{"id":66930,"date":"2018-12-20T00:50:42","date_gmt":"2018-12-19T23:50:42","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=66930"},"modified":"2018-12-20T00:50:42","modified_gmt":"2018-12-19T23:50:42","slug":"deppentango","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=66930","title":{"rendered":"Deppentango"},"content":{"rendered":"<p>Im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/12\/10\/wilde-worte-mit-martin-auer\/\">Amerlinghaus<\/a> habe ich das Lesen des Buchs angefangen, das mir Paul Jaeg vom &#8220;Aroell-Verlag&#8221; an dem Tag schickte, an dem ich ihm im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/08\/30\/zweiter-wohnzimmertag\/\">Amerlinghaus<\/a> getroffen habe. Das war Ende August, es hat also ein bi\u00dfchen gedauert, bis ich zum Lesen von Dietmar F\u00fcssels Kurzgeschichten gekommen bin, obwohl ich den 1958 geborenen schon lange kenne, auf seine Homepage 2008 oder 2009 gesto\u00dfen bin und mich eine Zeitlang auch an seinen monatlichen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/07\/der-strohmann\/\">Gewinnspielen<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/12\/10\/wiederholte-geburten\/\">beteiligt<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/08\/03\/wirf-den-schaffner-aus-dem-zug\/\"> habe<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2009\/02\/13\/rindfleisch\/\">und<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/05\/04\/lyrik-bade-session\/\">schon<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/18\/gotter-und-ihre-fans\/#comments\"> sehr<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/12\/18\/der-sohn-einer-hure\/\">viele<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/08\/18\/diesseits-von-eden\/\">seiner<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/01\/25\/leidenschaft\/\">B\u00fccher<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/11\/29\/makabre-und-erste-lyrik\/\">gelesen<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/03\/panthokanarische-seitensprunge\/\">habe.<\/a><\/p>\n<p>Der Ober\u00f6sterreicher ist ein sehr origineller Autor, der immer wieder skurrile Themen f\u00fcr seine B\u00fccher findet und so sind die &#8220;literarische Kurzgeschichte&#8221; wie am Buchr\u00fccken steht, diesmal den &#8220;Versagern, Ungl\u00fccksraben und Idioten&#8221;, wie der Untertitel lautet, gewidmet und Dietmar F\u00fcssel geht es in seinen kurzen Texten auch rasant an.<\/p>\n<p>So wird hier in der &#8220;Operation Adele&#8221; von einem Experiment berichtet, wo der britische Geheimdienst aus Adolf Hitler\u00a0 eine Adele machen wollte, weil Frauen ja viel friedlicher sind, was, wie Dietmar F\u00fcssel behauptet, leider mi\u00dflungen ist, weil stattdessen aus Ernst Braun eine Eva wurde.<\/p>\n<p>Es geht um einen Herrn mit &#8220;Grillenangst&#8221;, der an einer Insektizidvergiftung zugrunde geht, um einen &#8220;Ewigen Versager&#8221;, das ist ein Mensch, der soviel Pech in seinem Leben hatte,\u00a0 da\u00df er nicht eimal den Kannibalen schmeckt und ein &#8220;Interview mit einem\u00a0 Vampirj\u00e4ger&#8221;, gibt es auch.<\/p>\n<p>Es gibt den &#8220;Spaghettifeind&#8221;, der diese Sorte Nudeln nicht mag, nicht wei\u00df warum und deshalb schaut, da\u00df sein Sohn einen Grund daf\u00fcr hat und den, der wegen der Muttermilch, keine solche in seinem Kaffee mag.<\/p>\n<p>Ein Arbeitsloser schreibt, um sich selbst einen Posten zu verschaffen, einen Brief an den Finanzminister mit Vorschl\u00e4gen, wie man durch &#8220;Gesundbeten&#8221;, die Leute schneller gesund werden lassen kann und Sir James wird, als er seine Frau weggeschickt hat und gen\u00fc\u00dflich mit der Zofe ins Bad steigen will, zweimal durch das Telefon herausgeholt.<\/p>\n<p>Weiter geht es mit dem Mann, der seiner gew\u00f6hnlichen oder auch ungew\u00f6hnlichen Maus ein Mausoleum um zw\u00f6lftausen Euro setzte,\u00a0 dem &#8220;Ziegenbockpeter&#8221;, der sich aus hygienischen Gr\u00fcnden nicht duscht und dem M\u00e4rchen von dem Knecht, der sich von seinem Bauern mit einer angeblichen &#8220;Zauberwindel&#8221; abspeisen lie\u00df.<\/p>\n<p>Es gibt den &#8220;Leichensammler&#8221; und den Mann, der sich an einem Sonntag auf einen zwanzig Kilometer Fu\u00dfweg zu seinem Zahnarzt begibt, um sich seine Schneidez\u00e4hne ziehen zu lassen, um den Frauen besser zu gefallen und in der Geschichte vom &#8220;K\u00f6nigstiger&#8221; geht es um einen S\u00e4ufer, der sauft und sauft, zuerst wei\u00dfe M\u00e4use, dann wei\u00dfe Katzen, wei\u00dfe Hunde und zuletzt einen wei\u00dfen K\u00f6nigstiger sieht, das beunruhigt ihn\u00a0 so sehr, da\u00df er die Polizei anruft, die schickt ihm die Sanit\u00e4ter mit den wei\u00dfen Jacken und die werden dann, wem wundert es bei Dietmar F\u00fcssels schr\u00e4gen Humor, prompt aufgefressen.