{"id":6874,"date":"2011-05-06T00:34:47","date_gmt":"2011-05-05T22:34:47","guid":{"rendered":"http:\/\/literaturgefluester.wordpress.com\/?p=6874"},"modified":"2011-05-06T00:34:47","modified_gmt":"2011-05-05T22:34:47","slug":"der-mann-mit-dem-hut","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/literaturgefluester.at\/?p=6874","title":{"rendered":"Der Mann mit dem Hut"},"content":{"rendered":"<p>Joseph Zoderer ist auf Fotos meist mit einem schwarzen Hut abgebildet und gilt als einer der bekanntesten S\u00fcdtirolerautoren. Als ich 1996 in Klagenfurt beim Bachmannpreislesen zuh\u00f6rte, habe ich mir in einer Libro Abverkaufskiste &#8220;Das Schildkr\u00f6tenfest&#8221;, ich glaube um f\u00fcnfzig Schilling gekauft und gelesen. Erinnern kann ich mich nicht mehr sehr daran, f\u00fcr mich galt Zoderer  aber immer als Autor mit Kultcharakter \u00e4hnlich, wie Norbert C Kaser, gesehen habe ich ihn aber noch nicht. Jetzt ist bei Haymon das achtzehnte Buch, der Roman &#8220;Die Farben der Grausamkeit&#8221; erschienen, das am Mittwoch im Literaturhaus Graz, am Donnerstag in der Alten Schmiede vorgestellt wurde und vorigen Freitag bei den &#8220;Beispielen&#8221; im Radio war. Die S\u00fcdtiroler Autoren haben offenbar eine gro\u00dfe Lobby, so sah ich, als ich in die Alte Schmiede kam, Robert Huez in Zeitschriften bl\u00e4ttern und Hannelore Kofler ist ein paar Pl\u00e4tze neben mir gesessen. Sabine Gruber habe ich gesehen und noch einen Autor, dessen Namen mir jetzt nicht einf\u00e4llt. Der Lehrer, der aus Retz zu den Literaturveranstaltungen gefahren kommt und sich die B\u00fccher signieren l\u00e4\u00dft, sagte mir, da\u00df man ihm in seiner Buchhandlung von dem Roman abgeraten h\u00e4tte, weil wieder eine Beziehungsgeschichte eines \u00e4lteren Mannes, also das, was ich immer Gustav Ernst unterstelle.<br \/>\nKurt Neumann bezog sich in seiner Begr\u00fc\u00dfung gleich darauf und beschrieb &#8220;Die Farben der Grausamkeit&#8221;, als  gro\u00dfes Epos eines Mannes mit schrankenlosen Liebesverlangen und starker Sinnlichkeit als Daseinsberechtigung, Joseph Zoderer widersprach dem zwar am Ende der Veranstaltung, als eine junge Frau wissen wollte, ob es in dem Buch jetzt um  Liebe oder  den Eros geht?<br \/>\n&#8220;Das ganzen Themen der Literatur bestehen aus der Leben und dem Tod!&#8221;, antwortete er enthusiastisch, beklagte die Mi\u00dfverst\u00e4ndnisse seiner Rezensenten, begr\u00fc\u00dfte seine erste Frau, die im Publikum sa\u00df und scheint ein sehr extrovertierter Charakter zu sein. Jedenfalls hat er viel erz\u00e4hlt, einen schwarzen Hut hat er auch aufgehabt und eine wei\u00dfe Jacke getragen. Oliver vom Hove, der eingeleitet hatte, sprach auch von Superlativen, der am j\u00fcngsten aussehende F\u00fcnfundsiebzigj\u00e4hrige, der ber\u00fchmteste S\u00fcdtiroler Autor und erz\u00e4hlte von einem Geburtstagsfest in Bruneck, das von Peter Handke, Gerhard R\u00fchm, Pazul Nizon, Peter Estherhazy, Robert Schindel, Robert Menasse etc ausgerichtet wurde. Er erz\u00e4hlte auch ein bi\u00dfchen vom Lebenslauf, in Graz aufgewachsen, in Wien studiert, Gr\u00fcndungsmitglied der Kronenzeitung, was dem Journalisten in der ersten Reihe ein bi\u00dfchen irritierte, bzw. zu weiteren Fragen veranla\u00dfte, mit dem Roman  &#8220;Die Walsche&#8221; ber\u00fchmt geworden, etc.<br \/>\nIn &#8220;Die Farben der Grausamkeit&#8221; , wie es zu dem Titel kommt, habe ich aus der Lesung nicht herausgekommen, geht es um einen Mann zwischen zwei Frauen, Richard, ein Journalist, der mit Selma und zwei Buben in einem Haus lebt, bzw. dieses baut, ihnen vom Einkaufen S\u00fc\u00dfigkeiten oder Spielsachen mitbringt, es gibt sehr sch\u00f6ne Naturbeschreibungen, aber auch eine Redaktionspraktikantin namens Ursula, die er zum Spaghettikochen in seiner Wohnung auffordert und &#8220;da hat sie ja gesagt&#8221;, sie essen sie mit viel Parmesan und gr\u00fcnen Salat. Richard wird dann noch zum Auslandskorrespondenten bef\u00f6rdert, so kommt er 1989, als die Mauer fiel nach Berlin, erlebt dort den Umbruch und trifft Ursula, die  pl\u00f6tzlich Miguela hei\u00dft und Spanisch spricht, wieder. Das habe ich auch nicht so verstanden, aber Zoderer sagte ja, da\u00df er quergelesen hat, so da\u00df man vieles nicht mitbekommen wird. Oliver vom Hove sprach dann von einem Sog, der  bei der Lesung nicht so deutlich wurde,  verglich Richard mit Odysseus und sprach von der Irrfahrt, die dieser macht, bis er zu Frau und Hund nach Hause kommt und Joseph Zoderer erz\u00e4hlte, da\u00df er im November 1989  in Berlin gewesen ist, den Roman aber verdichtet h\u00e4tte, um die Handlung zusammenzubringen.<br \/>\nIn der Diskussion erkundigte sich der Herr in der ersten Reihe, wie schon erw\u00e4hnt nach der Kronenzeitungsgr\u00fcndung, die Joseph Zoderer, der in Wien als Gerichtberichterstatter gearbeitet hat, sehr launig darzustellen wu\u00dfte, es gab dann noch einen Band mit politischen Gedichten. Die S\u00fcdtirolfrage  spielt laut Wikipedia in seinen Werken auch eine gro\u00dfe Rolle und ich habe eine S\u00fcdtiroler Legende pers\u00f6nlich kennengelernt, um mich ebenfalls in Superlativen zu \u00fcben nach in Bruneck, wo Joseph Zoderer laut Wikipedia eine Schreibwohnung hat, bin ich gelegentlich w\u00e4hrend der Schiwochen in Obergail gekommen und bin dort, da ich keine Schifahrerin bin, sehr lange und sehr intensiv in der gro\u00dfen Buchhandlung gesessen, wenn ich vom Spazierengehen schon erfroren war.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Joseph Zoderer ist auf Fotos meist mit einem schwarzen Hut abgebildet und gilt als einer der bekanntesten S\u00fcdtirolerautoren. 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