{"id":68386,"date":"2019-02-02T00:16:05","date_gmt":"2019-02-01T23:16:05","guid":{"rendered":"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=68386"},"modified":"2019-02-02T00:16:05","modified_gmt":"2019-02-01T23:16:05","slug":"das-feld","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=68386","title":{"rendered":"Das Feld"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wieder eine \u00dcberraschung oder eine Erneuerung der Feststellung, da\u00df man aus Lesungen und Leseproben keinen richtigen Eindruck \u00fcber das Buch bekommen kann, denn ich habe ja die \u00f6st <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/05\/dritte-oesterreichische-buchpreisverleihung\/\">Debutpreisgewinnerin von 2018<\/a> bei den <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/07\/12\/o-toene-start\/\">O T\u00f6nen<\/a> geh\u00f6rt, gedacht, wieder so eine neue junge literarische Stimme mit sch\u00f6ner Sprache und vom Inhalt ihres <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/11\/23\/alles-was-glaenzt\/\">Buches<\/a> nicht viel verstanden, was sich dann \u00e4nderte, als ich das Buch, das auch nicht gleich nach der Anfrage zu mir gekommen ist, in der Hand gehalten, bei Roberts Seethalers &#8220;Feld&#8221;, das auch an jenem Abend im Museumsquartier vorgestellt wurde, k\u00f6nnte es mir \u00e4hnlich gehen und ich habe ein Seethaler-Vorurteil.<\/p>\n<p>So \u00e4hnlich habe ich es, glaube ich, meiner Hauptschulkollegin Christa Unterauer nach der Lesung gesagt und, ich glaube, es ist die Art des 1966 in Wien geborenen und in Berlin als Schauspieler lebenden Autors, von dem ich das erste Mal etwas bei <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2012\/10\/06\/rund-um-die-burg-neu\/\">&#8220;Rund um die Burg&#8221; neu<\/a> h\u00f6rte, als dort sein &#8220;Trafikant&#8221; vorgestellt wurde und ich mich dar\u00fcber wunderte, da\u00df ich noch etwas von Buch und Autor geh\u00f6rt habe.<\/p>\n<p>Er hat dann ein &#8220;Wien Stipendum&#8221; bekommen und wurde bei der <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2015\/01\/07\/wieder-ins-musa\/\">Literatur im MUSA<\/a>, ich glaube, gemeinsam mit Clemens Berger vorgestellt und da habe ich mich \u00fcber die etwas arrogante Art der Autoren ge\u00e4rgert, die beide behaupteten, mit dem Literaturbetrieb nichts am Hut zu haben und, da\u00df der sie nicht interessieren w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Da f\u00fchlt man sich als eine, die vergeblich dort hinein will und wahrscheinlich deshalb fast jeden Abend zu Literaturveranstaltungen geht, leicht angegriffen und au\u00dferdem war damals sein &#8220;Ein ganzes Leben&#8221; in aller Munde und mit dem Buch, beziehungsweise mit den Leseproben, die ich daraus h\u00f6rte, habe ich nichts anfangen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Vielleicht sollte ich auch dieses Buch als Ganzes lesen, um zu schauen, ob der Eindruck bleibt, habe von Robert Seethaler in den Schr\u00e4nken bis jetzt aber nur &#8220;Jetzt wirds ernst&#8221; gefunden und im Oktober, glaube ich, in St. P\u00f6lten die Verfilmung vom <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/10\/28\/ins-kino-nach-st-poelten\/\">&#8220;Trafikanten&#8221;<\/a> mit Bruno Ganz als <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2017\/06\/25\/auf-den-spuren-sigmund-freuds\/\">Sigmund Freud<\/a> und, da\u00df man dabei auch keinen Eindruck vom Buch bekommen kann, habe ich ebenfalls schon bemerkt.