{"id":6862,"date":"2011-05-05T00:07:56","date_gmt":"2011-05-04T22:07:56","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=6862"},"modified":"2011-05-05T00:07:56","modified_gmt":"2011-05-04T22:07:56","slug":"aus-der-schonen-neuen-welt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6862","title":{"rendered":"Aus der sch\u00f6nen neuen Welt"},"content":{"rendered":"<p>Die sch\u00f6ne Welt ist gar nicht so neu, gibt es G\u00fcnter Wallraffs &#8220;Expeditionen in die Arbeitswelt&#8221;, seine verdeckten Vermittlungen und Enth\u00fcllungsjournalismus doch schon seit vierzig Jahren und es war auch nicht so einfach sich zu entscheiden, gab es doch ein anderes durchaus aktuelles deutsches Parallelprogramm, n\u00e4mlich Heinrich Steinfests Stuttgart 21 Krimi &#8220;Wo die L\u00f6wen weinen&#8221; in der Hauptb\u00fccherei und da ich mir den<a href=\"http:\/\/www.literaturcafe.de\/folge-16-wo-die-loewen-weinen-der-podcast-zum-roman-zu-stuttgart-21\/\"> literaturcafe.de podcast in seinen sechzehn Folgen<\/a> durchaus intensiv gegeben habe und ja auch<a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/04\/07\/der-mann-der-den-flug-der-kugel-kreuzte\/\"> &#8220;Den Mann der den Flug der Kugel kreuzte&#8221;<\/a>, vor kurzem gelesen habe, wollte ich mir das eigentlich geben. An G\u00fcnter Wallraff kommt man aber nicht so leicht vorbei, wurde ich doch durch die sehr intensiven Spazierg\u00e4nge in denen der duftende <a href=\"http:\/\/literaturblog-duftender-doppelpunkt.at\/2011\/05\/02\/aufloesung-der-fragen-der-vierten-quiz-etappe\/\">Doppelpunkt seine zweite Arbeitswelt Anthologie<\/a> vorbereitet, auf ihn aufmerksam, da er ja auch zu dieser Gruppe 61 geh\u00f6rte, die in Deutschland, die Literatur der Arbeitswelt f\u00f6rderte. Jetzt ist das realistische Schreiben ja wieder ein bi\u00dfchen unmodern und der Fischer TB hat seine Reihe Literatur der Arbeitswelt mit seiner Millionenauflage inzwischen eingestellt und den Max von der Gr\u00fcn und den Luitpold Stern Preis, die beiden \u00f6sterreichischen Initiativen, gibt es ebenfalls nicht mehr, G\u00fcnter Wallfraff aber schon. Als ich am <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/2011\/04\/29\/um-den-ersten-mai\/\">Sonntag vom Parlament <\/a>zur\u00fcckgekommen bin und bevor wir uns auf die Mayday Parade der Prek\u00e4ren machten, habe ich ein St\u00fcckchen \u00d61 Quiz geh\u00f6rt und das war lustig, denn da erklang gerade die &#8220;Internationale&#8221; aus dem Radio. Das Kulturquiz hat nach G\u00fcnter Wallraff und Marie Jahoda gefragt und darauf hingewiesen, da\u00df er am Mittwoch bei den Wiener Vorlesungen ist. Da hatte sich dann mein Bauch entschlo\u00dfen hinzugehen, aber als zu Mittag das Programm bekanntgegeben wurde, wurde gesagt, da\u00df im &#8220;Tag zu Tag&#8221;, nicht G\u00fcnther Wallraff ist, da sein Flugzeug einen Schaden hatte, also habe ich beim Kulturamt angerufen, ob die Veranstaltung stattfindet und mir, als ich vor sechs weggegangen bin, um einen Platz zu bekommen, das Programm der Hauptb\u00fccherei eingesteckt, denn wenn es doch ausf\u00e4llt, k\u00f6nnte ich ja&#8230;.<br \/>\nVor halb sieben war ich schon im Rathaus, konnte mir den Platz aussuchen, bin sehr prominent in der Mitte der zweiten Reihe gleich hinter den reservierten VIP Pl\u00e4tzen gesessen und konnte die Vorbereitungen der Kameraleute beobachten. Susanne Brandsteidl, die Wiener Stadtschulpr\u00e4sidentin sa\u00df mit einem alten &#8220;Aufmacherbuch&#8221; in der Hand vor mir und wenn ich nicht irre, ist Franz K\u00fcberl neben ihr gesessen. Es war sehr voll. Hubert Christian Ehalt hat eingeleitet und ein langes Gespr\u00e4ch mit G\u00fcnter Walfraff gef\u00fchrt, der 1942 geboren wurde. Er war ein schlechter Sch\u00fcler, erz\u00e4hlte er, machte eine Buchh\u00e4ndlerlehre, las Brecht und den fr\u00fchen B\u00f6ll und schrieb auch schon ein paar Gedichte,  dann verweigerte er den Wehrdienst, wurde psychiatrisiert und als abnorme Pers\u00f6nlichkeit entlassen. Das ermutigte ihn in die verschiedensten Unternehmen zu gehen und mit seinen Aufdeckungen zu beginnen, der falsche Name