{"id":66998,"date":"2018-12-12T23:15:30","date_gmt":"2018-12-12T22:15:30","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=66998"},"modified":"2018-12-12T23:15:30","modified_gmt":"2018-12-12T22:15:30","slug":"vom-doml-ins-musa","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=66998","title":{"rendered":"Vom Doml ins MUSA"},"content":{"rendered":"<p>Im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/10\/04\/vom-revolutionsworkshop-zur-privatsammlung\/\">Solo-Workshop zur Revolutionsliteratur<\/a> ging es diesmal wieder um Alexander D\u00f6blins &#8220;November 1918&#8221; und da habe ich die\u00a0 Abs\u00e4tze &#8220;Der Kranke d\u00e4mmerte allein. Die feinen Pfl\u00e4nzchen, die die Bleikugel aus der Luft von der Jacke in seinen Leib getragen hat, durchwucherten seinen Leib. Sie \u00fcberzogen alle D\u00e4rme mit einem tr\u00fcben Hauch und machten ihren Glanz blind. Grauen Flocken sanken in die Nischen zwischen den D\u00e4rmen, die sich noch zusammenzogen, hoben und senkten. In die Adern des Mannes waren die Pilze gewandert und hatten sich fr\u00f6hlich\u00a0 von dem warmen Strom des Blutes forttreiben lassen, wie f\u00fchlten sie sich selig in dem s\u00fc\u00dfen Saft, das war etwas anderes als das Leben an der kalten Luft und auf dem Tuch. Wie ein Orchester, das das auf den Wink seines Kapellmeisters wartet, setzten sie sich rauschend in Bewegung. Und nun war der Mensch ein hohles gewaltiges Gew\u00f6lbe geworden, durch das ihre Musik scholl. Er lag da, schlaff, schwitzend.<\/p>\n<p>An den W\u00e4nden des Gew\u00f6lbes kriechen Schlingpflanzen, es ist ein Urwald, und dies sind die Tropen, und da klettern Affen, Untiere mit schrumpfigen H\u00e4lsen, sie steigen aus demMorast, Kolibiris schwirren mit geschwungenen Schn\u00e4beln, die Blumen halten ihm ihre grellen Bl\u00fcten hin und schnellen schmale rote Zungen heraus. Nun spielt eine Orgel und von den Tonleitern steigen ernste M\u00e4nner hinunter im Talar. Lange Schleppen ziehen sie hinter sich her, sie predigen und ermahnen, es ist ein langes schwarzes Lied.<\/p>\n<p>Das graue Licht hellt sie auf. die Stunde r\u00fcckt vor, ein Tag hat sich in Bewegung gesetzt, der zehnte November, Sonntag. Kleine Sonnenstrahlen schleichen \u00fcber das Bett.<\/p>\n<p>Schwestern kommen, st\u00fctzen den Kopf des Fliegers, halten Wein vor seinen Mund. Sein Gesicht &#8211; wessen Gesicht &#8211; wird l\u00e4nger und l\u00e4nger. Seine Lippen allen auseinander. Er \u00f6ffnet den Mund nicht. Sie rufen ihn an.<\/p>\n<p>Aber der Urwald hat ihn verschlungen.&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Zu pathetisch!&#8221;, habe ich zuerst Stephan Teichgr\u00e4ber, der seinen Metaphernbaum erstellte, gesagt.<\/p>\n<p>&#8220;Wie in einem Drogenrausch geschrieben!&#8221;, aber dann bin ich wohl darauf gekommen, da\u00df es wohl eine sowohl sehr blumige, als auch sehr drastische Schilderung eines Arztes eines Sterbens ist und am zehnten November 1918, wo sich in \u00d6sterreich ja bald die erste Republik gegr\u00fcndet hat, sind wahrscheinlich noch sehr viele Soldaten an ihren Verwundungen und Einsch\u00fc\u00dfen gestorben.<\/p>\n<p>Also kein besonderer Grund des Feiern, obwohl in \u00d6sterreich ja die hundertj\u00e4hrige Republiksgr\u00fcndung im November sehr intesiv gefeiert wurde, ich am Bibliothestag deshalb in das <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/10\/15\/die-geburt-der-ersten-rebublik-im-historischen-krimi\/\">Parlamentsbibliothek<\/a> war und dort Grammelpogatscherl und Nu\u00dfkipferl gegessen habe, die Lesetheaterauff\u00fchrung von <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/04\/vor-hundert-jahren\/\">Csokors &#8220;3. November 1918&#8221;<\/a> gesehen habe, w\u00e4hrend ich zu Buchpr\u00e4sentatation des &#8220;Tarantl-Buches&#8221; &#8211; &#8220;November 1918 in der \u00f6sterreichischen Literatur&#8221; wegen der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/11\/von-der-elften-buch-wien\/\">&#8220;Buch-Wien&#8221;<\/a> nicht