<\/p>\n<p>Das &#8220;Feld&#8221; ist, glaube ich, ein Episodenroman, der aus neunundzwanzig l\u00e4ngere oder k\u00fcrzeren Geschichten besteht, die von Toten handelt, die alle auf dem &#8220;Feld&#8221;, dem Friedhof von Paulstadt liegen und ihre Geschichten erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Ein paar davon hat Robert Seethaler auf der Lesung im MQ vorgelesen und dabei immer dazu gesagt, da\u00df er gar nicht so viel lesen m\u00f6chte, was mich schon einmal st\u00f6rte, dann habe ich das Buch, das &#8220;Hanser&#8221; mir zuerst nicht schickte, doch noch einmal angefragt und jetzt als letztes von der vorj\u00e4hrligen <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/oesterreichischer-buchpreis\/\">\u00f6stBp-Liste<\/a>, es ist nicht auf die <a href=\"https:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2018\/10\/09\/deutscher-buchpreis-und-oesterreichische-shortliste\/\">Shortliste<\/a> gekommen gelesen und ich mu\u00df sagen, ich bin wieder \u00fcberrascht, und Vorurteil abge\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Ich habe mir, wie meistens die &#8220;Amazon Rezensionen&#8221; vorher angeschaut, die sehr unterschiedlich waren, einige haben mit dem Buch, das von der Literaturkritik hoch gelobt wurde, nichts angefangen k\u00f6nnen und geschrieben, sie verstehen den L\u00e4rm um das Buch nicht und die Literaturkritiker h\u00e4tten keine Ahnung.<\/p>\n<p>Ich glaube, ich verstehe es schon und hier sind es die leisen T\u00f6nen, die mir beim &#8220;Einfachen Leben&#8221; wohl abgegangen sind, die mich ber\u00fchrten.<\/p>\n<p>Es beginnt mit einem alten Mann, der jeden Tag auf den Friedhof kommt, dort auf einer alten Bank sitzt und versucht das Rauschen der Stimmen, die aus den Gr\u00e4bern kommen und die Geschichten, die sie erz\u00e4hlen k\u00f6nnen, zu verstehen.<\/p>\n<p>Ein diesbez\u00fcgliches Vorwort, das auf den Sinn des Buches hinweist, gibt es auch und dann beginnen die k\u00fcrzeren oder l\u00e4ngeren Geschichten, die manchmal nur aus einem einzigen Wort bestehen.<\/p>\n<p>Es beginnt mit der Lehrerin, eine Geschichte, die Robert Seethaler auch im MQ gelesen hat, die sich an die letzten Worten die ihr Mann an sie gesprochen hat, erinnern will und an die Ber\u00fchrungen ihrer H\u00e4nde denkt.<\/p>\n<p>Sehr leise T\u00f6ne also, die von der Liebe handeln und die betreffen auch den Lennie und die Louise. Der Lennie ist ein Taugenichts und ein Spieler, der bei ihr lebte, bis sie ihn hinausgeschmissen hat.<\/p>\n<p>Dann gibt es den Pfarrer, der immer den Sinn im Glauben finden wollte und weil ihm das offenbar nicht gelungen ist, die Kirche abfackelte, es gibt den arabischen Gem\u00fcseh\u00e4ndler, der die Asche seiner Eltern verstreute und mit dem Pfarrer \u00f6fter um den Glauben stritt und noch vieles mehr, wo die Zusammenh\u00e4nge eigentlich nur aus den Personen bestehen, die in Paulstadt leben oder gelebt haben.<\/p>\n<p>Der B\u00fcrgermeister spricht aus dem Grab heraus und spricht von dem Freizeitzentrum, das er am Stadtrand errichtet hat und den Grund einem Bauern abgeluchst hat, der sp\u00e4ter in ein Altersheim gezogen ist.<\/p>\n<p>Drei Personen sind dort versch\u00fcttet worden, eine ist die Schuhh\u00e4ndlerin Martha, die auch Gedichte und Romane geschrieben und sich mit ihrem Mann nicht sehr gut verstanden hat.