<\/p>\n<p>Das &#8220;Kind mit den Blumen&#8221;, die zu allem nicken, ist vielleicht ein wenig einfach , wie bei einigen der kurzen Texten auffallen kann, da\u00df sie, wie schnell hinunter geschrieben wirken.<\/p>\n<p>Dietmar F\u00fcssels Stil und skurriler Humor ist auch der &#8220;Magischen Kriegsf\u00fchrung&#8221; gut zu erkennen. Da geht der Leutnant Pospischil zu General Weissfu\u00df, der gerade mit &#8220;gez\u00fcckten Zeigefinger durchs Zimmer h\u00fcft und dabei laut &#8220;P\u00e4ng! P\u00e4ng Du bist tot!&#8221;, br\u00fcllte und der ihm dann Befehl gibt, einen Zauerspruch zu finden, mit dem man die feindliche Armee in Schweine verwandeln kann.<\/p>\n<p>Im Verein der &#8220;Wildenwerwolfw\u00fcrger&#8221; hat noch keiner der Mitglieder einen Werwolf weder gew\u00fcrgt noch gesehen und geh\u00f6rt und als er das bemerkt, verl\u00e4\u00dft Herr F. der, den Verein\u00a0 zu Recherchezwecken besucht hat, diesen frohgemut, denn &#8220;Ich hatte soeben feststellen d\u00fcrfen, dass es tats\u00e4chlich Leute gab, die noch verr\u00fcckter waren als ich selbst.&#8221;<\/p>\n<p>Was die Frage aufwirft, ob es sich bei Herrn F. um den Autor selbst handelt, was vermutlich stimmen k\u00f6nnte, da der Herr F. der in &#8220;Die wichtige Angelegenheit&#8221; zu einem Grafen Tox gerufen wird, Schriftsteller ist und am Schlu\u00df noch hintergr\u00fcndig an seine Leser, die Frage stellt: &#8220;Bist du aus dieser seltsamen Geschichte schlau geworden? Ich n\u00e4mlich nicht.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Na dann ist Hopfen und Malz verloren!&#8221;, mag sich die Leserin denken, die eigentlich gar keine &#8220;Idiotengeschichten&#8221; mag, aber die vom &#8220;Angsthasen&#8221; enth\u00e4lt Eemente, die der Psychologin gefallen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Da f\u00fcrchtet sich einer vor allem, hat &#8220;H\u00f6henangst, Platzangst,\u00a0 Versagensangst, Angst vor Wespen, Hornissen, Spinnen, M\u00e4usen, Hunden, Schlagen, Betrunkenen und Psychiatern&#8221;.Dann geht er in eine Bank &#8220;um einige Erlagscheine einzuzahlen&#8221;, beobachtet einen Bankr\u00e4uber und steckt ihm aus Angst &#8220;in der Zukunft f\u00fcr einen erb\u00e4mlichen Feigling gehalten zu werden&#8221;, &#8220;den rechten Zeigefinger in den R\u00fccken und sagt barsch: Pech gehabt Freundchen, Kriminalpolizei. Weg mit der Waffe und H\u00e4nde hoch!&#8221;<\/p>\n<p>Das nenne ich\u00a0 originell, w\u00e4hrend zugegeben, die anderen Geschichten, die sich zum Teil in ihren Elementen wiederholen, so bildet sich einer ein, ein Indianer zu sein, geht auf eine Bank, um sein Geld abhzuholen und landet dann in der Gummizelle, weil der Bankbeamte die Rettung holt, nachdem er mit &#8220;Wilder B\u00fcffel&#8221; statt seinem Namen unterschreibt,\u00a0 manchmal etwas nerven, weil die Menschen wahrscheinlich doch nicht so eindimensional deppert sind, wie sie Dietmar F\u00fcssel gen\u00fc\u00dflich schildert.<\/p>\n<p>&#8220;Es gibt den harmlosen Spinner&#8221;, der seinem Psychiater beweisen will, da\u00df er &#8220;ein gemeingef\u00e4hrlicher Psychopath ist&#8221; und es dann nicht zusammenbringt, ihn zu erschlagen oder zu erschie\u00dfen und dann den &#8220;Verst\u00e4ndnisvollen&#8221;, der alles versteht, da\u00df ihn seine Frau betr\u00fcgt, sein Chef entl\u00e4\u00dft, der R\u00e4uber ausraubt und daf\u00fcr nicht einmal in den Himmel, sondern in die H\u00f6lle kommt und vom Teufel belehrt wird, da\u00df &#8220;wer sich nicht wehrt, verkehrt lebt.&#8221;<\/p>\n<p>Am Schlu\u00df wird noch das &#8220;Denkmal&#8221; der Gerechtigkeit nicht enth\u00fcllt, was vielleicht auch eine &#8220;Hinterfotzigkeit&#8221; Dietmar F\u00fcssel ist, dar\u00fcber eine Geschichte zu schreiben.<\/p>\n<p>Dietmar F\u00fcssel Skurrilit\u00e4t und\u00a0 Vielschreiberflei\u00df ist also beeindruckend und ich bin gespannt, was dem &#8220;Kurzgeschichtenmeister&#8221;, der zu seinen gr\u00f6\u00dften Erfolgen die Teilnahme an einem &#8220;Hundert Kilometer Lauf von Biel mit einer Endzeit von knapp \u00fcber vierzehn Stunden&#8221;, z\u00e4hlt, noch so alles einfallen wird.<\/p>\n<p>Am Cover ist auch noch einer zu sehen, der genu\u00dfvoll l\u00e4chelnd, den Ast abzus\u00e4gen beginnt, auf dem er sitzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Amerlinghaus habe ich das Lesen des Buchs angefangen, das mir Paul Jaeg vom &#8220;Aroell-Verlag&#8221; an dem Tag schickte, an dem ich ihm im Amerlinghaus getroffen habe. 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