gegangen bin. Ich habe das Buch nur bei Gerald Grassl angefragt und heute bekommen, also werde ich \u00fcber den D\u00f6blin und Alexej Toistoi \u00fcber <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/02\/eine-elendslange-buecherliste\/\">das Jahr 2018 hinaus<\/a> noch gen\u00fcgend Lesestoff haben und das Workshop geht ja auch noch bis Ende des Semesters und ich bin am Abend wieder ins MUSA gegangen und da gibt es auch eine Neuerung, die nicht unbedingt erfreulich ist. Denn seit Julia Danielczyk die Literaturbeauftragte der Stadt Wien ist, gibt es ja die monatlichen MUSA &#8211; Veranstaltungen, wo die Preistr\u00e4ger und Stipendiaten der Stadt Wien vorgestellt werden, was ich sehr interessant fand zu wissen, wer da von der Stadt Wien gef\u00f6rdert wird und was der oder die schreibt.<\/p>\n<p>Vom Oktober bis Juni gab es da Veranstaltungen. Seit das MUSA aber zum &#8220;Wien -Museum&#8221; geh\u00f6rt, beziehungsweise seit heurigen Herbst ist das offenbar anders, denn da gab es Oktober nur die &#8220;Veza <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/10\/17\/veza-canetti-preis-an-petra-ganglbauer\/\">Canetti-Preisverleihung&#8221; an Petra Ganglbauer<\/a> und als mir Julia Danielcyck dann das Programm schickte, stellte sich heraus, da\u00df es nur mehr im Dezember und im J\u00e4nner Veranstaltungen geben wird, weil jetzt nur mehr die Preistr\u00e4ger und nicht mehr die Stipendiaten pr\u00e4sentiert werden und da ware heute die F\u00f6rderungspreistr\u00e4gerin Iris Blauensteiner, deren 2016 erschienener Roman <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2016\/09\/25\/kopfzecke\/\">&#8220;Kopfzecke&#8221;<\/a> ich ja gelesen habe, vorgestellt.<\/p>\n<p>Die 1986 geborene Autorin, die auch als Regisseurin t\u00e4tig ist, hat zwei Szenen aus dem Buch gelesen und wurde\u00a0 von Julia Danielcyck dazu befragt und der W\u00fcrdigungspreistr\u00e4ger ist der 1954 in Wels geborene Christoph Ransmayr von dem ich schon ein <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/09\/16\/die-letzte-welt\/\">Buch gelesen habe<\/a> und ihn mehrmals bei Veranstaltungen h\u00f6rte. Er las zwei \u00d6uftgeschichten, wie er sagte aus seinen &#8220;Atlas eines \u00e4ngstlichen Mannes&#8221; und ist offenbar auch ein gro\u00dfer Reisender, der in dem Buch seine Begegnungen mit Menschen und Orten in Geschichten aufgeschrieben hat.<\/p>\n<p>Die eine Geschichte handelt davon, da\u00df er sich mit zwei Leuten auf einer Wanderung durch Bolivien befindet und da von einem Milit\u00e4rflugzeug angeschossen wird und die zweite vom Flug eines Albatrosses und einem Kind das nach dem Tod der Mutter zu wachsen aufh\u00f6rte und erst wieder ins Leben hineinfinden mu\u00dfte.<\/p>\n<p>Christoph Ransmayr wirkte auf Julia Danielczyks Fragen ziemlich abgehoben, da ihn, wie er sagte, die Gattungsfragen, ob seine Texte jetzt Erz\u00e4hlungen oder Novellen w\u00e4ren nicht interessiere und er seine Werke auch nicht mit denen anderer Autoren vergleichen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Nachher gab es wieder Brot und Wein, sowie interessante Gespr\u00e4che und besonders interessant war dabei, da\u00df ich dabei mehrmals nach dem &#8220;<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/12\/03\/zwoelfter-ohrenschmaus\/\">Ohrenschmaus&#8221;<\/a> befragt wurde.<\/p>\n<p>Und bez\u00fcglich meiner <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/12\/01\/adventmonat-2\/\">Adventvors\u00e4tze<\/a> habe ich am Nachmittag wieder ein <a href=\"http:\/\/www.jancak.at\/auszug_besser_spaet_als_nie.html\">Buch<\/a> in den &#8220;Wortschatz&#8221; gelegt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Solo-Workshop zur Revolutionsliteratur ging es diesmal wieder um Alexander D\u00f6blins &#8220;November 1918&#8221; und da habe ich die\u00a0 Abs\u00e4tze &#8220;Der Kranke d\u00e4mmerte allein. 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