<\/p>\n<p>Eine verwirrte alte Frau f\u00e4hrt mit einem Handwagen durch die Stra\u00dfen und wird in den verschiedenen Episoden erw\u00e4hnt, einen Autoh\u00e4ndler gibt es auch und eine Floristin, die ein paar Tage lang tot in ihrem Lagerraum gelegen ist, bis man ihr Verschwinden merkte.<\/p>\n<p>Es gibt die sehr ber\u00fchrende Geschichte von den zwei alten Frauen in einem Sanatorium, die einander Kochrezepte erz\u00e4hlen, die der Hundertf\u00fcnfj\u00e4jhrigen, der \u00c4ltesten am Friedhof, die erz\u00e4hlt, da\u00df man \u00fcber den Tod nicht sprechen darf so wie er ist und die des Herausgebers des &#8220;Paulst\u00e4dter Boten und Chronisten&#8221; und und&#8230;<\/p>\n<p>Neunundzwanzig Lebensgeschichten oder Momentaufnahmen der ehemaligen Paulst\u00e4dter, die nur manchmal Bezug aufeinandernehmen und die die unterschiedlichsten Sachen \u00fcber sich und die anderen erz\u00e4hlen. Manchmal \u00fcber den Sinn des Lebens und die Frage nach dem lieben Gott sinnieren und manchmal auch etwas ganz ganz anderes f\u00fcr erw\u00e4hnenswert halten.<\/p>\n<p>Bei &#8220;Amazon&#8221; stellt einer der Rezensenten die Frage, wann das Buch spielt und f\u00fchrt Wolfgang Tischer vom &#8220;Literaturcafe&#8221; an, der meint, da\u00df es nach dem Krieg spielen w\u00fcrde, weil der \u00f6fter thematisiert wird, was er widerlegt und die Handlung in die Achtzigerjahre vermuten w\u00fcrde.<\/p>\n<p>Ich denke, da die Toten, die aus den Gr\u00e4bern sprechen, wahrscheinlich zu verschiedenen\u00a0 Zeiten gestorben sind, die Handlung wahrscheinlich keinen speziellen Zeitpunkt zuzuschreiben\u00a0 und es ist wahrscheinlich auch die Spezialit\u00e4t Robert Seethalers, die kleinen leisen T\u00f6ne in einer vielleicht etwas altmodisch anmutenden Sprache zu beschreiben und habe diese Episoden, Roman w\u00fcrde ich sie nicht nennen, obwohl ich habe nachgesehen, das nat\u00fcrlich wieder in dem Buch steht, f\u00fcr sehr beeindruckend gehalten, so da\u00df ich die Einstern-Rezensionen, die es bei &#8220;Amazon&#8221; gibt, nicht nachvollziehen kann und auch nicht glaube, da\u00df es sich um eine sinnlose Aneinanderreihung von Ereignissen handelt, die in dem Buch zu finden sind.<\/p>\n<p>Obwohl Handlung gibt es eigentlich keine, es sind Gedankensplitter und Fragmente \u00fcbers Leben und\u00a0 das was einem wohl dort besonders beeindruckt hat und vielleicht ist gerade das das Besondere an dem Buch\u00a0 und wohl auch Robert Seethalers Spezialit\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt kommt wieder eine \u00dcberraschung oder eine Erneuerung der Feststellung, da\u00df man aus Lesungen und Leseproben keinen richtigen Eindruck \u00fcber das Buch bekommen kann, denn ich habe ja die \u00f6st Debutpreisgewinnerin von 2018 bei den O T\u00f6nen geh\u00f6rt, gedacht, wieder &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=68386\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3,5],"tags":[1765,2518,3716,557,4866],"class_list":["post-68386","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-buecher","category-buchpreisbloggen","tag-episodenroman","tag-hanser","tag-longlist","tag-oest-bp-2018","tag-robert-seethaler"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68386","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=68386"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68386\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=68386"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=68386"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=68386"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}