{"id":67014,"date":"2018-12-21T00:47:05","date_gmt":"2018-12-20T23:47:05","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=67014"},"modified":"2018-12-21T00:47:05","modified_gmt":"2018-12-20T23:47:05","slug":"roemisches-fieber","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=67014","title":{"rendered":"R\u00f6misches Fieber"},"content":{"rendered":"<p>Nun kommt wieder\u00a0 ein Buch der Herbstleseliste, im September erschienen, eines das nicht auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/deutscher-buchpreis\/\">deutschen Liste<\/a> stand, das wahrscheinlich an mir vorbei gegangen w\u00e4re, obwohl ich es, glaube ich bei &#8220;Morawa&#8221; liegen gesehen habe, was schade gewesen w\u00e4re, denn dem 1965 geborenen, in Tokio lebenden Christian Schnalke ist im &#8220;R\u00f6mischen Fieber,&#8221; \u00fcbrigens ein Debut, das, glaube ich, nicht auf der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?s=bloggerdebutshortlist\">Bloggerdebutlonglist<\/a> gestanden ist, in leichter lockerer Manier, ein w\u00fcrde ich sagen, moderner Gespenster- oder Schauerroman gelungen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/09\/29\/der-vogelgott\/\">Susanne R\u00f6ckl hat ja mit dem &#8220;Vogelgott&#8221;<\/a> etwas \u00c4hnliches versucht und ist damit auf der<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/09\/11\/die-deutsche-shortlist\/\"> Shortlist des dBp<\/a> gestanden, Christian Schalkes Buch ist dazu wahrscheinlich zu locker und zu spannungsgeladen, daf\u00fcr weniger sprachgewaltiger und, ich glaube, da\u00df man hier, was mir ja bisher eher schwer gefallen ist, die Anwendung der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/22\/spannungsbogen-2\/\">&#8220;Heldenreise&#8221;<\/a> gut nachvollziehen kann.<\/p>\n<p>Es beginnt mit einer Anmerkung des Autors, da\u00df man an einem 1818 gemalten Bild des K\u00fcnstlers Carl Fohr alle damals in Rom lebenden deutschen K\u00fcnstler sieht. Einer davon ist bis heute unbekannt, diesen hat er das Buch gewidmet, beziehungsweise eines \u00fcber ihn geschrieben und in der Nachbemerkung kann man lesen, da\u00df das Buch eineMischung zwischen Dichtung und Wahrheit ist. Einige der handelnden Personen wie etwa Caroline von Humboldt hat es tats\u00e4chlich gegeben. Andere wie das Geschwisterpaar Cornelius und Isolde Lohwaldt\u00a0 oder den Helden Franz Wercker nicht und bei wieder anderen hat er gemischt, beziehungsweise hat ihn die Phantasie von der Wirklichkeit weggetrieben, so ist aus Angelika Kaufmann eine Aura geworden, etcetera.<\/p>\n<p>Das Buch beginnt 1818 am Gardasee. Dahin ist der Held Franz Wercker, der von Kindheit an Dichter werden wollte, Sohn eines Zimmermanns war und eine schwere Kindheit hatte, was Schnalke leicht und locker mit heutigen Worten erz\u00e4hlt, gefohen, weil er seinen Vater, der ihn lebendig begraben wollte, erschlagen hat und ihm die Polizei schon sucht.<\/p>\n<p>Er will sich in den See st\u00fcrzen, da sieht er aber einen jungen Mann hineinfallen. Es ist der Dichter Cornelius Lohwaldt, der mit einem Stipendium des bayrischen K\u00f6nigs ausgestattet, auf den Weg nach Rom ist.<\/p>\n<p>So nimmt er dessen Gestalt, Sachen und Papiere an und wird in der deutschen K\u00fcnstlerkolonie, die es in Rom gibt, liebevoll aufgenommen.<\/p>\n<p>Er verliebt sich in die junge Malerien Carla Seidler, die es offenbar auch wirklich gab, aber Louise gehei\u00dfen hat, beginnt ein Liebesverh\u00e4ltnis mit Aura Kaufmann und schreibt einen Roman, der von einem Kritiker gegen den er E.T. A Hoffmann verteidtigte verrissen wird.<\/p>\n<p>Die tapfere Carla schickt ihn aber an den alten Goethe mit dem sie im Briefwechsel steht. Der ber\u00fchmte Verlag &#8220;Cotta&#8221; wird ihn verlegen, indessen aber beginnen die Wolken des Schicksals heranzuwuchten beziehungsweise sich die Spannungsb\u00f6gen zu verdichten.