{"id":6807,"date":"2011-05-01T22:38:34","date_gmt":"2011-05-01T20:38:34","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=6807"},"modified":"2011-05-01T22:38:34","modified_gmt":"2011-05-01T20:38:34","slug":"augenstern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6807","title":{"rendered":"Augenstern"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Augenstern&#8221; von Harry Mulisch, ein weiterer B\u00fccherschrankfund, wird als Roman bezeichnet, obwohl er das mit seinen hundertdreizehn Seiten wahrscheinlich nicht ist, eine Erz\u00e4hlung vielleicht oder, wie auf der Buchr\u00fcckseite steht &#8220;Der Traum eines Taugenichts? Wirklichkeit? Eine phantastische autobiographische Erinnerung&#8221;?<br \/>\nIch mu\u00df gestehen, ein wenig ratlos hat mich das Lesen schon gemacht, da ich eine bin, die immer gleich wissen will, um was es geht und nerv\u00f6s reagiert, wenn die Handlung ins Surreale kippt und es eigentlich nicht zu verstehen ist, wohin Madame Sasserath so pl\u00f6tzlich verschwand. Mit dem Taugenichts habe ich nicht so viel anfangen k\u00f6nnen und verstehe auch nicht so viel von der Literaturgeschichte, um an Dorian Gray zu denken, wie ich es in einer<a href=\"http:\/\/www.buchkontakte.de\/literatur-blog\/harry-mulisch-augenstern\/\"> Besprechung<\/a> las.<br \/>\nInzwischen deute ich es mir als eine Parabel auf das Schreiben, stimme Buchkontakte zu, da\u00df es ein feines s\u00fcffiges Rom\u00e4nchen ist und beginne mit dem Anfang, schreibt Harry Mulisch doch auf der ersten Seite &#8220;Jedes Leben hat seine Geheimnisse und diese m\u00fcssen gewahrt werden.&#8221; Und dann &#8220;Zu den Geheimnissen meines Lebens geh\u00f6rt ein Ereignis, das sich zutrug, als ich mit achtzehn Jahren f\u00fcr einige Monate der Augenstern von Mme Sasserath war.&#8221;<br \/>\nDann geht es los mit der Geschichte und kurz nach den Krieg hinein. Es ist der Mai 1945 und der achtzehnj\u00e4hrige Ich-Erz\u00e4hler ist ohne Papiere und ohne Geld, &#8220;wie es damals \u00fcblich war&#8221; in den sonnigen S\u00fcden aufgebrochen und hat sich in Rom als Tankstellengehilfe verdungen. Da kommt eines Tages ein Rolls-Royce mit einer achtundachtigj\u00e4hrigen alten Dame, Madame Sasserath, die Witwe des Erfinders der Sicherheitsnadel, der sie damit zu der reichsten Frau der Welt machte, und er spricht sie, weil er als Holl\u00e4nder ihr Fl\u00e4misch versteht, an, h\u00e4lt ihr einen Vortrag bzw. ein Lob auf das Benzin, das sie mit ihrem Rolls-Royce nach Hause bringt. Daraufhin nimmt sie ihn als Gesellschafter mit in ihre Villa in Capri mit den vielen Hausangestellten, Luxush\u00fcndchen, Rembrandts, Matisses, Cezannes, van Goghs, etc, die an den W\u00e4nden h\u00e4ngen und er mu\u00df gar nichts tun, als ihr ein wenig vorzulesen und sie unterhalten.<br \/>\nDa habe ich eigentlich mehr an &#8220;Harold und Maude&#8221;, als an den &#8220;Taugenichts&#8221; gedacht, denn der J\u00fcngling will ja schreiben, kann es nur noch nicht, denn noch pauscht er alles auf und schreibt, wo er heute &#8220;Es blieb  eine Minute lang still&#8221;, schreiben w\u00fcrde, ganze Abs\u00e4tze.<br \/>\nEr hat auch einen Widersacher in dem Sekret\u00e4r  Point, verliebt sich vielleicht ein wenig in Madame, geht aber doch in die Stadt hinunter und unterh\u00e4lt eine Beziehung zu einer, um f\u00fcnf Jahre \u00e4lteren T\u00f6pferin aus Luxenburg, &#8220;da die um f\u00fcnf Jahre j\u00fcngeren Frauen erst dreizehn sind&#8221; und freundet sich mit einem amerikanischen Romanautor, einem franz\u00f6sischen Philosophen und einen schwedischen Maler an. Es kommt auch der Tag, wo er Madame Sasserath, die nicht schlafen kann, einen wertvollen Dienst erweist. Er bringt ihr n\u00e4mlich das Tr\u00e4umen bei, da er davon ausgeht, da\u00df &#8220;Wer nicht schlafen kann, nicht tr\u00e4umen will.&#8221;<br \/>\nAb da \u00fcberst\u00fcrzt sich die Handlung. Madame Sasserath hat noch unter Mussolini der italienischen Regierung einen Sessellift auf den Vesuv versprochen, der nun eingeweiht werden soll und sie will ihn nur in Begleitung ihres Augensterns er\u00f6ffnen. Sie will auch mit ihm allein hinauffahren  und lie\u00df ihn auch die Er\u00f6ffnungsrede halten. Dann hat er aber auf der Fahrt hinauf eine Erscheinung, kommen doch pl\u00f6tzlich von oben Menschen hinuntergefahren, die ihm bekannt erscheinen, obwohl er sie nicht kennt und als er sich zu Madame umsieht, ist sie verschwunden.<br \/>\nDa hat es wie erw\u00e4hnt, bei mir ausgesetzt. Es geht aber in dem Buch weiter. Er f\u00e4hrt hinunter, l\u00e4\u00dft, als ihm der Sekret\u00e4r des Mords beschuldigt, nach der Leiche suchen, kehrt nach Holland zur\u00fcck und wird ein ber\u00fchmter Schriftsteller, denn das Schreiben hat er nun gelernt und die, die in den Sesseln herunterfuhren, waren die Protagonisten seiner sp\u00e4teren Romane.<br \/>\nNun gut, ich deute es mir als Parabel auf das Schreibenlernen und was das mit dem Verschwinden von Madame Sasserath zu tun hat, bleibt das Geheimnis des Protagonisten, bzw. Autors, so steht es ja auf der ersten Seite.<br \/>\nDas Buch ist offenbar in Amsterdam zwischen dem 3. und dem 24. Dezember 1986 geschrieben worden, so steht es am Ende. Auf Deutsch ist es 1989 erschienen und Harry Mulisch, der 1927 geboren wurde, ist im Oktober 2010 in Amsterdam gestorben. Er hat viele Romane geschrieben, von denen ich bisher nur  &#8220;Siegfried &#8211; eine schwarze Idylle&#8221;, die Geschichte um Hitlers fiktiven Sohn gelesen habe, weil mir Alfred das Buch einmal zu Weihnachten schenkte. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Augenstern&#8221; von Harry Mulisch, ein weiterer B\u00fccherschrankfund, wird als Roman bezeichnet, obwohl er das mit seinen hundertdreizehn Seiten wahrscheinlich nicht ist, eine Erz\u00e4hlung vielleicht oder, wie auf der Buchr\u00fcckseite steht &#8220;Der Traum eines Taugenichts? Wirklichkeit? Eine phantastische autobiographische Erinnerung&#8221;? 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