{"id":68265,"date":"2019-01-31T00:27:36","date_gmt":"2019-01-30T23:27:36","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=68265"},"modified":"2019-01-31T00:27:36","modified_gmt":"2019-01-30T23:27:36","slug":"manaraga","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=68265","title":{"rendered":"Manaraga"},"content":{"rendered":"<p>&#8220;Manaraga &#8211; Tagebuch eines Meisterkochs&#8221;, der neue Roman des 1955 bei Moskau geborenen Vladimir Sorokin, den ich schon mehrmals in Wien, in der Hauptb\u00fccherei, im<a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/11\/26\/buch-wien-geschichten\/\"> Literaturhaus<\/a> und im <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2014\/11\/09\/norden\/\">Odeon<\/a> geh\u00f6rt und gesehen habe.<\/p>\n<p>Das &#8220;Eis&#8221; habe ich gelesen und das Spannende an dem &#8220;Meister der Grosteske&#8221;, wie er im Klappentext bezeichnet wird, ist wohl die Mischung zwischen Sci Fi und tradioneller Erz\u00e4hlweise, so habe ich mich jedenfalls beim &#8220;Schneesturm&#8221; gewundert, da\u00df das, was ich h\u00f6rte, wie aus dem vorvorigen Jahrhundert mit Kutsche und Landarzt und so klang.<\/p>\n<p>In &#8220;Manaraga&#8221; geht es in die Zukunft, in das Jahr 2037, das ja bald gegenw\u00e4rtig sein wird und wird man dann das Buch noch lesen? Und wieder, wie ich in letzter Zeit in <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/03\/22\/unterwerfung\/\">einigen<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2019\/01\/19\/troll\/\">B\u00fcchern<\/a> <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/02\/02\/waehrend-der-weltmeisterschaft\/\">gelesen<\/a><a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/02\/24\/komm-in-den-totgesagten-park-und-schau\/\"> habe,<\/a> hat der gro\u00dfe neue Krieg Europa zerst\u00f6rt, die islamische Revolution hat stattgefunden und die Menschen tragen sogenannten &#8220;Fl\u00f6he&#8221; also Chips im Ohr, die ihnen die sogenannte Weisheit zufl\u00fcstern und damit maniupulieren und richtig, gedruckte B\u00fccher gibt es auch nicht mehr.<\/p>\n<p>Das hei\u00dft die wertvollen Erstausgaben werden in Museen aufbewahrt und von dort gestohlen, denn es gibt ein Event f\u00fcr die Reichen und die Sch\u00f6nen, die sich das leisten k\u00f6nnen. Sie lassen diese B\u00fccher stehlen und veranstalten ein sogenanntes Book\u00b4n Grill, das hei\u00dft die Meisterk\u00f6che, Geza, der Ungar, auf russische Literatur spezialisiert, ist einer davon, sich ihre Steaks, etcetera auf Tolstois oder Bulgakov grillen lassen, oder das Schnitzel auf Schnitzler.<\/p>\n<p>Der Phantasie ist da keine Grenze gestellt. Man k\u00f6nnte sich h\u00f6chstens fragen, wie man ein Schnitzel oder Austern grillt? Aber dazu l\u00e4\u00dft einen Sorokins \u00fcberbordendePhantasie, der oft deutsche W\u00f6rter oder Phrasen im Original verwendete, keine Zeit. Denn es ist k\u00f6stlich, was er da seinen Meister \u00fcber seine skurillen Erlebnisse mit seiner skurillen Kundschaft erleben l\u00e4\u00dft. Da wird ein Men\u00fc auf einem Schiff serviert. Meister Tolstoi tritt sogar pers\u00f6nlich oder nachgeklont auf und l\u00e4\u00dft sich seine Originalausgabe verbrennen.<\/p>\n<p>Gefakt und gefl\u00e4scht wird nat\u00fcrlich auch dabei. Einmal sind die Seiten feucht und so l\u00e4\u00dft die Crew, die gerade den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2013\/05\/26\/der-meister-und-margarita\/\">&#8220;Meister und Margarita&#8221;<\/a> dreht, den Kochmeister verm\u00f6beln und ein gef\u00e4lschter <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/06\/13\/lolita\/\">&#8220;Nabokov&#8221;<\/a> taucht auch auf und die Handlung beginnt oder dreht sich weiter und da mu\u00df man eigentlich sagen, da\u00df der Einfallsreichtum des Meister Sorokins eigentlich begrenzt ist und der sogenannte Plot einer ist, den man wahrscheinlich schon hundert oder tausendmal lesen konnte.<\/p>\n<p>Der Einheitsbrei eben, wie er f\u00fcr die Massen, in diesen Fall digital bereitgestellt wird, w\u00e4hrend sich die Elite ihre Orignale zubreiten l\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p>Es taucht also eine gef\u00e4lschte &#8220;Ada&#8221; auf, hunderttausend Mal das selbe Original mit den selben Kaffeeflecken und die Kochgilde ruft eine Sondersitzung ein. Geza mu\u00df einige Termine deshalb absagen, der Verr\u00e4ter wird entlarvt und gleich hingemordet und Geza ausgew\u00e4hlt auf den Berg Manaraga zu fahren und die Druckmaschinen abzustellen.<\/p>\n<p>Dann kommt es nat\u00fcrlich anders, als erwartet und das ist eigentlich platt und traugig und wenn mans b\u00f6sartig will, eine simple <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/03\/21\/utopie-workshop\/\">Nachahmung von George Orwells &#8220;1984&#8221;<\/a>, die Chips im Ohr werden einfach ausgewechselt und Geza ist wieder gl\u00fccklich und \u00fcberw\u00e4ltigt von der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2010\/12\/12\/schone-neue-welt\/\">sch\u00f6nen neuen Welt<\/a>, die ihm da geboten wird &#8220;Und der Strom meiner Tr\u00e4nen ergi\u00dft sich \u00fcber die zarten Lenden&#8221;, lautet der letzte Satz.<\/p>\n<p>Trotzdem, um nicht mi\u00dfverstanden zu werden, ein spannendes Buch und ein absolutes Lesevergn\u00fcgen, das sich auch leicht und schnell hinunterlesen l\u00e4\u00dft, weil es wahrscheinlich die packenden B\u00fccherszenen sind und nicht die eher einfallslose Handlung, die hier bewegen und das im November erschienene Buch, von dem ich in den anderen Blogs und in den Medien noch nicht so viel h\u00f6rte, zu einem &#8220;Meisterwerk&#8221; werden l\u00e4\u00dft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8220;Manaraga &#8211; Tagebuch eines Meisterkochs&#8221;, der neue Roman des 1955 bei Moskau geborenen Vladimir Sorokin, den ich schon mehrmals in Wien, in der Hauptb\u00fccherei, im Literaturhaus und im Odeon geh\u00f6rt und gesehen habe. 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