joint versucht habe, mit ein vier Freunden &#8220;Die Huelsenbecks&#8221; eine Dadagruppe gr\u00fcndete, in der er, wie die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/04\/06\/osterspaziergang-des-ersten-wiener-lesetheaters\/\">&#8220;Wiener Gruppe&#8221;<\/a> Aktionen machte, wie beispielsweise einen Weihnachtsmann vom Dach zu schmei\u00dfen, der dann fast einen Kinderwagen getroffen h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Der H\u00f6herpunkt der Aktionen war eine Amerikareise im Jahr 1978 der f\u00fcnf. Dann trennte sich die Gruppe, Daniel S. ging als Reisejournalist nach Hongkong. Jetzt ist er zur\u00fcckgekommen, steht am Grab seines Freundes Viktor und f\u00e4ngt sich zu erinnern an.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft, so einfach ist das nicht, denn zuerst schmei\u00dft Ronny einen Lachsack in das offene Grab, es kommt zu einer Schl\u00e4gerei, Daniel wird von einem Stein getroffen, daraufhin wird er wieder in der Anstalt, wo er aufgewachsen ist und sp\u00e4ter auch Pflegehelfer war, ob seine Eltern dort arbeiteten oder er nur nebenan wohnte, wurde nicht so klar, behandelt.<\/p>\n<p>Er beginnt ein Tagebuch zu schreiben, nach Berlin, wo er eine Wohnung hat, zu reisen und seiner Vergangenheit auf die Spur zu kommen und die ist mehr als turbulent und wechselt auch mehrmals, die Perspektiven, so da\u00df man sich sehr konzentrieren mu\u00df, um bei all den Wendungen auch mitzukommen und den Faden nicht zu verlieren.<\/p>\n<p>Denn Daniel sauft und kifft gewaltig, sieht sich auch \u00fcberall verfolgt, es tauchen irgendwie l\u00e4dierte Kinder auf, er beginnt mit V\u00f6gel zu sprechen, sieht eine Claire, die die f\u00fcnf eine Zeitlang auf ihrer Amerikareise begleitete, dann verschwunden ist und jetzt \u00fcberall, wie der tote Viktor auftaucht und Daniel geheimnisvolle Botschaften zuruft.<\/p>\n<p>Er versucht, weil er sich an das alles nicht erinnern kann, aber \u00fcberzeugt ist, Claire damals in Amerika ermordet zu haben und jetzt von ihr oder ihrer Familie ger\u00e4cht zu werden, auch die drei anderen noch lebenden Huelsenbecks, Ben, Ronny und Michi auf, wird da aber nicht f\u00fcndig, denn sie entziehen sich und beginnen ihm nur Botschaften aus dem Netz zu senden oder ihn zu erpressen.<\/p>\n<p>Es gibt auch Briefe, die er seiner fr\u00fcheren Freundin aus Amerika schickte, die er jetzt erforschen will und\u00a0 fast am Ende, stopft er sich mit allem voll, was am Markt zu kriegen ist, er hat einen Superdealer, stellt sich auf die Stra\u00dfe, beginnt dort einen Armoklauf, so da\u00df er in eine andere Anstalt eingewiesen wird und ein Professor Dr. Hans Pryzgodda schlie\u00dflich einen Fallbericht \u00fcber ihn schreiben kann.<\/p>\n<p>Ein \u00e4u\u00dferst spannend geschriebenes Buch, wo ich die Psychose, die mir meine Freundin Elfi auch in den Siebzigerjahren, einmal erz\u00e4hlte, gut nachvollziehen konnte, wie das mit dem Beziehungswahn sein kann und wie ein solcher erlebt wird. Eine Satira auf den P.sychiatriebetrieb ist es sicher auch. Ein rassant geschriebenes Buch, das mir authentisch scheint. Literarisch ist es wahrscheinlich nicht zu nennen und jetzt bin ich auf die Bewertung der anderen Mitjuroren gespannt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Buch vier der Bloggerdebutshortlist und wieder kann ich mich \u00fcber die Zusammenstellung der ausgew\u00e4hlten B\u00fccher nur wundern, ein paar h\u00f6chstpoetische, wie sie die Literaturwissenschaftler wahrscheinlich lieben, sind dabei und dann immer wieder das realistisch phantastisch oder was auch immer, Gegenst\u00fcck, &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=66606\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,5],"tags":[862,1105,1611,4680,4950,5289],"class_list":["post-66606","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","category-buchpreisbloggen","tag-bloggerdebutpreis","tag-christian-y-schmidt","tag-drogen-1970-jahre","tag-psychose","tag-rowohlt","tag-shortlist"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66606","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=66606"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/66606\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=66606"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=66606"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=66606"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}