<\/p>\n<p>Isolde, die lugenkranke Schwester von Cornelius, merkt in dem Brief den Franz in verstellter Schrift an die Eltern geschrieben geschrieben hat, da\u00df da etwas nicht stimmt und f\u00e4hrt nach Rom, den Bruder zu \u00fcberraschen. Der will zwar gerade abrreisen, weil ihm Cornelius Mutter die Ankunft Isoldes mitteilte, weil er aber auch zum Kronprinzen soll, der sein Manuskript hat und sich das wegen des Verrisses nicht ganz traut, r\u00e4t ihm Carla &#8220;Wollen wir mutig sein!&#8221; und so packt er seine Sachen, um erst am n\u00e4chsten Tag mit ihr nach Neapel zu reisen.<\/p>\n<p>Als er aber nach gegl\u00fcckten Besuch zur\u00fcckkommt, findet er Isolde in seinem Zimmer. Sie hat eine gespensterhafte Gesellschafter und einen buckligen unheimlichen Kutscher bei sich, l\u00e4\u00dft ihn von diesen fortan \u00fcberwachen und zwingt ihn, mit ihr in einen Palazzo zu ziehen, denn sie m\u00f6chte in Rom einen Salon aufbauen, kann das aber als Frau vor zweihundert Jahren nicht ohne den Schutz eines Verwandten tun.<\/p>\n<p>Der Ereignisse \u00fcberschlagen sich. Das geheime Liebesverh\u00e4ltnis zwischen Aura und Franz hat sich aufgel\u00f6st. Sie kommt stattdessen in sein\u00a0 Zimmer und raubt ein Amulett, in dem die Geschwister zu sehen sind und als sie bei einem K\u00fcnstlerfest Franz und Isolde zur Rede stellen will, erschl\u00e4gt diese sie und befiehlt Franz ihre Leiche in den Tiber zu werfen.<\/p>\n<p>Franz wird, da Cornelius homosexuell war und deshalb nach Rom fl\u00fcchten wollte, selbst dieser Neigung angeschuldigt und\u00a0 verhaftet. Kommt aber wieder frei, beichtet seinem Freund, dem Maler Georg, wer er wirklich ist, wof\u00fcr dieser dann von Isolde und Teresa, der Gesellschafterin, vergiftet wird und als er Carla auch noch beichtet, werden beide vom unheimlichen Kutscher in die Katakomben gezerrt. Carla soll dort verhungern. Franz in den Tiber geworfen werden, damit die Schwester sich von ihm l\u00f6sen kann. Der unheimliche Kutscher entpuppt sich aber doch als ein Mensch mit Seele, der sich von Carla malen lassen wollte. So\u00a0 wird das Paar gerettet. Es kommt aber alles ans Tageslicht und Franz des merhfachen Mordes angeklagt, in den Kerker, um hingerichtet zu werden.<\/p>\n<p>Um nicht alzu sehr <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/09\/13\/ueber-das-spoilern\/\">zu spoilern<\/a>, es ist ja ein Rezensionsexemplar, verrate ich nur, es nimmt alles ein mehr oder weniger gl\u00fcckliches Ende, so weit es nach diesen Spannungsb\u00f6gen m\u00f6glich ist. Carla reist nach Weimar zur\u00fcck, um ihren Vater zu pflegen und Franz verl\u00e4\u00dft Rom, um unter einen anderen Namen ein neues Leben zu beginnen und ich kann schreiben, ich habe selten ein so spannendes Buch gelesen, das mich sogar veranla\u00dfte, l\u00e4nger als geplant in der Badewanne zu bleiben, weil ich mit dem Lesen nicht aufh\u00f6ren wollte und kann das Buch also beispielsweise als Weihnachtsgeschenk sehr empfehlen, wenn man etwas Spannendes lesen will aber auch einen guten Einblick in das Leben in Rom vor zweihunder Jahren, in manche politischen Ereignisse und in die damalige deutsche K\u00fcnstlerwelt bekommen woll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun kommt wieder\u00a0 ein Buch der Herbstleseliste, im September erschienen, eines das nicht auf der deutschen Liste stand, das wahrscheinlich an mir vorbei gegangen w\u00e4re, obwohl ich es, glaube ich bei &#8220;Morawa&#8221; liegen gesehen habe, was schade gewesen w\u00e4re, denn &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=67014\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[1101,1422,4073,4273,4559,4884],"class_list":["post-67014","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","tag-christian-schnalke","tag-deutsche-kuenstlerkolonie","tag-moderner-schauerroman","tag-neunzehntes-jahrhundert","tag-piper","tag-rom"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67014","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=67014"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/67014\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=67014"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=67014"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=67014"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}