und die Verkleidung haben sich dabei ganz zuf\u00e4llig ergeben. Einige seiner B\u00fccher sind sehr ber\u00fchmt geworden und haben Millionenauflagen erreicht. Ich erinnere mich, da\u00df ich mir, als ich 1977 in die Otto Bauergasse zog, mir auch die gerade erschienene Bild-Zeitung Enth\u00fcllung &#8220;Der Mann, der Hans Esser war&#8221; gekauft und begierig gelesen zu haben. &#8220;Ganz unten&#8221; und die &#8220;Industriereportagen&#8221; habe ich auch. Bei einem blauen Sofa in Frankfurt ging es um das Buch oder den Film &#8220;Schwarz und wei\u00df&#8221;, wo G\u00fcnter Wallraff in die Maske eines Schwarzen schl\u00fcpfte und eine Wohnung mieten, einen Jagdgewehrschein machen und eine Uhr kaufen wollte&#8221;.<br \/>\nSt\u00fccke aus dem Film wurden auch gezeigt und G\u00fcnter Wallraff las ein St\u00fcck aus einem Buch, wo es um die B\u00e4ckerei ging, die Lidl zuliefert und gab eine ausgezeichnete Analyse der deutsch \u00f6sterreichischen Gesellschaft und erkl\u00e4rte was sich seit dem Fall des Kommunismus ver\u00e4ndert hat. Seither ist die Schere noch mehr auseinandergegangen, es gibt die reiche Oberschicht und die prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnisse, Hartz IV,  bzw. die Gerneration Praktikum. Einen Stammtisch der habilitierten Pizzafahrer, Mobbing bei den Betriebsr\u00e4ten und einen Film dar\u00fcber, von dem noch nicht ganz klar ist, ob er am 11. Mai im Fernsehen gezeigt werden kann. Denn es gibt auch viele Prozesse. Die Publikumsdiskussion war ebenfalls sehr intensiv, eine Allgemeinmedizinerin aus dem S\u00fcden Wiens erz\u00e4hlte von der Hoffnungslosigkeit ihrer arbeitslosen Burn Out Patienten, eine Frau erkundigte sich nach der Diskriminierung der \u00c4lteren und der Frauen. G\u00fcnter Wallraff sah die Hoffnung in der Quotenregelung und in einer verbesserten Bildung, aber wir haben ja  eine \u00d6VP, die strikt gegen die Gesamtschule ist, die die Gesellschaft vielleicht vermischen k\u00f6nnte.<br \/>\nIn der Presse gibts auch eine vierseitige Beilage, so da\u00df man all das nachlesen und da\u00df die neue Arbeitswelt nicht sehr sch\u00f6n ist, habe ich auch schon bemerkt und ich schreibe auch dar\u00fcber. Die Privatisierung der Post f\u00e4llt mir dazu noch ein, die die unk\u00fcndbaren Beamten in den sogenannten Pool steckt und sie dann mittels Jobcoachs oder Trennungsberatern zu einer Umschulung als Horterzieher bewegen will. Ganz sch\u00f6n kompliziert die neue Arbeitswelt. G\u00fcnter Wallraff lobte das Internet als neues Aufdeckungsinstrument und machte einen sehr sympathischen Eindruck, als er beim B\u00fcchertisch seine B\u00fccher signierte. Der Bibliothekar, den mir Ruth Asp\u00f6ck einmal vorstellte, stand beim Ausgang und dr\u00fcckte mir die Einladung zu &#8220;Wir rufen auf! Penner, Fleischw\u00f6lfte und anderes arbeitsscheues Gesindel&#8221;, die zweite duftende Doppelpunkt Anthologie, die n\u00e4chste Woche, leider parallel mit der Festwochener\u00f6ffnung, in der AK Bibliothek vorgestelt wird in die Hand. Ottwald John gab mir eine Einladung f\u00fcr das Theater in der Drachengasse.   <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die sch\u00f6ne Welt ist gar nicht so neu, gibt es G\u00fcnter Wallraffs &#8220;Expeditionen in die Arbeitswelt&#8221;, seine verdeckten Vermittlungen und Enth\u00fcllungsjournalismus doch schon seit vierzig Jahren und es war auch nicht so einfach sich zu entscheiden, gab es doch ein &hellip; <a href=\"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6862\">Continue reading <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[18],"tags":[],"class_list":["post-6862","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6862","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6862"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6862\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6862"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6862"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/literaturgefluester.at\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6862"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}